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Männlichkeit und Homosexualität bei Muslimen mit Migrationshintergrund - Religiöse und soziokulturelle Einflüsse, individuelle Bewältigungsstrategien und Lebensentwürfe

Title: Männlichkeit und Homosexualität bei Muslimen mit Migrationshintergrund - Religiöse und soziokulturelle Einflüsse, individuelle Bewältigungsstrategien und Lebensentwürfe

Diploma Thesis , 2005 , 75 Pages , Grade: 1

Autor:in: Marcello Kloss (Author)

Social Work
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Es vergeht kaum eine Woche, in der Medien oder Politik nicht über Männer mit Migrationshintergrund, vor allem aus muslimischen Kulturkreisen, berichten. Man kann dabei getrost feststellen, dass das darin vermittelte Bild des muslimischen Jugendlichen und Mannes nicht allzu oft positiv ist. Egal ob es der „kleinkriminelle Marokkaner“, der „Frauen-prügelnde Kurde“, der „fundamentalistische Algerier“ oder der „ehrenmordende Türke“ ist, in den Medien wird zum größten Teil über ihn berichtet. Der integrierte Moslem oder andere unauffälligere Gruppen innerhalb der muslimischen Community in Deutschland werden hingegen kaum wahrgenommen. Zum größten Teil bestätigen diese Berichte über Jahrzehnte gewachsene Vorurteile, da die Wahrnehmung derselben nur sehr selektiv sein kann. So hält sich auch im Jahr 2005 noch hartnäckig das Klischee des patriarchischen Macho, der gefühlskalt ist aber äußerst extrem reagiert und hart durchgreift, wenn sein Stolz oder Rechtsempfinden verletzt wird. Es stellt sich die Frage, ob in diese Vorstellung, die teilweise (aber eben nur teilweise) durchaus ihre Berechtigung hat, auch ein anderes Männerbild passt. Wie wird beispielsweise mit einem muslimischen Schwulen umgegangen, der so gar nicht ins traditionelle Bild des orientalischen Macho passen will? Sicherlich, auf den ersten Blick würde man die Verbindung Moslem und schwul wohl negieren oder zumindest als sehr problematisch einstufen. Trotzdem bleibt es eine unbestrittene Tatsache, dass es innerhalb jeder Nation, jeder Religion und bei beiderlei Geschlecht Homosexualität gibt. Ein Blick in die Schwulenszene der Großstädte beweist dies ebenso, wie ein Aufenthalt in den zahlreichen einschlägigen Chatrooms. Und auch wenn man in Öffentlichkeit und Medien aber auch in spezifischeren Bereichen (wie dem der Sozialarbeit) erstaunlich wenig darüber hört, existieren auch sie: die schwulen Türken, Tunesier, Perser und Araber.
Interessant ist diesbezüglich, wie eine relativ strikte Definition von Männlichkeit, so wie sie im arabischen, persischen und türkischen Kulturkreis vorherrscht, mit mannmännlicher Sexualität zusammen passt. Schließen sie sich tatsächlich kategorisch aus? Und wie gehen Betroffene mit den männlichen Rollenerwartungen ihrer Communities und ihres Umfeldes um?

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

I Einleitung

1. Vorwort

2. Einführung

3. Anmerkung zu Inhalt und Terminologie der Arbeit

II Geschichtliche und religiöse Hintergründe

1. Kleiner geschichtlicher Exkurs zu Männlichkeit und mann-männlicher Liebe und Sexualität

2. „Homosexualität und Männlichkeit“ im Islam - Der Koran und die Sunna

2.1 Zu Entstehung und Inhalt des Koran – Anmerkung zur Exegese

2.2 „Homosexualität“ im Koran

3. Verurteilt der Koran Homosexualität als Sünde? – Interview mit dem niederländischen Imam Abdulwahid van Bommel

III „Familie und Männlichkeit“ am Beispiel der Türkei

1. Traditionelle Familienstrukturen in der bäuerlichen türkischen Gesellschaft

2. Die Zentralen Begriffe „Ehre“ und „Moral“ und die Verknüpfung mit Männlichkeit

3. Männlichkeit und Männerbilder in der Türkei

3.1 Sex und Gender – Zum sozialen Konstrukt von Männlichkeit im Allgemeinen und in der Migrationssituation im Besonderen

3.2 Männlichkeit erlernen - Der schwierige Weg vom Kind zum Mann

3.3 Der türkische Mann im Wandel der Zeit

IV „Homosexualität“ in der islamischen Kultur

1. Zur Kategorisierung von „Homosexualität“ - Was wird als „homosexuell“ angesehen?

2. Körperliche Nähe in mann-männlichen Beziehungen

V „Homosexualität“ bei Jugendlichen mit Migrationshintergrund

1. „Bei uns gibt es keine Schwulen“ - Der Umgang mit Homosexualität bei Migrantenjugendlichen

2. Fragen an Muslimische schwule Männer in Deutschland

3. Spezifische Identitätskonflikte von schwulen Migranten und mögliche „Bewältigungsstrategien“

4. Entwicklungen und Zukunftsaussichten

VI „Islam und Homosexualität“ in der Sozialarbeit

1. Zur Bedeutung und Dringlichkeit des Diskurses „Homosexuelle Muslime“ in der Migrationssozialarbeit und der Politik

2. Ein Beispiel der Selbstorganisation aus der Praxis: „Türk-Gay & Lesbian LSVD“ e.V.

2.1 Gründung und Ziele

2.2 Warum eine türkische Einrichtung?

2.3 Beratungsangebot und Hilfe

2.4 Aktivitäten und Öffentlichkeitsarbeit

VII Schlussbetrachtung

VIII Anhang

1. Stichwortverzeichnis

2. Quellen- und Literaturverzeichnis

3. Kontaktadressen

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die komplexen Zusammenhänge zwischen Religion, traditionellen Familienstrukturen, Männlichkeitsvorstellungen und Homosexualität bei Muslimen mit Migrationshintergrund in Deutschland, um Handlungsbedarfe für die Sozialarbeit aufzuzeigen und ein Verständnis für die Identitätskonflikte betroffener Individuen zu schaffen.

  • Religion und Islam: Analyse von Koran-Auslegungen bezüglich Homosexualität.
  • Männlichkeit und Familie: Untersuchung traditioneller Konzepte von Ehre und Moral am Beispiel der Türkei.
  • Lebenswelten: Identitätskonflikte und Bewältigungsstrategien junger schwuler Muslime in Deutschland.
  • Sozialarbeit: Notwendigkeit der Professionalisierung und Sensibilisierung im Kontext von Migration.
  • Selbstorganisation: Exemplarische Darstellung von Beratungsstrukturen wie dem „Türk-Gay & Lesbian LSVD“.

Auszug aus dem Buch

2.2 „Homosexualität“ im Koran

Werden Muslime auf das Thema Homosexualität angesprochen, bringen sehr viele von ihnen ohne langes Zögern den Koran bzw. das Verbot derselben im Koran als Begründung für die kategorische Ablehnung im Islam an. Der Koran verurteile Homosexualität als Sünde und sie sei aus diesem Grund nicht hinnehmbar. In der Tat stimmen die meisten Ausleger des Korans, vor allem traditionelle, dieser landläufigen Auffassung zu und interpretieren Homosexualität als Sünde. Eine gründliche Analyse dieser Thematik verdeutlicht aber, warum die Betonung auf interpretieren liegen muss. Die generell knappe Ausdrucksweise, die oftmals nur kurzen Andeutungen und nicht zuletzt der recht große Bedeutungsspielraum der arabischen Sprache lassen kein kategorisches Verbot von Homosexualität innerhalb des Korans zu. Im Folgenden sollen diese Aspekte bezüglich der Sprache und des Inhaltes näher betrachtet werden.

„Und (wir haben) den Lot (als unseren Boten gesandt). (Damals) als er zu seinen Leuten sagte: „Wollt ihr denn etwas Abscheuliches begehen, wie es noch keiner von den Menschen in aller Welt vor euch begangen hat? Ihr gebt euch in (eurer) Sinneslust wahrhaftig mit Männern ab, statt mit Frauen. Nein, ihr seid ein Volk, das nicht Maß hält.“ Seine Leute wussten nichts anderes (darauf) zu erwidern, als dass sie sagten: „Vertreibt sie (den Lot und seine Angehörigen) aus eurer Stadt! Das sind Menschen, die sich für rein halten!“ Und wir erretteten ihn und seine Familie (von dem Strafgericht, das über sein Volk hereinbrechen sollte) mit Ausnahme seiner Frau. Sie gehörte zu denen, die zurück blieben. Und wir ließen einen (vernichtenden) Regen auf sie niedergehen. Schau nur, wie das Ende der Sünder war!“

„Erinnert euch auch des Lot. Als dieser zu seinem Volke sagte: „Wollt ihr denn solche Schandtaten begehen, für die ihr bei keinem Geschöpf ein Beispiel findet? Wollt ihr denn in lüsterner Begier, mit Hintansetzung der Weiber, nur zu Männern kommen? Wahrlich, ihr seid zügellose Menschen.“ Sein Volk aber gab keine andere Antwort, als dass es sagte: „Jagt sie [Lot und seine Familie und die, welche es mit ihm halten] aus euerer Stadt, weil sie Menschen sind, welche sich rein erhalten wollen.“ Und wir erretteten ihn und seine Familie, mit Ausnahme seines Weibes, die vertändelte und zurückblieb. Sodann ließen wir einen Stein- und Schwefelregen über sie kommen. Siehe, so war das Ende dieser Frevler.“

Zusammenfassung der Kapitel

I Einleitung: Vorstellung des Themas, Klärung der Terminologie und Einordnung der Fragestellung in den Kontext der Sozialarbeit.

II Geschichtliche und religiöse Hintergründe: Untersuchung der historischen Wurzeln von Männlichkeit sowie eine Analyse der koranischen Aussagen bezüglich Homosexualität.

III „Familie und Männlichkeit“ am Beispiel der Türkei: Analyse der soziokulturellen Bedeutung von Ehre, Moral und Familienstrukturen für die türkische Männlichkeitskonstruktion.

IV „Homosexualität“ in der islamischen Kultur: Erörterung, wie in islamisch-orientalischen Kontexten sexuelle Kategorisierungen maßgeblich durch Macht- und Rollenverhältnisse geprägt sind.

V „Homosexualität“ bei Jugendlichen mit Migrationshintergrund: Darstellung von Identitätskonflikten, jugendlichen Umgangsformen und spezifischen Bewältigungsstrategien.

VI „Islam und Homosexualität“ in der Sozialarbeit: Diskussion der Dringlichkeit eines fachlich fundierten Diskurses und Vorstellung von Best-Practice-Beispielen der Selbstorganisation.

VII Schlussbetrachtung: Zusammenfassendes Plädoyer für eine kultursensible Sozialarbeit, die Individualität akzeptiert und Diskriminierung abbaut.

VIII Anhang: Bereitstellung ergänzender Informationen wie Stichwortverzeichnis, Quellenverzeichnis und relevanter Kontaktadressen.

Schlüsselwörter

Homosexualität, Islam, Migration, Männlichkeit, Ehre, Moral, Sozialarbeit, Identität, Türkei, Diskriminierung, Integration, Selbstorganisation, Familienstrukturen, Coming-Out, Kultur.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundsätzlich?

Die Arbeit beleuchtet die prekäre Situation von homosexuellen Muslimen im Spannungsfeld zwischen religiösen Normen, traditionellen Familienidealen und der Migrationserfahrung in Deutschland.

Welche Themenfelder stehen im Zentrum?

Die zentralen Themen sind das Verständnis von Männlichkeit und Ehre in muslimisch geprägten Kulturen, die religiöse Auslegung von Sexualität sowie die Herausforderungen der Identitätsbildung unter Migranten.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, durch die Analyse der soziokulturellen Faktoren ein Bewusstsein für die Lebenslagen schwuler Muslime zu schaffen und den Bedarf für eine professionelle, diskriminierungssensible Sozialarbeit zu verdeutlichen.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Der Autor stützt sich auf eine Literaturanalyse bestehender Forschungsberichte und soziologischer Studien sowie auf qualitative Interviews und Fragebögen mit betroffenen schwulen Muslimen in Deutschland.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine historisch-religiöse Aufarbeitung, eine soziologische Analyse des türkischen Männlichkeitsbildes und die Untersuchung praktischer Strategien, wie etwa Selbsthilfegruppen in der Sozialarbeit.

Welche Schlagworte charakterisieren diese Arbeit?

Die Arbeit lässt sich am besten mit den Begriffen Identitätskonflikte, Interkulturalität, familiäre Loyalität, islamische Rechtsschulen und professionelle Migrationssozialarbeit beschreiben.

Welche Rolle spielt die Familie im Kontext des Outings?

Die Familie ist für die Betroffenen das wichtigste soziale Konstrukt, weshalb das Coming-Out als massive Bedrohung der familiären Bindung und des eigenen sozialen Status wahrgenommen wird.

Wie unterscheidet sich das Verständnis von Homosexualität zwischen Westen und Orient?

Im Orient definiert sich "Schwulsein" oft stärker über die eingenommene Rolle (aktiv/passiv) beim Akt und nicht zwingend über eine gefestigte Identität, wie es im westlichen Diskurs der Fall ist.

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Details

Title
Männlichkeit und Homosexualität bei Muslimen mit Migrationshintergrund - Religiöse und soziokulturelle Einflüsse, individuelle Bewältigungsstrategien und Lebensentwürfe
College
University of Applied Sciences Frankfurt am Main
Grade
1
Author
Marcello Kloss (Author)
Publication Year
2005
Pages
75
Catalog Number
V47480
ISBN (eBook)
9783638444224
Language
German
Tags
Männlichkeit Homosexualität Muslimen Migrationshintergrund Religiöse Einflüsse Bewältigungsstrategien Lebensentwürfe
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Marcello Kloss (Author), 2005, Männlichkeit und Homosexualität bei Muslimen mit Migrationshintergrund - Religiöse und soziokulturelle Einflüsse, individuelle Bewältigungsstrategien und Lebensentwürfe, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/47480
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