Zur Situation körperbehinderter Frauen


Diplomarbeit, 2005
86 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

Einleitung

1. Theoretische Grundlagen
1.1 Begriffsbestimmung
1.1.2 Der Begriff „Körperbehinderung“
1.1.3 Der Begriff Diskriminierung
1.1.4 Der Begriff „Stigma“ und Stigmatisierung“

2 Behinderung
2.1 Vorurteile und Einstellungen gegenüber Menschen mit Behinderungen
2.1.1 Art der Behinderung
2.1.2 sozioökonomische und demographische Faktoren
2.1.3 Kontakt mit Menschen mit Behinderungen
2.1.4 Zugeschriebene Verantwortlichkeit
2.1.5 kulturelle Bedingtheit
2.1.6 Soziale Diskriminierung und Rolle von Frauen mit Behinderung

3 Gleichstellungsgesetz

4 Erziehung
4.1 Geschlechtsspezifische Erziehung von Mädchen und Frauen mit Behinderungen in der Familie

5 Terminologie
5.1 Verständnis von Behinderung
5.1.1 Begriffsbestimmung
5.1.2 Sexualität von Frauen mit Behinderungen
5.1.3 Körperlichkeit und Schönheit

6 Beziehungen
6.1 Partnerschaften

7 Situation von Müttern mit Behinderungen
7.1 Mutterschaft
7.1.1 Sterilisation
7.1.2 Schwangerschaft
7.1.3 Abtreibung nach §
7.1.4 Kinder und Kindererziehung
7.1.5 Doppelbelastung und Bedeutung für die Partnerschaft

8 Assistenzmodell
8.1 persönliche Assistenz

9 Schlußfolgerungen
9.1 Schlußfolgerungen und Ausblick in Bezug auf die Situation von Frauen
Mit Behinderungen in Sexualität-Partnerschaft-Mutterschaft für die Sozialarbeit und Sozialpädagogik
9.1.1 Interventionsmöglichkeiten im direkten Umfeld von Menschen mit Behinderungen
9.1.2 Sexualität
9.1.3 Elternhaus
9.1.4 Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen

Literaturverzeichnis

Einleitung

Hintergründe der Arbeit:

„Selbstbestimmtes Leben

und eine gleichberechtigt Stellung

von Menschen mit Behinderungen in der Gesellschaft.“

So sind die Ziele formuliert, die sich das „Europäische Jahr der Menschen mit Behinderungen“ vor über zwei Jahren gesetzt haben. Mit verschiedenen Aktionen in ganz Europa wird für mehr Teilhabe, Gleichstellung und Selbstbestimmung von Menschen mit Behinderungen geworben. Somit darf auch diese Arbeit als ein Teil gesehen werden, um diesen Zielen etwas näher zu kommen!

Mein Interesse über die Lebenssituation von Frauen mit Behinderungen zu schreiben, liegt an meinen eigenen Erfahrungen als Frau mit einer Körperbehinderung. Ich selber bin in einer Einrichtung für Menschen mit Körperbehinderungen aufgewachsen, und weiß deshalb aus eigener Erfahrung wie schwierig es für Frauen mit Behinderungen teilweise ist, sich in einer Gesellschaft der nichtbehinderten zu behaupten, und für sich selber Rechte einzufordern die für andere ganz selbstverständlich sind. Dazu gehören Rechte wie Sexualität, Partnerschaft, das Recht Kinder zu bekommen und Mutter sein zu dürfen. Das Recht auf Selbstverwirklichung und Selbstbestimmung.

Das Thema wird in meiner Arbeit an mehreren Stellen erwähnt, da dies für Frauen mit Behinderungen zugleich ein wichtiges wenn auch nicht einfaches Thema ist. Es bedeutet die Auseinandersetzung mit sich selbst, seinem Körper und vor allem die Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Normen, die Sexualität, Partnerschaft und Mutterschaft von Frauen mit Behinderungen häufig ignoriert, und es wird gerne behauptet wir Frauen mit Behinderungen seien sexuelle Neutren.

Mit meiner Arbeit möchte ich zum Ausdruck bringen, dass Frauen mit Behinderungen eine Sexualität haben, und die gleichen Wünsche und Bedürfnisse wie andere Frauen ohne Behinderungen auch.

Die Voraussetzungen, das Menschen mit Behinderungen Sexualität aus- und erleben können werden häufig be – hindert oder sogar ver – hindert. Durch Menschen ohne Behinderungen, die Menschen mit Behinderungen oft keine Sexualität zugestehen.

Vielleicht aus Angst vor der eigenen Sexualität oder aus Angst, eine Frau mit Behinderungen könne Kinder zur Welt bringen.

Bei meiner Literaturrecherche für die nun vorliegende Diplomarbeit mußte ich feststellen, dass nicht viel wissenschaftliche Literatur vorhanden ist, die sich speziell mit der Lebenssituation von Frauen mit (Körper) Behinderungen beschäftigt. Dagegen findet sich viel Wissenschaftliche Literatur über die Lebenssituation von Frauen mit geistigen Behinderungen. Meine Arbeit bezieht sich hauptsächlich auf die Darstellung der Situation von Frauen mit Körperbehinderungen. Ich möchte damit keine neue Diskriminierung schaffen und andere Formen von Behinderungen ausklammern, aber es ist schon in vielen anderen Arbeiten ausführlich über die Situation von Menschen mit geistigen Behinderungen dargestellt worden, und soll hier auch nicht weiter erwähnt werden.

Meine Arbeit beruht zum Teil auf Biographien von Betroffenen Frauen und von einer Anzahl von Autoren, die sich explizit mit der Lebenssituation von Frauen mit Behinderungen befaßt haben.

Um Mißverständnisse vorzubeugen, weise ich darauf hin, dass diese Arbeit kein persönlicher Erfahrungsbericht von mir sein soll, sondern vielmehr eine allgemeine Darstellung über Frauen, wie mich, die sowohl eine Behinderung haben, als auch dem weiblichen Geschlecht angehören. Damit sind Frauen häufig einer doppelten Diskriminierung ausgesetzt. Ich persönlich habe bereits ebenfalls diskriminierenden Erfahrungen machen müssen, die mich persönlich sehr getroffen und verletzt haben. Deshalb ist es mein Anliegen über diskriminierendes Verhalten gegenüber Frauen mit Behinderungen zu schreiben, und wünsche mir dabei zugleich, dass diese Arbeit andere Personen für die Situation von betroffenen Frauen sensibilisiert und zu einer Veränderung der Einstellungen und Verhalten beiträgt.

Ich habe ganz bewußt den Begriff „behinderte Frauen“ gegen den Begriff „Frauen mit Behinderungen“ eingetauscht, um zu verdeutlichen, dass nicht die

Frau aufgrund ihres Geschlechts behindert ist, sondern dass eine Frau eine Behinderung haben kann.

Fragen und Ziele der Arbeit:

Die Forschungsfragen, mit der sich in dieser Arbeit beschäftigt wird, lauten:

1.) Wie sehen Diskriminierungen von Menschen mit Behinderungen und von Frauen mit Behinderungen aus und was bedeutet das, wenn beide Merkmale (Behinderung und Geschlecht) aufeinandertreffen ?
2.) Welchen Platz nehmen Frauen mit Behinderungen in unserer Gesellschaft ein ?
3.) Welche Bedeutung haben Sexualität, Partnerschaft und Mutterschaft für Frauen mit Behinderungen und welche Möglichkeiten haben sie, um eine erfüllenden Lebensgestaltung vorzunehmen?

Anhand der Literatur wird die wir die Diskriminierung von Menschen mit Behinderungen einerseits und der Diskriminierung von Frauen mit Behinderungen andererseits, in den relevanten Bereichen Sexualität, Partnerschaft, Mutterschaft dargestellt. Dadurch soll gezeigt werden, welchen Problemen sich Frauen in ihrer Lebensgestaltung gegenüber gestellt sehen, was durch persönliche Kommentare von betroffenen Frauen belegt werden soll.

Im Sinne der Gleichstellung von Frau und Mann sei noch erwähnt, dass bei allen Personenbezeichnungen die sogenannte „integrative Sprache“ (einfügen eines Großbuchstabens) gebraucht wird, um deutlich zu machen, dass sowohl Frauen und Männer gemeint sind, ohne beide gesondert benennen zu müssen. Wird an einer Stelle nur die weibliche oder nur die männliche Bezeichnung genannt, ist in den jeweiligen Zusammenhänge auch nur dies gemeint.

Das Ziel dieser Arbeit läßt sich in zwei Oberzielen einteilen:

1.) Darstellung der Situation von Frauen mit Behinderungen
2.) Bewußtmachnung der Problematik

Konkret bedeutet das erste Oberziel die Darstellung des Ist-Zustand, welche Möglichkeiten Frauen mit Behinderungen haben eine selbstbestimmte Lebensgestaltung zu praktizieren. Was passiert, wenn sich Behinderung und Geschlecht in einer Person vereinen? Was bedeutet das konkret für Frauen? Welche Möglichkeit haben Frauen, ihre Sexuelle Identität auszuleben?

Beantwortet werden diese Fragen indem Einstellungen der Gesellschaft gegenüber Menschen mit Behinderungen dargestellt werden. Die Darstellung sollen helfen, die Schwierigkeiten von Frauen mit Behinderungen im Hinblick auf das Ausleben von Sexualität im Zusammenhang von ästhetischen Werten in der Gesellschaft aufzuzeigen. Es ist deshalb notwendig, um einen Einblick in die gesellschaftliche Situation von betroffenen Frauen zu bekommen, aber auch, um diskriminierende Situationen von betroffenen Frauen erklären zu können.

Mit dieser Arbeit möchte ich Tabuthemen, Diskriminierungen von Frauen mit Behinderungen aufmerksam machen, denn Betroffenen Frauen brauchen und verdienen Beachtung.

Damit ist auch schon das zweite Oberziel genannt, das einerseits direkt die Menschen betrifft, die mit Menschen mit Behinderungen in Kontakt kommen. Insbesondere Pflege- Assistenz- und Betreuungspersonal. Sie sollten für die Problematik von betroffenen Frauen sensibilisiert werden. Personen, die im sozialen und/oder pädagogischen Bereichen arbeiten, sollen angeregt werden, sich intensiver mit der Situation von Frauen mit Behinderungen beschäftigen und das soll den „Professionellen“ die Möglichkeit bieten, Konzepte zu entwickeln, den Frauen mit Behinderungen ein selbstbestimmtes Leben ermöglichen soll.

Diese Arbeit richtet sich aber auch an betroffenen Frauen selber, und damit wünsche ich mir, ihnen Mut machen zu können, trotz aller Hindernissen den Frauen mit Behinderungen häufig in den Weg gelegt werden, sich nicht länger zu verstecken und sich Selbstbewußt zu präsentieren, und lautstark ihre Rechte einfordern, denn nur so kann sich auf langer Sicht in der Gesellschaft etwas verändern.

Kapitel 1 – Theoretische Grundlagen

1.1 Begriffsbestimmungen

Für die hier vorliegende Arbeit ist es meines Erachtens wichtig, zunächst einmal die immer wiederkehrenden Begriffe wie "Behinderung", und im besonderen "Körperbehinderung", sowie die Begriffe "Diskriminierung" und "Stigma" zu erklären, da sie für den weiteren Verlauf dieser Arbeit von Bedeutung sind.

Im Rahmen meiner Arbeit verwende ich den Begriff „Menschen mit Behinderung. Der Begriff „Behinderte“ ist in meinen Augen stigmatisierend und reduziert die betroffenen Menschen auf eine einzige Komponente seines menschlichen Daseins und das empfinde ich persönlich als Diskriminierung und lehne es deshalb ab. Ich halte es für erachtenswert, einen Menschen als ganzes zu betrachten und niemanden nur auf ein äußerliches Merkmal zu reduzieren. Wenn ich von „Menschen mit Behinderung“ spreche, dann ist damit gemeint, das der einzelne einer Gruppe eine Behinderung haben kann, aber auch eine Mehrfachbehinderung bei einer Person vorliegen kann.

1.1.1 Zum Verständnis von Behinderung

Bereits im Mittelalter ist in diskriminierender Weise von "Krüppeln", "Schwachsinnigen", "Idioten" und "Irren" die Rede gewesen.

Den Höhepunkt an Diskriminierung und Grausamkeit erlebten behinderte Menschen im Nationalsozialismus mit den Auswirkungen der Euthanasie- Politik, die für unzählige behinderte Menschen den Tod bedeutete.

Im heutigen Sprachgebrauch wird sensibler mit der Wortwahl umgegangen, und es gibt darüber hinaus eine Vielzahl von Definitionen des Behinderungsbegriffs, nicht zuletzt in der ständigen Bemühung eine diskriminierende und stigmatisierende Sprache zu vermeiden. Im Zuge einer sogenannten "political correctness" ist sogar versucht worden, den Begriff

Behinderung ganz zu verbannen und durch andere Begrifflichkeiten wie "besondere Befähigung" oder "besondere Bedürfnisse" zu ersetzen.

Von den meist selbst betroffenen Vertretern in der Krüppelbewegung ist der

Begriff Behinderung bewußt durch den veralteten, und diskriminierenden

Ausdruck Krüppel ersetzt worden.

Dadurch wurde auf provozierende Art ausgedrückt, was Nichtbehinderte nach ihren Empfinden ohnehin über sie denken. (www.Körperbehinderung.de)

Um den Begriff "Behinderung" nähern bestimmen zu können, werde ich im Folgenden die unterschiedlichsten Definitionen kurz darstellen.

Beginnen möchte ich mit der juristische Definition aus dem bundesdeutschen Recht .des SGB IX, § 2, Abs. 1. Dort heißt es:

"Menschen sind behindert, wenn ihre körperliche Funktion, geistige Fähigkeit oder seelische Gesundheit mit hoher Wahrscheinlichkeit länger als sechs Monate von den für das Lebensalter typischen Zustand abweichen und daher ihre teilhabe am Leben in der Gesellschaft beeinträchtigt ist. Sie sind von Behinderung bedroht, wenn die Beeinträchtigung zu erwarten ist." (Stascheit, 2001)

Der Begriff der Behinderung wird hier und nur aus medizinischer Sicht beschrieben. Es wir hier meiner Ansicht nach nicht ausreichend über die sozialen, pädagogischen, psychologischen und gesellschaftlichen Auswirkungen eingegangen, die eine Behinderung in den meisten Fällen mit sich bringt.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat sich dieser besonderen Problematik gestellt, und im Jahr 2001 eine erweiterte Definition des Behinderungsbegriffs veröffentlicht. Nach der neuen Definition der ICIDH-2 (International Classification of Funktion, Disability and health) wird Behinderung nicht mehr nur aus medizinischer Sicht betrachtet, sondern vielmehr werden auch die sozialen, physikalischen und äußeren Umwelt Aspekte mit einbezogen, die für Menschen mit einer Behinderung von Bedeutung sind.

Nach der Definition der WHO ist mit einer Behinderung die

„Schädigung (Impairment) eine Beeinträchtigung einer Körperfunktion oder Struktur im Sinne einer wesentlichen Normalabweichung des Organismus gemeint. Dieses kann zu einer Beeinträchtigung (disability) der Aktivität des behinderten Menschen führen, und bedeutet, dass sich aus der körperlichen Schädigung eine Schwierigkeit ergeben kann eine Aufgabe oder Tätigkeit durchzuführen. Wenn Aufgrund der körperlichen Funktionseinschränkung eine Beeinträchtigung an der Teilhabe am gesellschaftlichen Leben erschwert wird, besteht die Gefahr einer Benachteiligung gegenüber den anderen Mitgliedern einer sozialen Gruppe. Das wird als Beeinträchtigung der Partizipation (Handicap) definiert.“ (www.adlexikon.de).

In diesem Zusammenhang findet man bei Bleidick eine ähnliche Definition. Es handelt sich um eine Behinderung bei

Personen, die aufgrund einer Schädigung ihrer körperlichen, geistigen oder seelischen Funktion soweit beeinträchtigt sind, dass ihre unmittelbaren Lebensverrichtungen oder ihre Teilhabe am Leben der Gesellschaft erschwert werden.“ (Bleidick, 1984, S.16)

Das bedeutet, dass die soziale Benachteiligung von Menschen mit Behinderung durch Ausgrenzung im weiteren Verlauf dafür sorgt, dass es zu neuen Beeinträchtigungen der Fähigkeiten kommen kann, die schließlich zu Funktions- und Aktivitätseinschränkungen führen können. (Tröster, 1990, S. 23).

So kann festgehalten werden , „dass Körperliche Schäden selbstverständlich zu sozialen Etikettierungsprozessen und zur Einschränkung von Leistung führen“, und das bedeutet, dass durch die eingeschränkten Leistungen, Personen aus dem System der sozialen Sicherheit fallen können, aber nicht unmittelbar alle Personen mit einer Behinderung davon betroffen seien. (Jantzeneb,1992,S.17)

Das hängt unter anderem damit zusammen, wie offensichtlich die körperliche Einschränkung der Person ist. Das bedeutet also, je offensichtlicher die Behinderung ist und nicht den gesellschaftlichen Vorstellungen entspricht, desto mehr wird Behinderung zum sozialen Gegenstand gemacht. (ebd.)

1.1.2 Der Begriff „Körperbehinderung“

Der Begriff der „Körperbehinderung“ ist in der Literatur in vielfältiger Weise beschrieben worden und bezeichnet eine angeborene oder erworbene, vollständige oder Teilweise, vorübergehende oder anhaltende Beeinträchtigung mit erheblichen Auswirkungen auf die kognitive, emotionale und sozialen Vollzüge infolge einer Schädigung des Stütz- und Bewegungsapparates oder andere Organsysteme des Körpers. (www.enzyklopedie/behinderung.de)

Es wird also sowohl auf die funktionale Beeinträchtigung als auch auf die sichtbare Abweichung des Körperbehinderten hingewiesen.

Dennoch gilt in weiteren Bereichen immer noch:

„Jemand ist nicht behindert, sondern wird behindert“. (Jantzen, 1992,S.17)

Dies wird zum Beispiel auch in den vielen abwertenden Bezeichnungen bzw. Schimpfwörtern für Menschen mit Behinderung deutlich.

Der Betroffene wird meistens nur auf seine körperlichen Eigenschaften reduziert, dennoch hat ein Körperbehinderter neben seiner eigentlichen Behinderung, mit weiteren Erkrankungen zu kämpfen und meistens viele soziale, pädagogische Aspekte zu bewältigen. Diese werden aber oft nicht wahrgenommen, obwohl diese einen Menschen mit Behinderungen oft erst zu einem Behinderten machen. (www.hausarbeiten.de)

1.1.3 Der Begriff Diskriminierung

„Diskriminierung“ leitet sich von dem lateinischen Wort discriminante trennen, absondern“ ab und wird

- als Herabsetzung, Herabwürdigung und
- als unterschiedliche Behandlung einer Person bezeichnet.

Ein herabwürdigendes Verhalten erfolgt meistens aufgrund eines bestimmten Merkmals, dass eine Person besitzt. Ich beschränke mich hierbei auf die körperlichen Merkmale, da es in meiner Arbeit hauptsächlich um die Situation von Menschen mit einer Behinderung geht. Dennoch gibt es noch andere

Formen von Diskriminierung. Personen werden oft aufgrund ihres Geschlechts, ihrer Hautfarbe und Nationalität, Religion oder sexuelle Orientierung diskriminiert. In den deutschen Gesetzgebung findet man eine Anzahl von gesetzten, die Menschen vor diskriminierenden Angriffen schützen sollen. Ein Gesetz, das Menschen mit einer Behinderung vor Diskriminierung und Ausgrenzung schützen sollen, ist im Artikel 3, des Grundgesetzes zu finden. Dort heißt es:

„Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.“

(Stascheit 2001)

Es gibt unterschiedliche Aspekte von Diskriminierung. Dabei wird wird zwischen offener bzw. direkter Diskriminierung und struktureller bzw. indirekter Diskriminierung unterschieden. Unter direkter Diskriminierung sind herabsetzende und ausgrenzenden Vorurteile zu verstehen, die sich durch Hänseleien und Verspottungen, bis hin zu Beschimpfungen äußern können. Auch gewalttätige Übergriffe oder das Verwehren des Einlasses in Lokale oder Hotels sind direkte Diskriminierungen. Versteckte Arten von Diskriminierung findet man zum Beispiel in Gesetzen und Verordnungen, und von einer strukturellen Diskriminierung spricht man beispielsweise im Falle einer Unterlassung von Hilfen. (Heiden, 1997, S.16 )

Eine Diskriminierung liegt vor, wenn Menschen wegen ihrer Beeinträchtigung in der Entfaltung ihrer Persönlichkeit, der gleichberechtigten Teilhabe am Leben in der Gesellschaft oder in ihrer selbstbestimmten Lebensführung behindert oder benachteiligt werden.“ (ebd.,a.a.O., S.16)

1.1.4 Der Begriff „Stigma“ und „Stigmatisierung“

Die Griechen haben den Begriff „Stigma“ geschaffen. Körperliche Zeichen dienten dazu, etwas Ungewöhnliches oder Schlechtes über den moralischen Zustand des Trägers eines solchen Zeichens zu offenbaren. Die Zeichen wurden in den Körper gebrannt oder geschnitten und sollten zeigen, dass es sich bei dieser Person um einen Sklaven, oder einen Verbrecher oder einem Verräter handelt. Dadurch ist diese Person für unrein erklärt worden, und

sollte aufgrund dessen gemieden werden, vor allen auf öffentlichen Plätzen. (Goffmann, 1996, S. 9)

In der Sozialpsychologie wird von einem Stigma gesprochen und es handelt sich dabei um einen „Sonderfall eines sozialen Vorurteils gegenüber bestimmten Personen, durch das diesen negative Eigenschaften zugeschrieben werden.“ (Hohmeier, 1975, S.220)

Ein negativ bewertetes Merkmal führt dabei zur Herabsetzung der gesamten Person. Die Mitglieder einer Gesellschaft setzen bestimmte Attribute bei jedem Menschen voraus und ordnen sie damit entsprechenden Gruppen zu. Ein Verwahrloster, betrunkener Mensch, der auf der Parkbank schläft, wird in die Kategorie der Obdachlosen eingereiht.

Wenn ein Mensch bewußt wahrgenommen wird, fällt es nicht schwer ihn in eine bestimmte Kategorie einzuordnen und ihm so mit bestimmte Eigenschaften zuzuordnen. Eine Person wird damit vor-verurteilt, und die Person wird dadurch in eine Kategorie gesteckt, in die er möglicherweise gar nicht gehört.

Dieses Verhalten führt zu Vorurteilen und es wird erwartet, dass sich diese Person den Erwartungen entsprechend verhält, um den Vorurteilen gerecht zu werden. (Goffmann,1996, S.9)

Wenn nun eine Person eine Eigenschaft besitzt, die ihn von den anderen in einer weniger wünschenswerten Weise unterscheidet, dann wird diese ganz gewöhnliche Person zu einer stigmatisierten Person, und wird auf herabsetzende Weise behandelt. (ebd.)

Ein Stigma wird also in Bezug auf eine Eigenschaft gebraucht, die diskriminierend ist. Aus einem sozialen Vorurteil entsteht eine soziale Ungleichbehandlung, was bedeutet, dass der benachteiligten Person Chancen zur Erreichung gesellschaftlich allgemein akzeptierter Ziele, wie Beruf, Bildung etc. erschwert wird, wenn nicht sogar verweigert werden. (ebd.)

Erving Goffmann unterscheidet drei verschiedene Typen von Stigma:

Als erstes wird die Physische Deformation genannt, diese bezeichnet er als „Abscheulichkeiten des Körpers,“ und werden wahrgenommen durch eine Körperbehinderung.

Als nächstes werden die individuellen Charakterfehler genannt, die als Willensschwäche, zum Beispiel bei geistiger Verwirrung wahrgenommen werden aber auch durch Gefängnishaft, Sucht, Alkoholismus, Homosexualität entstehen und. Als letztes werden die phylogenetischen Stigmata genannt, und bezeichnen die kulturelle Herkunft einer Person, die aufgrund von Rasse, Nationalität und Religion Stigmatisierungen erfahren. hervorgerufen werden. (Goffmann,1996, S.147)

Im weiteren Verlauf beschränke ich mich auf die Stigmata der körperlichen Behinderung.

„Ein Individuum hat ein Stigma, wenn es in unerwünschter Weise anders ist, als wir es antizipiert hatten.“ (ebd. S.14). die Menschen ohne Behinderungen neigen oft dazu, sich bei der Begegnung mit einer stigmatisierten Person abzuwenden, da sie „ein Merkmal besitzt, dass sich der Aufmerksamkeit aufdrängt und als störend empfunden wird.“ (ebd.)

Ein Stigma bezieht sich immer auf den ganzen Menschen. Ein Stigma ist also eine Einstellung gegenüber einer Person mit einem spezifischen Merkmal, das daraus resultierende Verhalten gegenüber einer Person wird als Stigmatisierung bezeichnet. (Cloerkes, 1997, S.147 ff)

„Von den Stigmatisierten wird taktvoll verlangt, wie Gentlemen zu sein und ihr Glück nicht zu erzwingen; sie sollen die Grenzen der ihnen gezeigten Akzeptanz nicht auf die Probe stellen und sie auch nicht zur Basis immer weiterer Forderungen machen(...)“ (Bourdieu, 1990, S. 153f)

Stigmatisierung bezeichnet das Verhalten aufgrund eines zu eigen gemachten Stigmas. Stigma und Stigmatisierung können also in einem direkten Zusammenhang stehen, sie müssen es aber nicht in unbedingt in jedem Fall.

Die Diskriminierung von Menschen, die ein Stigma besitzen, erfolgt meist sehr wirksam. Hierbei wird zwischen „Diskreditierte“ und „Diskreditierbare“ unterschieden. (Goffmann1996 S. 148)

Im ersten Fall nimmt die stigmatisierte Person an, dass man über seine Andersartigkeit bereits schon vorher Bescheid weiß, und im zweiten Fall geht die Person davon aus, dass seine Situation dem anderen noch nicht bekannt ist und deshalb auch nicht zu erkennen ist, und deshalb auch nicht wahrgenommen wird. (ebd.)

Eine stigmatisierte Person wird wahrscheinlich mit beiden Situationen Erfahrungen gemacht haben und wird sich deshalb um so mehr bemüht sein unerwünschtes Anderssein möglichst zu verbergen um nicht aufzufallen. (ebd.)

Die Sichtbarkeit eines Merkmals erleichtert das stigmatisieren, und es führt meistens dazu, dass der betroffenen Person weitere Unvollkommenheiten und negative Eigenschaften unterstellt werden. (Cloerkes,1997, S.148)

Damit wird ein Stigma zum alles beherrschenden Hauptthema, dem sich der stigmatisierte kaum entziehen kann, dies kann sich zum Beispiel in negativen Äußerungen zeigen. Dazu gehören Beschimpfungen wie, Krüppel, Bastard, Schwachsinniger. (ebd.)

„Von entscheidender Bedeutung für die Durchsetzung von Stigmatisierungen ist die Macht, über die Stigmatisierer über Stigmatisierte verfügen.“ (ebd.)

Eine Person, die einer stigmatisierenden Situation ausgesetzt wird, kann sich dieser kaum entziehen. Das Problem dabei ist nämlich, dass die Stigmatisierer immer neuere Eigenschaften finden, um die andere Person zu diskreditieren.

Tilman Moser schreibt über die Stigmatisierung von behinderten Menschen, was meines Erachtens die Situation von Menschen mit Behinderung kennzeichnet:

„Die Träger eines Stigmas leben ein schweres Leben: sie werden abgelehnt, verbreiten Unbehagen, lösen Beklemmung aus bei den gesunden, gefährden deren eigenes zerbrechliches Normal-Ich, soweit der Defekt für jeden erkennbar ist. Andere, mit geheimeren Stigma belastet, müssen verleugnen, täuschen, spielen, um weiterhin als „Normal„ zu gelten; sie leben in Angst vor Entdeckung und Isolierung. Einsam sind beide. Sie brauchen oft komplizierte Strategien, um das nicht zu verlieren, wovon Menschen als soziale Wesen leben: von Akzeptanz, Anerkennung und Sympathie. (...) Und weil die Toleranz der Normalen so verschwinden gering ist haben die Kranken, die Last der Anpassung zu-

ertragen. Sie müssen, um die Normalen zu schonen, eine spielerische Leichtigkeit entwickeln im Umgang mit sich selbst, damit die Normalen von Depression und Mitleid verschlungen werden. Das Stigma darf nicht als Last erscheinen, es muß verborgen werden hinter Würde und Selbstachtung, damit die Akzeptanzbereitschaft der Normalen nicht überstrapaziert wird.“ (Tillmann,1989, S.7)

In diesem Kapitel habe ich dargestellt, wie Einstellungen und Verhalten zu stigmatisierenden und damit zu diskriminierenden Verhalten gegenüber einer Person, dass ein spezifisches Merkmal besitzt, führen kann. Stigmatisierungen betreffen immer den ganzen Menschen und können für die betroffenen Personen sehr belastend sein. Es gehört für eine Menschen mit einer Behinderung sehr viel Selbstbewußtsein dazu, sich den oft verletzenden und stigmatisierenden verhalten der sogenannten „Normalen“ zu stellen. Jeder sogenannten „Normalen“ Person sollte verdeutlicht werden, dass sie Jederzeit auch zu einer Person mit einer Behinderung werden kann. Vorurteile und Einstellungen sind meist sehr starre Formen und beinhalten unterschiedlichen Faktoren. Im nächsten Abschnitt werde ich darstellen anhand von verschiedenen Komponeneten, wie Einstellungen und Verhalten entstehen, und welchen Einfluß es auf Menschen mit einer Behinderung haben.

Kapitel 2 – Behinderung

2.1 Vorurteile und Einstellungen gegenüber Menschen mit Behinderungen

In der Literatur wird auf vielfacher Weise erläutert, dass der Begriff „Einstellungen „ durch den Begriff „Vorurteile“ ersetzt wird und zur Beschreibung des sozialen Kontakts, zwischen Menschen mit und ohne Behinderungen besser geeignet ist. (Tröster,1990, S.23)

Nach Jansen lassen sich Urteile zwischen Menschen besser mit einer bestimmten Einstellungsformen beschreiben. Danach ist eine Einstellung „ein seelischer und nervlicher Bereitschaftszustand, der in der Erfahrung organisiert ist und einen leitenden oder dynamischen Einfluß auf die Reaktionen des Individuums auf alle Objekte und Situationen, mit denen er verbunden ist,“ ausübt. (Jansen, 1980, S.106)

Damit ist gemeint, dass Einstellung aus drei unterschiedlichen Faktoren besteht, die widerrum unterschiedlich stark ausgeprägt sein können und sich gegenseitig beeinflussen.

- Die kognitiven Faktoren:

Hierzu gehören Vorstellungen, Gedanken und Mutmaßungen, die mit dem Einstellungsobjekt verbunden werden. Diese werden durch Meinungen und Überzeugungen geäußert.

- Die affektiven Faktoren

Hiermit sind die gefühlsmäßigen Reaktionen gemeint, die ein Einstellungsobjekt hervorruft.

- Die aktionalen Faktoren:

Sie rufen in der Person bestimmte Handlungstendenzen hervor, die je nach Einstellungsobjekt entweder fördernd oder schädigend sein können. (vgl.Jansen1980, S. 17ff)

Diskriminierungen finden aufgrund von Einstellungen gegenüber eines Einstellungsobjekts statt. Ähnlich wie Vorurteile können diese Einstellungen unreflektiert bleiben, da sie in Zusammenhang mit Mutmaßungen und Vorstellungen einer Person stehen.

Um die Problematik, mit der Menschen mit Behinderungen in unserer Gesellschaft ausgesetzt sind besser verstehen zu können, werden in der Literatur folgende Hauptgruppen

über Einstellungen und Verhalten festgesetzt. Ausschlaggebend für Einstellungen und Verhalten gegenüber Menschen mit Behinderungen sind demnach:

2.1.1 Art der Behinderung

Unter „Art der Behinderung“ versteht man die Rangordnung und die Schwere der Behinderung und die Funktionsbeeinträchtigung, die durch die Behinderung hervorgerufen wird.

Als letzten Faktor wird die Sichtbarkeit der Behinderung genannt. (Cloerkes, 1985, S.167ff) Hierbei ist insbesondere das Ausmaß der Sichtbarkeit einer Behinderung entscheidend, weil die gesellschaftlich hochbewerteten Funktionsleistungen wie Mobilität, Flexibilität, Intelligenz Kontakt- und Kommunikationsfähigkeit beeinträchtigt sind, die aber von erheblicher Bedeutung für die Einstellung gegenüber Menschen mit Behinderungen sind. In der Literatur ist über Einstellungen gegenüber Menschen mit Behinderungen festzustellen, dass Menschen ohne Behinderung am positivsten auf Menschen mit funktionellen Körperbehinderungen oder Sinnesschäden reagieren. Dagegen werden Personen bei denen eine geistige Behinderung vorliegt, von Menschen ohne Behinderung eher negativ bewertet. (Cloerkes, a.a.O., S.167ff)

Cloerkes führt weiterhin aus, dass mit zunehmender Sichtbarkeit einer Behinderung und zunehmender Funktionsbeeinträchtigung durch eine Behinderung, die sozialen Werte wie Schönheit, Leistungsfähigkeit und Gesundheit verletzt werden.

Auch Tröster hat untersucht, wie sich das Verhalten von Menschen ohne Behinderung in Abhängigkeit der Art der Behinderung auswirkt und hat dies ebenfalls in einer Art Rangordnung zusammengefaßt. Demnach ist die Auffälligkeit einer Behinderung ein bedeutsames Merkmal, das Auswirkungen auf die soziale Reaktion gegenüber Menschen mit Behinderung hat . Die Auffälligkeit einer Behinderung ist aber nicht automatisch mit der Sichtbarkeit einer Behinderung verbunden. Das bedeutet, dass einige Behinderungen zwar nicht von vornherein auffällig sind, wie Stottern und Gehörlosigkeit, aber in der sozialen Interaktion unmittelbar auffällig werden.

Auffällig wird eine Behinderung demnach durch ihre Sichtbarkeit oder durch den unmittelbaren Kontakt mit anderen Personen erkennbar. So kann man davon ausgehen, dass das Verhalten einer Person ohne Behinderung durch die Auffälligkeit einer Person mit einer Behinderung bestimmt wird. (Tröster,1990, S.80)

Das bedeutet, dass bei einer sichtbaren Behinderung wie zum Beispiel einer Querschnittlähmung, die Menschen ohne Behinderungen, den Kontakt bereits vorher unterbinden können, während bei einer Behinderung die erst bei einem näheren Kontakt mit der Person sichtbar wird, wie zum Beispiel bei Sprachbehinderungen, erst unmittelbar danach die Möglichkeit besteht, einen längerfristigen Kontakt zu vermeiden.

Das hat zur Folge, dass eine nach außen hin auffällige Behinderungen die Aufnahme sozialer Kontakte erschweren kann und eine nicht von vorneherein auffällige Behinderung, Auswirkungen auf den weiteren Verlauf eines sozialen Kontaktes haben kann. (Tröster, a.a.O., S.80ff)

Dabei hat sich gezeigt, dass ästhetische Beeinträchtigungen für Menschen ohne Behinderung meist wichtiger sind, als funktionale Beeinträchtigungen.

Ich möchte an dieser Stelle erwähnen, dass es auch unter Menschen mit Behinderungen eine Art Rangordnung gibt, die ebenfalls mit bestimmten Vorurteilen und Einstellungen behaftet sind. Nichtbehinderte Menschen gehen meist davon aus, dass Behinderte Menschen untereinander solidarischer sind. Das stimmt meiner Meinung aber nur zum Teil. Behinderte Menschen heben sich auch untereinander ab, einmal durch die Art der Behinderng und nicht zuletzt auch durch die Schwere der Behinderung. Viele körperbehinderte, wie ich, empfinden es als eine Beleidigung wenn sie in die gleiche Kategorie mit den geistig behinderten Menschen gesteckt werden.

„Behinderte Personen unterliegen den gleichen Sozialisationsmechanismen wie nichtbehinderte

Menschen, sie orientieren sich ebenfalls an den gleichen gesellschaftlichen Wertmaßstäben und seien selbstverständlich nicht frei von Vorurteilen.“ (Cloerkes, 1997, S.87)

Allerdings sollte dabei gesehen werden, dass es „die Behinderten „ als geschlossenen, solidarische Gruppe gar nicht gibt und von daher Personen mit Behinderungen als der eigenen so „anders“ erlebt werden wie von Menschen ohne Behinderung. (Cloerkes,a.a.O., S.87)

Zusammenfassend kann man aber davon ausgehen, dass Personen die über Kontakte mit Personen mit Behinderungen verfügen, günstigere Einstellungen gegenüber diesen Personen zeigen als die diejenigen, die keine derartigen Kontakte haben oder hatten.

Weiter ließe sich vermuten, dass je häufiger Kontakte mit Menschen mit Behinderungen bestehen, desto eher werden die Einstellungen der Menschen ohne Behinderungen positiver ausfallen

Als nächstes wird auf den Zusammenhang zwischen Einstellungen von Menschen ohne Behinderungen gegenüber Menschen mit Behinderungen aus sozioökonomischer und demographischen Faktoren näher eingegangen.

2.1.2 sozioökonomische und demographische Faktoren

Die Hauptmerkmale der sozioökonomischen und demographischen Faktoren, sind die Schichtzugehörigkeit, der Beruf, der Bildungsgrad, das Lebensalter und das Geschlecht von Menschen ohne Behinderungen.

Dabei konnte ein Zusammenhang zwischen der Einstellung gegenüber Menschen mit Behinderungen und der Geschlechtszugehörigkeit festgestellt werden. Demnach akzeptieren

Frauen Menschen mit Behinderungen eher als Männer. Für Frauen mit Behinderungen bedeutet diese Zuständigkeitsfestlegung eine doppelte Benachteiligung: Ihnen wird aufgrund ihrer Behinderung die Versorgungsaufgaben nicht selber oder nur eingeschränkt leisten können. Das bedeutet, dass sie aufgrund dessen, die traditionelle geschlechtstypische Arbeitsteilung brechen, und das würde die Chancen auf eine Partner verringern. (Ehrig,1996, S.50)

Darüber hinaus besteht kaum eine Beziehung zwischen der Einstellung einer Person und dem Lebensalter der Person ohne Behinderung.

Ältere Menschen seien demnach eher negativer eingestellt als jüngere. (Cloerkes,1997, S. 201ff)

Ein Grund dafür könnte der geschichtliche Aspekt der älteren Generation sein. Früher wurden behinderte Menschen eher versteckt zum Beispiel in Heimen ect. und waren dadurch in der Öffentlichkeit weniger präsent. Heutzutage treten Menschen mit Behinderungen verstärkt in der Öffentlichkeit auf. Es gibt eine Vielzahl von Integrationsprogramme, die Menschen mit und ohne Behinderungen zusammen bringen sollen. Das geschieht zum Beispiel in Integrationsklassen. Dadurch haben Menschen der jüngeren Generation eher Kontakt zu Menschen mit Behinderungen und dadurch auch weniger Berührungsängste. Natürlich gibt es nach wie vor Vorurteile gegenüber Menschen mit Behinderungen, aber ich denke je mehr Kontakte untereinander entstehen, desto mehr können diese Vorurteile beseitigt werden.

Einstellung einer Person sind auch von dem jeweiligen Bildungsgrad abhängig. Das bedeutet, dass eine höhere Bildung auf eine positivere Einstellung gegenüber Menschen mit Behinderungen schließen läßt ebenfalls keine nennenswerten Zusammenhänge bestehen gegenüber Menschen mit Behinderungen und Beruf, ethnische Herkunft, Konfessionszugehörigkeit, Wohnort und Familienstand. (Cloerkes, a.a.O., S.201ff)

2.1.3 Kontakt mit Menschen mit Behinderungen

Direkte Kontakte zu Menschen mit Behinderungen werden von vielen Fachleuten als ein wichtiges Kriterium für die Qualität der Einstellung der Menschen ohne Behinderungen gesehen. (Cloerkes, a.a.O., S.201ff)

So gehen auch die zahlreichen Vorschläge und Modellversuche zur integrierten Beschulung von Kinder mit und ohne Behinderungen von dem Grundgedanken aus, dass frühzeitige Kontakte zu einer positiveren und akzeptierender Haltung führen. (ebd.)

Um einen Zusammenhang zwischen einem Kontakt und der Qualität mit Menschen mit Behinderungen herzustellen, sind im wesentlichen zwei wichtige Faktoren zu nennen.

Im ersten Faktor geht man davon aus, dass ein Kontakt zwischen Menschen mit und ohne Behinderungen zu weiteren Vorurteilen führen kann, der zweite Faktor beruht auf der „Gleichgewichtstheorie.“ Sie besagt, dass ein Mensch dazu tendiert einen ihm oder ihr nicht vertrauten Menschen nicht zu mögen und umgekehrt dazu, einen vertrauten Menschen zu mögen (Heider, 1977, S.227 ff)

Das bedeutet also, dass eine nicht vertraute Situation als bedrohlich wahrgenommen wird. Es sei „bequemer, alte Kleidung zu tragen und mit alten Freunden zu sprechen.“ ( Heider, 1997, S.121)

In der Tat herrscht zwischen Menschen mit und ohne Behinderung ein Mangel an Vertrautheit mit einer Person die körperlich, geistig oder seelisch „anders“ ist. Kontakt mit einer dieser „anderen“ Personen kann dazu beitragen, diese Fremdheit abzubauen und statt dessen Vertrautheit zu schaffen.

2.1.4 zugeschriebene Verantwortlichkeit

Menschliches handeln ist im wesentlichen durch Rollenhandeln ausgerichtet, das bedeutet, dass menschliches handeln sich oft an den Erwartungen anderer richtet. Diese Erwartungen haben eine gewisse Verbindlichkeit: der Mensch hat sich seiner Rolle erwartend zu Verhalten, als Mutter, Student, Verkehrsteilnehmer usw.

[...]

Ende der Leseprobe aus 86 Seiten

Details

Titel
Zur Situation körperbehinderter Frauen
Hochschule
Fachhochschule Oldenburg/Ostfriesland/Wilhelmshaven; Standort Emden
Note
2,0
Autor
Jahr
2005
Seiten
86
Katalognummer
V47478
ISBN (eBook)
9783638444200
Dateigröße
711 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Situation, Frauen
Arbeit zitieren
Barbara Kück (Autor), 2005, Zur Situation körperbehinderter Frauen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/47478

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