Public Private Partnership(s) (PPP) als eine Form der Zusammenarbeit von Staat und Privatwirtscha ft kamen in den USA bereits in den 1940er Jahren zur Anwendung und haben sich seit den 1970er Jahren dort als ein essentieller Bestandteil der staatlichen Aufgabenerfüllung etabliert.1 Hierzulande begann diese Entwicklung erst Ende der 1970er Jahre, als erstmals öffentliche Verwaltungen in größerem Umfang Kooperationen mit Privaten eingingen. 2 Mittlerweile ist der öffentliche Sektor angesichts leerer Kassen einerseits gezwungen in seiner Aufgabenwahrnehmung neue Wege zu beschreiten, andererseits verschärft die EU-Wettbewerbskonzeption diesen Trend noch, indem sie unter dem Aspekt neuer Wettbewerbsstrategien Kooperationen, von öffentlicher Verwaltung und privater Wirtschaft, zur Umsetzung und Finanzierung verschiedener öffentlicher Projekte unumgänglich macht. Des Weiteren sollen PPPs dazu dienen, privatwirtschaftliche Managementkonzepte in die öffentliche Aufgabenbewältigung einzubringen, um für eine höhere Effizienz zu sorgen. 3
Im Rahmen dieser Arbeit soll über die aktuelle Diskussion und praktische Entwicklung von PPP in Deutschland ein Überblick verschafft werden. Dabei wird zu Beginn eine klare Begriffsabgrenzung gegenüber anderen Kooperationsformen von öffentlicher Hand und Privaten vorgenommen. Anschließend werden spezifische Anwendungsfelder bezeichnet, sowie die unterschiedlichen Motive von staatlichen und privaten Partnern bei der Umsetzung von PPP-Projekten aufgezeigt. Auf die Vorstellung einiger denkbarer Formen von PPP folgen einzelne Beispiele bereits realisierter Partnerschaften, sowie ein Wirtschaftlichkeitsvergleich von PPPs. Die Arbeit endet mit einer kritischen Betrachtung und einem Ausblick für die Zukunft von PPPs.
Inhaltsverzeichnis
1. Problemstellung und Gegenstand der Untersuchung
2. Begriffliche Abgrenzung
3. Anwendungsfelder
3.1 praktische Anwendungen
4. Motive für PPP
4.1 Motive des privaten Partners
4.2 Motive des öffentlichen Partners
5. Formen von PPP
5.1 Das Tauschmodell
5.2 Das Poolmodell
6. Beispiele bereits realisierter Projekte
6.1 Die Mülheimer Entsorgungs -GmbH
6.2 Der Herrentunnel Lübeck
6.3 Die PPP – Fazilität des BMZ
7. Wirtschaftlichkeitsvergleich
7.1 Ressourcenprinzipien
7.2 Transaktionskostentheorie
7.3 Lebenszykluskosten
8. Abschließende Beurteilung
8.1 Pro Public Private Partnership
8.2 Contra Public Private Partnership
8.3 Ausblick zur Entwicklung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit gibt einen Überblick über die aktuelle Diskussion und praktische Entwicklung von Public Private Partnerships (PPP) in Deutschland. Dabei wird untersucht, inwieweit PPP-Projekte als Instrument zur effizienten Aufgabenerfüllung in Zeiten knapper öffentlicher Kassen dienen können und welche Herausforderungen dabei entstehen.
- Grundlegende Begriffsabgrenzung von PPP gegenüber anderen Kooperationsformen
- Analyse der Motive sowohl staatlicher als auch privater Partner
- Darstellung verschiedener Organisationsmodelle (Tausch- vs. Poolmodell)
- Evaluation praktischer Beispiele aus den Bereichen Entsorgung und Infrastruktur
- Kritische Würdigung der Chancen und Risiken von PPP-Projekten
Auszug aus dem Buch
5.1 Das Tauschmodell
Im Wesentlichen fußt diese Art der Zusammenarbeit auf vertraglicher Basis zwischen dem öffentlichen Sektor und der Privatwirtschaft. Der gegenseitige Leistungsaustausch vollzieht sich über den Markt und kommt meistens im Rahmen von staatlichen Großprojekten oder Dienstleistungen zum Einsatz. Aufgrund der hohen Erscheinungsvielfalt sollen hier drei denkbare Konstellationen näher erläutert werden.
Variante 1 kennzeichnet sich dadurch, dass sich der Staat bei der Durchführung eines Projektes der Hilfe eines privaten Marktteilnehmers bedient, sich jedoch selbst der eigentlichen Aufgabenerfüllung gegenüber den Bürgern annimmt. Bei dieser Form der Zusammenarbeit kann nicht von einem dauerhaften gegenseitigem Vertragsverhältnis gesprochen werden, da es sich lediglich um eine begrenzte Ausführung seitens des Privatpartners handelt und die Kooperation nach Abschluss dieser Tätigkeit sofort endet.
Ebenfalls kommt es häufig vor, das beide Sektoren ausschließlich zu Finanzierungszwecken miteinander kooperieren. Dabei partizipiert der private Partner in keiner Weise an der Projekterstellung bzw. an der Aufgabenerfüllung. Vorstellbar sind hier die Finanzierung einzelner Projekte oder der Verkauf staatlicher Vermögensgegenstände.
Ein in den letzten Jahren immer stärker favorisiertes Modell ist das sog. Konzessionsmodell. Hierbei überträgt die öffentliche Hand Aufgaben die eigentlich in ihrem Tätigkeitsfeld liegen an private Unternehmen, die auf eigenes Risiko wirtschaftlichen Nutzen aus dem Projekt ziehen dürfen. Im Gegenzug zahlen die Unternehmen Konzessionsabgaben an den Hoheitsträger. Vor allem im Bau- und Dienstleistungsbereich finden sich derartige Konstellationen.
Tausch- oder Projekt-PPPs zeichnen sich neben der zeitlichen Befristung insbesondere durch ein hohes Maß an planerischer Unsicherheit aus. Oftmals bestehen zu Vertragsbeginn aufgrund der Komplexität der Struktur Probleme Risiken, Leistungen und Kosten exakt vorher zu bestimmen. Daher gilt besonders bei dieser Kooperationsform auf einen ständigen Anpassungs- und vertraulichen Kommunikationsprozess zu achten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Problemstellung und Gegenstand der Untersuchung: Einführung in die Historie von PPPs und Darlegung der Notwendigkeit für neue Wege in der öffentlichen Aufgabenwahrnehmung.
2. Begriffliche Abgrenzung: Definition von PPP als formale, vertraglich fixierte Interaktion zur Synergienutzung unter Abgrenzung zu weniger komplexen Kooperationen.
3. Anwendungsfelder: Aufzeigen vielfältiger Einsatzbereiche von Stadtentwicklung bis Sicherheit, illustriert durch Beispiele wie das NRW-Forum und Entsorgungsbetriebe.
4. Motive für PPP: Analyse der Interessenlage beider Seiten, wobei Planungssicherheit und Finanzierung für Private sowie Effizienzsteigerung für den Staat im Fokus stehen.
5. Formen von PPP: Differenzierung zwischen dem vertragsbasierten Tauschmodell (Projekt-PPP) und dem ressourcenorientierten Poolmodell (institutionelle PPP).
6. Beispiele bereits realisierter Projekte: Detaillierte Betrachtung der Mülheimer Entsorgungs-GmbH, des Herrentunnels Lübeck und der PPP-Fazilität des BMZ.
7. Wirtschaftlichkeitsvergleich: Vorstellung methodischer Ansätze wie dem dreisäuligen Vergleichsmodell, Ressourcenprinzipien, Transaktionskostentheorie und Lebenszykluskosten.
8. Abschließende Beurteilung: Zusammenfassende Abwägung von pro- und contra-Argumenten sowie ein Ausblick auf die zukünftige Bedeutung der PPP als Gewährleistungsmodell.
Schlüsselwörter
Public Private Partnership, PPP, öffentliche Verwaltung, Privatisierung, Infrastruktur, Wirtschaftlichkeit, Konzessionsmodell, Risikoverteilung, Transaktionskosten, Lebenszykluskosten, Haushaltskonsolidierung, Vertragsmanagement, Gewährleistungsstaat, Kooperation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit bietet einen Überblick über das Konzept von Public Private Partnerships (PPP) in Deutschland und analysiert deren theoretische Grundlagen sowie praktische Anwendungen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Arbeit behandelt die Definition von PPP, die verschiedenen Motive der Akteure, unterschiedliche Organisationsmodelle, Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen und eine kritische Auseinandersetzung mit der Projektrealisierung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie PPPs in Deutschland als Instrument für die effiziente Erfüllung öffentlicher Aufgaben genutzt werden und welche Vor- und Nachteile dabei entstehen.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Autoren nutzen eine Literaturanalyse, um theoretische Ansätze (wie die Transaktionskostentheorie) darzustellen, kombiniert mit einer Fallstudienanalyse von realisierten Projekten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung der Formen von PPP (Tausch- vs. Poolmodell), die Analyse konkreter Projekte sowie eine vertiefende wirtschaftliche Betrachtung der Sinnhaftigkeit von PPP-Kooperationen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie PPP, öffentliche Verwaltung, Wirtschaftlichkeit, Privatisierung, Risikomanagement und Konzessionsmodell geprägt.
Welches Problem wird bei PPP-Projekten wie dem Herrentunnel Lübeck deutlich?
Ein zentrales Problem ist die hoheitliche Festlegung der Maut, die zu erheblichen Risiken für private Partner führt, da der Preis nicht durch Marktmechanismen, sondern durch Rechtsverordnungen bestimmt wird.
Welche Kritik äußern die Autoren gegenüber der Risikoverteilung bei PPP-Projekten?
Es wird kritisiert, dass Banken oft Risiken meiden, was zu einer einseitigen Risikoverlagerung zu Lasten der öffentlichen Hand führt und zukünftige kommunale Finanzprobleme verursachen kann.
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- Andre Bories (Author), Claas Melzian (Author), Lars Vogelmann (Author), 2005, Die aktuelle Diskussion und praktische Entwicklung von Public Private Partnership in Deutschland - ein Überblick, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/47442