Aus Gnade gerecht - oder was kann der Mensch tun?

Gnade als Brücke zwischen GOTT und Mensch


Hausarbeit, 2018
19 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Titelblatt

Inhaltsverzeichnis

1 Persönliche Reflexion und Vorüberlegungen

2 Gnade heute?

3 Gnade - der Begriff

4 Entwicklung des Gnadenverständnisses - theologiegeschichtlich

5 Gnadenverständnis - biblisch
5.1 Gnade im Alten Testament
5.2 Gnade im Neuen Testament

6 Gnade - zusammenfassend systematisch

7 Fazit und Ausblick

Literaturverzeichnis

1 Persönliche Reflexion und Vorüberlegungen

Gnade - ein Sachverhalt, welchen es heute immer noch gibt und welcher sich über die Menschheitsgeschichte auch veränderte, jedoch in meiner Wahrnehmung heute selten offen oder als solcher benannt wird. Mir ist der Begriff der Gnade noch in Erinnerung aus Märchen von Königen und denen, die vor ihnen in Ungnade gefallen sind. Später hörte man im Geschichtsunterricht vom Gottesgnadentum, nach welchem ein Herrscher durch Gottes Gnade seine Position hat und somit durch Gottes Gnade nach Belieben herrschen und walten durfte, wie es ihm gefiel, wovon sich der Absolutismus wiederum ableiten bzw. begründen ließ. Im Rahmen von christlichen Bildungsangeboten wie Christenlehre, Junge Gemeinde, Konfirmandenunterricht und dem Gottesdienst hörte man von einem gnädigen GOTT, welcher seine Kinder, also jene die an ihn glauben, liebt. Ebenfalls aus dem Geschichtsunterricht sowie dem Religionsunterricht hallt einem Luthers Suche nach einem gnädigen GOTT nach, welchen er im Römerbrief fand und dabei die kirchliche Welt seiner Zeit aus den Angeln hob und spaltete. Dadurch wiederum ist bekannt, dass Luther seine und somit die heutige Theologie unter dem Gesichtspunkt sola gratia prägte. Aus dem Englischen sieht man eine Unterscheidung von mercy und grace, welche im Deutschen Barmherzigkeit und Gnade bezeichnen und zuweilen synonym verwendet werden.

Dies alles und einiges mehr an faktischem Wissen über Gnade konnte ich in meiner Bildungsbiografie finden und dennoch findet sich noch mehr zu diesem Sachverhalt in meiner eigenen Lebensbiografie. So möchte ich das Leben selbst, ausgehend vom Wort zum Sonntag am 01.07.20171 als eine Gnade bezeichnen. Sei es der Moment, in welchem ich doch mit dem Auto mehr Glück als Verstand hatte, der spät erkannte Blinddarmdurchbruch, welcher noch rechtzeitig operiert wurde, ein Skiunfall mit unfreiwilligem Überschlag, der nur mit einem Beinbruch endete oder die Platzwunde am Hinterkopf, die ohne größeren Schaden für Leib und Leben entstand und rechtzeitig genäht wurde.

Im Umgang mit Menschen bleibt es nicht aus, dass man selbst Fehler macht, welche den anderen verletzen, so dass man sich nachdem nicht mehr gegenseitig in die Augen sehen kann. Umso schöner ist es, wenn Gnade vor Recht ergeht und man Verzeihung erfährt oder man selbst verziehen hat. Davon ausgehend würde ich für mich Gnade als Folge und tiefe Äußerungsform von Liebe bezeichnen wollen. Denn auch wenn ich mit meiner ehemaligen Partnerin keine gemeinsame Zukunft mehr habe, so habe ich doch eine Freundin, auf welche ich mich verlassen und der ich voll vertrauen kann. Gleichermaßen passiert es mir, dass doch vorschnell ein falsches Wort den Mund verlässt und ich Menschen dann öffentlich vorführte, welche mir gnädig waren und mir vergeben konnten.

Ausgehend von diesen biografischen Überlegungen gehe ich für mich davon aus, dass Gnade ein Ausdruck von unverdienter Vergebung in einer auf Liebe basierenden Beziehung ist.

Da ein jeder eine Gottesbeziehung hat, frage ich mich, ob Gnade jedem und umsonst zuteilwird oder ob es doch noch die Überreste einer Werkegerechtigkeit gibt und inwieweit GOTTes Gnade als Garant für eine Allversöhnung stehen kann.

Im Rahmen einer ersten biblischen Betrachtung zeigten sich diverse Aussagen über die Gnade, einerseits als Wesenszug GOTTes:

„ Barmherzig und gnädig ist der HERR, geduldig und von großer Güte.“ (Ps 103,8;LUT’84)

andererseits über die Aussendung der Gnade zu uns Menschen und unseren Haltungen:

„ Im Hause des Gottlosen ist der Fluch des HERRN, aber das Haus der Gerechten wird gesegnet. Er wird der Spötter spotten, aber den Demütigen wird er Gnade geben.“ ( Spr 3,33f; LUT‘84)

„ Denn aus Gnade seid ihr selig geworden durch Glauben, und das nicht aus euch: Gottes Gabe ist es, nicht aus Werken, damit sich nicht jemand rühme.“ (Eph 2,8f; LUT’84)

und wie uns Menschen seine Gnade zuteilwird:

„ Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, dass er die Welt richte, sondern dass die Welt durch ihn gerettet werde.“ (Joh 3,17; LUT’84)

„ Aber nicht verhält sich's mit der Gabe wie mit der Sünde. Denn wenn durch die Sünde des Einen die Vielen gestorben sind, um wie viel mehr ist Gottes Gnade und Gabe den Vielen überreich zuteil geworden durch die Gnade des einen Menschen Jesus Christus.

Und nicht verhält es sich mit der Gabe wie mit dem, was durch den einen Sünder geschehen ist. Denn das Urteil hat von dem Einen her zur Verdammnis geführt, die Gnade aber hilft aus vielen Sünden zur Gerechtigkeit.“ ( Röm 5,15f; LUT’84)

2 Gnade heute?

Gnade stellt für mich im alltäglichen Sprachgebrauch einen Begriff dar, welcher häufig mit lakonischem oder süffisantem Unterton in Gesprächen vorkommt und seinen Adressaten meist darauf hinweisen soll, dass er gerade anhand seiner Stellung und Kompetenzen, seine letzte Aussage doch mal auf ihre Rechtfertigung überprüfen solle. Also im Sinne der Überlegung das dieser momentan einer Hybris aufläuft, von welcher er sich doch distanzieren könnte.

Somit lässt sich über Gnade zunächst ableiten, dass sie bedeutet, dass jemand in irgendeiner Form höher Gestelltes einem entgegen kommt. Solches erkennt man auch in der Möglichkeit, dass einzelne Staatsoberhäupter straffällig gewordene Menschen begnadigen können, also ihnen vergeben. Bspw. schenkte Donald Trump einer aufgrund von Drogendelikten inhaftierten Frau die Freiheit auf Gesuch von Kim Kardashian2, ebenso könnte Wladimir Putin politisch Gefangene begnadigen3.

Der Nutzung des Begriffes im aktuelleren Pressegeschehen zufolge, ist es beispielsweise eine Gnade:

- ein hohes Alter zu erreichen, wie drei Schwestern aus Bayern, welche zusammen 308 Jahre alt sind4
- bei Sportwettkämpfen eine kleinstmögliche Niederlage eizustecken5
- Zeichen von Versöhnung zu setzen, nach langem und inmitten von Streit und Zerwürfnis6

Demnach ist Gnade zu empfangen auch etwas, worauf man nicht immer direkten Einfluss nehmen kann, außer man möchte sie anderen zu Teil werden lassen.

Ebenso zeichnen sich hierin zwei Verwendungen des Gnadenbegriffes ab, einerseits im Sinne des Beschenktseins z.B. mit einer hohen Lebenserwartung, einer langen Ehe oder vielen Kindern, andererseits Gnade im Sinne von Schwäche und unterwürfig sein, keine Gnade zeigen, hart seine Ziele verfolgen.

Im Wort zur Woche des Sonntags fand sich im Juli diesen Jahres die treffende Überschrift „Wir leben aus Gnade Gottes – nicht aus eigenem Verdienst“7 angelehnt an Epheser 2,8 erinnert der Autor daran, dass unser Leben und Überleben keine Eigenleistung darstellt, sondern sich in GOTTes für uns unergründlichem Ratschluss gründet8.

In dem Sprichwort „Gnade vor Recht ergehen lassen“ zeigt sich im Sprachgebrauch ein Zusammenhang zwischen Gesetz und Regeln unserer Gesellschaft und dem Sachverhalt der Gnade, welcher diesem unter Umständen zeitweise überlegen sein kann. So zeigt sich, dass Gnade ebenfalls eine pädagogische Dimension annimmt, welche jedoch nicht klar greifbar ist, da sie anderen Gesetzlichkeiten unterliegt, als einem gesellschaftlichen Wertekanon.

2012 erschien ein Film mit dem Titel „Gnade“, in welchem der Regisseur Matthias Glasner die Botschaft der jederzeit möglichen Vergebung verarbeitete9. In diesem Film erlebt das Protagonisten-Ehepaar Maria und Niels, die Möglichkeit eines Neubeginns, welcher auf eine recht holprige Art anläuft und nicht zu seinem angestrebten Ziel der Rettung ihrer Ehe verläuft. Erst durch den tragischen Tod eines 16-jährigen Mädchens und des Vertuschens der Beteiligung Marias an diesem finden die Eheleute wieder zusammen10. Der Film zeigt, dass man, um Gnade in Vergebung und Annäherung finden zu können, auch die Größe haben muss, sich seine Schuld(en) eingestehen zu können11. Hierbei zeigt sich, dass sich Gnade nicht nur unverdient als Geschenk äußert, sondern auch eine Folge von Schuld und deren Eingeständnis sein kann.

Für das heutige Verständnis von Gnade kann daher festgehalten werden, dass es sich bei ihr um einen positiv konnotierten Sachverhalt handelt, deren Erhalt nicht auf Eigenleistung herbeigeführt werden kann, sondern vom Großmut anderer abhängig ist. Gleichermaßen jedoch im sportlichen Umgang miteinander als Zeichen von Schwäche und Nachgiebigkeit gewertet werden kann.

In den folgenden Kapiteln soll der Gnadenbegriff hinsichtlich seiner religiösen Wurzeln und theologischen Entwicklungen näher bestimmt werden.

3 Gnade - der Begriff

Wovon reden wir, wenn wir im Deutschen das Wort Gnade verwenden? Im Laufe der Geschichte bildeten sich unterschiedliche Konkretisierungen dieses Begriffes aus, welche wir heute gesammelt mit dem Begriff Gnade ausdrücken. Bereits in der Bibel liegen uns unterschiedliche Bezeichnungen für dieses Phänomen vor.

Im Allgemeinen bezeichnet die Gnade GOTTes seine Hilfe für den Menschen, welche die Erlösung des Menschen im höchsten Ziel ermöglicht12.

So kennzeichnen im Alten Testament die Begriffe „chén“ (hebr. Gnade), „chesed“ (hebr. Güte, Freundschaft, Beständigkeit)13 und „rahamin“ (hebr. Erbarmen)14 die hebräischen Wurzeln unseres heutigen Gnadenbegriffs. Hierin werden, im Kontext betrachtet, bereits zwei Ebenen von Gnade aufgezeigt:

1. zeigt sich im Begriff „chesed“ der Aspekt einer verlässlichen Beziehung von GOTT zu den Menschen, bspw. in Ps 108,5.
2. wird GOTT bspw. in Ps 86,15 Gnade als Eigenschaft zugeschrieben und wird somit zu einem Wesenszug GOTTes.
3. Die elterliche Beziehung von GOTT zu den Menschen wird im Begriff „rahamin“ ausgedrückt und zeigt seine liebende Verbundenheit, bspw. in Jes 49,13.1515.

[...]


1 vgl. Wolff, 2018, Wir leben aus Gnade Gottes – nicht aus eigenem Verdienst, URL: https://www.sonntag- sachsen.de/2018/26/wir-leben-aus-gnade-gottes-nicht-aus-eigenem-verdienst (Stand: 02.07.2018).

2 vgl. SpotOn News, 2018, Donald Trump: Kanye West besucht ihn im Weißen Haus, URL:

https://www.vip.de/cms/donald-trump-kanye-west-besucht-ihn-im-weissen-haus-4233536.html (Stand: 22.10.2018)

3 vgl. Herold, 2018, Keine Gnade für Oleg Senzow, URL: http://www.pnn.de/kultur/1297391/ (Stand: 02.07.2018).

4 vgl. Kellermeier, 2018, Drei Schwestern voll der Gnade, URL: https://www.mittelbayerische.de/bayern- nachrichten/drei-schwestern-voll-der-gnade-21705-art1701589.html (Stand: 22.10.2018).

5 vgl. Schäfer, 2018, Nur 3:1 - RB Leipzig lässt in Trondheim Gnade walten, URL:

http://www.sportbuzzer.de/artikel/nur-3-1-rb-leipzig-lasst-in-trondheim-gnade-walten/ (Stand: 22.10.2018).

6 vgl. Schmidt, 2018, In Koreas Sicherheitszone wird Friedenskapelle gebaut, URL: https://www.jesus.ch/magazin/international/asien/329967- in_koreas_sicherheitszone_wird_friedenskapelle_gebaut.html (Stand: 02.07.2018).

7 vgl. Wolff, 2018, Wir leben aus Gnade Gottes – nicht aus eigenem Verdienst, URL: https://www.sonntag- sachsen.de/2018/26/wir-leben-aus-gnade-gottes-nicht-aus-eigenem-verdienst (Stand: 02.07.2018).

8 vgl. ebd.

9 vgl. Husmann, 2012, Der Regisseur als barmherziger Gott, URL: https://www.zeit.de/kultur/film/2012-02/film- gnade (Stand: 22.10.2018).

10 vgl. ebd.

11 vgl. ebd.

12 vgl. Hein, in: Galling; Campenhausen (Hrsg.), 1957-1965, S. 1630.

13 vgl. Ritter, in: Lachmann; Adam; Ritter (Hrsg.), 1999, S. 101.

14 vgl. Würthwein, in: Galling; Campenhausen (Hrsg.), 1957-1965, S. 1633.

15 vgl. ebd.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Aus Gnade gerecht - oder was kann der Mensch tun?
Untertitel
Gnade als Brücke zwischen GOTT und Mensch
Hochschule
Fachhochschschule für Religionspädagogik und Gemeindediakonie Moritzburg  (Evangelische Hochschule Moritzburg)
Note
1,7
Autor
Jahr
2018
Seiten
19
Katalognummer
V476810
ISBN (eBook)
9783668961265
ISBN (Buch)
9783668961272
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Gnade, Theologie, Themenerschließung, Abriss, Rechtfertigung, Rechtfertigungslehre
Arbeit zitieren
Alexander Przyborowski (Autor), 2018, Aus Gnade gerecht - oder was kann der Mensch tun?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/476810

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