Schon seit der Antike lässt sich ein Zusammenhang zwischen Sport und Politik herstellen. Sport entwickelte sich über den natürlichen Trieb zur Bewegung und zum Spiel zu einem Massenphänomen, das nicht selten von politischer Einflussnahme verschont blieb. Oftmals erhofften sich Politiker durch Anteilnahme an Sportereignissen einen Prestigegewinn und damit auch einen Machtzuwachs. So ist es nicht überraschend, dass Sport in der Zeit des Nationalsozialismus ein populäres Mittel war um in alle Lebensbereiche der Bewohner des „Dritten Reiches“ durchzudringen zu können. Als zum Ende des Jahres 1932 der Deutsche Fußball-Bund (DFB) rund eine Million aktive Mitglieder zählte, entwickelte sich der DFB zum größten Sportverband im baldigen „Dritten Reich“. Die Nationalsozialisten machten auch vor dem Deutschen Fußball-Bund keinen Halt, gliederten diesen in den „NS-Apparat“ ein und unterwarfen den Bund der nationalsozialistischen Ideologie.
Ohne auf die Geschichte zur Entstehung des Fußballs einzugehen, möchte ich mich in meiner Arbeit auf die Geschichte des DFB zur Zeit des Nationalsozialismus fokussieren. Um aber ein Grundverständnis für die Geschichte des DFB zur Zeit des Nationalsozialismus zu schaffen werde ich im ersten Teil meiner Arbeit, bewusst kurzgehalten, auf die ersten Jahre des DFB bis hin zur Weimarer Republik eingehen. Im anschließenden Teil der Arbeit wurden die Gleichschaltungen des DFB und seine Umstrukturierungen in der Zeit des Nationalsozialismus von mir bearbeitet. Um die Stellung des jüdischen Sports zu beschreiben gebe ich in Kapitel 4 einen Überblick über Antisemitismus und die Ausgrenzung der Juden aus dem Sport. Anhand der Biografie von Julius Hirsch wird diese Thematik und die Vorgänge der Ausgrenzung im Kapitel 4.2 veranschaulicht.
So stelle ich mir am Anfang dieser Arbeit die Fragen: Wie verhielt sich der DFB vor der Zeit des Nationalsozialismus und während des Zeit des herrschenden „NS-Regimes“? Profitierte der DFB von der nationalsozialistischen Sportpolitik? Auf die Zeit nach dem Nationalsozialismus könnte man auch eingehen, dies würde aber den Rahmen der Arbeit sprengen. Ich werde aber bei der Erwähnung einiger Quellen in der Einleitung kurz auf das Verhalten des DFB nach dem Jahr 1945 eingehen. Eine weitere Kernfrage meiner Arbeit ist: Wie organisierten sich die jüdischen Sportler und welche Schicksale teilten sie? Darauf gehe ich im Kapitel 4 näher ein und versuche die Fragen entsprechend zu erläutern.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der Deutsche Fußball-Bund bis 1933
2.1 Die ersten Jahre des Deutschen Fußball-Bundes
2.2 Der DFB in der Weimarer Republik
3. Fußball und der DFB zur Zeit des Nationalsozialismus
3.1 Die erste Gleichschaltung
3.2 Die zweite Gleichschaltung und die Jahre 1936 – 1945
4. Antisemitismus im Fußball und die Geschichte eines Opfers: Julius Hirsch
4.1 Die Ausgrenzung der Juden aus dem Fußballsport
4.2 Julius Hirsch. Das Schicksal eines ehemaligen Nationalspielers.
5. Schlussbemerkung
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit befasst sich mit der Entwicklung des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) während der Zeit des Nationalsozialismus und untersucht dabei insbesondere die politische Instrumentalisierung des Verbandes, seine schrittweise Gleichschaltung sowie die systembedingte Ausgrenzung jüdischer Sportler am Beispiel der Biografie von Julius Hirsch.
- Historische Entwicklung des DFB von der Weimarer Republik bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs.
- Prozess der politischen Gleichschaltung und Unterordnung des Fußballs unter die NS-Ideologie.
- Analyse der Ausgrenzungsmechanismen gegenüber jüdischen Mitgliedern in Sportvereinen.
- Biografische Aufarbeitung des Schicksals des ehemaligen Nationalspielers Julius Hirsch.
- Reflektion über das Handeln der DFB-Funktionäre im Spannungsfeld zwischen Machtinstinkt und politischer Anpassung.
Auszug aus dem Buch
4.2 Julius Hirsch. Das Schicksal eines ehemaligen Nationalspielers.
In diesem Teil meiner Arbeit gehe ich jetzt auf das Leben und Schicksal von Julius Hirsch, einem ehemaligen Nationalspieler der DFB-Elf, ein. Hier soll veranschaulicht werden, dass sogar Fußballstars, die außerordentliche Leistungen erbrachten, dem „NS-Regime“ aufgrund ihrer „Rasse“ zum Opfer fielen.
Julius Hirsch wurde am 7. April 1892 als eines von sieben Kindern in Achern geboren. 1898 zog er nach Karlsruhe, die damalige „Fußball-Metropole“. Beide Vereine der badischen Residenzstadt holten sich den Meistertitel und alle Bevölkerungsschichten der Stadt strömen in die Stadien.
Mit 10 Jahren wurde er Mitglied des Karlsruher FV und etablierte sich als flinker und kleiner Außenstürmer. Als er dann mit 17 Jahren in die „Erste“ des Karlsruher FV aufstieg und anschließend mit seinem Verein die Meisterschaft gewann, wurde die gesamte Mannschaft von knapp 2.000 Menschen am Karlsruher Bahnhof feierlich empfangen. Fußballsport war zu dieser Zeit aufstrebend und von Antisemitismus war zu jener Zeit für Hirsch nichts zu spüren, ganz im Gegenteil.
Am 17.12.1911 feiert Julius Hirsch sein Debüt in der Nationalmannschaft und ist somit der erste jüdische Nationalspieler in Deutschland. Aber sein wohl wichtigstes Spiel am Anfang seiner National-Elf-Karriere hatte er 1912 in Zwolle gegen die Niederlande. Das Spiel endete 5:5, wobei Hirsch 4 Treffer erzielte und daraufhin die Einladung erhielt, die „Farben Deutschlands bei der Olympiade mitvertreten zu dürfen“, wie er selber sagte.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema ein, erläutert die Relevanz des Zusammenhangs zwischen Sport und Politik im "Dritten Reich" und stellt die Kernfragen zur DFB-Historie sowie zum Schicksal jüdischer Sportler.
2. Der Deutsche Fußball-Bund bis 1933: Hier werden die Gründung des DFB, seine Rolle in der Weimarer Republik sowie die ökonomischen und ideologischen Debatten um den Amateurstatus und die Professionalisierung des Fußballs beleuchtet.
3. Fußball und der DFB zur Zeit des Nationalsozialismus: Das Kapitel beschreibt die schrittweise Gleichschaltung des DFB, die Etablierung des Führerprinzips und die spätere totale Verstaatlichung des Verbandes durch das NS-Regime.
4. Antisemitismus im Fußball und die Geschichte eines Opfers: Julius Hirsch: Dieser Abschnitt analysiert die systematische Ausgrenzung und Verfolgung jüdischer Sportler und dokumentiert das tragische Leben des ehemaligen Nationalspielers Julius Hirsch bis zu seiner Ermordung.
5. Schlussbemerkung: Die Arbeit resümiert die Entwicklung des DFB, bewertet die Anpassung der Verbandsführung an die NS-Diktatur und fasst die Auswirkungen der rassistischen Verfolgung auf den Sport zusammen.
Schlüsselwörter
DFB, Nationalsozialismus, Gleichschaltung, Fußball, Antisemitismus, Julius Hirsch, Weimarer Republik, Sportpolitik, NS-Regime, Judenverfolgung, Deutsche Reichsbund für Leibesübungen, DRL, Nationalspieler, Ausgrenzung, Sportgeschichte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Proseminararbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Geschichte des Deutschen Fußball-Bundes während der Zeit des Nationalsozialismus und zeigt auf, wie der Verband politisiert und instrumentalisiert wurde.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Schwerpunkte liegen auf der Gleichschaltung des DFB, der Rolle seiner Führungskräfte sowie der systemischen Ausgrenzung jüdischer Menschen aus dem deutschen Sport.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Arbeit hinterfragt das Verhalten des DFB gegenüber dem NS-Regime, die Kooperationsbereitschaft der Funktionäre und die Schicksale jüdischer Sportler unter dem Einfluss der rassistischen Ideologie.
Welche wissenschaftliche Methode wurde für die Arbeit verwendet?
Die Analyse basiert auf einer fundierten Literaturrecherche und der Auswertung historischer Quellen, inklusive zeitgenössischer Artikel und Biografien wie der von Julius Hirsch.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Aufarbeitung der Strukturen des DFB vor 1933, die zwei Phasen der Gleichschaltung bis 1945 sowie die Schilderung der antisemitischen Verfolgung im Sportbetrieb.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren diese Arbeit am besten?
Wichtige Begriffe sind unter anderem DFB, Gleichschaltung, NS-Ideologie, Antisemitismus, Julius Hirsch und die Verstaatlichung des Sports im "Dritten Reich".
Warum spielt die Person Julius Hirsch eine zentrale Rolle in der Arbeit?
Die Biografie von Julius Hirsch dient als exemplarische Fallstudie, um zu verdeutlichen, dass selbst herausragende Leistungen als Nationalspieler nicht vor rassistischer Verfolgung und Ermordung durch das NS-Regime schützten.
Welche Rolle spielte der "Dietwart" in den Fußballvereinen?
Der "Dietwart" wurde in Vereinen eingesetzt, um regelmäßige ideologische Schulungen für die Sportler durchzuführen, wobei die tatsächliche Umsetzung in der Praxis oft nur sporadisch erfolgte.
Wie reagierte der DFB auf die "Berufsspielerfrage" in der Weimarer Republik?
Der DFB lehnte eine offizielle Einführung des Profitums aus ideologischen Gründen sowie aus Sorge vor dem Verlust steuerlicher Gemeinnützigkeit ab, obwohl in der Praxis illegale Zahlungen an Spieler üblich waren.
- Arbeit zitieren
- Matthias Holder (Autor:in), 2016, Fußball im Nationalsozialismus. Der DFB bis 1945 und die Ausgrenzung der Juden aus dem Sport, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/476714