Dieser Unterrichtsentwurf beschäftigt sich im Rahmen von Goethes Text "Die Leiden des jungen Werthers" mit der Frage, ob der Selbstmord des Werthers vermeidbar gewesen wäre. Die Durchführung der Unterrichtsreihe basiert auf dem Lehrplan für die gymnasiale Oberstufe des Landes Hessen für das Fach Deutsch. Demnach sollen die SuS der Klassenstufe 11 ein episches Werk aus dem Sturm und Drang lesen, das exemplarischen Charakter für die Epoche hat. Hierzu wurde sich im Rahmen der Fachkonferenz Deutsch auf den Roman "Die Leiden des jungen Werthers" von Goethe verständigt.
Der Schwerpunkt der Unterrichtsreihe lag bis zur Klassenarbeit zunächst auf dem Verfassen von Inhaltsagaben und der Textanalyse, da die SuS zunächst dazu befähigt werden sollen, literarische Texte analytisch zu erschließen und zu interpretieren. Die Wochen nach der Klassenarbeit können nun genutzt werden, um handlungs- und produktionsorientierten Methoden aktiven Raum im Unterrichtsgeschehen zu geben. Dies geschah bereits mit dem Erstellen von Steckbriefen, einem Rollenspiel zum Streitgespräch zwischen Albert und Werther und dem Verfassen eines Briefes an Wilhelm, zu dem die SuS in dieser Unterrichtsstunde den Antwortbrief verfassen.
Inhaltsverzeichnis
1. Analyse der Lehr- und Lernbedingungen
2. Curriculare Einordnung der Stunde und didaktische Begründung
2.1 Bezug zum Lehrplan und zur Prüfungsordnung der Schulform
2.2 Sachüberlegungen
2.3 Erwartungshorizont (inhaltlich)
3. Didaktisch-methodische Überlegungen und Entscheidungen
3.1 Didaktisch-methodische Überlegungen
3.2 Verlaufsskizze
4. Angestrebte Kompetenzziele
4.1 Ziele der Unterrichtsreihe
4.2 Ziele der heutigen Stunde
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Unterrichtsstunde zielt darauf ab, die Schülerinnen und Schüler dazu zu befähigen, Werthers Suizid im Kontext des Romans kritisch zu reflektieren, Handlungsalternativen zu entwickeln und die heutige Relevanz der Thematik Liebeskummer und Suizid kritisch zu hinterfragen.
- Analyse der Suizidgefährdung Werthers nach modernen Kriterien
- Produktive Schreibaufgabe: Verfassen eines beratenden Antwortbriefes aus Wilhelms Perspektive
- Diskussion über die Unausweichlichkeit des Selbstmords im Kontext des Sturm und Drang
- Reflexion der Aktualität der Romanproblematik
Auszug aus dem Buch
Textgrundlage (gekürzt):
Am 3. November 1772 schreibt Werther an Wilhelm:
Weiß Gott, ich lege mich so oft zu Bette mit dem Wunsche, ja, nicht wieder zu erwachen, und morgens schlag ich die Augen auf, sehe die Sonne wieder und bin elend. O dass ich launisch sein könnte, könnte die Schuld aufs Wetter, auf einen Dritten, auf eine fehlgeschlagene Unternehmung schieben; so würde die unerträgliche Last doch nur halb auf mir ruhen. Weh mir, ich fühle zu wahr, dass in mir allein alle Schuld liegt! Genug, dass in mir die Quelle allen Elends verborgen ist, wie es ehemals die Quelle aller Seligkeiten war. Bin ich nicht noch eben derselbe, dem auf jedem Tritt ein Paradies folgte, der ein Herz hatte, eine ganze Welt liebevoll zu umfassen. Und das Herz ist jetzt tot, aus ihm fließen keine Entzückungen mehr, meine Augen sind trocken und meine Sinne, die nicht mehr vor erquickenden Tränen gelabt werden, ziehen ängstlich meine Stirn zusammen. Ich leide viel, denn ich habe verloren, was meines Lebens einzige Wonne war, die heilige belebende Kraft, mit der ich Welten um mich schuf. Sie ist dahin!
Zusammenfassung der Kapitel
1. Analyse der Lehr- und Lernbedingungen: Darstellung der Ausgangslage der Klasse 11/1, ihrer Motivation, Vorkenntnisse und der methodischen Präferenzen im Fach Deutsch.
2. Curriculare Einordnung der Stunde und didaktische Begründung: Begründung der Stundenplanung basierend auf dem Lehrplan der gymnasialen Oberstufe in Hessen sowie fachliche Einordnung der Romanproblematik.
3. Didaktisch-methodische Überlegungen und Entscheidungen: Erläuterung der gewählten produktiven Methoden, der Prozessgestaltung der Stunde sowie detaillierte Verlaufsplanung.
4. Angestrebte Kompetenzziele: Definition der fachlichen, methodischen, sozialen und personalen Kompetenzen, die durch die Unterrichtsreihe und die konkrete Stunde bei den SuS gefördert werden sollen.
Schlüsselwörter
Die Leiden des jungen Werthers, Sturm und Drang, J. W. v. Goethe, Suizidprävention, produktive Methoden, Briefroman, Liebeskummer, Unterrichtsentwurf, gymnasiale Oberstufe, Schreibaufgabe, Literaturdidaktik, Handlungsalternativen, Textanalyse, Werther, Wilhelm.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in diesem Unterrichtsentwurf?
Die Arbeit skizziert eine Unterrichtsstunde im Fach Deutsch für ein berufliches Gymnasium, in der die SuS sich intensiv mit den Suizidgedanken der Hauptfigur Werther aus Goethes Briefroman auseinandersetzen.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Schwerpunkte liegen auf der Analyse der Suizidgefährdung, der Erarbeitung von Handlungsalternativen bei Krisen sowie der Diskussion der Epoche Sturm und Drang im Kontrast zu modernen Perspektiven.
Was ist die zentrale Forschungsfrage oder das Ziel?
Das primäre Ziel ist es, Werthers Selbstmord als vermeidbar oder unvermeidbar zu diskutieren und dabei ein Bewusstsein für Handlungsspielräume bei persönlichen Krisen zu schaffen.
Welche wissenschaftlichen Methoden kommen zum Einsatz?
Es werden produktive und handlungsorientierte Verfahren wie das Schreiben aus der Perspektive einer Romanfigur (Briefschreiben) und die Arbeit mit Beurteilungskriterien angewendet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil liegt der Fokus auf der Anwendung von Diagnosekriterien für Suizidgefährdung auf Werthers Briefe und dem Verfassen eines beratenden Antwortbriefes durch die SuS.
Welche Kompetenzen sollen durch die Arbeit vermittelt werden?
Die Arbeit zielt auf die Förderung von Fachkompetenz in der Textinterpretation sowie Methodenkompetenz bei der Textproduktion und Sozialkompetenz durch konstruktives Feedback.
Warum wird im Unterricht mit einem modernen Flyer zur Suizidprävention gearbeitet?
Dies dient dazu, die SuS zu befähigen, Werthers Verzweiflung mit heutigen fachlichen Standards für Suizidgefährdung abzugleichen und so die Figur in ihrem Kontext besser zu verstehen.
Welche Rolle spielt die Punktabfrage zu Beginn der Stunde?
Die Punktabfrage dient als aktivierende Methode, um ein Meinungsbild zur Unausweichlichkeit von Werthers Suizid zu erzeugen, das im weiteren Verlauf der Stunde diskutiert werden kann.
- Arbeit zitieren
- Lorraine Möller (Autor:in), 2016, Lehrprobe zu Goethes "Die Leiden des jungen Werthers". Wäre der Selbstmord vermeidbar gewesen? (11. Klasse Deutsch), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/474315