Energiepolitik und Energienachfrage


Seminararbeit, 2003

18 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Energiepolitik und grundlegende Probleme der Bedarfsprognose

3. Die Energie-Verbrauchs-Kurve

4. Drei Nachfrageszenarien im Vergleich
4.1 Die FEST-Studie
4.2 Das Gemeinschaftsgutachten
4.3 Die Pestel-Studie

5. Schlussbemerkungen

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungs- und Tabellenverzeichnis

Abbildung 1 EV-Kurve

Abbildung 2 Prognose der Primärenergie in der FEST-Studie

Tabelle 1 Prognoseergebnisse verschiedener Energiestudien

für die BRD für ausgewählte Jahre

1. Einleitung

Energie ist für die heutigen modernen Industriegesellschaften von entscheidender Bedeutung: Sie ist sowohl Produktionsfaktor als auch Konsumgut[1]. Die Behauptung, dass moderne Nationen wie die Bundesrepublik Deutschland von Energie in höchstem Maße abhängig sind, wird durch den als „Black Out“ bezeichneten Stromausfall in den USA im Sommer 2003 quasi bewiesen. Organisation und Ordnung einer modernen Gesellschaft sind nach einem Zusammenbruch der Energieversorgung kaum mehr aufrechtzuerhalten.

Die Bereitstellung von Energie ist daher für Industriestaaten eine essentielle Aufgabe. Die besonderen Eigenschaften von Energie erschweren jene Aufgabe jedoch, da sie verhindern, dass Energie wie ein gewöhnliches marktwirtschaftliches Gut behandelt wird[2]: sie ist in Form von Elektrizität nicht speicherbar und ihr Transport ist leitungsgebunden, weshalb flächendeckende Versorgungsnetze errichtet und diese regelmäßig angepasst sowie gewartet werden müssen. Drittens bedeutet die Errichtung und Betreibung eines Kraftwerks einen hohen zeitlichen und monetären Aufwand. Ferner muss aufgrund der Bedeutung der Energie als Produktionsfaktor und Konsumgut die Versorgung der gesamten Bevölkerung sichergestellt werden.

Aufgrund der immensen Bedeutung der Energie als Garant für die Funktionsfähigkeit moderner Gesellschaften und der gleichzeitigen Sonderstellung als nicht marktwirtschaftlich handelbares Gut ergibt sich einleuchtend, dass der Politik bei der Versorgung mit Energie eine entscheidende Rolle zukommt.

Worin bestehen also die Aufgaben der Energiepolitik? Wo liegen die Schwierigkeiten der energiepolitischen Aufgabenstellung? Und welche Bedeutung haben Angebot und Nachfrage?

Diesen Fragen soll in dieser Arbeit nachgegangen werden. Zuerst möchte ich klären, welche spezifischen Probleme und Aufgaben sich für die Energiepolitik ergeben, hier soll vor allem die Prognostik der Energienachfrage im Vordergrund stehen, welche sich als wichtiges Instrument der Politik herausstellen wird. In den darauf folgenden zwei Kapiteln sollen verschiedene Möglichkeiten vorgestellt und anhand noch einzuführender Kriterien bewertet werden, die zukünftige Energienachfrage zu abzuschätzen: zuerst wird die EV-Kurve als relativ einfacher Ansatz behandelt und dann verschiedene Studien verglichen, die sich mit dem Thema Energienachfrage in der Zukunft beschäftigen. Hierbei steht vor allem die Vorgehensweise und Modellbildung im Vordergrund, weniger die quantitativen Ergebnisse dieser Studien. Zum Schluss möchte ich in einem Fazit die Ergebnisse noch einmal zusammenfassen und auch ein eigenes Urteil über die brauchbarste Vorgehensweise bei der Energieprognose abgeben.

2. Energiepolitik und grundlegende Probleme der Bedarfsprognose

Es sind „in aller Welt Entwicklungen im Gange, die ... eine intensive Beschäftigung mit den langfristigen Energieproblemen der Menschheit notwendig machen[3]. Als wichtigste zu nennen sind der Verbrauch immer rascher zur Neige gehender fossiler Energieträger, zu niedrige, die Verknappung nicht reflektierende Energiepreise, der nach Weltregionen ungleichmäßig Bestand an Energiereserven sowie schließlich bedrohliche langfristige Auswirkungen der heutigen Energienutzung wie die viel genannte Klimakatastrophe[4].

Jene Entwicklungen und die eingangs erläuterten Besonderheiten des Energiesektors begründen die Bedeutung bzw. die Notwendigkeit eines Eingreifens der Politik, wobei es jedoch je nach Energiesektor deutliche Unterschiede des öffentlichen Engagements gibt – am stärksten ist die Regulierung aus Gründen der Sicherheit im Bereich der Atomenergie[5]. Welche Rolle spielt nun die Politik genau in der Energiewirtschaft? Was sind ihre Aufgaben?

„Das wichtigste Ziel der Energiepolitik besteht darin, einen optimalen Angebotsmix bereitzustellen“[6], das den Zielen „Preiswürdigkeit, Sicherheit der Versorgung, Sozialverträglichkeit und Umweltverträglichkeit“[7] entspricht und „in Bezug auf die Qualität des Energieträgers ... der Nachfrage entspricht“[8].

Der Energiepolitik kommt hinsichtlich des Energieangebots noch eine weitere Aufgabe zu: Anstatt die Energienachfrage lediglich durch eine bestimmte Zusammensetzung unterschiedlicher Energieträger (Kohle, Öl etc.) zu decken, „sollte [sie] Energiedienstleistungen bereitstellen“[9]. „Darunter versteht man die Leistung, die Energie für die Befriedigung von Bedürfnissen oder Zwecken bringt“[10]. Eine solche Leistung ist nicht nur durch Energieträger zu erreichen, sondern auch durch Weiterentwicklung der Technik, dem Einsatz von Kapital und einem veränderten Umgang mit Energie – wobei deutlich wird, dass die letzten beiden Punkte vor allem auf den Verbraucher zielen, der, um sein Bedürfnis nach einem warmen Heim zu verwirklichen, in Wärmedämmung investieren und die Fenster beim Heizen geschlossen halten sollte, um die optimale weil verbrauchsminimale Heizwirkung zu erzielen[11].

Aus der Aufgabe der Energiepolitik, ein der Nachfrage entsprechendes Angebot an Energie bereitzustellen, ergibt sich für sie die Notwendigkeit, den Bedarf an Energie zu ermitteln. Die Schwierigkeit hierbei folgt aus einer der eingangs erwähnten Eigenschaften von Energie: Die Bereitstellung erfordert einen gewissen Vorlauf, der sich zum Beispiel aus der für den Bau eines Kraftwerks erforderlichen Zeitspanne ergibt[12]. Dies bedeutet, dass Prognosen über den zukünftigen Energiebedarf erstellt werden müssen, die als nur unter bestimmten Bedingungen eintretende „wenn...dann...“-Aussagen zu verstehen sind und daher objektiv weder richtig noch falsch sein können. Von der „Treffsicherheit“ einer Prognose hängt jedoch die künftige Energieversorgung ab, weshalb Kriterien nötig sind, eine solche Zukunftsaussage zu bewerten, bevor energiepolitische Maßnahmen getroffen werden. Es lassen sich drei solcher Kriterien ausmachen, die eine Bewertung ermöglichen, ohne dabei auf die objektive Richtigkeit zurückzugreifen, die – wie erwähnt – für Prognosen der Zukunft nicht anwendbar ist.

Eine Prognose des zukünftigen Energiebedarfs hat das Kriterium der Vollständigkeit zu erfüllen, das bedeutet, alle relevanten Einflussgrößen müssen berücksichtigt werden[13]. Allerdings ist dieses Kriterium – obwohl hier zuerst genannt – doch eher als untergeordnet zu betrachten, da die Behandlung aller mit Energie zusammenhängenden Größen „natürlich niemals von einer Studie gefordert werden kann“[14]. Dennoch sollte die Beachtung möglichst aller wichtigen, von der aktuellen Forschung bis heute lokalisierten Einflussfaktoren von einer Prognosestudie geleistet werden.

Das zweite Bewertungskriterium ist das der Konsistenz. Die Ergebnisse einer Prognose sind durch die getroffenen Annahmen begründet, „und diese wiederum müssen aus einer Analyse der Vergangenheit [und Gegenwart] (Systemanalyse) abgeleitet werden können“[15]. Die Abfolge Ausgangssituation – Annahmen – Ergebnisse muss dabei widerspruchsfrei und nachvollziehbar sein.

Als letztes bleibt die Plausibilität als Kriterium zur Beurteilung von Prognosen zu nennen. Hier geht es um die in einer Studie unterstellten Wirkungszusammenhänge und die gesetzten Annahmen über die zukünftigen Entwicklungen, von denen ausgehend ein bestimmter Energiebedarf ermittelt wird. Vor allem letztere bereiten dabei Schwierigkeiten: „Die Plausibilität der Prognose-Annahmen zu beurteilen, heißt, es begründet besser zu wissen als die Modellautoren“[16]. Hier kommt wieder das Problem ins Spiel, dass Annahmen über die Zukunft niemals objektiv richtig oder falsch sein können, und jeder Einwand auch wieder kritisiert werden kann. Dennoch lässt sich – wenigstens in einem groben Rahmen – die Qualität einer Studie daran messen, ob sie zukünftige Entwicklungen postuliert, die anhand der gegenwärtigen Situation einleuchtend scheinen – auch wenn es hinsichtlich ihres Eintretens genügend Unsicherheiten gibt.

[...]


[1] Vgl. Meixner (1981), S. 178

[2] Vgl. Teichmann (1987), S. 245

[3] Jarass (1988), S. V

[4] Vgl. ebenda

[5] Ferriter (1998): S. 38

[6] Majer (1992), S. 184

[7] Majer (1992), S. 194

[8] ebenda

[9] Majer (1998), S. 146

[10] ebenda

[11] Vgl. Majer (1998), S. 146

[12] Vgl. Majer (1998), S. 145

[13] Vgl. Majer/Rühle/Thöne (1981), S. 171

[14] Majer/Rühle/Thöne (1981), S. 173

[15] Majer/Rühle/Thöne (1981), S. 173

[16] Majer/Rühle/Thöne (1981), S. 173

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Energiepolitik und Energienachfrage
Hochschule
Universität Stuttgart
Veranstaltung
Wirtschaftswachstum und technischer Wandel
Note
1,3
Autor
Jahr
2003
Seiten
18
Katalognummer
V47490
ISBN (eBook)
9783638444316
ISBN (Buch)
9783638791342
Dateigröße
522 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Das Thema der Arbeit ist "Nachfrageszenarien im Energiebereich". Behandelt werden die Probleme und Aufgaben der Energiepolitik, die Prognose der Energienachfrage, die EV-Kurve und verschiedene Studien zum zukünftigen Energiebedarf.
Schlagworte
Energiepolitik, Energienachfrage, Wirtschaftswachstum, Wandel
Arbeit zitieren
Monika Schraft (Autor), 2003, Energiepolitik und Energienachfrage, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/47490

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Energiepolitik und Energienachfrage



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden