Empirische Untersuchung des Verhaltens von Kindergartenkindern im Kontext der Theorie der primären und sekundären Sozialisation von Peter Berger und Thomas Luckmann - Die zu Grunde liegende Fragestellung stellt das Verhalten der Kinder dieses Kindergartens bei der Begrüßung in den Vordergrund. So sollen mögliche Rituale festgestellt und analysiert werden. Als Annahme gilt, dass Kinder eigene Begrüßungsrituale erlernt haben, die sich durchaus von denen eines Erwachsenen unterscheiden können. Dabei wird eine Annäherung oder gar eine Gleichheit von Begrüßungsritualen von Erwachsenen jedoch nicht ausgeschlossen, sondern sogar als offensichtlich und erkennbar angenommen. Im Folgenden werde ich nun zunächst ein Überblick über die Theorie von Peter Berger und Thomas Luckmann geben. Speziell werde ich dazu auf die primäre und die sekundäre Sozialisation eingehen, die davon ausgeht, dass ein Mensch nicht automatisch als Mitglied der Gesellschaft geboren wird, sondern durch einen Prozess eingeführt wird. Dieser Prozess vollzieht sich während der Kindheit und im frühen Jugendalter und ist beispielsweise beeinflusst von den Eltern oder anderen engen sowie weniger engen Bezugspersonen. Dabei entwickelt sich ein Kind durch das Übernehmen von Verhaltensstrukturen (Rollen) Anderer zu einer eigenen Persönlichkeit und kann sich so in die Gesellschaft eingliedern. Zu diesen Verhaltensstrukturen zählt unter Anderem das Verhalten bei einer Begrüßung. Dazu werde ich im Anschluss an die Vorstellung der Theorie meine Beobachtungen im Kindergarten darstellen. Anhand dieser Beobachtungen werde ich einige Schlüsse ziehen, die es mir ermöglichen, das kommunikative Verhalten der Kinder zu erfassen und zu kategorisieren. Anschließend sollen, durch Hinzuziehen der Theorie, die vorangegangenen Thesen überprüft werden. In wie weit sind die Rituale an den Sozialisationsprozess geknüpft. Haben sich bei Kindern eigene Rituale durchgesetzt oder werden die der Erwachsenen genutzt? Welche Rituale werden unter Umständen benutzt und kann man unterschiedliche Stationen der Sozialisation erkennen? Diese Fragen sollen in meiner Analyse geklärt werden.
Gliederung
Einleitung
Primäre und sekundäre Sozialisation
Berger und Luckmann - Die gesellschaftliche Konstruktion von Wirklichkeit
Beobachtung
Erfahrungsbericht - Eine Skizze der Beobachtungen
Anknüpfung an die Theorie
Resümee
Literaturnachweis
Anhang
Fragebogen
Vorüberlegungen
Ausführlicher Beobachtungsbericht
Thesen
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Begrüßungsverhalten von Kindern in einem Kindergarten, um auf Basis der Theorie der primären und sekundären Sozialisation von Peter Berger und Thomas Luckmann zu ergründen, ob Kinder spezifische eigene Rituale entwickeln oder bereits bestehende Rituale von Erwachsenen adaptieren.
- Beobachtung kommunikativer Begrüßungsstrukturen
- Analyse des Einflusses der Altersstufe auf das Sozialisationsverhalten
- Anwendung der Theorie der gesellschaftlichen Konstruktion von Wirklichkeit
- Untersuchung von Unterschieden zwischen jüngeren und älteren Kindern
Auszug aus dem Buch
| Primäre Sozialisation
Die primäre Sozialisation vollzieht sich in der frühen Kindheit eines Menschen. Hier findet ein Lernprozess statt, in dem sich das Kind mit „signifikanten Anderen emotional in mancherlei Weise“ identifiziert. Das bedeutet, dass es in dieser Phase sein künftiges Verhalten anlernt, indem es sich an ihm nahe Stehenden Personen orientiert und dessen Verhalten übernimmt. Zu diesem Verhalten zählen Peter Berger und Thomas Luckmann Rollen, Einstellungen und entsprechend eine ganze Welt, sprich Realität. Durch das Übernehmen vollzieht das Kind einen ersten Schritt hin zu einer Eingliederung in die Gesellschaft. Es bezieht eine Identität und gleichzeitig einen bestimmten Platz. Diese so genannte Internalisierung ist stark gebunden an die signifikanten Anderen, da diese dem Kind vorgegeben, also nicht wählbar sind. Es übernimmt nicht irgendeine Welt, sondern die einzig Vorhandene. Diese Welt wird allerdings nur durch solche bedeutende Andere bestimmt, die dem Kind emotional verbunden sind. Ohne eine solche Bindung ist ein Lernprozess so gut wie unmöglich.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung definiert Rituale als funktional an Zeit und Ort gebunden und leitet die Forschungsfrage über das Begrüßungsverhalten von Kindern unter Berücksichtigung der Sozialisationstheorie ein.
Primäre und sekundäre Sozialisation: Dieses Kapitel erläutert den Prozess der Internalisierung, bei dem Kinder durch signifikante Andere in die Gesellschaft eingeführt werden, wobei zwischen der emotional geprägten primären und der rollenspezifischen sekundären Sozialisation unterschieden wird.
Berger und Luckmann - Die gesellschaftliche Konstruktion von Wirklichkeit: Hier wird der theoretische Rahmen umrissen, der Gesellschaft als dialektischen Prozess aus Externalisierung, Objektivierung und Internalisierung versteht.
Beobachtung: Es wird der empirische Kontext eines Kindergartens in Friedrichshafen beschrieben, in dem Kinder zwischen zwei und elf Jahren in altersgemischten Gruppen beobachtet wurden.
Erfahrungsbericht - Eine Skizze der Beobachtungen: Der Bericht stellt die konkreten Begrüßungsszenarien zwischen Kindern, Erzieherinnen und dem Beobachter während einer Mittagspause dar.
Anknüpfung an die Theorie: Dieser Abschnitt wertet die Beobachtungen aus und stellt fest, dass jüngere Kinder oft ohne Begrüßungsfloskeln kommunizieren, während ältere Kinder die gelernten Rituale der Erwachsenen spiegeln.
Resümee: Das Resümee stellt fest, dass die Ausgangshypothese eigener kindlicher Rituale widerlegt wurde und Begrüßungsrituale als künstlich erlernte soziale Handlungen identifiziert werden.
Literaturnachweis: Auflistung der verwendeten theoretischen Quellen und der ergänzenden Dokumente aus dem Anhang.
Anhang: Umfasst die Vorüberlegungen, den Fragebogen, den ausführlichen Beobachtungsbericht und die aufgestellten Thesen.
Schlüsselwörter
Begrüßungsrituale, Kindergarten, Sozialisation, primäre Sozialisation, sekundäre Sozialisation, Peter Berger, Thomas Luckmann, Kommunikation, Kindheitsforschung, Gesellschaft, Internalisierung, Empirie, Beobachtung, Rollenverhalten, Signifikante Andere.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit untersucht die Art und Weise, wie Kinder im Kindergartenalter Begrüßungssituationen gestalten und wie diese mit sozialen Sozialisationsprozessen zusammenhängen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Im Mittelpunkt stehen Begrüßungsrituale, die Theorie der primären und sekundären Sozialisation nach Berger und Luckmann sowie die Beobachtung von Verhalten in altersgemischten Gruppen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist herauszufinden, ob Kinder eigene, von Erwachsenen unabhängige Begrüßungsformen entwickeln oder ob sie die Rituale der Erwachsenenwelt übernehmen und imitieren.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer empirischen Beobachtungsstudie in einem Kindergarten in Friedrichshafen, die durch eine theoretische Analyse der Sozialisationsmodelle ergänzt wurde.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung durch Berger und Luckmann sowie die Darstellung und Auswertung konkreter Beobachtungsprotokolle von Begrüßungssituationen im Kinderhort.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Sozialisation, Begrüßungsrituale, signifikante Andere, Internalisierung und kommunikative Wirklichkeitskonstruktion.
Warum haben die jüngeren Kinder keine Begrüßungsrituale gezeigt?
Laut der Arbeit befinden sich diese Kinder noch in einer Phase, in der das Erlernen solcher gesellschaftlich normierten Rituale noch nicht abgeschlossen ist; sie treten deshalb direkt in den kommunikativen Akt ein.
Welche Schlussfolgerung zieht der Autor über die Rolle der Eltern?
Die beobachteten Rituale älterer Kinder wirken wie ein Spiegelbild des Verhaltens der Eltern, was darauf hindeutet, dass diese Rituale im Zuge der sekundären Sozialisation durch Nachahmung erworben werden.
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- Anonym (Author), 2005, Begrüßungsrituale im Kindergarten, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/47635