Ein Großteil der Faszination und des Unterhaltungswerts des professionellen Sports ist das spannende Moment, die Ungewissheit über Erfolg oder Misserfolg einer Mannschaft. Dies ist jedoch nur gegeben, sofern das Leistungsgefälle unter den Kontrahenten nicht zu groß und damit Chancengleichheit vorhanden ist. Als Ausdruck des Versuchs dies zu gewährleisten, sind in den vergangenen Jahren verschiedene Konzepte entstanden. Zum einen ist in diesem Zusammenhang das Draft-System zu nennen, durch das den schwächsten Mannschaften ein Erstwahlrecht für Nachwuchsspieler eingeräumt wird. Darüber hinaus existieren Beschränkungen der Summe, die ein Team pro Saison für Gehaltszahlungen aufwenden darf, so genannte Salary Caps, die Gegenstand dieser Arbeit sind. Weiterhin ist der professionelle Sport seit Mitte der neunziger Jahre durch ein stetiges Gehaltswachstum gekennzeichnet. Dem entgegenzuwirken wird als zweites Ziel von Salary Caps angesehen. In dieser Arbeit sollen die Möglichkeiten und Grenzen von Salary Caps aufgezeigt werden. Dabei werden volkswirtschaftliche und rechtliche Gesichtspunkte im Hinblick auf die oben erwähnten Ziele von Salary Caps betrachtet. Dazu wird im Abschnitt 2 zunächst die theoretische Wirkungsweise von Salary Caps und ihre Umsetzung anhand einiger Beispiele beschrieben. Anschließend wird auf die Schwächen des Konzepts eingegangen, bevor bestehende Potentiale aufgezeigt werden. Schließlich wird eine abschließende Wertung der Ergebnisse vorgenommen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Grundlegende Erläuterungen
2.1 Theoretische Wirkungsweise
2.2 Umsetzung in der Praxis
2.2.1 National Basketball Association
2.2.2 National Football League
2.2.3 Der Vorschlag der G-14
3 Schwächen des Konzepts
3.1 Volkswirtschaftliche Implikationen
3.1.1 Zwei-Team-Modell mit Revenue Sharing
3.1.2 Allokationswirkung und Gefangenendilemma
3.2 Kartellrechtliche Zulässigkeit
3.3 Empirische Befunde
4 Stärken und Potentiale
4.1 Zwei-Team-Modell ohne Revenue Sharing
4.2 Empirische Befunde
5 Schlussbetrachtung
Zielsetzung und Themenbereiche
Die Arbeit untersucht die ökonomische Sinnhaftigkeit und die praktische Umsetzbarkeit von sogenannten Salary Caps, also Gehaltsbeschränkungen im professionellen Sport. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, ob diese Instrumente tatsächlich zur Herstellung von Wettbewerbsgleichheit beitragen können oder ob sie aufgrund volkswirtschaftlicher und rechtlicher Rahmenbedingungen in der Praxis an ihre Grenzen stoßen.
- Theoretische Analyse der Wirkungsweise von Salary Caps in Sportligen.
- Vergleich der Umsetzung in verschiedenen US-amerikanischen Profi-Ligen.
- Volkswirtschaftliche Betrachtung der Allokationswirkungen und Wettbewerbsgleichheit.
- Rechtliche Analyse der kartellrechtlichen Zulässigkeit von Gehaltsbeschränkungen.
- Evaluation von Chancen und Risiken bei einer möglichen Einführung im europäischen Sport.
Auszug aus dem Buch
3.1.1 Zwei-Team-Modell mit Revenue Sharing
Quirk/Fort (1992, S. 287 ff.) sowie Fort/Quirk (1995, S. 1265 ff.) beschreiben ein Zwei Team-Modell zur Erklärung der Wirkungsweise von Salary Caps, das Ausgangspunkt der Betrachtungen von Késenne (2000 (b), S. 422 ff. sowie 2003, S. 120 ff.; siehe Abschnitt 4.1) und Vrooman (1995, S. 971 ff.; siehe dieser Abschnitt, S. 9) war, und das im Folgenden dargestellt werden soll (Abb. 1).
Es wird von dem NBA-System ausgegangen, in dem ein Salary Cap eingeführt und im Gegenzug ein Prozentsatz (b) des Liga-Umsatzes mit den Spielern geteilt wird (Revenue-Sharing; vgl. Fort, R./Quirk, J., 1995, S. 1277). Darüber hinaus werden folgende Annahmen getroffen (vgl. Fort, R./Quirk, J., 1995, S. 1266):
1) Gewinnmaximierendes Verhalten der Teams
2) Ziel der Einkommensmaximierung seitens der Spieler
3) Anstreben eines Marktgleichgewichts.
Ausgangspunkt ist eine Liga mit zwei Teams. Die Zuschauereinnahmen und Einnahmen aus dem Verkauf von lokalen TV-Rechten hängen von dem Attraktionspotential der jeweiligen Region und dem Erfolg und des jeweiligen Teams ab und davon, wie knapp die Ergebnisse des Teams sind. Wenn das Team i aus einer Region mit höherem Attraktionspotential stammt als Team j, also sich potentiell mehr Interessenten in der Region befinden, die ein Spiel des Teams im Stadion oder im Fernsehen verfolgen, so ist der absolute Erlös sowie der Grenzerlös von Team i (marginal revenue (i), MRi) höher als von Team j. Der Grenzerlös ist dabei definiert als die Zunahme des absoluten Erlöses bei einer Zunahme des Anteils gewonnener Spiele W um eine Einheit (w = W/n, mit W = Anzahl gewonnener Spiele und n = Anzahl der Teams in der Liga; vgl. Fort, R./Quirk, J., 1995, S. 1270).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik des Ungleichgewichts im professionellen Sport ein und stellt Salary Caps als ein Instrument zur Herstellung von Chancengleichheit und Kostenkontrolle vor.
2 Grundlegende Erläuterungen: Hier werden die theoretische Wirkungsweise von Salary Caps sowie deren praktische Ausprägungen in der NBA, der NFL und der Vorschlag der G-14 dargelegt.
3 Schwächen des Konzepts: Dieses Kapitel analysiert volkswirtschaftliche Implikationen, kartellrechtliche Bedenken und empirische Erfahrungen, die die Effektivität von Salary Caps in Frage stellen.
4 Stärken und Potentiale: Hier werden theoretische Modelle aufgezeigt, unter welchen Bedingungen Salary Caps vorteilhaft wirken können, sowie positive Fallbeispiele in der Praxis evaluiert.
5 Schlussbetrachtung: Die Arbeit schließt mit einer zusammenfassenden Bewertung der Ergebnisse, in der die Interessenskonflikte der beteiligten Parteien gewichtet werden.
Schlüsselwörter
Salary Cap, Profisport, Wettbewerbsgleichheit, Kartellrecht, Revenue Sharing, NBA, NFL, G-14, Sportökonomie, Gehaltsbeschränkungen, Spielertransfers, Marktgleichgewicht, Gewinnmaximierung, Wettbewerbsbeschränkung, Teamsport.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der ökonomischen und rechtlichen Bewertung von Salary Caps, also Gehaltsbegrenzungen, im professionellen Teamsport.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die theoretische Wirkungsweise von Gehaltsobergrenzen, deren kartellrechtliche Zulässigkeit sowie die Frage, ob diese Instrumente tatsächlich die Wettbewerbsgleichheit fördern.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die Möglichkeiten und Grenzen von Salary Caps kritisch aufzuzeigen, um zu bewerten, ob sie als sinnvolles Instrument zur Kostenkontrolle und für einen faireren Wettbewerb dienen können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine institutionenökonomische Analyse, kombiniert mit spieltheoretischen Modellen (wie dem Gefangenendilemma) und empirischen Fallbeispielen aus den US-Major-Leagues und dem europäischen Fußball.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert sowohl die volkswirtschaftlichen Theorien hinter Salary Caps (z. B. Zwei-Team-Modelle) als auch die Herausforderungen bei der praktischen Umsetzung und die kartellrechtliche Einordnung in den USA und Europa.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Salary Cap, Competitive Balance, Kartellrecht, Revenue Sharing und professionelle Sportligen.
Warum ist die kartellrechtliche Zulässigkeit in Europa ein Problem?
Im Gegensatz zu den USA, wo der Sport durch Ausnahmeregelungen kartellrechtlich privilegiert ist, verstößt ein Salary Cap in Europa gegen das geltende Wettbewerbsrecht, sofern keine spezifische Freistellung durch die EU-Kommission erfolgt.
Welche Rolle spielt das "Gefangenendilemma" in der Argumentation?
Das Modell wird genutzt, um zu zeigen, dass die einseitige Einführung eines Salary Caps in einer Liga (während andere Ligen darauf verzichten) zu einem Wettbewerbsnachteil führen kann, wodurch eine europaweite Koordination notwendig, aber schwer erreichbar ist.
- Citation du texte
- Dipl.-Kfm. Thomas Rilling (Auteur), 2004, Möglichkeiten und Grenzen von Salary Caps, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/47568