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Die Agrikulturchemische Revolution in der Pflanzenernährungs- und Düngerlehre und ihre Bedeutung für die Erhöhung der Agrarproduktion

Die Entstehung einer eigenständigen Landbauwissenschaft

Title: Die Agrikulturchemische Revolution in der Pflanzenernährungs- und Düngerlehre und ihre Bedeutung für die Erhöhung der Agrarproduktion

Seminar Paper , 2005 , 18 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Matthias Rekow (Author)

History of Europe - Modern Times, Absolutism, Industrialization
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Summary Excerpt Details

Mit dem Anwachsen der Bevölkerungszahlen im Zuge der Industriellen Revolution waren die Entwicklungen in der deutschen Landwirtschaft und somit die Herausbildung einer eigenständigen Landbauwissenschaft entscheidend davon geprägt, wie die verstärkte Nachfrage nach agrarischen Produkten gestillt werden könnte. Veränderte wirtschaftliche, soziale und politische Bedingungen forcierten die steigenden Anforderungen an das Leistungsvermögen der deutschen Landwirtschaft. Eine Befriedigung dieser war jedoch nur durch eine Steigerung der Ertragsintensität möglich, das heißt: auf einer relativ begrenzten landwirtschaftlichen Nutzfläche musste die erzeugte Produktmenge erhöht werden.
Beleuchtet wird in der vorliegenden Arbeit die besondere Rolle der Landbauwissenschaften in diesem Prozess. Ein Themenkomplex der Agrarwissenschaften wird herausgegriffen, der wie kein anderer den Beginn einer neuen Ära in der klassischen Pflanzenproduktionswissenschaft kennzeichnet – die Agrikulturchemische Revolution. Sie stand zugleich für die Vernetzung der naturwissenschaftlichen Grundlagenfächer mit der praktischen Landwirtschaft, die so symptomatisch für diese Entwicklungsetappe war.
An den Zeitpunkt der Entstehung einer eigenständigen Landbauwissenschaft knüpft sich seit den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts eine andauernde Kontroverse der historischen Forschung. Nach Darstellung der Argumente wird der Zeitpunkt abwägend festgelegt und die einzelnen Etappen und wichtigsten Entwicklungen in der Genesis der Agrarwissenschaften skizziert. Mit den herausragenden Protagonisten der Agrikulturchemischen Revolution, Philipp Carl Sprengel und Justus von Liebig, beschäftigt sich der folgende Abschnitt. Von Interesse sind dabei ihre Werke, ihre Irrtümer und die Durchsetzung ihrer wissenschaftlichen Erkenntnisse. Anschließend gilt es, die Rolle der Agrikulturchemie für die Erhöhung der Agrarproduktion zum Ende des 19. Jahrhunderts zu untersuchen. Auf die als Kommunikationszentren zwischen Theorie und Praxis dienenden landwirtschaftlichen Versuchsstationen wird gesondert eingegangen – trugen sie doch maßgeblich zur Verbreitung und Etablierung des neuen Wissens bei. Folgende Fragen sollen die Untersuchung leiten: Warum setzten sich die Ergebnisse der agrikulturchemischen Forschung so spät durch? Worauf ist die Erhöhung der Agrarproduktion in den drei Jahrzehnten vor dem Ausbruch des I. Weltkrieges zurückzuführen? Wie hoch ist der Anteil der Agrarwissenschaften an dieser Steigerung?

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einführung

2 Die Entstehung einer eigenständigen Landbauwissenschaft

2.1 Die Forschungskontroverse

2.2 Die Herausbildung der Landbauwissenschaften – Etappen und Entwicklungen

3 Pflanzenernährungs- und Düngerlehre – Die Agrikulturchemische Revolution

3.1 Philipp Carl Sprengel – Die Lehre vom Dünger

3.2 Justus von Liebig – Die organische Chemie

3.3 Falschaussagen und Durchsetzung der Erkenntnisse

4 Erhöhung der Agrarproduktion zum Ende des 19. Jahrhunderts

4.1 Die Bedeutung der Pflanzenernährungs- und Düngerlehre

4.2 Die Rolle der landwirtschaftlichen Versuchsstationen

5 Schlussbetrachtung

Zielsetzung & Themen der Arbeit

Die Arbeit untersucht die Herausbildung der eigenständigen Landbauwissenschaft in Deutschland während des 19. Jahrhunderts und analysiert, wie die agrikulturchemische Revolution maßgeblich zur Steigerung der Agrarproduktion beitrug. Zentral ist dabei die Forschungsfrage, welchen Stellenwert die Agrikulturchemie in diesem Prozess einnahm und wie sie durch wissenschaftliche Erkenntnisse sowie deren praktische Umsetzung den Übergang von extensiver zu intensiver Landwirtschaft ermöglichte.

  • Wissenschaftsgeschichte der deutschen Landbauwissenschaft und Agrarwissenschaften
  • Bedeutung von Philipp Carl Sprengel und Justus von Liebig für die Agrikulturchemie
  • Rolle der landwirtschaftlichen Versuchsstationen als Schnittstellen zwischen Theorie und Praxis
  • Ursachen für den sprunghaften Anstieg der Agrarproduktion vor dem Ersten Weltkrieg

Auszug aus dem Buch

3.2 Justus von Liebig – Die organische Chemie

Erst in den 1860er Jahren vollendete sich die Entstehungsphase der modernen agrikulturchemischen Pflanzenernährungslehre. Wesentlich beteiligt an der Propagierung und Durchsetzung war vor allem Justus von Liebig (1803-1873). Liebig promovierte 1823 und besetzte als 21jähriger eine Stelle als außerordentlicher Professor für Chemie an der Universität Gießen. Beachtliche Beiträge zur theoretischen Physik, Weiterentwicklung von Analysetechniken und zur Entdeckung des Chloroforms markierten seinen wissenschaftlichen Werdegang.

1845 wurde er vom Großherzog von Hessen in den erblichen Freiherrenstand erhoben. Nach seiner Berufung nach München 1852 ernannte ihn der bayerische König Max II. 1860 zum Präsidenten der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Äußerst geringschätzig äußerte sich Liebig über die agrikulturchemischen Untersuchungen Carl Sprengels, was ihn jedoch nicht daran hinderte, dessen Arbeiten für sich auszunutzen. In seinem 1840 publizierten Werk „Die organische Chemie in ihrer Anwendung auf Agricultur und Physiologie“ formulierte Liebig, damals Chemiker von Weltrang, die theoretischen Grundlagen der modernen Pflanzenernährungslehre und zog daraus Schlüsse für die mineralische Düngung. Seine Prämisse war dabei die Vorstellung, dass der Wachstumsprozess von Pflanzen und Tieren in hohem Maße chemische Vorgänge seien. Um die Erträge der landwirtschaftlichen Produktion zu steigern, mussten folglich die Wirkungsweisen dieser chemischen Vorgänge ausgenutzt werden. Justus von Liebigs Verdienst beruhte im Wesentlichen darauf, dass er der Mineraltheorie gegenüber den „dogmatischen Anhänger[n] der überholten Humustheorie“ zum Sieg verhalf. Er übertrug das neue Wissen in die Praxis, indem er versuchte, brauchbare Dünger für die agrarische Pflanzenproduktion herzustellen. Rückschläge bei der industriellen Fertigung mineralischer Düngemittel nahmen ihm jedoch nichts von seinem Nimbus eines begnadeten Chemikers wie Polemikers, der den Einsatz künstlicher Düngemittel in den pflanzenbaulichen Betrieben vorantrieb.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einführung: Die Einleitung beleuchtet die Herausforderung der wachsenden Bevölkerung während der Industriellen Revolution und die Notwendigkeit einer gesteigerten Agrarproduktion durch die Etablierung einer wissenschaftlich fundierten Landwirtschaft.

2 Die Entstehung einer eigenständigen Landbauwissenschaft: Dieses Kapitel diskutiert die historische Kontroverse über den Zeitpunkt der Entstehung der Landbauwissenschaft und zeichnet die Entwicklung von den ersten Ansätzen bis zur rationellen Landwirtschaft nach.

3 Pflanzenernährungs- und Düngerlehre – Die Agrikulturchemische Revolution: Der Hauptteil analysiert die wissenschaftlichen Beiträge von Philipp Carl Sprengel und Justus von Liebig sowie deren Konflikte bei der Durchsetzung der mineralischen Düngerlehre.

4 Erhöhung der Agrarproduktion zum Ende des 19. Jahrhunderts: Es wird untersucht, wie die Erkenntnisse der Agrikulturchemie und die Arbeit der landwirtschaftlichen Versuchsstationen die Produktivität in der deutschen Landwirtschaft vor dem Ersten Weltkrieg steigerten.

5 Schlussbetrachtung: Das Fazit fasst die Rolle der Agrikulturchemie als zentrale Disziplin für den Intensivierungsprozess in der Landwirtschaft zusammen und bewertet die Bedeutung ihrer Institutionalisierung.

Schlüsselwörter

Landbauwissenschaft, Agrarwissenschaften, Agrikulturchemie, Pflanzenernährung, Düngerlehre, Industrielle Revolution, Mineraltheorie, Humustheorie, Philipp Carl Sprengel, Justus von Liebig, Versuchsstationen, Agrarproduktion, Intensivierung, Landwirtschaft, Fruchtwechselwirtschaft

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit im Kern?

Die Arbeit analysiert die Entstehung der modernen deutschen Landbauwissenschaft im 19. Jahrhundert, mit besonderem Fokus auf die agrikulturchemische Revolution und deren Einfluss auf die Produktivitätssteigerung in der Landwirtschaft.

Welches sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die Themenfelder umfassen die Geschichte der agrarwissenschaftlichen Forschung, die Kontroverse um die theoretischen Grundlagen der Pflanzenernährung sowie den institutionellen Aufbau landwirtschaftlicher Forschungseinrichtungen.

Was ist das primäre Ziel oder die zentrale Forschungsfrage?

Das Ziel ist es zu ergründen, welchen Stellenwert die Agrikulturchemie im Prozess der Industrialisierung einnahm und wie diese wissenschaftliche Disziplin die notwendige Steigerung der Agrarproduktion erst ermöglichte.

Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?

Die Arbeit verfolgt einen historisch-analytischen Ansatz, der auf der Auswertung historischer Quellen, zeitgenössischer Fachliteratur und der Rekonstruktion wissenschaftlicher Debatten basiert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil widmet sich den Protagonisten Philipp Carl Sprengel und Justus von Liebig, ihren Theorien (Mineraltheorie vs. Humustheorie), der Stickstoffdebatte sowie der Etablierung landwirtschaftlicher Versuchsstationen.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Publikation?

Wichtige Begriffe sind Landbauwissenschaft, Agrikulturchemie, Mineraltheorie, Düngerlehre sowie die institutionelle Institutionalisierung durch landwirtschaftliche Versuchsstationen.

Welchen Einfluss hatte der "Patentdünger" von Liebig auf die Praxis?

Liebigs erster Patentdünger erwies sich in der landwirtschaftlichen Praxis als unbrauchbar, da er den Ertrag nicht nachweisbar steigerte, trug jedoch ironischerweise zur Gründung der deutschen chemischen Düngemittelindustrie bei.

Warum konnte sich Carl Sprengel wissenschaftlich schlechter durchsetzen als Liebig?

Sprengels geringere Autorität als Chemiker, sein komplexer schriftlicher Stil sowie die regionale Beschränkung seiner Arbeit durch die Akademie in Regenwalde verhinderten eine breitere Wirkung seiner bereits sehr früh korrekten wissenschaftlichen Einsichten.

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Details

Title
Die Agrikulturchemische Revolution in der Pflanzenernährungs- und Düngerlehre und ihre Bedeutung für die Erhöhung der Agrarproduktion
Subtitle
Die Entstehung einer eigenständigen Landbauwissenschaft
College
Dresden Technical University  (Institut für Technikgeschichte)
Course
Seminar: Die Entwicklung der deutschen Landwirtschaft in der Phase der Hochindustrialisierung
Grade
1,0
Author
Matthias Rekow (Author)
Publication Year
2005
Pages
18
Catalog Number
V47555
ISBN (eBook)
9783638444781
ISBN (Book)
9783638909358
Language
German
Tags
Herausbildung Landbauwissenschaft Deutschland Agrikulturchemische Revolution Pflanzenernährungs- Düngerlehre Bedeutung Erhöhung Agrarproduktion Seminar Entwicklung Landwirtschaft Phase Hochindustrialisierung
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Matthias Rekow (Author), 2005, Die Agrikulturchemische Revolution in der Pflanzenernährungs- und Düngerlehre und ihre Bedeutung für die Erhöhung der Agrarproduktion, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/47555
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