Immanuel Kant und die Frage "Ob das menschliche Geschlecht im beständigen Fortschreiten zum Besseren sei"


Hausarbeit (Hauptseminar), 2005

13 Seiten, Note: 2,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Biographie Immanuel Kants

II. Kants Werke und seine philosophische Grundhaltung

III. Das historische Umfeld

IV. Vorstellung des Essays „Ob das menschliche Geschlecht im beständigen Fortschreiten zum Besseren sei“ und seine Interpretation

I. Biographie Immanuel Kants

Immanuel Kant wurde am 22. April 1724 im ostpreussischen Königsberg geboren und verbrachte fast sein ganzes Leben in dieser im 18.Jahrhundert sehr regen und weltoffenen Stadt. Der Sohn einer Handwerkerfamilie wuchs unter pietistischen[1] Einflüssen auf, die sen späteres Denken sehr beeinflusst haben.

Von 1732-1740 besucht Immanuel Kant das Friedrichskollegium und studiert anschliessend bis 1746 an der Albertina, der Königsberger Universität, Mathematik und Naturwissenschaften, Theologie, Philosophie und klassische lateinische Literatur. Das Studium musste er sich durch Privatstunden und Gewinne beim Billard verdienen.

Während des Studiums schloss er sich dem in der Tradition von Leibniz stehenden rationalistischen Philosophen Martin Knutzen an. Sehr selbstbewusst bereitete Kant schon mit 22 Jahren eine Schrift zur Drucklegung vor, um in einer Streitfrage zwischen Leibniz, Descartes und Newton zu vermitteln.

Durch den Tod seines Vaters wurde Immanuel Kant nach dem Studium dazu genötigt, erst einmal als Hauslehrer zu arbeiten.

Erst 1755 wurde Kant Privatdozent an der Albertina und promovierte dort mit der Arbeit De Igne (Über das Feuer ). Noch im selben Jahr habilitierte er sich mit Nova dilucidatio, einer Abhandlung über die ersten Grundsätze der metaphysischen Erkenntnis .

Schon während seiner Tätigkeit als Hauslehrer verfasste Kant die ersten naturphilosophischen Schriften, in seiner Zeit als Privatdozent an der

Königsberger Universität entfaltete er eine noch wesentlich regere Vorlesungs- und Publikationstätigkeit.

Den Durchbruch zur Entwicklung eines umfassenden eigenständigen Denkens hatte er einer – in etwa gleichzeitig vollzogenen – Auseinandersetzung mit dem Empiristen und Skeptiker David Hume, sowie dem moralphilosophischen Kulturkritiker Jean Jaques Rousseau zu verdanken, die beide im strengen Gegensatz zum Leibniz´schen Rationalismus standen.

Erst 1770 bot man Kant eine Professorenstelle für Logik und Metaphysik in Königsberg an. Rufe nach Erlangen, Jena und Halle hatte er zuvor abgelehnt.[2]

Sein wichtigstes Werk, mit dem Kant und sein „transzendentalphilosophischer“ Ansatz berühmt und zugleich heftig umstritten wurden, nämlich die „Kritik der reinen Vernunft“, erschien nach mehr als zehnjähriger Pause im Mai 1781.[3] Auf seine weiteren Werke, sowie seine philosophische Grundhaltung werde ich im nächsten Kapitel eingehen.

Immanuel Kant starb am 12. Februar 1804 in Königsberg.

II. Kants wichtigste Werke und seine philosophische Grundhaltung

In der Entwicklung seines Denkens unterscheidet man zumeist zwei Perioden: die vorkritische (bis Anfang der 1770er Jahre) und die kritische. Der vorkritische Lebensabschnitt wird auch als der rationalistische bezeichnet. Kant war Anhänger des dogmatischen Rationalismus (Leibniz- Wolffsches System), d.h. allein was die Vernunft über die Welt aussagt ist wahr – ohne Zuhilfenahme der Erfahrung, also findet keine kritische Prüfung statt. In dieser Phase befasste sich Kant umfangreich mit naturwissenschaftlichen und naturphilosophischen Problemen.

Ab seinem 36. Lebensjahr änderte sich seine Gesinnung grundlegend und er wurde ein Anhänger des Empirismus (wie z.B. auch Bacon, Hobbes, Locke und Hume). Der Empirismus sieht alleine in der Erfahrung die Quelle der menschlichen Erkenntnis. Erst nachdem die Erkenntnisfähigkeit des Menschen kritisch untersucht worden ist, können theoretische Philosophie, Ethik und Naturphilosophie positiv ausgearbeitet werden.

Als er 1781 die „Kritik der reinen Vernunft“ veröffentlicht, hat sich seine Philosophie grundlegend gewandelt. Kant untersucht hier die Frage, ob und wie allgemeines notwendiges Wissen möglich ist. Kant folgt Hume in der Auffassung, dass solches Wissen nicht der Erfahrung entspringen kann. Derartiges Wissen kann nur den a priori gegebenen Formen der sinnlichen Erkenntnis und der Verstandeserkenntnis entspringen.[4]

Kant kritisiert also den naiven Glauben sowohl des Rationalismus wie auch des Empirismus an der Objektivität der Ereignisse. Seine Transzendentalphilosophie beschäftigt sich nicht mit Gegenständen, sondern mit der Erkenntnisart der Gegenstände. Vor aller Erfahrung, apriorisch, lägen in unserem Verstand Formen, Kategorien etc., nach denen wir das Objektive erfahren und ordnen würden. Alles subjektive sei objektiv geformt. Hinter dieser Welt unserer Erfahrung läge eine Welt der Dinge an sich, über die wir nichts wissen können. Raum und Zeit würden vom Menschen in die Welt getragen, existierten also unabhängig von uns nicht.[5]

In seinem Werk „Die Kritik der praktischen Vernunft“ 1788 stellt Kant den berühmten kategorischen Imperativ auf: „Handle so, daß dein Handeln Grundlage eines allgemeinen Gesetzes sein kann.“ Der Wille sei unmittelbar durch das moralische Gesetz bestimmbar. Nur ein Handeln aus Pflicht, das von äusseren Bestimmungen und inneren Neigungen frei ist, sei sittlich.

Ein Wesenszug Kants ist, dass er seit frühester Zeit der Vernunft oder dem Verstand eine sehr starke Rolle im Menschen und im menschlichen Handeln einräumte. Man solle sich der Kraft der menschlichen Vernunft anvertrauen, die jeder in sich selbst vorfinden kann.

Unter Aufklärung versteht Kant deshalb in seinem Essay „Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung?“ in der Berlinischen Monatsschrift im Dezember 1784 den „Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Sapere aude! Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! ist also der Wahlspruch der Aufklärung.[6]

Der öffentliche Gebrauch der Vernunft muss jederzeit frei sein, denn der allein kann Aufklärung unter den Menschen zustande bringen.

III. Das historische Umfeld

Im selben Jahr 1740, in dem Friedrich II. in Preußen die Regierung antrat, begann Immanuel Kant mit dem Studium der Philosophie. Sein Zeitalter bezeichnete er später selbst als das „Jahrhundert Friederichs“, da er in ihm das Musterbild eines auf die Förderung und Pflege eines Rechtsstaats ausgerichteten Monarchen sah.

Das „Jahrhundert Friederichs“ ist auch das Jahrhundert der Aufklärung, für deren Grundanliegen Kant die schon oben erwähnte Formel geprägt hat: „Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!“

Kant ist auch voller Lob für Friedrich II.: „Ein Fürst, der es seiner nicht unwürdig findet zu sagen, daß er es für Pflicht halte, in Religionsdingen den Menschen nichts vorzuschreiben, sondern ihnen darin volle Freiheit zu lassen, [...], ist selbst aufgeklärt und verdient von der dankbaren Welt und Nachwelt als derjenige gepriesen zu werden, der zuerst das menschliche Geschlecht der Unmündigkeit, wenigsten von seiten der Regierung, entschlug und jedem frei ließ, sich [...] seiner eigenen Vernunft zu bedienen.[7]

Kant veröffentlichte die meisten seiner politischen Schriften in dem wichtigen Publikationsorgan „Berlinische Monatsschrift“, da Berlin sich in Preußen und Deutschland zu einem Zentrum der Aufklärung entwickelte.

Friedrich II. war der erste europäische Monarch, der sich ausdrücklich als den „obersten Diener seines Staates“ verstanden wissen wollte, eine Haltung, die man als aufgeklärten Absolutismus versteht.

Doch nach seinem Tod1786 wandte sich die neue Regierung unter Friedrich Wilhelm II. noch vor Ausbruch der Französischen Revolution von den Ideen der Aufklärung ab. Insbesondere wurde die freie Meinungsäusserung eingeschränkt. Die Intelligenz sollte wieder stärker auf die Ideen des Christentums – und nicht bloß einer freien „Vernunftreligion“ – verpflichtet werden. In diesem Zusammenhang wurde 1794 auch Immanuel Kant von der Zensurbehörde gemaßregelt.[8]

Sehr prägnant für die Zeit, auch für nachfolgenden Aufsatz Kants über den Fortschritt der Menschheit, ist die Französische Revolution 1789 unter der Losung "Freiheit – Gleichheit – Brüderlichkeit“. Zu deren Errungenschaften gehörten politische Entscheidungsrechte für das Bürgertum, sowie die Abschaffung der Privilegien für den Adel.

Die meisten Intellektuellen und sogar einige Fürsten in Deutschland standen der Bewegung positiv gegenüber. Dies änderte sich, als in Frankreich unter der Führung der Jakobiner die Monarchie im September 1792 abgeschafft wurde und blutige Säuberungswellen gegen die „Feinde der Republik“ begannen. Im Januar 1793 wurde der abgesetzte König Ludwig XVI. hingerichtet.

Da Kant sich von den Auswüchsen der Revolution nicht beirren ließ und in ihr grundsätzlich einen Schritt zu gerechteren staatlichen Verhältnissen gesehen hat, wurde er als „Jakobiner“ verschrien.[9]

Skizzierend liesse sich sagen, daß sich im 18. Jahrhundert in Europa drei Revolutionen abgespielt haben: eine industrielle in England, eine politische in Frankreich und durch Kant eine geistige in Deutschland. Alle drei hatten gewaltige gesellschaftliche Auswirkungen, nicht nur im Ursprungsland, sondern in Europa und der ganzen Welt. Sie sind noch heute nicht an ihr Ende gekommen.

[...]


[1] Pietismus kann als Vorläufer der Aufklärung verstanden werden. Durch die unsichere Lage nach dem 30-jährigen Krieg und einer dogmatischen Kirche entwickelten die meist bürgerlichen Pietisten auf privater und individueller Basis eine Kultur der Innerlichkeit. Durch diese Wendung nach innen fanden sie zu selbständigem und vernünftigem Denken und resultierend daraus auch eben solches Handeln. So findet man im Pietismus viele Leitbegriffe, die einem in der Aufklärung und im politisch- ethischen Denken Kants erneut begegnen.

[2] „Politische Philosophen“, Bayerische Landeszentrale für politische Bildungsarbeit, München 1997, S. 167

[3] Politische Philosophen, Bayerische Landeszentrale für politische Bildungsarbeit, München 1997, S. 167

[4] www.philosophenlexikon.de

[5] www.philolex.de

[6] Berlinische Monatsschrift, Dezember 1784, S. 481

[7] „Was ist Aufklärung?“, in: Berlinische Monatsschrift, Dez. 1784, S.491-492

[8] „Politische Philosophen“, BLfpB, S171

[9] „Politische Philosophen“, BLfpB, S. 170

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Immanuel Kant und die Frage "Ob das menschliche Geschlecht im beständigen Fortschreiten zum Besseren sei"
Hochschule
Hochschule für Politik München
Note
2,7
Autor
Jahr
2005
Seiten
13
Katalognummer
V47598
ISBN (eBook)
9783638445085
Dateigröße
502 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Immanuel, Kant, Frage, Geschlecht, Fortschreiten, Besseren
Arbeit zitieren
Katharina Hofmann (Autor), 2005, Immanuel Kant und die Frage "Ob das menschliche Geschlecht im beständigen Fortschreiten zum Besseren sei", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/47598

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