Kritik der Ölförderungen in Kanada durch Einheimische in "Bloodland"


Hausarbeit, 2019

8 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einheimische Kanadier und Ölbohrungen

2. Kritik der Ölindustrie in Bloodland
2.1 Musik und Sound
2.2 Aufnahmen

3. Fazit

1. Einheimische Kanadier und Ölbohrungen

Kanada ist eines der ölreichsten Länder der Welt. Aber trotz der großen Ressourcen ist es auf den Ranglisten der Verkäufe keines der führenden Länder. Das liegt besonders an Problemen mit den Besitzverhältnissen von Land bei einheimischen Kanadiern. Denn durch deren starke Verbindung zur Natur und dadurch auch zum Land und stimmen sie Bohrungen oft nicht zu. Auch die Regelungen der Verkaufsmöglichkeiten und der Autorisierung zu Bohrungen sind nicht ausreichend definiert. Einheimische haben das Recht, ihr Land vor dem Schaden, der durch Bohrungen entsteht, zu schützen. Auch der Verlust von „Physical and cultural heritage“1 ist ein Grund, das Fördern von Öl zu verbieten. Wann jedoch solcher Schaden entsteht, wird nicht definiert und oftmals gibt es keine ausreichenden Untersuchungen.2 Viele Eingeborene wehren sich deshalb gegen den Verkauf und die Bohrungen.

Der Kurzfilm Bloodland kritisiert den Kauf und Verkauf von Land in Kainaiwa um dort nach Öl zu bohren mit der Begründung, dass Einheimische eine spirituelle und fast schon körperliche Verbindung zu dem Land haben, auf dem sie leben, aber dieses weder der Besitz von ihnen noch von anderen Personen ist. Der Film wurde von den Betroffenen finanziert und von einem rein eingeborenen Filmteam und auch Schauspielern produziert.

2. Kritik der Ölindustrie in Bloodland

Für die filmischen Begriffe, deren Verwendung und Definition richte ich mich nach Einführung zur Filmwissenschaft3 von Sigrid Lange und Introduction to Film4 von Nick Lacey. Der dreiminütige Kurzfilm beginnt mit einem kurzen Zitat einer Ölfirma und stellt somit sofort den Zusammenhang zu den Bohrungen her. Mit der Aussage, dass der Grund von zukünftigen Generationen und nicht von vergangenen ausgeliehen wird, zeigt sich das Bewusstsein der Auswirkungen von Ölbohrungen auf das Land und die Natur und somit auch auf die kommenden Generationen (Bloodland 0:16). Die Ölfirmen gestehen so implizit ein, dass sie den Schaden, der durch das Fördern von Öl entsteht, kennen und versuchen zu minimieren um künftigen Bewohnern ihre Möglichkeit zu leben zu erhalten.

Im Gegensatz dazu steht das Zitat eines Stammesführers der Blackfoot am Ende des Films. Der Einheimische und Ranghöchste des Stammes nimmt Stellung zum Verkauf von Land, genauer gesagt, dass sie Land nicht verkaufen können, da dies kein Besitz ist. Stattdessen ist die Bedeutung der Erde, dass „this land will be here to give life to men and animals“ (Bloodland 2:36). Dadurch wird ein Zusammenhang zwischen dem Boden, auf dem sie leben, und der Möglichkeit, das Land zu verwenden, hergestellt. Ohne den Boden ist also ein Leben nicht möglich und dieses muss um jeden Preis geschützt werden.

2.1 Musik und Sound

Die etwa drei Minuten des Films sind komplett von einem Offscreen Sound durchzogen. Trommeln und Gesang sind zu hören. Die Musik ist von dem Filmteam selbst produziert und aufgenommen worden, d.h., dass es sich um den Stil und die Sprache der Eingeborenen handelt. Dadurch ist leichter zu erkennen, dass der Film eine Aussage aus Sicht der Einheimischen darstellt. Untertitel sind nicht gegeben, es ist nur der Titel des Liedes angemerkt: Bloodland Lullaby. Dass das Lied als Schlaflied bezeichnet wird, lässt sich mit dem Tod, der oft auch als ewiger Schlaf oder ähnliches betitelt wird, in Verbindung bringen. Schlaflieder gibt es in jeder Kultur, diese sind oft nach außen hin unbekannt und haben je nach Region oder Familie verschiedene Texte und Melodien. Diese werden häufig mündlich über Generationen weitergegeben und spiegeln so auch die Vergangenheit und die Wichtigkeit der Vorfahren wider.

Die Trommeln hingegen ahmen den Klang eines Herzschlags nach, werden aber auch oft als Ankündigung von Krieg und Schlachten interpretiert. Diese sind klischeehaft für kanadische oder amerikanische Ureinwohner charakteristisch. Die Trommeln stehen im Gegensatz zu dem ruhigen Schlaflied. Der Kontrast bildet sich zwischen dem Schlaflied für das Land, dass dem Tod gesegnet ist, und der Ankündigung eines Kampfes gegen den Auslöser der Zerstörung, dem Fördern von Öl. Bereits hier wird durch die musikalische Untermalung die Missgunst gegenüber den Bohrungen ausgedrückt.

Ein weiterer Offscreen Sound ist das Voice-Over. Eine ruhige Frauenstimme unterlegt Teile des Videos. Sie durchzieht aber nicht den ganzen Film, sondern beginnt erst mit dem Auftreten der Entführer und endet kurz darauf mit dem Tod der Frau (Bloodland 0:47 – 1:19). Da das Voice-Over in der Muttersprache des Blackfoot Stammes gesprochen ist und keine Untertitel, Anmerkungen oder Übersetzungen vorhanden sind, werden hier Nichteingeborene ausgeschlossen. Nur die, die davon betroffen sind und das Problem hinter dem Konflikt auch erkennen können, können also das Gesagte verstehen. Dadurch wird eine Exklusivität eingeführt, der Zuschauer wird aber auch angeregt, diese zu überbrücken. Die unterschwellige Aussage, dass nicht jeder diese Gedanken und Probleme teilt, ist somit klar hervorgehoben. Gerade durch dieses Wegnehmen der Möglichkeit, dass jeder das Gesagte begreift, wird auch der filmische Inhalt wichtiger.

2.2 Aufnahmen

Der Kurzfilm beginnt mit einer Aufnahme des umstrittenen Landes; ein grünes und schneebedecktes Feld ist zu sehen. Diese Einstellung wechselt sich mit der kontrastreichen Darstellung einer hellen Folie ab, an der eine dunkle Flüssigkeit entlang läuft (Bloodland 0:27). Die dialektische Montage passt sich rhythmisch den Trommelschlägen an. Der Zusammenhang ist zuerst unklar, das Feld hat keinerlei Verbindung zu der Flüssigkeit, die weder als Blut noch als Öl deutlich einzuordnen ist. Doch die implizite Bedeutung, dass ihr Land ihnen genauso wichtig ist wie ihr Leben und somit parallel steht, wird während des weiteren Verlaufs erkannt. Durch die dialektische Montage werden die verschiedenen Elemente jeweils parallel und gleichwertig gesetzt.

Auf dem schneebedeckten Feld wird mithilfe einer Doppelbelichtung eine eingeborene Frau in typischer ursprünglicher Kleidung sichtbar. Durch das langsame Auflösen der Transparenz und dem Aufstehen der Frau wirkt es, als wäre die Frau ein Geist, der aus dem Boden entstanden ist. So wird eine enge Verbindung zur Natur hergestellt und das Land als Ursprung eingeführt (Bloodland 0:30). Erst als sie komplett sichtbar ist, wird die Frau gegen eine Aufnahme nahender Männer ausgetauscht. Eine bewegte Kamera, die knapp über dem Boden entlang fährt, verfolgt die Schritte zweier Männer in schwarzen Anzügen (Bloodland 0:41). Dadurch ist zu erkennen, dass die Personen auf dem eben gezeigten Feld gehen und mit zielstrebigen und schnellen Schritten unterwegs sind.

Die dialektische Montage zieht sich weiterhin durch den Kurzfilm fort, das fließende Blut wird aber immer kürzer eingeblendet. Durch diese Beschleunigungsmontage wird eine Spannung erzeugt, die es dem Zuschauer außerdem erschwert, alle Vorgänge zu erkennen. Durch diese ständige Parallelität wird aber das Suchen nach Metaphern und Zusammenhängen angeregt.

Im weiteren Verlauf des Kurzfilms wird die dialektische Montage verändert, die Elemente werden erneut ersetzt. Statt dem Feld ist die schreiende, gefolterte Frau zu sehen, in deren Bauch Bauarbeiter bohren. Diese wird mit dem Bild einer Bohrung in Erde abgewechselt (Bloodland 1:04). So wird der Zusammenhang zwischen dem Körper der eingeborenen Frau und der Erde hergestellt. Diese ist somit parallel zu den lebenswichtigen Organen der Frau gestellt. Ein Statement ist zu erkennen: Was ihr unserem Land antut, tut ihr auch uns selbst an. Durch die Gleichsetzung mit den Organen wird dies aber noch eine Ebene höher gestellt. Denn dadurch entspricht das Zerstören des Landes dem Nehmen von Leben, da die Erde Voraussetzung für das Leben der Eingeborenen ist. Die Bohrungen werden so als grausam und verstümmelnd dargestellt. Besonders durch das Weinen und Schreien der Frau, die immer noch lebt, während ihr die Organe entnommen werden, wird die Szene sehr emotional. Dies wird gleichgesetzt mit dem Wühlen in der Erde nach Öl (Bloodland 1:24). Die Frau ist also eine Personifikation der Erde und des Landes.

Diese schnelle Parallelmontage wird erst mit Beendigung der Bohrungen abgebrochen. Dabei ist eine statische Kamera auf eine Folie gerichtet, auf der der Bohrer achtlos abgelegt wird (Bloodland 1:37). So zeigt sich der schlechte und respektlose Umgang, den der Grund beim Fördern von Öl erfährt.

Eine Detailaufnahme zeigt danach die zugerichtete Leiche der Frau. Die Kamera bewegt sich über die Wunden und die Blutflecken und folgt dem Fluss des Blutes die Folie entlang (Bloodland 1:42). Nach einer kurzen Unschärfe ist die Spur des Blutes klar als die Aufnahme zu erkennen, die bei der ersten dialektischen Montage verwendet wurde (Bloodland 0:30). Dadurch ist erst im Nachhinein die Prolepse erkenntlich, denn das Blut entsteht erst später durch die Bohrungen im Körper. Das bedeutet, dass bereits vor Beginn der Bohrungen die Zukunft des Landes durch die Förderungen bekannt ist, das Absterben der Natur.

Ein Close-Up zeigt danach die pulsierenden Organe der Frau. Diese wurden ihr entnommen und sind in einem Haufen Erde begraben. Die Kamera ist nicht statisch, sondern schwankt leicht herum (Bloodland 1:56). Eine Überblendung vermischt diese Bilder dann mit dem Verfolgen von Blut, welches durch den Ackerboden läuft (Bloodland 2:06). In einer Detailaufnahme wird der Verlauf des Blutes verfolgt. Das Blut läuft durch die Erde und dann an der Folie entlang, bis es schließlich vom Rand des Tisches läuft, auf dem die Frau gefoltert wurde. Die Kamera bewegt sich dann wackelnd und teils unscharf so weit bis unter den Rand, dass sich das dunkle Blut nicht mehr von der Folie abhebt. Stattdessen ist es vor dem schwarzen Hintergrund nicht mehr zu erkennen. Belichtung ist keine vorhanden, der Kontrast von der Folie zum Blut wird aufgelöst und nur noch Schwärze ist sichtbar (Bloodland 2:22). Dadurch bilden sich mehrere Assoziationen. Einerseits wird die Frau mit der Erde ausgetauscht und so gleichgesetzt. Weiterhin wird hier auch die anfängliche Schwierigkeit beseitigt, Öl von Blut zu unterscheiden. In den Aufnahmen wird immer die gleiche Flüssigkeit benutzt. Die Wichtigkeit dieser Unterscheidung wird also gemindert, beides hat den gleichen Wert und wird durch den selben Prozess zu Tage gefördert. So ist das Öl des Landes auch das Blut der Eingeborenen. Da Blut eine Lebensessenz ist, entspricht das Entnehmen von Öl dem Töten der Erde. Aber auch schon das Bohren im Boden, der dadurch beschädigt wird, wird dem Entnehmen von Organen und damit dem sicheren Tod gleichgesetzt. Die Erde soll also möglichst unangetastet bleiben.

[...]


1 Laura Wright, Jerry P. White: „Developing Oil and Gas Resources On or Near Indigenous Lands in Canada: An Overview of Laws, Treaties, Regulations and Agreements.“The International Indigenous Policy Journal, Article 5, Vol. 3. Zu finden auf: https://ir.lib.uwo.ca/iipj/ vol3/iss2/5 DOI: 10.18584/iipj.2012.3.2.5e.

2 Vgl. edb. S. 1 ff.

3 Sigrid Lange: Einführung in die Filmwissenschaft. Darmstadt: Wiss. Buchges., 2007 .

4 Nick Lacey: Introduction to film. NewYork: Palgrave, 2016.

Ende der Leseprobe aus 8 Seiten

Details

Titel
Kritik der Ölförderungen in Kanada durch Einheimische in "Bloodland"
Hochschule
Universität Augsburg  (Neue Englische Literaturen und Kulturwissenschaft)
Note
1,3
Autor
Jahr
2019
Seiten
8
Katalognummer
V475216
ISBN (eBook)
9783668953260
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bloodland, Filmanalyse, Kritik Ölförderungen, Kanada
Arbeit zitieren
Lea Jell (Autor), 2019, Kritik der Ölförderungen in Kanada durch Einheimische in "Bloodland", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/475216

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