Um „Turnvater“ Friedrich Ludwig Jahn und die Geschichte der Turnbewegung, Publikationen des ÖTB, die Verbindungen des Turnerbundes zur rechten Szene, über Traditionen, Symbolik und Sprache des ÖTB, die Ideologiediskussionen innerhalb des ÖTB und um seine Bedeutung geht es in dieser Arbeit.
Inhaltsverzeichnis
1) Friedrich Ludwig Jahn und die Geschichte der Turnbewegung
2)Publikationen des ÖTB
3) Verbindungen des ÖTB zur rechten Szene
4) Traditionen, Symbolik und Sprache des ÖTB
5) Ideologiediskussion innerhalb des ÖTB
6) Bedeutung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht kritisch die ideologischen Grundlagen, die historische Kontinuität sowie die aktuellen politischen Verbindungen des Österreichischen Turnerbundes (ÖTB) und analysiert, inwiefern der Verband in rechtsextreme und deutschnationale Strukturen eingebunden ist.
- Historische Wurzeln des Turnwesens nach Friedrich Ludwig Jahn
- Publikationspraxis und ideologische Beeinflussung durch "Dietwarte"
- Interne Verflechtungen mit Burschenschaften und der FPÖ
- Symbolik, Sprachgebrauch und Traditionspflege als Identitätsmerkmale
- Die gesellschaftliche Bedeutung des ÖTB und öffentliche Proteste
Auszug aus dem Buch
1)4) Rassismus
Über Jahn, den Wortführer eines “natürlichen Volksbegriffes” heißt es in einer Lobschrift von 1928:
Eine Veredelung des V o l k s g e f ü h l s erwartet Jahn von einer entsprechenden Pflege der Volkstracht und der Volksfeste, sowie von der Einrichtung von Ehrenbegräbnissen und Volkstumsdenkmälern. Seinen Ausführungen schickt er auch in diesem Zusammenhang voraus die allgemeine eindringliche Mahnung, “alle Ausländerei zu verbannen”. Fußnote: Das ist das große Generalthema, das immerwährend durch Jahns Schriften sich hindurchzieht: “Unheil, Unglück, Schmach, Schande, Elend, Fluch, Verderben und Tod über jeden Mann in jedem Volk, der vom Ausland das Heil und den Heiland erwartet.”
Wenn sich der Turnvater als Vater des Umvolkungsbegriffes betätigt, liest sich das so: “Mischlinge von Tieren haben keine echte Fortpflanzungskraft und ebensowenig Blendlingsvölker ein eigenes volkstümliches Fortleben (...) Wer die Edelvölker der Erde in eine einzige Herde zu bringen trachtet, ist in Gefahr, bald über den verächtlichsten Auskehricht des Menschengeschlechts zu herrschen. (...) Je reiner ein Volk, je besser; je vermischter, je bandenmäßiger. (...) Mangvölker (vermischte Völker, d.V.) fühlen ewig die Nachwehen, die Sünde der Blutschande und Blutschuld verfolgt sie, und unruhig sind sie immerdar auch noch bis ins tausendste Glied. (...) Mangvölker und Mangsprachen müssen vernichten oder vernichtet werden.”
Deutlich läßt sich nachweisen, wie Jahn alle anderen Werte aus dem Bereich der Natur und des Geistes, aus dem religiösen, kulturellen oder staatlich-gesellschaftlichen Leben diesem rassistisch begründeten Volkstumsbegriff unterordnet.
Zusammenfassung der Kapitel
1) Friedrich Ludwig Jahn und die Geschichte der Turnbewegung: Dieses Kapitel zeichnet die ideologischen Ursprünge des Turnwesens nach, wobei der Fokus auf den völkischen, rassistischen und frauenfeindlichen Vorstellungen Friedrich Ludwig Jahns und deren Einfluss auf die Turnbewegung liegt.
2)Publikationen des ÖTB: Hier wird anhand der Verbandszeitschriften analysiert, wie nationalsozialistisches Gedankengut, Geschichtsrevisionismus und Ablehnung einer eigenständigen österreichischen Identität über Jahrzehnte hinweg verbreitet wurden.
3) Verbindungen des ÖTB zur rechten Szene: Das Kapitel beleuchtet die personellen und institutionellen Überschneidungen des ÖTB mit schlagenden Burschenschaften, der FPÖ sowie rechtsextremen Individuen und Organisationen.
4) Traditionen, Symbolik und Sprache des ÖTB: Die Untersuchung zeigt, wie der ÖTB durch die Verwendung spezieller Symbolik, "germanischer" Zeitrechnungen und einer bewussten Wortwahl an vorbelastete Traditionen anknüpft und diese im Verbandsalltag fortführt.
5) Ideologiediskussion innerhalb des ÖTB: Diese Sektion behandelt das Spannungsfeld zwischen der proklamierten Distanzierung von Extremismus und der faktischen Kontinuität zum "Jahnschen Turnen" innerhalb der ÖTB-Statuten.
6) Bedeutung: Abschließend wird die aktuelle gesellschaftliche Rolle des Verbandes betrachtet, insbesondere seine Monopolstellung im lokalen Sport und die fortwährende Akzeptanz durch Teile der etablierten Politik trotz kritischer Dokumentationen über seine rechtsextreme Ausrichtung.
Schlüsselwörter
Österreichischer Turnerbund, ÖTB, Friedrich Ludwig Jahn, Deutschnationalismus, Rechtsextremismus, Völkisches Denken, Antisemitismus, Burschenschaften, FPÖ, Geschichtsrevisionismus, Dietwesen, Rassismus, NS-Wiederbetätigung, Traditionsfahne, Politische Ideologie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert kritisch die ideologische Ausrichtung und die politische Verortung des Österreichischen Turnerbundes (ÖTB) im Kontext des Rechtsextremismus und des Deutschnationalismus.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Schwerpunkte liegen auf der historischen Herleitung der Turnerbewegung durch Friedrich Ludwig Jahn, der Analyse der Verbandspublikationen, den Verbindungen zu rechtsextremen Milieus sowie der fortgesetzten Pflege belasteter Traditionen und Symbole.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, den Widerspruch zwischen der offiziellen Distanzierung des Verbandes von Extremismus und der realen, kontinuierlichen Ideologieverbreitung und Vernetzung mit dem rechten Spektrum aufzudecken.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit basiert auf einer tiefgehenden Quellenanalyse von Verbandsunterlagen, Publikationen des ÖTB, historischen Dokumenten, Gerichtsurteilen sowie der Auswertung einschlägiger wissenschaftlicher Literatur zum Thema Rechtsextremismus.
Welche inhaltlichen Schwerpunkte bilden den Hauptteil?
Im Hauptteil werden neben den publizistischen Inhalten vor allem die personellen Verflechtungen mit Burschenschaften und der FPÖ sowie die spezifische Symbolik und Sprache des Verbandes detailliert untersucht.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Zentrale Begriffe sind Deutschnationalismus, Ideologiekritik, Rechtsextremismus, historische Kontinuität und politische Vernetzung.
Wie geht der ÖTB mit dem Vorwurf des Rechtsextremismus um?
Der ÖTB betont in offiziellen Schreiben und Leitsätzen die Ablehnung jeglichen Extremismus, distanziert sich von der NS-Zeit und beruft sich auf den Status eines rein sportorientierten Verbandes, während interne Publikationen und Kontakte oft das Gegenteil nahelegen.
Welche Rolle spielen die "Dietwarte" im ÖTB?
Dietwarte fungieren als ideologische Schulungsleiter des Verbandes. Ihre Aufgabe ist die Bewusstseinsbildung im Sinne der völkisch-deutschen Ideologie des ÖTB und die Erziehung zu einem entsprechenden Weltbild.
Warum ist die Analyse der "4F"-Symbolik relevant?
Die Anordnung der Buchstaben "Frisch, fromm, fröhlich, frei" wird oft in einer Weise genutzt, die an verbotene NS-Symbole erinnert. Der ÖTB verteidigt diese Form als historisch älter, während Kritiker darin ein bewusstes Signal für eine rechtsextreme Gesinnung sehen.
- Quote paper
- Karin Lederer (Author), 1997, Der österreichische Turnerbund im Nationalsozialismus, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/47431