Die Universität Leipzig und der Pietismus - Die Person August Hermann Francke


Hausarbeit, 2005
22 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Pietismus, August Hermann Francke und die Universität Leipzig – Eine kurze Einführung

2. Pietismus – die neue Frömmigkeitsbewegung

3. August Hermann Francke
3.1 Franckes Zeit vor der Universität Leipzig – Kindheit, Jugendalter und studentische Anfänge
3.2 Franckes Wirken an der Universität Leipzig
3.2.1 Die Jahre 1684 –
3.2.2 „Bekehrung“ und „Wiedergeburt“
3.2.3 Studium in Hamburg und Aufenthalt bei Spener
3.2.4 Francke als Dozent in Leipzig – das Jahr
3.2.5 Pietistische Unruhen und Vorlesungsverbot
3.3 Franckes weiterer Werdegang

4. Zusammenfassende Betrachtung

5. Abbildungen

6. Quellenverzeichnis

1. Pietismus, August Hermann Francke und die Universität Leipzig – Eine kurze Einführung

Nachdem die Reformation im 16. Jh. für eine Glaubensspaltung innerhalb des Christentums sorgte, wurde bereits einige Jahrzehnte später oftmals ein „praktischer Atheismus“[1] beklagt. Johann Arndt (1555 – 1621) rief zur „praxis pietatis“, einer gelebten Frömmigkeit, auf. Aus dem Wunsch nach einem praktischen Christentum mit regem Gebetsleben um dadurch zu wahrer Frömmigkeit zu gelangen entstand der Pietismus.

Der Kirchenhistoriker Martin Brecht sieht im Pietismus die „bedeutendste Frömmigkeitsbewegung des Protestantismus nach der Reformation“.[2] Dabei stellte der mitteldeutsche Raum um Leipzig und Halle, somit auch die Universität Leipzig, ein Zentrum dar. Die wichtigsten und einflussreichsten Persönlichkeiten dieser religiösen Strömung waren Philipp Jakob Spener (1635 – 1705) und August Hermann Francke (1663 – 1727). Spener selbst war zwar nicht in Leipzig oder Halle aktiv, dennoch beeinflusste er diese beiden Städte durch seine Tätigkeit als Mitglied des Oberkonsistoriums[3] in Dresden und in Berlin. Franckes Wirken soll Gegenstand dieser Untersuchung sein, wobei das Hauptaugenmerk auf seiner Zeit an der Leipziger Universität liegen wird (1684 – 1687 und 1689). Hier gründete Francke mit dem „Collegium Philobiblicum“ eine theologische Versammlung, die rasch an Mitgliedern und Bedeutung gewann und somit für die gesamte pietistische Bewegung von Bedeutung war. Auf Spener soll dagegen nur am Rande eingegangen werden.

Einen weiteren Schwerpunkt soll Franckes „Bekehrung“[4] mit den Vorstufen „Dämmerung“ und „Durchbruch“, typische Stadien auf dem Weg zum wahren Glauben im Pietismus, darstellen.

Es soll geklärt werden, wodurch der Pietismus charakterisiert ist und auf welche Art und Weise Francke Anhänger gewann. Inwieweit unterschied sich das „Collegium Philobiblicum“ von anderen Collegien und weshalb erfreute es sich bei den Teilnehmern rasch wachsender Beliebtheit? Was machte Francke für die Universität und die Kirche so gefährlich, so dass er 1689 Vorlesungsverbot erhielt und 1690 ein Verbot über jede Art von pietistischen Versammlungen erging? Was ist das Vermächtnis von August Hermann Francke?

Als Hauptquelle dienten die Lebensläufe August Hermann Franckes. Diese bestehen aus dem Lebenslauff, von Francke im Alter von 27 Jahren selbst geschrieben, der die Jahre 1663 bis 1687 umfasst, und der Kurtze[n] Nachricht, die anlässlich seines Todes verfasst wurde. Vor allem der Erstgenannte liefert einen sehr genauen Einblick in Franckes persönliche religiöse Entwicklung und bietet detaillierte Informationen zu den Leipziger Geschehnissen.

2. Pietismus – die neue Frömmigkeitsbewegung

Der Begriff „Pietismus“ ist eng mit den Ereignissen in Leipzig im Sommer 1689 verbunden. Zu dieser Zeit tauchte das Wort „Pietismus“ erstmals in der Öffentlichkeit auf. Joachim Feller, ein Leipziger Poesieprofessor, griff es auf und sorgte mit seinem Gedicht anlässlich des Begräbnisses von Martin Born[5] für weitere Verbreitung[6]:

ES ist jetzt Stadt-bekannt der Nahm der Pietisten;

Was ist ein Pietist? der Gottes Wort studirt,

Und nach demselben auch ein heilges Leben führt

Das ist ja wohl gethan, ja wohl von iedem Christen.

Denn dieses machts nicht aus, wenn man, nach Rhetoristen

Und Disputanten Art, sich auf der Cantzel ziert,

Und nach der Lehre nicht lebt heilig, wie gebührt,

Die Pietät, die muß vor aus im Hertzen nisten.

Der baut auch zehnmal mehr, als wohlgesetzte Wort,

Ja alle Wissenschafft, sie nutzt auch hier und dort. […][7]

Der Wortursprung für diese im 17. Jh. innerhalb des Protestantismus einsetzende religiöse Bewegung leitet sich vom lateinischen „pietas“, Frömmigkeit, ab und hatte eine geistliche Erneuerung der Kirche zum Ziel. Der Pietismus stellte die Gegenströmung zur lutherischen Orthodoxie dar. Während diese u. a. durch streng rationale Denkformen geprägt war, zielte der Pietismus auf ein an der Bibel orientiertes, praktisches Christentum ab, dass sich in Frömmigkeit und tätiger Nächstenliebe äußern soll. Grundlagen sind dabei das regelmäßige Bibelstudium und die individuell bewusst erlebte „Bekehrung“[8].

Die Wurzeln des Pietismus reichen bis ins 16. Jh., beispielsweise auf den zuvor angesprochenen Johann Arndt zurück. Den Höhepunkt stellte der Zeitraum vom ausgehenden 17. Jh. bis Mitte des 18. Jh. dar, welcher nicht von ungefähr mit Franckes Hauptschaffensperiode korreliert.

Der deutsche lutherische Pietismus wurde nachhaltig von Philipp Jakob Spener geprägt, der 1675 mit den „Pia Desideria“ die programmatische Schrift des Pietismus veröffentlichte und mit den „Collegia Pietatis“ die für den Pietismus typische Versammlungsform ins Leben rief. August Hermann Francke legte, vergleichend zu Spener, noch mehr Wert auf die christliche Praxis.

Im Bereich des kirchlichen Lebens entfaltete der Pietismus nachhaltig seine Wirkung. So wurden etwa Bibelstunden und Konfirmation gefördert, sowie Gottesdienst und Predigt belebt. Darüber hinaus erlangte er Verdienste um Schulwesen, Armenfürsorge, Mission und Annäherung der Konfessionen.[9]

Pietistische Strömungen sind auch heute noch in einigen evangelischen Gemeinden zu finden.

3. August Hermann Francke

3.1 Franckes Zeit vor der Universität Leipzig – Kindheit, Jugendalter und studentische Anfänge

Inhaltlich folge ich unter diesem Gliederungspunkt im Wesentlichen den Ausführungen der Allgemeinen Deutschen Biographie[10].

August Hermann Francke wurde am 22.3.1663 in Lübeck geboren.[11] Sein Vater Johannes Francke studierte Rechtswissenschaften und heiratete Anna Gloxin, die Tochter des späteren Lübecker Bürgermeisters David Gloxin. 1666 wurde Johann Francke Hof- und Justizrat von Herzog Ernst dem Frommen von Sachsen-Gotha in Gotha. A. H. Francke verbrachte damit einen großen Teil seiner Jugend in der frommen und reformoffenen Residenzstadt, was mit Sicherheit für seine Entwicklung zu einer der prägenden Figuren des Pietismus nicht unerheblich war. A. H. Francke war gerade sieben Jahre alt gewesen, als sein Vater verstarb. Bis er mit Beginn seines 14. Lebensjahres das Gymnasium besuchte, wurde er von einem Privatlehrer unterrichtet. So überrascht es nicht, dass Francke bereits nach einjährigem Besuch als reif für die akademischen Studien entlassen wurde. Während der folgenden zwei Jahre blieb er, aufgrund seines geringen Alters, noch in Gotha und versuchte seine Latein- und Griechischkenntnisse zu perfektionieren. Außerdem betrieb er sowohl philosophische, als auch erste theologische Studien. Allerdings geschah dies wie er beklagt „nicht mehr in rechter Absicht, zur Ehre Gottes und zum Dienst des Nächsten, sondern vielmehr um eigener Ehre und Nutzens willen“[12]. Mit 16 Jahren erhielt er das Stipendium Schabbelianum, das von einem Verwandten zur Ausbildung akademisch qualifizierter Theologen gestiftet worden war[13]. Zu diesem Zweck ging er nach Kiel, nachdem er zuvor ein halbes Jahr in Erfurt studierte. In Kiel blieb Francke für drei Jahre und beschäftigte sich in dieser Zeit mit Theologie, allgemeinen Wissenschaften, dem Erlernen des Englischen und ersten Predigtversuchen. Trotz seines großen Studienfleißes, auch, und vor allem, was die Theologie betrifft, bemerkt er rückblickend: “Meine Theologie faßte ich in den Kopf und nicht in das Herz, sie war mehr eine todte Wissenschaft, als ein lebendige Erkenntniß“[14]. Um seine Hebräischkenntnisse zu verbessern, die in Kiel nicht gefördert wurden, ging er nach Hamburg zu dem Hebraisten Esdras Edzard. Da Francke bereits nach zwei Monaten zurück nach Gotha reisen musste, erlernte er das Hebräische dort im Selbststudium weiter. In dieser Zeit, so gibt Francke an, will er die hebräische Bibel sechsmal gelesen haben[15]. Weiterhin erwarb er noch Französischkenntnisse und galt gemeinhin als frommer und fleißiger Student. Seine Selbsteinschätzung unmittelbar vor seinem ersten Leipzigaufenthalt verrät jedoch eine tiefe Unzufriedenheit und liefert gar nicht das Bild eines frommen Studenten: „…in der that war ich nichts als ein bloßer natürlicher mensch, der viel im Kopff hatte, aber vom rechtschaffenden wesen, das in Jesu Christo ist weit genug entfernet war.“[16]

3.2 Franckes Wirken an der Universität Leipzig

Franckes Zeit an der Universität kann man in zwei Phasen einteilen. Dabei stellt das Jahr 1688 mit der Wiederaufnahme des Stipendium Schabbelianum, dem daraus folgenden Studium in Hamburg und Franckes Bekehrungserlebnis in Lüneburg die Zäsur dar. Die erste Phase umfasst die Jahre 1684 bis 1687, vor diesem Erlebnis, in denen er als Student wirkte, und die zweite das Jahr 1689, in welchem Francke als Dozent tätig war.

3.2.1 Die Jahre 1684 – 1687

1684 ging A.H. Francke auf Wunsch eines Bekannten aus seiner Gothaer Zeit, Johann Christoph Wichmannshausen, nach Leipzig. Francke sollte ihn im Hebräischen unterrichten. Beide wohnten bei Adam Rechenberg, dem Schwiegersohn von P. J. Spener. In Leipzig ließ Francke sich zunächst im Rabbinischen, also dem nachbiblischen Hebräisch der jüdischen Gelehrten und der rabbinischen Literatur unterrichten. Außerdem lernte er Italienisch und nahm an verschiedenen Kollegien teil, darunter ein „Collegium Historicum“, über „Distinctiones Theologicas“[17] und über „Dicta Scripturae Sacrae“[18][19].

[...]


[1] Kühlmann (1996), 168.

[2] Brecht (1993), 1.

[3] Oberste Behörde der evang. Landeskirche.

[4] Die „Bekehrung“ ist ein persönliches, bewusstes spirituelles Erlebnis, das für das Individuum, von weit reichender Bedeutung ist. Der „bekehrte“ erlangt eine „neue“ Existenz, auch „Wiedergeburt“ genannt, die durch eine Veränderung hin zum lebendigen christlichen Glauben gekennzeichnet ist. Auf dem Weg zur „Bekehrung“ befindet sich die betreffende Person zunächst in einem Zustand der „Dämmerung“, welcher durch eine tiefe innere Unzufriedenheit gekennzeichnet ist. Die nächste Stufe ist der „Durchbruch“, ein konkreter Vorfall, durch den die „Bekehrung“ unmittelbar ausgelöst wurde.

[5] Zur pietistischen Bewegung gehörender Student.

[6] Vgl. vom Orde (2004), 359.

[7] Abdruck in Leube (1975), 91.

[8] Brockhaus (1998), 158

[9] Brockhaus (1998), 158.

[10] ADB (1878), 219-223.

[11] Der Titel eines Kupferstichs(s. Anhang, Abb. 1) weist in seinem Titel den 12.8.1663 als Geburtsdatum aus. Da es sich bei dem ersten Teil der „Lebensläufe August Hermann Franckes“ um eine autobiographische Arbeit handelt, ist dieser jedoch aufgrund der Authentizität eine höhere Wertigkeit beizumessen.

[12] Matthias (1999), 11.

[13] Brecht (1993), 441.

[14] Matthias (1999), 12.

[15] Matthias (1999), 13.

[16] Matthias (1999), 14, Z. 18 – 20.

[17] Unterscheidung theologischer Begriffe.

[18] Über Sätze der Heiligen Schrift.

[19] Matthias (1999), 14, 15.

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Die Universität Leipzig und der Pietismus - Die Person August Hermann Francke
Hochschule
Universität Leipzig  (Historisches Seminar)
Veranstaltung
Übung
Note
2,0
Autor
Jahr
2005
Seiten
22
Katalognummer
V47663
ISBN (eBook)
9783638445573
ISBN (Buch)
9783638718103
Dateigröße
797 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Universität, Leipzig, Pietismus, Person, August, Hermann, Francke
Arbeit zitieren
Eric Petermann (Autor), 2005, Die Universität Leipzig und der Pietismus - Die Person August Hermann Francke, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/47663

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