Einerseits beziehe ich mich auf die Geschichte der Frauenforschung und deren Umgang mit dem Gedenken an Frauen und ihre Handlungen und Haltungen im Nationalsozialismus. Andererseits befasse ich mich mit dem Alltagsdiskurs der Mehrheit in der TäterInnengesellschaft in Österreich und Deutschland.
Inhaltsverzeichnis
1. Vorwort
2. Frauenforschung
2.1. Frauen und Nationalsozialismus: Eine schwierige Debatte über (Mit-)Täterinnenschaft
2.2. Einschub: Über die Schwierigkeit, Täterinnen zu interviewen
3. Gedenken im Alltagsdiskurs als Ausdruck des historischen, politischen und persönlichen Selbstverständnisses
3.1. Gedenken in Österreich
3.2. Unterschiede zwischen Männern und Frauen im Erinnern/Gedenken bzw. Vergessen/Verdrängen
3.3. Fallbeispiel „Jenseits des Krieges“
3.4. Fallbeispiel Gertrud Scholtz-Klink
3.5. Fallbeispiel „Faszination Nationalsozialismus“
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle von Frauen im Kontext des Nationalsozialismus sowie deren Gedenkkultur in Österreich. Ziel ist es, die wissenschaftliche Debatte zur (Mit-)Täterinnenschaft von Frauen aufzuarbeiten und mittels oral-history-Forschung sowie Alltagsdiskursanalysen aufzuzeigen, wie Verdrängungsprozesse und Identitätskonstruktionen das heutige Gedenken prägen.
- Feministische Perspektiven auf NS-Frauengeschichte und Mittäterinnenschaft
- Die Schwierigkeit der oral-history-Forschung mit (ehemaligen) Nationalsozialistinnen
- Strukturen des österreichischen Gedenkens und die Wirkmacht des Opfermythos
- Geschlechtsspezifische Unterschiede und Gemeinsamkeiten bei der Vergangenheitsbewältigung
Auszug aus dem Buch
2.2. Einschub: Über die Schwierigkeit, Täterinnen zu interviewen
Für die Frauenforschung, die sich mit der NS-Zeit beschäftigt, ist es zum Teil notwendig und spannend, oral history - Forschung zu betreiben. Ina Paul-Horn (auf deren Arbeiten später eingegangen wird) zitiert dazu Adorno: Man solle doch die Nationalsozialisten fragen, wenn man den Nationalsozialismus verstehen wolle. Dieser Vorschlag habe kaum an Gültigkeit verloren und solle auch auf die Nationalsozialistinnen angewandt werden. Die Methode, lediglich über Frauen zu sprechen aber nicht mit ihnen, birgt außerdem die Gefahr der Ver-Objektivierung.
Der Anspruch von Claudia Koonz: Wer Geschichtsforschung anhand mündlicher Quellen betreibt, muß neutral und wertfrei an die Sache herangehen, um die ganze Wahrheit zu erfahren, ist hierbei nicht immer leicht zu bewältigen, falls er überhaupt mehr als ein positivistisches Wunschdenken ist. Sie selbst kann sich bei ihrem Interview mit der ehemaligen Reichsfrauenführerin Scholtz-Klink kaum beherrschen, als diese von Hitler zu schwärmen beginnt: Ich unterdrücke meine einzige Reaktion, eine Phantasie: ihr Gesicht, das blau anlief, während sich ein Paar Hände um ihren Hals schlossen. Sie redete weiter. Ich trank meinen Tee in hastigen Schlucken.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Vorwort: Die Autorin betont die Bedeutung des Erinnerns als kritische Auseinandersetzung mit der politischen Kultur Österreichs und skizziert die methodische Ausrichtung der Arbeit.
2. Frauenforschung: Dieses Kapitel erörtert die Entwicklung der Debatte um (Mit-)Täterinnenschaft von Frauen im Nationalsozialismus und thematisiert methodische Herausforderungen bei Experteninterviews mit ehemaligen Nationalsozialistinnen.
3. Gedenken im Alltagsdiskurs als Ausdruck des historischen, politischen und persönlichen Selbstverständnisses: Hier wird analysiert, wie persönliche und nationale Vergangenheitskonstruktionen – insbesondere unter dem Einfluss des österreichischen Opfermythos – das Gedenken im Alltag prägen und durch verschiedene Fallbeispiele illustriert.
Schlüsselwörter
Nationalsozialismus, Mittäterinnenschaft, Gedenkkultur, Frauenforschung, Österreich, Opfermythos, Oral History, Vergangenheitsbewältigung, Identitätsstiftung, Antisemitismus, Geschlechterdifferenz, NS-Frauenorganisationen, Alltagsdiskurs, Täterinnengesellschaft, Shoa.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Gedenken von und an Frauen im Kontext des Nationalsozialismus, wobei besonders die Frage der weiblichen Beteiligung an den NS-Verbrechen und die damit verbundene Verdrängung im Zentrum stehen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Studie?
Die Schwerpunkte liegen auf der Frauenforschung zur NS-Zeit, der Analyse von Gedenkstrukturen in Österreich, der geschlechtsspezifischen Erinnerung und der methodischen Reflexion über Interviews mit (ehemaligen) Täterinnen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, die Dichotomie zwischen Opfer- und Täterrolle bei Frauen kritisch zu hinterfragen und zu beleuchten, wie gesellschaftliche und persönliche Mythen die Auseinandersetzung mit der NS-Erbschaft bis heute beeinflussen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer interdisziplinären Literaturanalyse sowie der Auswertung von oral-history-Quellen und Dokumentationen, um den Alltagsdiskurs zur NS-Zeit zu untersuchen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Aufarbeitung der Frauenforschung, die Untersuchung des österreichischen Gedenkalltags und die detaillierte Analyse von Fallbeispielen, wie dem Film „Jenseits des Krieges“ oder Interviews mit Gertrud Scholtz-Klink.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Mittäterinnenschaft, Gedenkkultur, Opfermythos, NS-Frauenforschung und die Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Vergangenheit.
Welche Rolle spielt der österreichische Opfermythos in der Arbeit?
Die Autorin arbeitet heraus, wie der Opfermythos als kollektives Identitätsmerkmal in Österreich dazu dient, Verantwortung abzuwehren und eine differenzierte Auseinandersetzung mit der TäterInnengesellschaft zu verhindern.
Wie gehen die Interviewerinnen in den Studien mit den rechtfertigenden Aussagen der Befragten um?
Die Autorin reflektiert kritisch, dass Interviewerinnen oft in einem schwierigen Spannungsfeld zwischen wissenschaftlicher Distanz und der Gefahr des „Nachgebens“ gegenüber rechtfertigenden oder antisemitischen Aussagen stehen.
- Quote paper
- Karin Lederer (Author), 1999, Frauen und ihre Handlungen und Haltungen im Nationalsozialismus, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/47433