Die Durchführung der Unterrichtsreihe basiert auf dem Lehrplan für die gymnasiale Oberstufe des Landes Hessen für das Fach Deutsch. Demnach sollen die SuS der 11. Klasse u. a. ein zeitgenössisches episches Werk lesen, das dem Themenkomplex „Lebensentwürfe“ gerecht wird und Themen aufgreift, die Identifizierungspotential besitzen.2 Dieser Vorgabe entspricht der Roman „Der Vorleser“, da hier Themen wie Erwachsenwerden, Ablösung vom Elternhaus, Liebe und Sexualität aus der Perspektive eines Gleichaltrigen behandelt werden. Gerade die psychologischen Dimensionen der zwischenmenschlichen Beziehung und die moralischen Fragen, mit denen Michael konfrontiert wird, machen das Buch für Jugendliche interessant.
Mit Bezug auf den Lehrplan sollen die SuS in der Einführungsphase die Fähigkeit entwickeln, schriftlich und mündlich strukturiert zu formulieren, Sachverhalte deutlich zu beschreiben und begründet zu argumentieren.3 Hierbei sind die Textanalyse, das Darstellen komplexer Sachverhalte und die kommunikative Kompetenz besonders in den Fokus zu nehmen.4 Für die Examensstunde ist es notwendig, dass sich die Lernenden für die Textbestandteile ihres Plakats zielgerichtet Informationen aus der Lektüre ziehen und diese strukturiert in einem Ergebnisprotokoll dokumentieren. Im Anschluss sollen sie die Textelemente nach bestimmten Vorgaben übersichtlich auf ein Plakat übertragen und zusammen mit Bildelementen graphisch verarbeiten, was dem Arbeitsbereich „Umgang mit Texten“ und „Schreiben“ zugeordnet werden kann. Auch die für die Stunde vorbereitete Hausaufgabe ist hier einzuordnen, da die SuS dafür verschiedene Textstellen lesen, diese auf einen bestimmten Aspekt hin analysieren und ihre Ergebnisse dazu stichwortartig festhalten.
Inhaltsverzeichnis
1. Analyse der Lehr- und Lernbedingungen
2. Kompetenzorientierte Planung der Stunde
2.1 Bezug zum Lehrplan
2.2 Kompetenzen zur thematischen Einheit und zur Unterrichtsstunde
3. Sachüberlegungen
4. Didaktisch-methodische Entscheidungen
4.1 Didaktisch-methodische Überlegungen zur Unterrichtsstunde
4.2 Verlaufsskizze
5. Strukturplan der Unterrichtsreihe
Zielsetzung & Themen
Das primäre Ziel dieser Unterrichtsstunde ist die vertiefende Analyse der komplexen Liebesbeziehung zwischen den Protagonisten Michael und Hanna im Roman „Der Vorleser“ von Bernhard Schlink, wobei der Fokus auf der Entwicklung dieser Beziehung über verschiedene Phasen hinweg sowie deren langfristigen Auswirkungen auf Michaels Lebensführung liegt.
- Phasenanalyse der Beziehung zwischen Michael und Hanna anhand von Textauszügen
- Entwicklung und Präsentation von strukturierten Plakaten zur Visualisierung der Beziehungsetappen
- Untersuchung des Einflusses der Beziehung auf Michaels private und berufliche Entwicklung
- Kritische Reflexion und Positionierung zu interpretativen Aussagen mittels einer „Meinungslinie“
Auszug aus dem Buch
3. Sachüberlegungen
Ein wichtiges Thema innerhalb des Romans ist die Entwicklung des Verhältnisses zwischen Michael und Hanna im Verlauf von Michaels Leben. Zu Beginn (Februar 1959) sind beide glücklich und aufeinander fixiert, wobei die sexuelle Komponente zwischen den beiden dominiert. Michael ist der 21 Jahre älteren Hanna unterlegen. Sie bestimmt die Regeln: „Vorlesen, duschen, lieben und noch ein bisschen beieinanderliegen“. Bereits hier wird sichtbar, dass Hanna sich bei Meinungsverschiedenheiten durchsetzt und Michael stets nachgibt, um sie nicht zu verlieren. Als Hanna Ostern 1959 eine gemeinsame Situation missversteht und sich verlassen glaubt, kommt es zu einem großen Streit, bei dem sie Michael sogar mit dem Gürtel ins Gesicht schlägt. Auch hier verzeiht er ihr wieder. Im weiteren Verlauf wird Michael selbstbewusster, distanziert sich von ihr und trifft sich häufiger mit seinen Freunden.
Hierbei sieht er sie im Sommer 1959 zum letzten Mal im Schwimmbad. Jedoch ignoriert er sie vor seinen Freunden, verleugnet die Beziehung und reagiert geschockt, als sie plötzlich verschwunden ist. Zwar realisiert er: „Wir hatten keine gemeinsame Lebenswelt, sondern sie gab mir den Platz in ihrem Leben, den sie mir geben wollte“, doch bricht eine Welt für ihn zusammen. In den nächsten Jahren verlieren sich beide aus den Augen. Erst im Frühjahr 1966 sieht Michael sie wieder im Gericht. Alte Bilder kommen hoch. Michael steht neben sich, beobachtet Hanna von hinten und erinnert sich, wie er sie an bestimmten Stellen geküsst hat. Er will sie verurteilen, jedoch auch verstehen, da „sie nicht zu verstehen, bedeutet, sie wieder zu verraten“.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Analyse der Lehr- und Lernbedingungen: Darstellung der Ausgangslage der Klasse 11/1, inklusive ihrer Leistungsstärke, Sozialkompetenz und methodischen Vorerfahrungen im Fach Deutsch.
2. Kompetenzorientierte Planung der Stunde: Verortung der Unterrichtseinheit im hessischen Lehrplan sowie Definition der angestrebten Fach-, Methoden-, Sozial- und Personalkompetenzen.
3. Sachüberlegungen: Analyse der Beziehungsentwicklung zwischen Michael und Hanna und deren weitreichende Konsequenzen für Michaels Identitätsfindung und Berufsleben.
4. Didaktisch-methodische Entscheidungen: Begründung der methodischen Vorgehensweise, wie der Einsatz von Partnerschaftstests, Gruppenarbeit zur Plakatgestaltung und die „Meinungslinie“ zur Reflexion.
5. Strukturplan der Unterrichtsreihe: Chronologischer Überblick über die gesamte Unterrichtsreihe zum Roman „Der Vorleser“, von der ersten Einführung bis hin zur abschließenden Klassenarbeit.
Schlüsselwörter
Der Vorleser, Bernhard Schlink, Michael Berg, Hanna Schmitz, Beziehungsanalyse, Liebesbeziehung, NS-Verbrechen, Holocaust, Identitätsentwicklung, Literaturunterricht, gymnasiale Oberstufe, Textanalyse, handlungsorientierter Unterricht, Schuldfrage, Adoleszenz
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dem vorliegenden Unterrichtsentwurf grundsätzlich?
Der Entwurf beschreibt die Planung einer Prüfungslehrprobe im Fach Deutsch für das berufliche Gymnasium, die sich mit dem Roman „Der Vorleser“ von Bernhard Schlink befasst.
Was sind die zentralen Themenfelder der Unterrichtsstunde?
Im Zentrum steht die Analyse des Beziehungsverlaufs zwischen den Protagonisten Michael und Hanna sowie die Untersuchung des Einflusses dieser Beziehung auf Michaels Privat- und Berufsleben.
Was ist das primäre Ziel der Stunde?
Ziel ist es, dass die Schülerinnen und Schüler die Phasen der Beziehung differenziert charakterisieren, diese visualisieren und kritisch reflektieren, inwieweit die Beziehung Michaels Entwicklung nachhaltig geprägt hat.
Welche wissenschaftliche Methode wird im Unterricht verwendet?
Es kommen vorwiegend produktions- und handlungsorientierte Methoden zum Einsatz, darunter arbeitsteilige Gruppenarbeit, die Erstellung von Plakaten sowie eine diskursive „Meinungslinie“.
Was wird im Hauptteil des Dokuments behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Lernvoraussetzungen, die fachliche Einordnung und Zielsetzung der Stunde, die Sachanalyse der Romanbeziehung sowie detaillierte didaktisch-methodische Überlegungen zur Durchführung.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Textanalyse, Beziehungsdynamik, Schuld, Identitätsfindung und handlungsorientierte Didaktik.
Warum wurde für den Einstieg ein Partnerschaftstest gewählt?
Der Test dient als motivierender Impuls, um die Lernenden aus der Perspektive der Romanfiguren mit den Gegensätzen und der „leidenschaftlichen“ Natur ihrer Beziehung vertraut zu machen.
Welche Rolle spielt die „Meinungslinie“ am Ende der Stunde?
Die Meinungslinie dient der Reflexion und Förderung der Diskursfähigkeit, indem die Lernenden ihre Positionen zu kontroversen Aussagen aus Amazon-Rezensionen über das Buch begründet darlegen.
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- M. Sc. Lorraine Möller (Autor:in), 2017, Unterrichtsentwurf zur Prüfungslehrprobe. Bernhard Schlinks Roman "Der Vorleser", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/474274