Die Darstellungsweisen des Herakles in der Antike - Exemplarische Auswahl aus verschiedenen Gattungen und Epochen


Hausarbeit, 2000
20 Seiten, Note: 2

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Die zwölf Taten des Herakles
2.1. Der nemeische Löwe
2.2. Die Hydra
2.3. Die Hirschkuh Kerynitis
2.4. Der erymanthische Eber
2.5. Der Viehof des Augias
2.6. Die Stymphaliden
2.7. Der Stier
2.8. Die Stuten des Diomedes
2.9. Das Wehrgehenk der Königin Hippolytia / Der Amazonenkampf
2.10. Die Rinder des Riesen Geryon
2.11. Die goldenen Äpfel
2.12. Der Höllenhund

3. Herakles´ Bekanntschaft mit Iole

4. Der Kampf mit dem Kentauren Nessos

5. Herakles´ Einführung in den Olymp

6. Schlussteil

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In dieser Hausarbeit sollen die zwölf Taten des Herakles anhand exemplarisch ausgewählter Denkmäler dargestellt werden. Zudem werden einige weitere Stationen seines Lebens - die Bekanntschaft mit Iole, der Kampf mit dem Kentauren Nessos und Herakles´ Einführung in den Olymp - kurz aufgezeigt. Ziel ist es, die ikonographischen Schemata herauszuarbeiten, die in den verschiedenen Darstellungen enthalten sind. Dadurch lässt sich schließlich der Wandel der Denkmäler zwischen der geometrischen und der hellenistischen Zeit veranschaulichen. Dieser Prozess wird vorzugsweise durch entsprechende Vasendarstellungen und einiger Metopen des Zeus-Tempels in Olympia dargestellt. Diese sind gemäß der Architektur angeordnet und die Abbildungen sind im Vergleich zum großen Architrav und Giebel relativ klein gehalten. Dass die zwölf Taten auf dem Zeus-Tempel abgebildet sind, spricht den lokalen Mythos von Olympia an, da Herakles diesen Platz ausgemessen und abgesteckt haben soll.

Wie es überliefert ist[1], war Herakles ein Sohn des Zeus und der Alkmene. Da Hera eifersüchtig auf den Sohn ihrer Nebenbuhlerin war, dem Zeus ein ruhmreiches und heldenhaftes Leben voraussagte, setzte Alkmene aus Angst um den Sohn das Kind auf das später sogenannte Heraklesfeld aus. Durch Zufall fanden ihn dort Hera und Athena. Hera wurde von Athena dazu bewogen, Herakles aus Mitleid die Brust zu geben. Dieser sog jedoch so stark, dass ihn die Göttermutter fallen ließ. Athena sorgte dafür, dass er anderweitig versorgt werden konnte und betraute Alkmene mit dieser Aufgabe. Diese war nicht nur glücklich, ihren Sohn wiederbekommen zu haben, sondern hoffte auch auf dessen Unsterblichkeit, da er Göttermilch zu sich genommen hatte. Hera erfuhr indes, wem sie die Brust gegeben hatte.

Während Athena Herakles´ Beschützerin war, blieb Hera seine Widersacherin und trachtete bereits in seinem Kindesalter nach seinem Leben. Aufgrund seiner enormen Kräfte, bewältigte Herakles aber diese Gefahren.

Der Mann seiner Mutter Alkmene, König Amphitrion, ließ ihn in allem ehrwürdig unterrichten und Herakles entschied sich schließlich, seine Kraft, sein Geschick und sein Wissen zum Guten zu nutzen. Um seinen Willen zu zeigen, tötete er den auf dem Berg Kithäron lebenden Löwen, der eine Gefahr für Griechenland darstellte. Als Dank für seine Tat, erhielt er nicht nur Kreons Tochter Megara zur Frau, sondern auch einige Geschenke von Göttern: ein Schwert von Hermes, Pfeile von Apoll, einen goldenen Köcher von Hephästos und einen Harnisch von Athena. Das abgezogene Löwenfell, die Presente der Götter, die Keule und sein Bart zählen zu seinen Attributen.

2. Die zwölf Taten des Herakles

Zeus hatte den ersten Enkel des Perseus dazu bestimmt, Herrscher über Mycene zu werden. Dieses Amt galt eigentlich Herakles, jedoch veranlasste Hera, dass Eurystheus zuerst geboren und somit König wurde. Aufgrund seiner Eifersucht bezüglich des ruhmreichen Herakles, trug er ihm zehn Taten auf, von denen er sich erhoffte, Herakles würde diese nicht überleben. Aus diesen zehn Taten wurden schließlich zwölf, da der König zwei von ihnen nicht gelten ließ. Welche er beanstand, geht aus der vorhandenen Literatur jedoch nicht genau hervor. Es ist lediglich überliefert, dass Eurystheus die fünfte Arbeit des Herakles nicht gelten ließ.

2.1. Der nemeische Löwe

Als erstes verlangte Eurystheus von Herakles, ihm das Fell des nemeischen Löwen zu bringen. Herakles versuchte, das Tier mit Pfeil und Bogen und mit seiner Keule zu überwältigen, jedoch konnte der nemeische Löwe nicht mit menschlichen Waffen bezwungen werden. Somit erstickte ihn Herakles mit seiner von Zeus gegebenen Kraft. Als er dem Löwen schließlich das Fell mit dessen Krallen abgezogen hatte, brachte er es zurück nach Tiryns. Der König war nicht nur überrascht, dass Herakles diese gewaltige Arbeit ausführen konnte, sondern er fürchtete sich dermaßen vor dessen Kraft, dass er in ein Fass kroch und Herakles von da an nicht mehr vor Eurystheus´ Augen treten durfte.

In der Frühzeit ist dieses Thema des Mythos selten dargestellt worden, da das Würgen des Löwen noch nicht illustriert werden konnte[2]. Als Alternative sind die Maler dazu übergegangen, ein blutiges Verletzen des Löwen zu zeigen.

Erst in der Spätarchaik wird das Würgen und das Ringen mit dem Löwen verbildlicht[3]. Es entsprach zudem der damaligen Vorliebe für gespannte und organische Formen[4]. Wie man auf dem Schildbandrelief von 560[5] erkennen kann, ist auch das Erstechen des Löwen eine weitere Variante der Darstellungsmöglichkeiten.

Im Laufe der Zeit richtet sich Herakles immer mehr auf und der immer kleiner dargestellte Löwe wird zu Boden gezwungen[6]. Somit wird im „entscheidenden Ringkampf“[7] die Kraft des Herakles betont.

Das Sagenbild des Kampfes von Herakles mit dem nemeischen Löwen ist in der Archaik auf circa 600 Darstellungen abgebildet. Ausser den bisher genannten unterschiedlichen Versionen in der Schilderung des Kampfes, existieren auch Bilder, auf denen Herakles dem Löwen das linke Bein über den Rücken schlägt, oder auf denen er ihn zu Boden schleudert.

Nach dieser Fülle von Darstellungen und deren Varianten ist dieser Mythos in der Klassik selten verbildlicht worden. Erst im Hellenismus ist er wieder häufiger vertreten, dann jedoch vorzugsweise im Zusammenhang mit den anderen Taten des Herakles.

Die bedeutendste Wiedergabe eines solchen Zyklus findet man bei den Metopen des Zeus-Tempels in Olympia. Allerdings entstand der Zeus-Tempel in der Frühklassik. Dort zeigt sich Herakles erstaunlicherweise ohne Bart, was als eine Erfindung der Klassik angesehen wird[8].

2.2. Die Hydra

Als nächstes hat der König von Herakles verlangt, die neunköpfige Hydra zu töten. Auf seinem Wagen und in Begleitung von Jolaos - seinem Neffen und ständigen Gefährten - hat Herakles den Schlupfwinkel der Hydra aufgesucht, um ihr den Weg zu diesem durch brennende Pfeile zu versperren. Herakles versuchte, der Hydra die Köpfe abzuschlagen, jedoch wuchsen derer jeweils zwei nach. Schließlich brannte Jolaos die nachwachsenden Köpfe nieder, so dass Herakles die Hydra bezwingen konnte. Nachdem er diese Aufgabe bewältigt hatte, tränkte er seine Pfeile mit dem Blut der Hydra, mit der Wirkung, dass von diesen Pfeilen zugefügte Wunden nicht mehr verheilten.

Wie es bei der um 750 entstandenen ehernen Bogenfibel[9] zu erkennen ist, hat in der geometrischen Zeit noch keine dichte, beziehungsweise konzentrierte Erzählweise existiert. Die selten so groß dargestellte Krabbe, Herakles und die Hydra sind schwebend dargestellt. Auf dieser Abbildung des Hydrakampfes, welche zu den ältesten Sagenbildern gehört, soll das Schweben der Figuren die Phantasie eher anregen[10].

In der Hocharchaik treten Inschriften hinzu, die die Personen bezeichnen; als wolle der Maler „die mächtige Wirklichkeit des Vorgangs in Bildern gleichsam aufschreiben“[11]. Obwohl Athena bei Darstellungen dieses Themas selten abgebildet ist, erkennt man sie auf einem mittelkorinthischen Aryballos[12]. Dadurch, dass sie keine Waffen trägt, wird deutlich, dass sie Herakles allein mit ihrer Klugheit hilft. Über die Bedeutung der kleinen Kanne in ihrer Hand ist man sich allerdings nicht im Klaren: entweder verwahrt sie darin einen stärkenden Trunk für den Heros auf, oder sie hält es zur Aufbewahrung des Hydrablutes bereit[13].

In der Spätarchaik sind athletische Darstellungen beliebt gewesen, so dass das Thema des Hydrakampfes aufgrund mangelnder Möglichkeiten einer solchen Darstellungsweise selten abgebildet wurde. Eine Version aus dieser Zeit wäre die Amphora des Affekters[14]. Man erkennt, dass die um 600 erhaltene kanonische Form hier wieder aufgenommen worden ist[15].

Allgemein kann man zu den Abbildungen der Archaik sagen, dass der Hydrakampf nicht als lebensgefährliches Abenteuer dargestellt wird, sondern als eine ehrgeizige Arbeit, denn es existieren keine Illustrationen, auf denen man das Ausbrennen der Köpfe erkennen kann.

Die Darstellung dieses Themas nimmt in der Klassik sehr ab, da zum einen solche Ungeheuer nicht mehr ernst genommen und zum anderen auch hier eher Athleten als Gegner bevorzugt worden sind. Jedoch hinderte dieser Grund nicht daran, den Hydrakampf auf einer Metope des Zeus-Tempels abzubilden: Dort wird der Mythos ohne Jolaos und Krabbe dargestellt. Herakles steht dort gedrängt in der rechten Ecke der Metope, um die Gefahr, die von der Hydra ausgeht, zu verdeutlichen. Diese hat ihren Schwanz allerdings nach links gewandt, wodurch angedeutet wird, dass sie vor Herakles flieht, so dass wiederrum auf dessen Kräfte verwiesen wird. In seiner rechten Hand hält Herakles eine Sichel und in seiner linken befindet sich die Fackel, die eigentlich Jolaos´ Waffe sein müsste. Somit übernimmt Herakles dessen Aufgabe, wodurch er noch geschickter und furchtloser erscheint. Außerdem ist die Gestalt des Jolaos aus formalen gründen entfallen, da die Metope nur begränzt Platz bietet.

2.3. Die Hirschkuh Kerynitis

Nach den bestandenen ersten beiden Aufgaben sollte Herakles die Hirschkuh Kerynitis lebendig fangen und nach Mycene bringen. Nachdem er sie ein Jahr lang gejagt hatte, lähmte er sie durch einen Pfeilschuss, so dass er sie auf seinen Schultern zu Eurystheus tragen konnte. Auf diesem Weg begegnete er Apoll und Artemis, die über Herakles´ Umgang mit dem der Artemis geweihten Tier verärgert waren. Aber er konnte die Götter besänftigen, indem er ihnen erklärte, dass er die Hirschkuh wegen der ihm gestellten Aufgabe und nicht aus Bösartigkeit gefangen genommen hatte.

Auf der Rückseite der bereits genannten Hydrafibel[16] erkennt man im linken Bildteil Herakles, der mit einem Speer in Richtung der Hirschkuh zielt. Das, was so aussieht als wolle er Kerynitis töten, ist in der spätgeometrischen Zeit aber als ein Symbol des Sieges zu deuten, wofür es damals noch keine anderen Darstellungsmöglichkeiten gegeben hat. Der Vogel über und die Blüte zwischen Herakles und der Hirschkuh stellen die Natur dar.

Während in der Früh- und Hocharchaik die Verbildlichung dieses Mythos vermieden worden ist, da es zu dieser Zeit üblich gewesen ist „nur mächtige Gegner mächtiger Helden“[17] darzustellen, ist das Thema in der Spätarchaik wieder aufgenommen worden. An der entsprechenden Metope des Athenerschatzhauses in Delphi[18] erkennt man Herakles, der inzwischen Kerynitis eingeholt hat und sie am Geweih packt. Dabei kniet er mit seinem linken Bein auf ihrer Kruppe, um der Hirschkuh das Geweih brechen zu können. Dadurch wird die Überwältigung des Tieres verdeutlicht, wobei Herakles als eine geschickte Persönlichkeit dargestellt ist. Diese Art der Schilderung erlaubt zusätzlich „dem Künstler, große Bögen durch das Quadrat der Metope zu spannen“[19].

Die Hirschkuh ist hier zwar mit einem Geweih dargestellt, jedoch ist dies nicht als eine Abwandlung des Mythos zu verstehen, da in der Spätarchaik die männlichen Tiere als stattlicher empfunden worden sind.

[...]


[1] Bei der Wiedergabe des Herakles-Mythos bezieht sich der Text dieser Hausarbeit auf:

Gustav Schwab: Die schönsten Sagen des klassischen Altertums. Bindlach 1997, S. 99-129.

[2] zum Beispiel:

Der Löwenkampf des Herakles?

spätgeometrischer tönerner Vierfuß: um 700. Athen, Kerameikosmuseum 407. - Höhe 17,8 cm.

[3] zum Beispiel:

Herakles würgt den Löwen. Schildbandrelief: vor 600. Olympia B 969.

[4] Karl Schefold: Götter- und Heldensagen der Griechen in der früh- und hocharchaischen Kunst.

München 1993, S. 99.

[5] Herakles ersticht den Löwen: Olympia B 9749.

[6] Zu erkennen auf:

Herakles und der Löwe.

Schale des Töpfers Ergotimos: um 560. Berlin - Charlottenburg 3151. Innenbild von: Der gefangene Silen.

[7] Karl Schefold: Götter- und Heldensagen der Griechen in der spätarchaischen Kunst.

München 1978, S. 90.

[8] Karl Schefold: Die Urkönige, Perseus, Belerophon, Herakles und Theseus in der klassischen und

hellenistischen Kunst. München 1988, S. 137.

[9] Herakles im Kampf mit der Hydra und das hölzerne Pferd.

eherne Bogenfibel aus Theben: bald nach 750. London, British Museum 3205. Breite ca. 23 cm.

[10] Karl Schefold: Götter- und Heldensagen der Griechen in der früh- und hocharchaischen Kunst.

München 1993, S. 102.

[11] Karl Schefold: Götter- und Heldensagen der Griechen in der früh- und hocharchaischen Kunst.

München 1993, S. 238.

[12] Herakles und Jolaos bekämpfen die Hydra.

mittelkorinthischer Aryballos: um 590. Basel, Antikenmuseum und Sammlung Ludwig BS 425.

[13] Karl Schefold: (...) S. 237f.

[14] Gegen 530. Boulogne sur Seine, Privatbesitz.

[15] Karl Schefold: Götter- und Heldensagen der Griechen in der spätarchaischen Kunst. München 1978, S. 95.

[16] Herakles im Kampf mit der Hydra und das hölzerne Pferd.

eherne Bogenfibel aus Theben: bald nach 750. London, British Museum 3205. Breite ca. 23cm.

[17] Karl Schefold: Götter- und Heldensagen der Griechen in der spätarchaischen Kunst. München 1978, S 100.

[18] Herakles fängt die Hirschkuh. Metope des Athenerschatzhauses. Delphi: gegen 500. Delphi, Museum.

[19] Karl Schefold: Götter- und Heldensagen der Griechen in der spätarchaischen Kunst. München 1978, S.100.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Die Darstellungsweisen des Herakles in der Antike - Exemplarische Auswahl aus verschiedenen Gattungen und Epochen
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum  (Institut für klassische Archäologie)
Veranstaltung
Der Mythos in der Antiken Kunst
Note
2
Autor
Jahr
2000
Seiten
20
Katalognummer
V47539
ISBN (eBook)
9783638444644
ISBN (Buch)
9783638764162
Dateigröße
445 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Darstellungsweisen, Herakles, Antike, Exemplarische, Auswahl, Gattungen, Epochen, Mythos, Antiken, Kunst
Arbeit zitieren
Katharina Krings (Autor), 2000, Die Darstellungsweisen des Herakles in der Antike - Exemplarische Auswahl aus verschiedenen Gattungen und Epochen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/47539

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