Standardisierungsorganisationen: Konkurrenz und Relevanz


Seminararbeit, 2005

25 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Standardisierungsorganisationen und die Integration in der Wirtschaftsinformatik

2 Grundlegende Begriffe und Definitionen
2.1 Normen
2.2 Standards
2.3 Standardisierungsdimensionen

3 Standardisierungsorganisationen
3.1 World Wide Web Consortium
3.2 Institute of Electrical and Electronic Engineers
3.3 Organization for the Advancement of Structured Information Standards
3.4 United Nations Centre for Trade Facilitation and Electronic Business
3.5 Zusammenfassung

4 Anbietermacht und Standardisierung bei der Entwicklung von Web Services

5 Fazit und Ausblick

Anhang

Literatur- und Quellenverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Standardisierungsstrategie, Quelle: Eigene Darstellung 5

Abb. 2: Das Schichtenmodell der W3C Technologie. Quelle: W3C (2005): Technik, http://www.w3c.de/about/technology.html, 2005-06-14.

Abb. 3: Der WS Technology Stack, Quelle: Speyerer, J. (2004): Web Services und Integration, in: FORWIN-Bericht, FWN-2004-009, Nürnberg, 2004

Tabellenverzeichnis

Tab. 1: Erläuterung der Bestandteile des W3C Schichtenmodells

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Standardisierungsorganisationen und die Integration in der Wirtschaftsinformatik

Investitionen in Informationstechnologien bieten auf den ersten Blick einen großen Entscheidungsspielraum. Durch die relativ große Anzahl an Soft- und Hardwareherstellern ist der vermeintliche Anreiz für Anwender hoch, Investitionsentscheidungen allein aus kurzfristigen Kostengesichtspunkten zu treffen. Fällt die Auswahl auf ein proprietäres (herstellerabhängiges) Softwaresystem, verengt sich jedoch rasch der Entscheidungsspielraum des Anwenders, da Änderungen am bestehenden System nur vom Hersteller selbst durchgeführt werden können. Dies kann erhebliche Folgeinvestitionen nach sich ziehen.[1]

Die historisch gewachsenen IT-Systemlandschaften müssen durch die zunehmende Komplexität innerhalb und zwischen Unternehmen zu einem effektiven und effizienten Gesamtsystem integriert werden. Unter den heutigen Gegebenheiten schließen sich Firmen zunehmend zu Netzwerken zusammen und führen weltweite Handelstransaktionen durch. Verkürzte Produktlebenszyklen und eine starke Kundenorientierung fordern beispielsweise im Supply Chain Management eine enge Vernetzung der Informations- und Kommunikationssysteme der Netzwerkpartner.[2] Nur durch eine standardisierte Schnittstelle zwischen heterogenen Systemlandschaften kann eine Prozessoptimierung erreicht werden.[3]

Die Anwender befinden sich in einem Dilemma, wenn sie allgemeingültige Kommunikationsregeln einsetzen wollen. Einerseits ist der Nutzen neuer Technologien im Voraus nur schwer abschätzbar, wodurch Investitionsentscheidungen bis zum Eintreffen sicherer Informationen hinausgezögert werden.[4] Andererseits können diese Informationen nur generiert werden, wenn eine möglichst breite Basis installiert wurde (kritische Masse). Mit jedem zusätzlichen Teilnehmer, der die Technologie einsetzt, steigt der Gesamtnutzen der vernetzten Systeme. Standardisierungsorganisationen leisten einen wichtigen Beitrag dabei den Informationsbedarf der risikoscheuen Akteure zu bedienen. Für die Hersteller von Informations- und Kommunikationssystemen spielen Standardisierungsorganisationen ebenfalls eine bedeutende Rolle. Unternehmen haben generell ein großes Interesse daran, die eigenen Produkte zum Marktstandard zu erheben, um Differenzierungsvorteile zu generieren. Dieses Differenzierungsverhalten ist jedoch mit Risiken und Marktineffizienzen verbunden. Im Wettbewerb mit anderen Anbietern zählt nicht nur das primäre Leistungsvermögen einer Technologie, sondern auch deren Akzeptanz und Verbreitung beim Nutzer. Ohne Standardisierung ist die Position der einzelnen Anbieter oftmals nicht stark genug, um eine Technologie am Markt durchzusetzen.[5] Um diese Fragmentierung des Marktes einzudämmen, helfen Standardisierungsorganisationen hier ebenfalls. Hersteller sind zunehmend dazu übergegangen, Basistechnologien gemeinsam zu entwickeln und diese von einer neutralen Instanz veröffentlichen zu lassen. Die Entwicklungskosten und die damit verbundenen Marktrisiken werden auf mehrere Teilnehmer verteilt.

Diese Arbeit soll zeigen, dass Standardisierungsorganisationen für die Entwicklung und Diffusion einer Technologie eine bedeutende Rolle spielen. In Kapitel 2 erfolgt die Definition grundlegender Begriffe. Der Aufbau, die Arbeitsweise und die Aufgaben der wichtigsten Standardisierungsorganisationen im Bereich der Integration von Informations- und Kommunikationssystemen werden in Kapitel 3 beschrieben. Kapitel 4 zeigt dann die Relevanz und Konkurrenz unterschiedlicher Organisationen bei der Entwicklung von so genannten Web Services auf. Abschließend erfolgt ein Fazit.

2 Grundlegende Begriffe und Definitionen

2.1 Normen

Normen werden von allgemein anerkannten Institutionen ausgearbeitet und veröffentlicht. Der Begriff der Normung beschreibt dabei „die planmäßige, durch die interessierten Kreise gemeinschaftlich durchgeführte Vereinheitlichung von materiellen und immateriellen Gegenständen zum Nutzen der Allgemeinheit. Sie darf nicht zu einem wirtschaftlichen Sondernutzen einzelner führen. Sie fördert die Rationalisierung und Qualitätssicherung in Wirtschaft, Technik, Wissenschaft und Verwaltung. Sie dient der Sicherheit von Menschen und Sachen sowie der Qualitätsverbesserung in allen Lebensbereichen. Sie dient außerdem einer sinnvollen Ordnung und der Information auf dem jeweiligen Normungsgebiet.“[6]

Durch die Normung wird folglich versucht, in einer Gemeinschaftsarbeit eine Vereinheitlichung zu erreichen um eine Grundlage für eine Ordnungs- und Leistungssteigerung zu schaffen. Nach ihrer Art können sie in Terminologie-, Prüf-, Produkt-, Verfahrens-, Dienstleistungs-, Schnittstellen- und Deklarationsnormen unterschieden werden.[7] Ein weiteres Unterscheidungskriterium von Normen ist deren regionale, nationale oder internationale Gültigkeit.

2.2 Standards

Von einem Standard spricht man im Allgemeinen, wenn etwas bestimmten Verhaltensregeln, Absprachen oder Normen entspricht.[8] Neben anerkannten Institutionen können jedoch auch Hersteller oder Interessengruppen Standards einführen und diese freiwillig anwenden. Man spricht in diesem Fall von so genannten De-facto-Standards.[9] Ebenso kann eine Vereinheitlichung technischer Konfigurationsmerkmale gemeint sein. Dieser Fall wird in der vorliegenden Arbeit in Bezug auf den Einsatz von Software-Komponenten bei der Integration heterogener Informations- und Kommunikationssysteme betrachtet.

Referenz- und Qualitätsstandards senken für die Käufer die Informationsbeschaffungskosten. Kompatibilitäts- oder Schnittstellenstandards verbessern hingegen die gemeinsame Nutzung von verschiedenen Komponenten eines technischen Systems.[10]

2.3 Standardisierungsdimensionen

Bei der Standardisierung wird zwischen zwei Gestaltungsdimensionen unterschieden. Die erste Dimension befasst sich mit dem Grad der Standardisierung.[11] Hier legen Unternehmen fest, wie viele und welche Produktfunktionen standardisiert werden sollen, d.h. wie groß der Raum für eine Differenzierung gegenüber der Konkurrenz sein soll. Zusätzlich muss entschieden werden, zu welchen Produkten eine Kompatibilität aufgebaut werden soll. Besteht Kompatibilität, wird die Wechselbereitschaft zu einem neuen Standard erhöht.

Bei der zweiten Dimension handelt es sich um die Reichweite des Standards.[12] Dieses Entscheidungsfeld unterteilt sich in den Bereich der Anzahl und Bedeutsamkeit der Anbieter, die den neuen Standard adaptieren, sowie die Verbreitung des Standards bei den Anwendern.

Im Bereich der Anbieter stellt sich die Grundfrage, ob eine standardisierte Technologie überhaupt an die Wettbewerber weitergegeben werden soll. Kann jeder Anbieter den Standard uneingeschränkt nutzen, sieht man von Registrierungspflichten oder ähnlichem ab, spricht man von einem offenen Standard. Das Gegenteil dazu ist der geschlossene Standard, der die Hersteller beispielsweise vor Imitatoren schützen soll. Neben der Inkompatibilität der Produkte sichert die Einbettung bzw. Kapselung von Innovationen in ein bereits bestehendes (standardisiertes) Produkt den proprietären Standard. Dies war beispielsweise beim Internet Explorer der Firma Microsoft der Fall. Durch das Quasi-Monopol bei den Betriebssystemen konnte mit der Einbettung des Internet Explorers in das Betriebssystem Windows 95 der vorherige Marktführer Netscape mit seinem Netscape Navigator vom Markt verdrängt werden.[13] Weitere Merkmale eines geschlossenen Standards sind Patente oder ähnliche Schutzrechte. Beispielsweise versucht derzeit die Computerindustrie durch die Industrievereinigung EICTA[14] unter dem Protest der Open-Source-Bewegung bei der EU-Kommission eine weit reichende Patentierbarkeit von Software zu erreichen. Konzerne wie IBM, Intel, Microsoft, Nokia oder Siemens unterstützen den Entwurf, der auch eine Vergabe von Zwangslizenzen zur Gewährleistung von Interoperabilität vorsieht.[15] Beim beschränkten Standard muss festgelegt werden, zu welchen Konditionen (z.B. Lizenzgebühren etc.) ein Know-how-Transfer umgesetzt werden soll.

Im Bereich der Endnutzer ist die Verbreitung eines Standards gerade in Branchen mit hohen Kompatibilitätsanforderungen erfolgskritisch. Bei einem branchenweiten Standard existiert nur ein einziger marktbeherrschender Standard, wohingegen bei mehreren am Markt etablierten Standards eine Fragmentierung des Standards herrscht. Diese Aufteilung der Märkte wirkt sich langfristig insgesamt negativ auf das gesamte Branchenwachstum aus. Die beschriebenen Strategiedimensionen zeigt Abb. 1.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Standardisierungsstrategie, Quelle: Eigene Darstellung

3 Standardisierungsorganisationen

Im Folgenden werden die vier wichtigsten Standardisierungsorganisationen analysiert, die im Bereich der Integration von Informations- und Kommunikationssystemen tätig sind. Im Rahmen dieser Arbeit kann nur diese kleine Auswahl der unzähligen weltweit tätigen Standardisierungsinitiativen beschrieben werden. Es werden exemplarisch die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Institutionen in Bezug auf ihre Entstehung, Mitglieder, Ziele, Zuständigkeiten, Finanzen und Koordinationsstrukturen aufgezeigt.

3.1 World Wide Web Consortium

Das World Wide Web Consortium (W3C) wurde im Jahr 1994 am Massachusetts Institute of Technology vom Erfinder des World Wide Web (WWW), Tim Berners Lee, gegründet. Seitdem verfolgen die internationalen Mitglieder das Ziel offene (nicht-proprietäre) Web-Standards und Richtlinien für Protokolle zu erarbeiten und zu verbreiten.[16] Bis zum Jahr 2004 wurden über 80 W3C Empfehlungen veröffentlicht.

Das W3C ist ein Zusammenschluss von mehr als 370 Mitgliedern. Unter ihnen befinden sich Organisationen aus der Industrie, staatliche Einrichtungen und wissenschaftliche Institute. Viele führende Technologieunternehmen unterhalten eine Mitgliedschaft, wie beispielsweise die Firmen Microsoft, IBM und Sun Microsystems.[17] Die Kosten für die jährliche Vollmitgliedschaft betragen 60.540 Euro, was den Kreis der möglichen Mitglieder stark einschränkt. Um jedoch eine breitere Basis zu schaffen können auch nicht-gewinnorientierte Unternehmen und Einrichtungen der öffentlichen Hand für einen Jahresbeitrag von derzeit ca. 6.000 Euro dem Konsortium beitreten.[18] Neben den Mitgliedsbeiträgen müssen Standardisierungsvorhaben von den teilnehmenden Mitgliedern finanziert werden. Im Gegensatz zu anderen Standardisierungsorganisationen ist das W3C daher nicht zwingend auf den Verkauf von Publikationen oder ähnliche Einnahmequellen angewiesen. Die Vorteile einer Mitgliedschaft sind generell das Mitspracherecht in den Beratungsgremien und die Partizipation an den Entwicklungsergebnissen (geschlossener Mitgliederbereich, Newsletter). Mitglieder erhalten einen Informationsvorsprung durch den frühzeitigen Einblick in die Entwicklung des Marktes.[19] Dies ist jedoch nicht als direkter Wettbewerbsvorteil anzusehen, da auch Wettbewerber Mitglieder des W3C sein können. Vielmehr verlagert sich der Wettbewerb von einen exklusiven Standard zu einem Technologiewettbewerb mit gleichen Ausgangsbedingungen.

Die Koordination innerhalb des Netzwerkes erfolgt durch Vertrauen und die Durchsetzung mittels Konsens. Um die große Zahl von Mitgliedern effizient und effektiv koordinieren zu können müssen sich diese einem strengen Regelkatalog unterwerfen. Diese Maßnahme ist notwendig, damit Einigungsprozesse nicht hinausgezögert oder verhindert werden können.

[...]


[1] Hansen/Neumann, 2002, S. 147.

[2] Supply Chain Management ist die effiziente und effektive Koordination von Geld-, Finanz-, Güter- und Informationsflüssen innerhalb und zwischen Unternehmen. Vgl. Göpfert, 2000, S. 15f.

[3] Vgl. Speyerer, 2004, online.

[4] Man spricht in diesem Zusammenhang auch vom sog. „Pinguin-Effekt“. Eine Gruppe hungriger Pinguine steht am Rand einer Eisscholle und hofft, dass die anderen als erste ins Wasser springen, da sie selbst Angst vor Raubfischen haben. Erst wenn einige Pinguine im Wasser sind, sinkt das Risiko und die übrigen Pinguine folgen nach. Vgl. Hess, 1993, S. 20f.

[5] Vgl. Hess, 1993, S. 23.

[6] DIN 820, 1994.

[7] Vgl. o.V., 2005a, online.

[8] Vgl. Hess, 1993, S. 18.

[9] Vgl. o.V., 2005a, online.

[10] Vgl. Johannes, 1999, online.

[11] Vgl. Hess, 1993, S. 25.

[12] Vgl. Hess, 1993, S. 27.

[13] Vgl. Borchers, 2004, online.

[14] European Information & Communications Technology Industry Association , www.eicta.org

[15] Krempl, 2005, Online

[16] Vgl. W3C, 2005a, online.

[17] Vgl. W3C, 2005e, online.

[18] Vgl. W3C, 2005f, online.

[19] Vgl. W3C, 2005g, online.

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Standardisierungsorganisationen: Konkurrenz und Relevanz
Hochschule
Philipps-Universität Marburg  (Institut für Wirtschaftsinformatik)
Veranstaltung
Integration in der Wirtschaftsinformatik
Note
2,0
Autor
Jahr
2005
Seiten
25
Katalognummer
V47550
ISBN (eBook)
9783638444736
ISBN (Buch)
9783656452461
Dateigröße
753 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Bei der Einführung von Standards befinden sich die Marktteilnehmer in einem Spannungsfeld zwischen Kooperation und Konkurrenz. In dieser Arbeit werden die wichtigsten Standardisierungsorganisationen mit ihrer Arbeitsweise beschrieben. Abschließend wird der Standardisierungsprozess am Beispiel des Simple Object Access Protocol (SOAP) aufgezeigt. Stichworte: ANSI, DCOM, DIN, ebXML, EDI, EICTA, EDIFACT, IEEE, HTTP, IPR, IT, OASIS, OECD, RDF, RPC, SOAP, UDDI, UN/CEFACT, URI, W3C, WTO, WWW, XML.
Schlagworte
Standardisierungsorganisationen, Konkurrenz, Relevanz, Integration, Wirtschaftsinformatik
Arbeit zitieren
Diplom-Kaufmann Michael Jaschek (Autor:in), 2005, Standardisierungsorganisationen: Konkurrenz und Relevanz, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/47550

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