Das Festzelt des II. Ptolemäerkönigs Philadelphos


Hausarbeit (Hauptseminar), 2001
14 Seiten, Note: 2

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Rekonstruktion vom Festzelt des II. Ptolemäerkönigs Philadelphos
2.1. Der umsäulte Innenraum
2.2. Die Innenseite des Umgangs
2.3. Die Außenseite des Umgangs
2.4. Das Obergeschoss des Umgangs
2.5. Die Einrichtung des Trinksaales
2.6. Das Gerätzelt

3. Die Bedeutung des Festzeltes

4. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Anhand der zeitlich nahen Überlieferung des Kallixeinos vom späten 3. beziehungsweise frühen 2. Jh. v. Chr. ist es möglich, den ephemeren Festzeltbau des Philadelphos II. von 278-270 v. Chr.[1] im altägyptischen Alexandria zu rekonstruieren. Dazu werden die Arbeiten von Franz Studniczka[2] und Michael Pfrommer[3] herangezogen, wobei sich die Hausarbeit in erster Linie auf Studniczkas Monographie stützt, da sich diese nicht nur ausführlicher, sodern auch fundierter mit dem Thema auseinander gesetzt hat. Demnach werden Pfrommers Ergebnisse nur an den sich widersprechenden Stellen aufgeführt. Dabei fällt auf, dass sich die gegen-sätzlichen Ergebnisse größtenteils aus der unterschiedlichen Interpretation der Überlieferung ergeben. Studniczka beruft sich auf „ein kurzes Stück aus den Deipnosophisten des Athenaios von Naukritas ... auf Grund der Ausgabe von Kaibel“[4], jedoch hat er sich vorbehalten, an ge-wissen Stellen sein archäologisches Fachwissen in die Übersetztung mit einfließen zu lassen[5]. Pfrommer stützt sich auf den Text des Kallixeinos, der sich bei Athenaios V, 196a-203b wiederfindet[6].

Das Festzelt wurde anläßlich der alle vier Jahre im Winter stattfindenen Pompe erbaut. Diese dauerte einen Tag lang und fand im Stadion statt. Der dionysische Festzug bestand aus mehreren Abteilungen, die sich nach dem benannten, was sie darstellten. Den Anfang bildete die Morgenstern-Abteilung, danach folgten Abteilungen der einzelnen Götter und eine, die nach den Eltern des Königspaares benannt war. Das Ende der reich geschmückten und prunk-voll ausgestatteten Pompe, an der auch Tiere teilnahmen, bildete die Abendstern-Abteilung.

Das Festzelt befand sich „im Innern des Burggeländes, abseits vom Platz, wo man Soldaten, Handwerker und auswärtige Besucher bewirtete“[7].

Da es sich um eine Holz- und Stoffkonstruktion handelte, war es möglich ein verhältnismäßig großes überdachtes Bauwerk zu schaffen, dessen Kosten sich in Grenzen halten konnten, was aufgrund der reichen Ausstattung, die im Folgenden u.a. beschrieben wird, auch sinnvoll war.

2. Die Rekonstruktion vom Festzelt des II. Ptolemäerkönigs Philadelphos

2.1. Der umsäulte Innenraum

Aus der Übersetzung des Athenaiostextes aus der Sammlung Dietrich geht hervor, dass das Festzelt 130 „im Kreise angeordnete Liegen aufnehmen“[8] konnte, was darauf hinweist, dass es sich um einen äußerst großen Bau handelte. Um seine Ausmaße berechnen zu können, haben sich Studniczka und Pfrommer mit der knappen Angabe des Athenaios auseinander gesetzt, in der er beschreibt:

„An jeder Langseite standen fünf Holzsäulen, fünfzig Ellen hoch, an den kürzeren Seiten eine

weniger. Sie trugen einen viereckigen Aufbau, der das ganze Dach über dem Festplatz hielt.“[9]

Mit Blick auf die Rekonstruktionen von Studniczka[10] und Pfrommer[11] fällt auf, wie unterschiedlich die Beschreibung des Athenaios aufgefasst werden kann. Im Gegensatz zu Studniczka, der sich auf entsprechende Vergleiche stützt, um den Zeltbau möglichst wahrheitsgemäß wieder herstellen zu können, hält sich Pfrommer mit Begründungen für seine Wiederherstellung weitestgehend zurück.

Zunächst ist an Studniczkas Zeichnung[12] zu erkennen, dass er die genannte Säulenanzahl aus Athenaios´ Text als vier zu fünf Säulen verstanden hat, während Pfrommer sie im Verhältnis von vier mal fünf Säulen angeordnet hat[13]. Dieser Unterschied in den Rekonstruktionen ist im Folgenden auch oft der Grund für weitere Unstimmigkeiten in den Arbeiten von Studniczka und Pfrommer. Denn aufgrund der eher dürftigen Beschreibung des Athenaios sind die Autoren darauf angewiesen, Schlussfolgerungen aus jedem Teil der Rekonstruktion zu ziehen, wobei sich Missverständnisse wie ein roter Faden durchziehen.

Nachdem Studniczka in der Anordnung der Säulen dem Peristylhof gefolgt ist und sich für 14 Stützen entschieden hat, ist es nötig, den Säulenabstand zu berechnen, um zu wissen, wie groß der überdachte Bereich des Festzeltes war.

Er zieht einen Vergleich mit der zwar später von Vitruv errichteten Basilika zu Faunum Fortunae[14] heran, jedoch erweist sich dieser Bau durch seinen Plan und Aufbau als recht naher Verwandter des Zeltes. Gemäß den Zahlen der Basilika kommt Studniczka auf ein Interkolumnium von 21E. Nach den Maßen der altägyptischen Königselle entpricht ein Interkolumnium dann 11m. Dieser Säulenabstand liegt knapp an der Grenze des damals möglichen, wenn die Säulendicke 2E betragen hat, so dass Studniczka auf eine Größe von 61E (33m) in der Breite und 82E (43m) in der Länge für den umsäulten Innenraum kommt.

Pfrommer errechnet eine Fläche von 60m x 80m, die er in der Anzahl der im Kreise angeordneten Klinen begründet sieht. Abgesehen von seiner unlogischen Rechnung, die hier nicht näher erläutert wird[15], hat er sich auch nicht ausreichend mit dem Ausdruck „im Kreise angeordnet“[16] beschäftigt. Seine Variante ist nicht nur unkommunikativ für die Teilnehmer des Symposions, sondern auch weniger wahrscheinlich, wenn man Studniczkas Überlegungen beachtet. Da bei Athenaios aber erst an anderer Stelle auf die Inneneinrichtung eingegangen wird, folgt dieser Aspekt auch hier erst später.

In der Beschreibung des Festzeltes fährt Athenaios damit fort, dass

„Dieses Dach ... mit einem ... Baldachin aus Purpurstoff mit weißem Rand drapiert (war).“[17]

Der weißgesäumte Purpurstoff findet sich in der Rekonstruktion von Studniczka wieder, bei Pfrommer erstaunlicher Weise genau umgekehrt, also ein rotgesäumter weißer Stoff. In Pfrommers alternativen Konzeption[18] erkennt man dann zwar den von Athenaios beschriebenen weißgesäumten Purpurstoff, jedoch ohne Erklärung dazu, wieso es Pfrommer in seiner eigentlichen Rekonstruktion vorgezogen hat, einen rotgesäumten Baldachin darzustellen.

Athenaios hält weiter fest, dass das Dach auf den Seiten Balken hatte,

„die mit weißgestreiften Behängen wie Türme verhängt waren.“[19]

Diesen Stoff kann man auf beiden Rekonstruktionen nicht genau erkennen, aber da das Motiv aus dem textilen Bereich kommt, lohnt sich ein Blick in das Buch von Renate Rolle[20], in dem sie sich mit antiken Stoffen auseinander gesetzt hat. Das Muster der Zeltbalken könnte dem eines vielfarbigen, 1,80m x 2m großen Teppichs aus dem 5. Jh. v. Chr. entsprechen, der im Altai gefunden worden ist[21]. Solche Teppiche wurden als Pferdedecken genutzt und so ist es möglich, dass deren Muster auch in Ägypten gesehen worden sind.

Als nächstes erwähnt Athenaios:

„In den Zwischenräumen waren in der Mitte gemalte Platten angeordnet.“[22]

Diese Textstelle ist nicht genau einzuordnen, aber hier hilft die Übersetzung aus Studniczkas Monographie. Er schreibt dort: „Darüber (an der Decke) waren Kassettenfelder angeordnet, (jedes) in der Mitte bemalt“[23]. Wie die Kassettenfelder bemalt waren, erfährt man nicht.

Dann schreibt Athenaios:

„Von den Säulen glichen vier den Dattelpalmen, die nach der Mitte zu sahen wie Thyrsosstäbe aus.“[24]

Hier sind sich Studniczka und Pfrommer einig, denn Palmsäulen sind in der ägyptischen Architektur ein wohlvertrauter Typus. Die weit ungewöhnlichere Form des Thyrsosstabes erklären sie sich, da das heilige Attribut des Dionysos vorzüglich zu einem Festzelt passt, in dem Wein getrunken und wild gefeiert wird.

[...]


[1] F. Studniczka: Das Symposion Ptolemaios II. Nach der Beschreibung des Kallixeinos wiederhergestellt.

Abh. 30 H.2. Leipzig, 1914; S.16.

[2] Studniczka, a.O.

[3] M. Pfrommer: Alexandria. Im Schatten der Pyramiden.

Verlag Philipp von Zabern. Mainz/Rhein, 1999.

[4] Studniczka, a.O.; S. 3.

[5] Studniczka, a.O.; S. 3.

[6] Pfrommer, a.O.; S.69.

[7] Athenaios von Naukritas: Das Gelehrtenmahl (206 d ff). Sammlung Dietrich Bd. 329. Dietrich´sche

Verlagsbuchhandlung Leipzig, 1985; S. 116.

[8] Sammlung Dietrich, a.a.O.; S. 116.

[9] Sammlung Dietrich, a.a.O.; S. 116.

[10] Studniczka, a.a.O.; Tafeln 1 - 3.

[11] Pfrommer, a.a.O.; Abb. 102 - 104.

[12] Studniczka, a.a.O.; Tafel 3.

[13] Pfrommer, a.a.O.; Abb. 103.

[14] Studniczka, a.a.O.; S. 104.

[15] s. Pfrommer, a.a.O.; S.70.

[16] Sammlung Dietrich, a.a.O.; S.116.

[17] Sammlung Dietrich, a.a.O.; S. 116.

[18] Pfrommer, a.a.O.; Abb. 104.

[19] Sammlung Dietrich, a.a.O.; S. 116.

[20] R. Rolle: Die Welt der Skythen. Stutenmelker und Pferdeboger: Ein antikes Reitervolk in neuer Sicht.

Buchner Verlag. Luzern, Frankfurt/Main, 1980.

[21] Rolle, a.O.; S. 104.

[22] Sammlung Dietrich, a.a.O.; S. 116.

[23] Studniczka, a.a.O.; S. 5.

[24] Sammlung Dietrich, a.a.O.; S. 116.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Das Festzelt des II. Ptolemäerkönigs Philadelphos
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum  (Institut für klassische Archäologie)
Veranstaltung
Antike Paläste
Note
2
Autor
Jahr
2001
Seiten
14
Katalognummer
V47497
ISBN (eBook)
9783638444385
ISBN (Buch)
9783638764155
Dateigröße
448 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Festzelt, Ptolemäerkönigs, Philadelphos, Antike, Paläste
Arbeit zitieren
Katharina Krings (Autor), 2001, Das Festzelt des II. Ptolemäerkönigs Philadelphos, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/47497

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