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Die Malerei von Ingres zwischen Tradition und Transformation

Title: Die Malerei von Ingres zwischen Tradition und Transformation

Term Paper , 2005 , 19 Pages , Grade: 1

Autor:in: Ann-Kathrin Keller (Author)

Art - Painting
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Summary Excerpt Details

Jean Auguste Dominique Ingres war zu Beginn seiner Laufbahn als Maler ein Vertreter des klassischen Malstils nach römischem Vorbild. Seine professionelle Ausbildung erhielt er ab dem 18. Lebensjahr von Jean-Louis David in Paris. Noch bevor er als Schüler Davids zu Bekanntheit gelangte, wiedersetzte er sich jedoch der Lehre seines Meisters und experimentierte mit einem Stil, der vielmehr an die sogenannte gotische Kunst des englischen Bildhauers und Zeichners John Flaxman erinnerte. Dieser orientierte sich vorzugsweise an der linearen etruskischen Vasenmalerei.
Flaxman illustrierte unter anderen literarischen Werken Dantes Göttliche Komödie. Die beiden Werke unten zeigen deutlich, dass er stärker als Ingres die griechische Antike zum Vorbild genommen hat. Dabei weisen ihn seine Zeichnungen deutlich als Bildhauer aus. Fast alle wirken sie wie Studien für seine plastischen Werke wie die Plakette unten rechts.
Über Ingres gotische Phase schreibt Ernst Würtenberger 1925:
„Dem unbedingten Bewunderer und Nachahmer Raffaels passiert es, dass er jahrelang von der Kritik als Gotiker, als Maler des Hässlichen verschrien wird“. Gotisch war zu jener Zeit eine abfällige Bezeichnung für Malerei, die nicht der römisch-klassischen Idee von Kunst als Darstellungsmittel des Schönen und Erhabenen entsprach.
Die gotische Kunst hatte unter anderem die etruskische Vasenmalerei zum Vorbild und strebte im Gegensatz zur Schule Davids einen linear-abstrakten Stil an, der sich auch durch eine Art Raumlosigkeit bzw. mangelnde Tiefe des Bild-Raumes auszeichnete. Ingres ließ im Laufe seiner Ausbildung bei David von diesem Stil und seinen Elementen nie ganz ab. Ernst Würtenberger glaubt zwar erkennen zu können, dass die gotischen Einflüsse unter der Lehre Davids verloren gehen und bedauert dies, denn die wenigen Werke aus der Frühphase des Malers seien deshalb so besonders zu bewerten, weil sie den einzigen Bruch, im Sinne von Stil-Bruch, innerhalb Ingres´ Gesamtwerk darstellen würden. Auch die immer wieder gegen Ingres Malerei erhobene Kritik der Phantasielosigkeit und sein so genannter Mangel an künstlerischer Imagination treffen auf dies Frühwerk, so Würtenberger, nicht zu.

Excerpt


Gliederung

1. Einführung ins Thema

2. Ingres und die Moderne

2.1 Vor-Bild für Man Ray und Bacon

3. Besonderheiten des Werkes

3.1 Wiederholungen desselben Motivs

4. Kunst und Tod

4.1 Tod des Leonardo

5. Kunst und ihr Verhältnis zur Wirklichkeit

5.1 „Dies ist keine Pfeife“

6. Raum und Zeit in der Malerei

6.1 Zentralperspektive vs. Betonung der Fläche

6.2 Ein Historienbild - ?

6.2.1 Angelique ohne Roger

7. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht das Werk des Malers Jean Auguste Dominique Ingres im Spannungsfeld zwischen klassischer Tradition und der Moderne. Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Ingres durch seine spezifische Formsprache und den Umgang mit dem Bildraum die tradierten akademischen Gattungshierarchien unterlief und damit wegweisend für die moderne Auffassung von Kunst als autonomem Medium wurde.

  • Ingres' Verhältnis zur akademischen Tradition und zum Klassizismus.
  • Die Transformation von Motiven und der Einfluss auf die moderne Kunst (Man Ray, Francis Bacon).
  • Das Thema "Kunst und Tod" sowie die inszenierte Autonomie des Subjekts im Bild.
  • Die Abkehr von der Zentralperspektive zugunsten der Betonung der Fläche.
  • Die philosophische Bedeutung von Bild, Wirklichkeit und Weltzugang.

Auszug aus dem Buch

Kunst und ihr Verhältnis zur Wirklichkeit

Was mir jedoch viel wichtiger erscheint ist ein Aspekt, der Ingres’ Stil nicht nur rechtfertigt, sondern auch als sehr modern auszeichnet; Leonardo selbst hatte in seinen Schriften Il trattato della pittura (um 1500) bereits darauf hingewiesen, dass das auf dem Bild dargestellte Objekt tot ist. Roland Barthes Ausspruch: Das Wort hat das Ding getötet, könnte also im Sinne Leonardos umformuliert lauten: Das Bild hat das Ding getötet. Denn es ist nicht Leonardo, den wir auf Ingres Bild sterben sehen – es ist das Bild eines sterbenden Leonardo! Es sind Ölfarben auf einer Leinwand.

Philosophiegeschichtlich sind diese Überlegungen jedoch relativ jung, die Fragen nach dem Verhältnis von Bild und Abbild, Signifikant und Signifikat, stammen aus dem 20. Jahrhundert. Die Anspielungen einige Zeilen höher auf Magrittes’ Dies ist keine Pfeife, habe ich natürlich beabsichtigt. Darin wird eine Verbindung zwischen Ingres’ Kunst und der Moderne deutlich, die vor allem mit seiner besonderen Art zu malen zu tun hat.

Zusammenfassung der Kapitel

Einführung ins Thema: Einordnung von Ingres als Maler zwischen klassischem Stil nach römischem Vorbild und seiner "gotischen" Phase unter dem Einfluss von John Flaxman.

Ingres und die Moderne: Analyse der kritischen Wahrnehmung von Ingres als Konservativer und Aufzeigen seines Einflusses auf moderne Künstler wie Man Ray und Francis Bacon.

Besonderheiten des Werkes: Untersuchung der ständigen Motivwiederholungen und der zahlreichen Zeichnungen, die den künstlerischen Perfektionismus und das experimentelle Vorgehen von Ingres unterstreichen.

Kunst und Tod: Betrachtung der Sterbebettszene im Werk "Tod des Leonardo" als Ausdruck künstlerischer Freiheit und Autonomie.

Kunst und ihr Verhältnis zur Wirklichkeit: Reflexion über die Moderne in Ingres' Stil und die Überführung der Historienbilder in eine zeitlose, autonome Sphäre der Kunst.

Raum und Zeit in der Malerei: Diskussion über die Abkehr von der Zentralperspektive und die zunehmende Betonung der Fläche sowie die Analyse des Historienbildes "Roger befreit Angelika".

Fazit: Zusammenfassende Einordnung von Ingres als Wegbereiter des visuellen Zeitalters, der die Kunst vom moralischen Vorbild hin zum autonomen Eigenwert führte.

Schlüsselwörter

Jean Auguste Dominique Ingres, Klassizismus, Moderne, Historienmalerei, Autonomie der Kunst, Bildraum, Zentralperspektive, Motivwiederholung, Subjektivismus, Weltbild, Linienführung, Studium, Transformation, Kunstgeschichte, Malerei.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?

Die Arbeit analysiert das künstlerische Schaffen von J. A. D. Ingres und hinterfragt sein Image als bloßer "Hüter der Tradition", indem sie seine Rolle als Vorbereiter der Moderne aufzeigt.

Welche Themenfelder stehen im Zentrum?

Die Untersuchung umfasst die ästhetische Formsprache, den Umgang mit Gattungshierarchien, das Verhältnis von Kunst zu Wirklichkeit sowie die Rezeption Ingres' in der Moderne.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?

Das Ziel ist es zu belegen, dass Ingres' Werk bereits grundlegende Aspekte der modernen Kunst vorwegnahm, insbesondere durch die formale Autonomie und den Eigenwert des künstlerischen Bildes.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Die Arbeit basiert auf einer kunsthistorischen Werkanalyse, dem Vergleich mit zeitgenössischen Künstlern (David, Delacroix, Masaccio) und einer philosophischen Einordnung durch Bezugnahme auf Autoren wie Heidegger und Barthes.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in Themenkomplexe wie die "gotische" Phase, den Einfluss auf Man Ray und Bacon, die Darstellung des Todes, die Abkehr von der Zentralperspektive und die Bedeutung der Linie.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren den Text?

Wesentliche Begriffe sind Autonomie der Kunst, Bildraum, Historienmalerei, Klassizismus, Moderne und die Transformation des Subjekts.

Wie bewertet der Autor das Werk "Tod des Leonardo"?

Das Werk wird weniger als Historienbild, sondern als Genrebild gedeutet, das Ingres' Wunsch nach künstlerischer Autonomie widerspiegelt und die Abhängigkeit des Künstlers von Mäzenen thematisiert.

Warum spielt die Ablehnung der Zentralperspektive eine so wichtige Rolle?

Die Betonung der Fläche statt räumlicher Illusionen macht die Kunst als Medium selbst sichtbar und nimmt laut Autor einen zentralen Gedanken der Moderne vorweg.

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Details

Title
Die Malerei von Ingres zwischen Tradition und Transformation
College
University of Hamburg  (Kunstgeschichtliches Seminar)
Course
Das Historienbild
Grade
1
Author
Ann-Kathrin Keller (Author)
Publication Year
2005
Pages
19
Catalog Number
V47565
ISBN (eBook)
9783638444873
Language
German
Tags
Malerei Ingres Tradition Transformation Historienbild
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Ann-Kathrin Keller (Author), 2005, Die Malerei von Ingres zwischen Tradition und Transformation, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/47565
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