Als Franziskus, Sohn von Pietro Bernadone und Donna Pieca, im Jahre 1182 in Assisi geboren wurde, war es ihm vorausbestimmt, eines Tages das erfolgreiche Tuchgeschäft seines Vaters zu erben und somit fortzuführen. Seine Familie war wohlhabend und so ermöglichten die finanziellen Mittel des väterlichen Hauses Franziskus eine sorglose, freuden- und genussreiche Jugendzeit. Alles schien seinen bürgerlichen Weg zu nehmen. Und dennoch entschied er sich eines Tages, ein völlig anderes Leben führen zu wollen, welches sich nicht nur von seinen bisherigen familiären Verhältnissen abwendete, sondern im ganzen, auf die damalige Gesellschaft bezogen, etwas Besonderes darstellte. Dieser neue Lebensstil war durch strenge Armut, Friedenseifer, Liebe zum Nächsten, und handlungsbewusste Frömmigkeit gekennzeichnet.
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Indem er sich vom bürgerlichen Leben verabschiedete, wandte er sich intensiv dem für viele nebensächlich Erscheinenden hin, unter anderem auch der Natur mit all ihren Elementen und Geschöpfen.
In diesem Aufsatz soll nun genau dieses Verhältnis, das zwischen Franziskus und der Natur, herausgearbeitet werden. Wie nahm Franziskus die Natur wahr und welches Naturverständnis liegt dem zugrunde? Wie war seine Beziehung zu den Tieren und Pflanzen? Worin unterschied er sich von seinen Mitmenschen und welche Personen haben ihn in seinem Verständnis geprägt? Und warum war das Naturverständnis des Franziskus so besonders, so das er von Johannes Paul II. zum Patron des Umweltschutzes ernannt wurde? Franziskus war keineswegs der erste Christenmensch, der einen besonderen Umgang mit der Natur pflegte. Insbesondere die ersten Eremiten, wie Paulus von Theben oder Antonius der Grosse, welcher oft als der erste Mönch bezeichnet wird, waren unter anderem aufgrund ihrer Nähe zur Natur bekannt. Von Antonius wird uns von seinem Biograph Athanasius berichtet, dass er stets bemüht war, mit den Tieren in der Wüste in Frieden zu leben. Nachdem einige Tiere seinen Garten ruiniert hatten, wandte er sich enttäuscht an diese, um sie zu ermahnen. Und von Paulus wird uns überliefert, dass er einen Raben als Freund hatte, der ihm jeden Tag ein halbes Brot brachte. Auch die Wandermönche im 7. und 8 Jahrhundert, vornehmlich die irischen und englischen, haben viel Zeit im Einklang mit der Natur verbracht. Doch worin unterschied sich Franziskus von diesen in seiner Sicht zur Natur? Was machte ihn so einzigartig? Oder war er das gar nicht?
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Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1.0. Das Naturverständnis von Franziskus
1.1. Das Naturverständnis in den Legenden
1.2. Der Sonnengesang
2.0. Franziskus der Umweltschützer
3.0. Zusammenfassungen
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht das besondere Naturverständnis des heiligen Franz von Assisi und analysiert, inwiefern seine Beziehung zur Schöpfung als Grundlage für sein Handeln und sein späteres Wirken als Patron des Umweltschutzes dient. Es wird der Frage nachgegangen, wie Franziskus die Natur wahrnahm, ob seine Tierbeziehungen eine religiöse oder ethische Komponente besaßen und warum sein Ansatz in der heutigen ökologischen Debatte als wegweisend betrachtet wird.
- Rekonstruktion des Naturverständnisses durch biographische Legenden und den Sonnengesang.
- Analyse der Beseelung der Natur und der damit verbundenen Gleichstellung aller Geschöpfe.
- Untersuchung des Verhältnisses von Mensch, Tier und göttlicher Schöpfung bei Franziskus.
- Einordnung der historischen Person Franziskus als Vorbild für zeitgenössisches ökologisches Handeln.
Auszug aus dem Buch
1.1. Das Naturverhältnis in den Legenden
Nach den Legenden vertrat Franziskus die Auffassung, dass die komplette Natur, seien es Tiere, Pflanzen, Steine oder Elemente, wie Feuer und Wasser, beseelt sind und genau wie die Menschen zur Erlösung bestimmt sind.
Cumque florum copiam inveniret, ita praedicabat eis et ad laudem eos dominicam invitabat ac si ratione vigerent.
Sic et segetes et vineas, lapides et silvas et omnia speciosa camporum, irrigua fontium et hortorum virentia quaeque, terram et ignem, aerem et ventum sincerissima puritate ad divinum monebat amorem et libens obsequium hortabatur Omnes denique creaturas fraterno nomine nuncupabat, et modo praecellenti atque caeteris inexperto, creaturarum occulta cordis acie decernebat, utpote qui iam evaserat in libertatem gloriae filiorum Dei.
Feld erkennt in der gegebenen Deutung des Celano die Eschatologie des Paulus wieder, wie sie im 8.Kapitel des Römerbriefs steht und hat keinerlei Zweifel an der Richtigkeit dieser Deutung. Demnach ist die gesamte Schöpfung in die Erlösung mit einbezogen. Sie wartet darauf Teil der freien Welt zu werden, wie es die Kinder Gottes verspüren und somit die Knechtschaft des Irdischen abzulegen.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Wandlung des jungen Franziskus vom bürgerlichen Kaufmannssohn zum Eremiten und stellt die zentrale Forschungsfrage nach seinem besonderen Verhältnis zur Natur.
1.0. Das Naturverständnis von Franziskus: Dieses Kapitel erläutert, dass das Naturverständnis von Franziskus auf einem festen, religiösen Weltbild beruht, das sich nicht in bloßer Schwärmerei erschöpft, sondern in konkreten Handlungen Ausdruck findet.
1.1. Das Naturverhältnis in den Legenden: Hier wird analysiert, wie die Legenden das Bild einer beseelten Natur zeichnen, in der alle Geschöpfe als Brüder und Schwestern ohne hierarchische Unterschiede betrachtet werden.
1.2. Der Sonnengesang: Dieses Kapitel betrachtet das einzige literarische Werk von Franziskus selbst und untersucht, inwieweit es als authentisches Zeugnis seines Naturverständnisses und seiner Lobpreisung Gottes dient.
2.0. Franziskus der Umweltschützer: Die Arbeit diskutiert die heutige Bedeutung von Franziskus als Patron des Umweltschutzes und reflektiert seine Haltung zur Bewahrung der Schöpfung angesichts aktueller ökologischer Herausforderungen.
3.0. Zusammenfassungen: Das abschließende Kapitel resümiert die Relevanz des franziskanischen Lebensstils als zeitloses Beispiel für einen respektvollen und friedlichen Umgang mit der Natur.
Schlüsselwörter
Franz von Assisi, Naturverständnis, Schöpfung, Beseelung, Sonnengesang, Thomas von Celano, Umweltschutz, Franziskaner, Legenden, Religiöse Ehrfurcht, Ökologie, Tierethik, Gottesgüte, Mittelalter, Spiritualität
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Beziehung zwischen Franziskus von Assisi und der Natur sowie der Frage, wie sein spirituelles Naturverständnis sein Handeln und sein Wirken prägte.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Zentrum stehen die Interpretation der franziskanischen Legenden, der Sonnengesang als literarisches Hauptzeugnis und die Bedeutung von Franziskus als heutiges Vorbild für den Umweltschutz.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, das Naturverständnis des Franziskus wissenschaftlich zu rekonstruieren und zu prüfen, ob es sich dabei um eine konsistente, religiös motivierte Haltung handelt.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Der Autor nutzt primär eine quellenkritische Analyse der biographischen Schriften (insbesondere die Legenden des Thomas von Celano) und setzt diese in den historischen Kontext des 13. Jahrhunderts.
Welche Aspekte werden im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die Interpretation von Tiergeschichten, die Rolle der Beseelung der Natur sowie die inhaltliche und entstehungsgeschichtliche Analyse des Sonnengesangs.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Schöpfungsglaube, Naturmystik, religiöse Ehrfurcht, franziskanische Spiritualität und der Bezug zur zeitgenössischen ökologischen Ethik.
Warum wird Franziskus heute als Patron des Umweltschutzes bezeichnet?
Dies beruht auf seinem radikalen Respekt vor allen Geschöpfen als Ebenbilder Gottes, der ihn dazu bewegte, die Natur als schützenswertes Gut und Spiegel der göttlichen Güte zu behandeln.
Wie unterscheidet sich die Sicht des Franziskus von der seiner Zeitgenossen?
Im Gegensatz zu vielen Zeitgenossen, die die Welt teils dualistisch oder materiell betrachteten, sah Franziskus in allen Dingen eine unergründliche Güte Gottes, was seine friedfertige Haltung gegenüber der Schöpfung begründete.
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- Peter Ameis (Author), 2005, Franz von Assisi und die Natur, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/47422