Wenn man Hitlers Auffassung von Propaganda untersuchen will, muss man sich zuerst mit dem Begriff der Propaganda auseinandersetzen. Propaganda kann man allgemein als die Beeinflussung der öffentlichen Meinung durch Wort, Bild, Schrift, Musik, Symbole und Aktionen hauptsächlich in politischer Absicht und unter Ausnutzung aller verfügbaren sozialpsychologischer Erkenntnisse definieren.
Die vorliegende Arbeit befasst sich nicht mit der praktischen Anwendung der Propaganda unter Hitler, sondern mit seinen persönlichen Ansichten zu Propaganda und sie will Hitlers theoretische Ansätze erläutern.
Hitlers Auffassung von Propaganda ist ein Teil von fast jeder Hitler-Biographie und daher wird sie in vielen Werken behandelt. Die umfassenden Hitler-Biographien von Joachim Fest, Werner Maser und die Werke von Ian Kershaw bilden eine sehr gute Grundlage für eine Untersuchung in diese Richtung und sie widmen teilweise ganze Kapitel dieser Problematik.
Hitlers persönliche Ansichten kann man am besten seinem Buch Mein Kampf entnehmen, wie auch den Werken, die sich direkt mit Mein Kampf befassen und Hitlers Buch untersuchen und interpretieren. Hier ist es wieder Werner Maser, der eine sehr umfassende Untersuchung liefert. Ebenso verfassten Christian Zentner und Barbara Zehnpfennig ausführliche Werke über Hitlers Buch.
Allgemein gesehen ist jegliches Thema, welches Hitler betrifft, gut untersucht, es gilt nur, die jeweiligen Ergebnisse zusammenzutragen und auszuwerten.
Hitler selbst stellt in seinem Buch die Frage, ob Propaganda Mittel oder Zweck ist. Er sagt, dass sie immer nur ein Mittel ist um einen höheren Zweck zu erreichen. Ob seine Ausführungen über Propaganda dies unterstützt und welche Wege sie dazu zu beschreiten hat, soll diese Arbeit zeigen.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Grundlagen von Adolf Hitlers Propagandadefinition
III. Die Aufgaben der Propaganda
IV. Die Massen
V. Propaganda und Organisation
VI. Das gesprochene Wort
VII. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht Adolf Hitlers persönliche Auffassung von Propaganda und erläutert seine theoretischen Ansätze, anstatt sich auf die praktische Anwendung unter dem NS-Regime zu konzentrieren. Dabei wird insbesondere analysiert, wie Hitler psychologische Erkenntnisse, insbesondere von Gustav Le Bon und William McDougall, in seine Definition von Propaganda und deren Aufgaben integrierte.
- Analyse der theoretischen Propagandabegriffe Adolf Hitlers
- Die Rolle der psychologischen Massentheorie nach Le Bon und McDougall
- Das Verhältnis von Propaganda zu politischer Organisation und Führung
- Die Bedeutung des gesprochenen Wortes und der Rede als zentrales Propagandamittel
- Die Instrumentalisierung der Masse für politische Zwecke
Auszug aus dem Buch
III. Die Aufgaben der Propaganda
In Mein Kampf befasst sich Hitler in einigen Schlüsselpassagen mit Propaganda und stellt dabei heraus, wie eine gute und richtige Propaganda seiner Meinung nach auszusehen hat und wie ihre Aufgaben aussehen.
Für Hitler ist Propaganda ein Mittel zum Zweck und er vergleicht die Propaganda mit einem Werbeplakat für eine Kunstausstellung. Das Plakat soll durch Form und Farbe die Menge auf die Aufstellung aufmerksam machen und auf die Kunst der Ausstellung hinweisen. Es soll eine Vorstellung von der Bedeutung der Ausstellung vermitteln, aber auf keinen Fall einen Ersatz der in dieser Ausstellung gebotenen Kunst darstellen. Wer mehr über die Ausstellung erfahren möchte, der muss sich genau mit ihr befassen, aber das Plakat selbst weist nur die Masse auf die Ausstellung hin und soll diese Masse für die Kunst der Ausstellung begeistern, ohne jedoch die Kunst selbst zu kopieren oder zu untersuchen.
Ebenso soll auch die Propaganda arbeiten. Sie soll nicht für eine wissenschaftlich fundierte Ausbildung des Einzelnen sorgen, sie soll die Masse auf bestimmte Sachlagen und Zustände hinweisen. Um genau das zu erreichen soll die Propaganda volkstümlich sein und ihr geistiges Niveau nach der Aufnahmefähigkeit des Beschränktesten im Publikum richten, damit sie leicht aufnehmbar und nachvollziehbar ist. Sie muss wissenschaftlichen Ballast abwerfen und auf das Fühlen der Masse Rücksicht nehmen. Wichtig ist, so sagt es Hitler in Mein Kampf, dass die Propaganda einen fundamentalen Grundsatz immer scharf berücksichtigt, denn gerade weil die zu überzeugende Masse, laut Le Bon und Hitler, in ihrer Gesamtheit schwerfällig, überschwänglich und simpel ist, muss jede Abweichung in der Propaganda zum Schluss immer wieder auf den selben Kern zurückkommen. Das heißt, dass die Propaganda ihre Schlagworte von verschiedenen Seiten aus beleuchten muss, doch das Ergebnis muss stets identisch sein. Sie muss einheitlich und geschlossen wirken.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Diese Einleitung setzt den theoretischen Rahmen der Arbeit und grenzt das Thema auf Hitlers persönliche Ansichten und theoretische Ansätze zur Propaganda ein.
II. Grundlagen von Adolf Hitlers Propagandadefinition: Dieses Kapitel rekonstruiert Hitlers Biografie und seine autodidaktischen Studien, um die Wurzeln seiner Propagandadefinition und die Beeinflussung durch Autoren wie Le Bon und McDougall aufzuzeigen.
III. Die Aufgaben der Propaganda: Hier wird Hitlers Verständnis von Propaganda als Mittel zum Zweck erläutert, wobei insbesondere die Forderung nach Volkstümlichkeit und inhaltlicher Reduzierung betont wird.
IV. Die Massen: Dieses Kapitel analysiert das psychologische Massenverständnis nach Le Bon, das Hitler für seine Propaganda adaptierte, um die Manipulierbarkeit der Masse durch Gefühle und Bilder zu erklären.
V. Propaganda und Organisation: Der Text beleuchtet das wechselseitige Verhältnis zwischen propagandistischer Breitenwirkung zur Anwerbung von Anhängern und der organisatorischen Struktur zur Gewinnung aktiver Mitglieder.
VI. Das gesprochene Wort: Dieser Abschnitt beschreibt die zentrale Rolle der rhetorisch geschulten Rede als direktes Kontaktinstrument zwischen Führer und Masse sowie die Nutzung moderner Technik.
VII. Schlussbetrachtung: Die Arbeit fasst zusammen, dass Hitler Propaganda als zentrales, von Le Bon beeinflusstes Führungsinstrument verstand, um die Masse dauerhaft unterzuordnen und seine Lehre umzusetzen.
Schlüsselwörter
Adolf Hitler, Propaganda, Mein Kampf, Massenpsychologie, Gustav Le Bon, William McDougall, Organisation, politische Führung, Agitation, Rhetorik, NS-Ideologie, Manipulation, Massenbeeinflussung, suggestive Macht, Mittel zum Zweck
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das theoretische Verständnis Adolf Hitlers von Propaganda, wie es sich in seinem Werk "Mein Kampf" darstellt, unter besonderer Berücksichtigung seiner autodidaktischen Grundlagen.
Welche zentralen Themenfelder behandelt die Arbeit?
Zentrale Themen sind die psychologischen Grundlagen der Massenbeeinflussung, die Verknüpfung von Propaganda mit parteiinterner Organisation sowie die spezifische Bedeutung der rhetorischen Rede.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, Hitlers persönliche theoretische Ansätze zur Propaganda zu erläutern und aufzuzeigen, wie er diese wissenschaftlich begründeten Erkenntnisse seiner Zeit in seine eigene politische Ideologie integrierte.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit angewandt?
Die Autorin oder der Autor wendet eine quellenkritische Analyse von Hitlers "Mein Kampf" sowie zeitgenössischer psychologischer Literatur an, um Hitlers theoretisches Gedankengebäude zu rekonstruieren.
Was wird schwerpunktmäßig im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Analyse der massenpsychologischen Grundlagen, die Aufgaben der Propaganda, das Verhältnis zur Organisation sowie die Bedeutung des gesprochenen Wortes als Führungsinstrument.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Die Untersuchung wird durch Begriffe wie Massenpsychologie, Propaganda, Führung, Organisation, Suggestion und die explizite Bezugnahme auf Gustav Le Bon charakterisiert.
Welche Bedeutung misst Hitler laut der Arbeit dem "gesprochenen Wort" bei?
Hitler sah in der mündlichen Rede das entscheidende Werkzeug, um die Masse durch unmittelbaren Kontakt zu beeinflussen und auf seine Ziele einzuschwören, wobei er die Rede als wirkungsvoller als das geschriebene Wort bewertete.
Wie unterscheidet die Arbeit zwischen Anhängern und Mitgliedern innerhalb der NS-Organisation?
Propaganda dient laut Arbeit dazu, eine breite Masse als Anhänger zu werben, während die Organisation aus diesen Anhängern diejenigen gezielt aussucht und formt, die bereit sind, aktiv für die Ziele zu kämpfen.
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- Sven Kleibrink (Author), 2003, Adolf Hitlers Auffassung von Propaganda, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/47648