Die Arbeit geht der Fragestellung nach, inwiefern die motivische Gestaltung Franz Kafkas in den Erzählungen "Das Urteil" und "Die Verwandlung" biographische Elemente widerspiegelt. Ziel ist dabei nicht etwa, biographische Bezüge im Werk selbst darzulegen, sondern diese explizit mit den angeführten Motiven zu verknüpfen und anschließend herauszustellen, welches das für Kafkas Erzählungen wichtigste Motiv ist.
Im Fokus der Ausarbeitung stehen hierbei das Motiv der Metamorphose, das Motiv von Schuld und Strafe, das Bettmotiv und der Vater-Sohn-Konflikt als Kernmotiv in Kafkas Gesamtwerk. Die Ausarbeitung des Bettmotivs stellt dabei primär eine Vernetzung der Motive innerhalb der Arbeit dar und steht in keiner direkten Relation zu Kafkas Biographie. Während im Motiv der Metamorphose die äußere Handlung im Fokus steht, bespiegelt die Auseinandersetzung mit der literarischen Tradition des Strafmotivs die Mentalität der jeweiligen Handlungsträger. Der Vater-Sohn-Konflikt wird im Verlauf der Arbeit in Verbindung mit den einzelnen Motiven verflochten und in den biographischen Kontext eingebettet. Im Konnex mit der Entwicklung desselben unter gendertheoretischer Perspektive wird das Motiv des Vater-Sohn-Konfliktes als solches in seiner Multifunktionalität definiert.
Die anschließende Verknüpfung mit der musikalischen Adaption "Kafkas Träume" führt die erwähnten Motive schließlich zusammen und bettet Franz Kafkas Wirken als Schriftsteller in die heutige Zeit ein.
Inhaltsverzeichnis
(I) Einleitung
(II) Hauptteil
1. Motivik in Kafkas literarischen Werken
1.1 Motiv der Metamorphose – Regression des Protagonisten
1.2 Schuld und Strafe
1.3 Das Bettmotiv
1.4 Entwicklung des Vater-Sohn-Konfliktes - Gender Studies
2. Adaption der Motivik in „Kafkas Träume“
(III) Abschließendes Urteil und Fazit
(IV) Anhang
„Kafkas Träume“
Endnotenapparat
Quellenverzeichnis
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Facharbeit untersucht die motivische Gestaltung in den Erzählungen „Das Urteil“ und „Die Verwandlung“ von Franz Kafka und analysiert deren Verknüpfung mit autobiographischen Elementen des Autors. Das primäre Ziel ist es, die Signifikanz dieser Motive im Werk zu positionieren und abschließend deren Adaption im musikalischen Werk „Kafkas Träume“ der Band „Der W“ zu erörtern.
- Analyse zentraler Motive (Metamorphose, Schuld und Strafe, Bettmotiv).
- Untersuchung des zentralen Vater-Sohn-Konfliktes in Kafkas Gesamtwerk.
- Herstellung biographischer Bezüge zum „Brief an den Vater“.
- Evaluation der musikalischen Adaption der Kafkaesken Motivik.
Auszug aus dem Buch
1.1 Motiv der Metamorphose - Regression des Protagonisten
Unlängst ist in der Forschungsliteratur zu Franz Kafka die Annahme einer nicht nur physischen Metamorphose des Protagonisten, sondern auch einer metamorphischen Überführung der Familie in diametrale Verhältnisse allgegenwärtig. Die Familie Samsa, welche zu Beginn der Erzählung noch von den beruflichen Erzeugnissen des Sohnes getragen wird, gerät durch Gregors Verwandlung unmittelbar in eine Situation, welche ein radikales Umdenken erfordert. So verwandelt sich der Vater vom kranken, müden Mann und Nutznießer der Familie zum arbeitstüchtigen Versorger (vgl. V 49f.). Die Schwester, welche zu Beginn noch für Gregors Wohlbefinden sorgt und deren Lebensweise „daraus bestanden hatte, sich nett zu kleiden, lange zu schlafen [...] und vor allem Violine zu spielen“ (V 39), verwandelt sich im Laufe der Erzählung zu seiner erbittertsten Feindin und Verbündeten des Vaters (vgl. V 64f.). Auch die Mutter übernimmt berufliche Verantwortung für die Familie, indem sie „feine Wäsche für ein Modengeschäft“ (V 52) näht. Mit jeder dieser Verwandlungen geht eine Stärkung der Machtposition im Beziehungsgefüge der Familie einher. Die Familie Samsa transmutiert zu einem familiären Ideal, das durch den beruflichen Ehrgeiz und die inzwischen „zu einem schönen und üppigen Mädchen aufgeblüht[e]“ (V 72) Tochter wieder gesellschaftsfähig ist, während Gregor zu einem Ungeziefer, einem Schädling degradiert wird und „krepiert“ (V 68).
Der Regressionsprozess Gregors ist mit seiner Verwandlung zum Käfer jedoch keinesfalls abgeschlossen, der regressive geistige Verwandlungsprozess setzt erst nach der Metamorphose ein. So ist Gregor zu Beginn der Erzählung noch imstande, sich halbwegs verständlich zu artikulieren und versucht, seine neue Gestalt gemäß der ihm gewohnten menschlichen Physis zu beherrschen, woran er jedoch scheitert (vgl. V 12-14).
Zusammenfassung der Kapitel
Motivik in Kafkas literarischen Werken: Dieses Kapitel erörtert zentrale wiederkehrende Motive in Kafkas Erzählungen und bettet diese in den biographischen Kontext des Autors ein. Dabei werden insbesondere der Vater-Sohn-Konflikt und die damit verbundenen Machtverschiebungen analysiert.
Adaption der Motivik in „Kafkas Träume“: Hier wird untersucht, wie die Band „Der W“ Kafkaeske Motive aufgreift und in ein musikalisches Werk übersetzt, das die Stimmung und Thematik der literarischen Vorlagen reflektiert.
Schlüsselwörter
Franz Kafka, Das Urteil, Die Verwandlung, Motivik, Metamorphose, Vater-Sohn-Konflikt, biographischer Bezug, Schuld und Strafe, Regression, Literaturwissenschaft, Adaption, Kafkas Träume, Stephan Weidner, Kafkaesk, patriarchale Gewalt
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie Franz Kafka bestimmte Motive in seinen Werken „Das Urteil“ und „Die Verwandlung“ gestaltet und welche biographischen Bezüge sich dabei herstellen lassen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf den Motiven der Metamorphose, Schuld und Strafe sowie dem dominanten Vater-Sohn-Konflikt in Kafkas literarischem Schaffen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, die Bedeutung dieser Motive im Werk zu analysieren und aufzuzeigen, wie sie in der musikalischen Adaption „Kafkas Träume“ verarbeitet wurden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es erfolgt eine aspektorientierte literaturwissenschaftliche Analyse ausgewählter Motive, die mit biographischen Dokumenten wie dem „Brief an den Vater“ verknüpft werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die literarische Motivik in Kafkas Erzählungen sowie deren Übertragung auf die moderne musikalische Interpretation der Band „Der W“.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Metamorphose, Vater-Sohn-Konflikt, Kafkaesk, Schuldgefühl und biographische Referenzen.
Wie spielt das Bettmotiv für die Machtverhältnisse eine Rolle?
Das Bett dient als zentraler Schauplatz, der den physischen und geistigen Zustand der Protagonisten spiegelt und als Wendepunkt für Machtverschiebungen zwischen Vater und Sohn fungiert.
Was bedeutet der „Kafkas Träume“-Text in Bezug auf die literarischen Vorlagen?
Das Lied adaptiert die düstere Atmosphäre und die Themen der Isolation und Sprachlosigkeit aus Kafkas Erzählungen und stellt somit eine künstlerische Verarbeitung seines Erbes dar.
- Arbeit zitieren
- Luca Maurer (Autor:in), 2017, Motive in Kafkas Werken. Biographische Referenzen und deren Umsetzung in "Kafkas Träume", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/476726