Probleme, die zu einem vorangegangenen Zeitpunkt nicht wichtig aussehen, sind oftmals der erste Schritt zu einer Katastrophe. In Beziehungsenden, psychischen Zusammenbrüchen, aber auch in Kriegen war die Ursache oft klein und unwichtig, hat jedoch eine Lawine an Ereignissen ausgelöst.
"You do not imagine, I hope, that we pigs are doing this in a spirit of selfishness and privilege? […] It is for your sake that we drink that milk and eat those apples. […] So it was agreed without further argument that the milk and the windfall apples (and also the main crop of apples when they ripened) should be reserved for the pigs alone."
Was sich nach einem harmlosen Streit nach Essen anhört, ist in Wirklichkeit der Wendepunkt einer ganzen Revolution, der zum Scheitern dieser führt. In der Geschichte Animal Farm stürzen die Bauernhoftiere ihren Bauern um sich selbst zu versorgen, besser zu leben und keinen diktatorischen Führer mehr zu haben. Stattdessen endet es mit denselben schlechten Lebensumständen, nur mit anderen Machthabern, den Schweinen statt Mr. Jones.
Animal Farm zeigt eine dystopische Weltanschauung, die eine Satire auf das kommunistische Russland im zweiten Weltkrieg darstellt. Durch die Einordnung des Textes in die Gattung Fabel und dadurch der Verwendung eines globalen Anthropomorphs wird die Allgemeingültigkeit der Ideen über diese Art der Revolution dargestellt, und dass diese nur zu einem Wechsel des Oberhauptes führt und nicht zu einer Änderung der Lebensbedingungen. Eine Rebellion kann nur funktionieren ohne Parteien oder Personen, die ihr eigenes Wohl über das der anderen stellen.
Das Werk wird anhand der folgenden Definition in die Gattung Fabel eingeordnet.
Inhaltsverzeichnis
1. Milch und Äpfel
2. Fabeltheorie
2.1 Epische Fiktionalität
2.2 Transfersignale
2.3 Globale Anthropomorphisierung
2.4 Darstellungsform
3. Animal Farm als Fabel
3.1 A Fairy Story
3.2 It must have done so
3.3 Von Menschen und Schweinen
3.4 Animal Farm als hyperphysische Fabel
4. Verschiebung des Machtkaleidoskops
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Diese wissenschaftliche Arbeit untersucht George Orwells Werk Animal Farm unter gattungstheoretischen Gesichtspunkten, um die Darstellung politischer Revolutionen und deren Scheitern zu analysieren. Die zentrale Forschungsfrage befasst sich damit, wie die Einordnung als Fabel und die damit verbundenen narrativen Strukturen – insbesondere die globale Anthropomorphisierung und der Einsatz von Pointen – die Kritik an totalitären Systemen und zirkulären Machtstrukturen unterstützen.
- Gattungstheoretische Fundierung von Fabel und Parabel
- Analyse der epischen Fiktionalität in Animal Farm
- Untersuchung von Transfersignalen und Pointen als erzählerische Mittel
- Anthropomorphisierung als narratives Werkzeug der politischen Satire
- Kritik an kommunistischen Revolutionsidealen und zirkulären Machtdynamiken
Auszug aus dem Buch
3.2 It must have done so
Da Animal Farm eine prosaische Fabel ist, entspricht sie nicht ganz der aesopischen Struktur, da die Fabel dazu zu lang ist und mehrere Ereignisse behandelt. Aber auch hier lassen sich Teile davon anwenden. Man kann als Hauptereignis die scheiternde Revolution erkennen. Das bedeutet, dass der Auslöser dem Vertreiben von Mr. Jones entspricht, die Reaktion darauf die Übernahme der Farm durch die Tiere und die Schweine als neue Machthaber und das Ergebnis ist schließlich die Assimilierung der Schweine zu den Menschen und damit das Abschließen des Teufelskreises.
Es gibt keine explizite Lehre, stattdessen gibt es am Ende eine Pointe.
„Twelve voices were shouting in anger, and they were all alike. No question, now, what had happened to the faces of the pigs. The creatures outside looked from pig to man, and from man to pig, and from pig to man again: but already it was impossible to say which was which.“
Die Pointe sagt also aus, dass die Schweine den Menschen immer ähnlicher wurden, obwohl dies am Anfang ausdrücklich als Fehler beschrieben wurde.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Milch und Äpfel: Dieses Kapitel erläutert den Wendepunkt der Rebellion und führt in die dystopische Weltsicht von George Orwell ein, die das Scheitern revolutionärer Bestrebungen thematisiert.
2. Fabeltheorie: Es werden die theoretischen Grundlagen der Fabel erarbeitet, wobei Kriterien wie epische Fiktionalität, Transfersignale und die globale Anthropomorphisierung im Abgleich mit der Parabel definiert werden.
3. Animal Farm als Fabel: Die Anwendung der Fabeltheorie auf das Primärwerk erfolgt hier, unterteilt in die Analyse von Fiktionalität, narrativer Struktur und der Vermenschlichung der Figuren.
4. Verschiebung des Machtkaleidoskops: Das Fazit fasst die Kritik an der kommunistischen Revolution zusammen und verdeutlicht, warum das zirkuläre Scheitern der Revolte einen universellen Charakter besitzt.
Schlüsselwörter
Animal Farm, Fabel, Parabel, George Orwell, Epische Fiktionalität, Anthropomorphisierung, Revolution, Politische Satire, Machtstrukturen, Transfersignale, Gattungstheorie, Dystopie, Zirkularität, Kommunismus, Literaturwissenschaft
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert George Orwells Animal Farm als literarische Fabel und untersucht, wie dieses spezifische Genre genutzt wird, um politische Revolutionen und deren unvermeidliches Scheitern zu kritisieren.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Felder sind die Fabeltheorie nach Lessing und Zymner, die gattungsspezifische Fiktionalität sowie die Umsetzung politischer Satire durch die Vermenschlichung von Tieren.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, nachzuweisen, dass das Werk durch die Fabelstruktur die universelle Botschaft vermittelt, dass gewaltsame Revolutionen häufig in einer bloßen Ersetzung der herrschenden Klasse enden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse angewandt, die das Werk anhand von Kriterien wie Transfersignalen, Pointen und dem Grad der Anthropomorphisierung gattungstheoretisch einordnet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung zur Fabel und eine detaillierte textimmanente Analyse von Animal Farm, wobei insbesondere Paratexte, die Erzählhaltung und der Umgang mit Machtgeboten untersucht werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich maßgeblich durch Begriffe wie Fabel, Anthropomorphisierung, Politische Satire, Zirkularität und Epische Fiktionalität charakterisieren.
Wie unterscheidet sich die Fabel in diesem Werk von klassischen Vorbildern?
Da Animal Farm als prosaische Fabel zu lang für eine rein aesopische Struktur ist, arbeitet der Autor mit komplexeren, verteilten Pointen statt einer einzelnen, expliziten Lehre am Ende.
Warum wird der Untertitel „A Fairy Story“ kritisch betrachtet?
Die Arbeit stellt fest, dass der Untertitel aufgrund des Fehlens magischer Elemente und der klaren Autorenschaft sowie der politischen Absicht Orwells eine irreführende Gattungseinordnung darstellt, die lediglich auf das Interesse des Autors an Märchen verweist.
- Arbeit zitieren
- Lea Jell (Autor:in), 2019, Universalkritik an Revolutionen in "Animal Farm" von George Orwell, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/475219