Die Rolle der modernen Väter in der Gesellschaft und der Spagat zwischen Kind und Karriere

Wie lässt sich Bourdieus Habitusgedanke auf die gesellschaftliche Stellung von Hausmännern heutzutage übertragen?


Seminararbeit, 2018
14 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Hausmänner in Deutschland
2.1. Definition ,Vater‘ und ,Hausmann‘
2.2. Status quo Hausmänner in Deutschland
2.3. Männertypen
2.4. Günstige Faktoren für Hausmänner
2.5. Gesellschaftliche Probleme und Schwierigkeiten bei Hausmännern

3. Bourdieus Überlegungen zum Habitus und zur Gesellschaft

4. Interpretation des Habitusbegriffs und Projektion auf Kernproblematik der Hausarbeit

5. Schluss

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Der Mann muss hinaus - ins feindliche Leben - muss wirken und streben“, so sieht Schiller die Aufgabe des Mannes im „Lied von der Glocke“. Die Frau sieht er als „züchtige Hausfrau [und] Mutter der Kinder [welche weise] herrschet […] - im häuslichen Kreise.1

Schon seit etlichen Dekaden werden Debatten über die Dichotomie zwischen der Hausfrau und dem, hart arbeitenden Mann‘ geführt. Bis weit in die 50er und 60er Jahre des 20. Jahrhunderts hielt sich die Konvention, dass dem autoritären Mann ,,[…] die Außenbeziehungen und die instrumentellen Aspekte des Familienlebens [obliegen]“2. 1957 wurden die geltenden gesellschaftlichen Konventionen erstmals in einem Gleichberechtigungsgesetz festgelegt:

,,Es gehört zu den Funktionen des Mannes, dass er grundsätzlich der Erhalter und der Ernährer der Familie ist, während die Frau es als ihre vornehmste Aufgabe ansehen muss, das Herz der Familie zu sein‘‘3.

Heutzutage haben sich die Rollen von Mann und Frau komplett gewandelt. Dafür sorgte etwa das Eltern-/ und Erziehungsgeld, wodurch sich Väter mehr um ihre Kinder kümmern. Die Frauen wiederum sind nicht mehr alleine verantwortlich für ihren Unterhalt.

Es soll die Frage geklärt werden, wie heutzutage Männer und v.a. Väter mit ihrer neuen Rolle umgehen, welche die Symbiose zwischen gesellschaftlicher Erwartung (Familienernährer) sowie Akzeptanz der Emanzipation der Frau darstellt.

Problemgeschichtlich sieht die Hausarbeit wohl am ehesten die 6. Vorlesung ,Habitus und Milieu, Masse und Elite‘ als Basis.

Anhand Pierre Bourdieu soll die Einordnung in einen theoretischen Kontext versucht werden, und v.a. sein Habituskonzept auf das Kernproblem der Hausarbeit projiziert werden. Vorher jedoch wird nach einigen Begriffsklärungen der Status quo von Hausmännern heute in Deutschland beleuchtet. Ausgehend bon diesen Erkenntnissen wird hinsichtlich des Fürs und des Widers eines Ergreifens des ,Hausmannsberuf‘ diskutiert und argumentiert.

2. Hausmänner in Deutschland

2.1. Definition ,Vater‘ und ,Hausmann‘

Das Definieren des Begriffs ,Hausmann‘ gestaltet sich als kompliziertes Unterfangen. Doch handelt es sich wohl analog zur Hausfrau laut Duden bei einem Hausmann um ,,einen Haushalt führende[n] [nicht berufstätigen Ehe]mann‘‘.4

Warum eine Begriffsklärung so schwierig ist, weiß Peter Döge vom Institut für anwendungsorientierte Innovations- und Zukunftsforschung (IAIZ) in Berlin.

,,Der Vater, der zu Hause bleibt und sich um die Kinder kümmert, diese Vorstellung erscheint einigen Soziologen offenbar so abwegig, dass sie bei ihren Studien nicht einmal danach fragen. Über Hausmänner weiß man so gut wie gar nichts,. Einig sind sich die Soziologen nur darin, dass sich die meisten Männer weniger über die Familie als über den Beruf definieren - und die damit verbundene gesellschaftliche und finanzielle Macht.‘‘5

Der Begriff „Vater“ stammt vom lateinischen Wort „pater“ ab und bedeutet „Erzeuger“ eines Kindes.6 Somit wird der Vater dem männlichen Elternteil eines Kindes gleichgesetzt. Doch besitzt der Vater auch andere Funktionen. So sieht Hannelore von Canitz den Vater zusätzlich als Ernährer; er fungiert als Beschützer und als Erzieher. Zusätzlich gilt er dem Vater als Identifikationsobjekt (v.a. in der Psychoanalyse) und als Freizeitpartner.7

2.2. Status quo Hausmänner in Deutschland

Seit den 1970er Jahren verschieben sich die Vorstellungen der Gesellschaft bezüglich der Rolle der Frau und des Mannes in der Familie (der Mann als Ernährer der Familie sowie die Frau als Erzieherin der Kinder) mehr zu einer egalitären Aufteilung.8

Seitdem die Hausfrauenehe 1977 abgeschafft wurde und 15 Jahre später das ,,Gesetz zur Möglichkeit eines Elternurlaubs‘‘ geschaffen wurde, schwindet die männliche Verfügungsgewalt über Kinder und Frauen. Diese weisen aufgrund der sich stetig verbessernden (Aus)Bildung eine erhöhte Erwerbstätigkeit auf, was zu eigenem Einkommen der Frauen führt.

Doch muss es ja keinen Kausalzusammenhang geben zwischen sozialen Konventionen und dem realen Anstieg an Hausmännern in Deutschland. In einer Untersuchung aus dem Jahr 2007 kam heraus, dass in 65,8% der Familien, der Mann als Ernährer der Familie gilt wohingegen 23,8% der Familien eine egalitäre Einkommensverteilung besitzen. Lediglich in jedem 10. Haushalt ist die Frau Ernährerin der Familie ist und es gibt somit einen Hausmann, welcher sich um die Erziehung der Kinder und den Haushalt kümmert.

Letztes Jahr bezeichneten sich bereits 11,21 Mio. Männer als ,Hausmänner‘,9 und lediglich

,,23 Prozent der Männer s[e]hen die bevorzugte Arbeitsteilung von Mann und Frau in der Familie so, dass der Mann Vollzeit arbeitet, die Frau Teilzeit arbeitet und sich um Kinder und Haushalt kümmert10.

2.3. Männertypen

Nach einer repräsentativen Studie der Männerarbeit der Evangelischen Kirche sowie der Gemeinschaft katholischer Männer Deutschlands aus dem Jahr 2009 werden vier ,,Männertypen‘‘ unterschieden.

- (Teil)traditioneller Mann (präferiert Frau mit traditionellem Rollenverständnis und definiert sich über Beruf; 27% der Befragten),
- Balancierender Mann (wägt aus traditionellen und modernen Positionen ab; 24% der Befragten)
- Suchender Mann (hat sein Leitbild und festen Platz in der Gesellschaft noch nicht gefunden; 32% der Befragten)
- Moderner Mann (Frau und Mann sollen sich in gleicher Weise um Haushalt, Kinder und Einkommen kümmern; 19% der Befragten).11

Zwei Auffälligkeiten ergeben sich bei dieser Einordnung. Zum einen sehen sich die meisten Männer bezüglich ihrer gesellschaftlichen Rolle und Stellung noch unschlüssig und suchend. Zum zweiten wurde in die Gruppe der ‚Hausmänner‘ nicht eingeteilt. Diese Ergebnisse weisen darauf hin, dass das einheitlich geschlossene Männerbild verschwindet und ,,verschiedene und z.T. konträre Einstellungsprofile nebeneinander bestehen.‘‘12

Aus dem relativ großen Anteil an, traditionellen‘ Männern ist zu konkludieren, dass ,,es keinen Selbstlauf in der Frage der Veränderung von Männlichkeit in dieser Gesellschaft gibt‘‘13

2.4. Günstige Faktoren für Hausmänner

Heutzutage gibt es jedoch immer noch eine große Diskrepanz zwischen den egalitärer gewordenen Einstellungen der Gesellschaft und der tatsächlichen Zahl der Hausmänner in Deutschland. Dies zeigen Umfragen und Erhebungen (vgl. 2.2).

Gründe aus dem Erwerbsleben auszusteigen und sich als Hausmann zu versuchen gibt es zahlreich: Primär sind es meist Unzufriedenheit im Beruf, Arbeitslosigkeit oder Probleme in der Arbeit (fortgeschrittenes Alter; körperliche Einschränkungen). In Kombination mit einer hedonistischen Freizeitorientierung, handelt es sich um ‚‚verkappte Aussteiger, nämlich solche Männer, die ihren Freizeitaktivitäten eine höhere Präferenz einräumen als dem Gelderwerb‘‘14. Sekundär kann die Entscheidung auch durch eine ‚‚egalitär partnerschaftliche Grundeinstellung motiviert‘‘15 sein.

Die Betreuung der Kinder und die Möglichkeit, dass die Partnerin einem Beruf nachgehen kann, führen also dazu die erwerbsmäßige Arbeit ruhen zu lassen. Darüber hinaus kann aus psychologischer Perspektive auch das Fehlen eines engagierten Vaters eine mögliche Ursache sein.16

Eine Studie aus dem Jahr 1984 /85, untersuchte Hausmänner, die mit 30- 40 Jahren Vater wurden. Sie fand heraus, dass diese im Vergleich zu den Ehefrauen ein niedrigeres (Aus)bildungsniveau hatten. Außerdem zeichneten sie sich vor der freiwilligen Erwerbsaufgabe auch durch niedrigeren Berufsstatus und geringeres Einkommen aus. Die Rollenverteilung war relativ partnerschaftlich. Zwei Fünftel der Hausmänner fanden, die Beziehung zu den Kindern habe sich gebessert, da sie ihre Entwicklung intensiver erlebten.17

Zahlreiche Menschen entschließen sich daher freiwillig für weniger Arbeit und einen dementsprechend geringeren Verdienst (Work- Life- Balance), um mehr Zeit für ihre Freizeit und Familie zu haben.

2.5. Gesellschaftliche Probleme und Schwierigkeiten bei Hausmännern

Doch es ergeben sich auch Schwierigkeiten und Probleme bei Eintreten in den Beruf , Hausmann‘:

,,Das Dasein als Hausmann bedeutete für viele Isolation, Monotonie und Langeweile. Die Hausmänner litten unter dem Unverständnis der sozialen Umwelt für ihre Situation. Ehemalige Kollegen und Freunde reduzieren häufig ihre Kontakte oder ziehen sich ganz zurück, und selbst die eigenen Eltern und Schwiegereltern reagieren häufig ambivalent bis ablehnend ‘‘.18

[...]


1 https://www.welt.de/politik/article3375755/Der-Mann-von-heute-Macho-ist-out-Softie-nicht-in.html

2 Peuckert 2012 S.16

3 Einleitung des Gleichberechtigungsgesetzes 1957

4 https://www.duden.de/rechtschreibung/Hausmann

5 http://www.sueddeutsche.de/leben/leben-als-hausmann-ist-ihre-frau-gar-nicht-da-1.1010865

6 Vgl. von Canitz 1980

7 Ebd.

8 Vgl. Peuckert 2012

9 Vgl. IfD Allensbach. n.d.Anzahl der Männer in Deutschland, die sich selbst zu den Männern zählen, die den Haushalt machen (Hausmänner), von 2013 bis 2017 (in Millionen). Statista. Zugriff am 16. Januar 2018..

10 Spiegel. n.d. Sind Sie der Meinung, dass es die beste Arbeitsteilung in der Familie ist, wenn der Mann Vollzeit arbeitet, die Frau Teilzeit arbeitet und zusätzlich die Kinder und den Haushalt versorgt?. Statista. Zugriff am 16. Januar 2018..

11 Vgl. https://www.welt.de/politik/article3375755/Der-Mann-von-heute-Macho-ist-out-Softie-nicht-in.html

12 Brandes 2002 S.100

13 Ebd.

14 Boeven 1988 S.34

15 ebd. S.44

16 Vgl. Boeven

17 Vgl. Peuckert 2012

18 Peuckert 2012 S.517. Zit. nach Oberndorfer und Rost 2002

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Die Rolle der modernen Väter in der Gesellschaft und der Spagat zwischen Kind und Karriere
Untertitel
Wie lässt sich Bourdieus Habitusgedanke auf die gesellschaftliche Stellung von Hausmännern heutzutage übertragen?
Hochschule
Zeppelin University Friedrichshafen
Note
2,3
Autor
Jahr
2018
Seiten
14
Katalognummer
V476733
ISBN (eBook)
9783668965348
ISBN (Buch)
9783668965355
Sprache
Deutsch
Schlagworte
rolle, stellung, habitusgedanke, bourdieus, karriere, kind, spagat, gesellschaft, väter, hausmännern
Arbeit zitieren
Andreas Evers (Autor), 2018, Die Rolle der modernen Väter in der Gesellschaft und der Spagat zwischen Kind und Karriere, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/476733

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