Berliner und Münchener Eingewöhnungsmodell im Vergleich


Hausarbeit, 2018
18 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das Berliner Eingewöhnungsmodell
2.1 Die Elterninformation
2.2 Die dreitägige Grundphase
2.3 Die Trennungsphase
2.4 Die Stabilisierungsphase
2.5 Die Schlussphase

3. Das Münchener Eingewöhnungsmodell
3.1 Die Vorbereitungsphase
3.2 Die Kennenlernphase
3.3 Die Sicherheitsphase
3.4 Die Vertrauensphase
3.5 Die Auswertungs- und Reflexionsphase

4. Vergleich der Eingewöhnungsmodelle –Gemeinsamkeiten und Unterschiede

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In der vorliegenden Hausarbeit werde ich mich mit der Frage beschäftigen, welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede sich im Berliner und Münchener Eingewöhnungsmodell finden. Dafür werde ich zunächst auf die Gestaltung der Eingewöhnungssituation eingehen und auf das Eingewöhnungsproblem zu sprechen kommen. Darüber hinaus werde ich kurz die Rahmenbedingungen der Eingewöhnung schildern und auf die Bedeutung von Transitionen verweisen. Anschließend widme ich mich den beiden Modellen im Detail, um sie abschließend miteinander zu vergleichen und ein Fazit aus meinen Erkenntnissen zu ziehen.

Seit 2013 besteht der Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz, was zur Folge hat, dass immer mehr Kinder eingewöhnt werden müssen. Dieser Übergangsprozess von der Familie in eine institutionelle Einrichtung – auch als Transition bezeichnet – „[…] fordert dem Kind Lern- und Anpassungsleistungen ab, die auch für ältere Kinder mit erheblichem Stress verbunden sein können.“ (Laewen, Andres & Hédervári 2012, S.22). Aus diesem Grund ist es enorm wichtig, auf die Elternbeteiligung während der Eingewöhnung zählen zu können. Sie dienen dem Kind als „sicherer Hafen“ und Rückzugsort, wenn sich diese von den vielen neuen Reizen und Informationen in der Kita überfordert fühlen. Zur Erleichterung für das Kind wird ein sogenanntes „Übergangsobjekt“ empfohlen, was bspw. ein Kuscheltier sein kann.

Die Eingewöhnungsdauer kann je nach kindlichem Temperament, der Bindungsqualität zu den Eltern, bisherigen Trennungserfahrungen, usw. zeitlich sehr variieren. „Denn Trennungen fallen nicht unbedingt leichter, wenn man sie bereits oft erlebt hat.“ (Dreyer 2017, S.97). Aber je besser man die Transition meistert und je selbstwirksamer man sich während dieser Phase erlebt, desto gestärkter geht man aus der Situation heraus und durch die neu gewonnenen Kompetenzen gelingen auch die nächsten Übergänge besser (vgl. Winner 2015, S.6).

Solch komplexe Veränderungsprozesse sind aber nicht nur für das betreffende Kind, sondern auch für die Eltern schwierig, da sie sich in einer Doppelbelastung befinden. Meist ist noch nicht einmal die Transition von der Paarbeziehung zur Elternschaft abgeschlossen und nun müssen sie schon für ihr Kind stark sein und dieses beim Übergang in die Krippe unterstützen, gleichzeitig aber auch selbst die neue Situation bewältigen (vgl. Winner 2015, S.6). Als Eltern muss man sich von den eigenen Ängsten lösen, da diese Unsicherheiten und das eventuelle Misstrauen sonst unbewusst auf das Kind übertragen werden und somit die Eingewöhnung erschwert wird. Hierbei ist es wichtig, dass die pädagogische Fachkraft auch den Eltern jederzeit in Gesprächen beratend und unterstützend zur Seite steht, um ihnen die möglichen Ängste und Vorurteile zu nehmen.

Während der Eingewöhnungszeit ist es wichtig, dass ein geregelter und vorhersagbarer Tagesablauf in der Einrichtung stattfindet, um dem Kind durch routinierte Abläufe Sicherheit und Orientierung zu bieten, woraus sich Vertrauen entwickeln kann. Somit sollte in dieser Zeit auf Ausflüge oder besondere Aktivitäten verzichtet werden, um dem Kind nicht mit überflüssigen Reizen zu begegnen. Des Weiteren sollte darauf geachtet werden, dass ein Urlaubsstopp für die Eingewöhnungserzieherin, aber auch für das Kind gilt, um eine sichere und vertrauensvolle Beziehung aufbauen zu können. Auch die Rahmenbedingungen der Einrichtung müssen insofern angepasst werden, dass ein ausreichender Personalschlüssel vorliegt (1:3 bei unter Dreijährigen, 1:7,5 bei über Dreijährigen (vgl. Dreyer 2017, S.77)), sodass die pädagogische Fachkraft vom Team Unterstützung erwarten kann. Um erfolgreich eingewöhnen zu können, sollte man außerdem darauf achten, pro Woche und Gruppe höchstens zwei Kinder einzugewöhnen und dies zu unterschiedlichen Zeiten, niemals parallel.

Die Eingewöhnung ist ein Prozess, der planvoll und sensibel ablaufen sollte, damit sich das Kind in der neuen Umgebung schnell einleben und sich wohlfühlen kann. Ein Forschungsprojekt von Laewen an der Freien Universität Berlin in den 1980er Jahren hat ergeben, dass Kinder, die gar nicht oder nicht optimal eingewöhnt wurden, bis zu vier mal länger krank waren, ein ausgeprägteres ängstliches Verhalten zeigten (vgl. Braukhane & Knobeloch 2011, S.4), nach sieben Monaten in der Krippe deutliche Entwicklungsrückstände aufwiesen und weniger positives Anpassungsverhalten zeigten (vgl. Dreyer 2017, S.77-78). Betrachtet man die Auswirkungen einer Eingewöhnung ohne die Beteiligung der Eltern, so lässt sich sagen, dass besonders Kinder zwischen dem siebten und 24. Lebensmonat gefährdet sind (vgl. Laewen, Andres & Hédervári 2012, S.22), da sie sich in einer kritischen Lebensphase befinden und auf einen Wechsel der Betreuungsperson empfindlich reagieren.

Des Weiteren zeigen die Ergebnisse der Wiener Krippenstudie (2007-2012) unter Leitung von Wilfried Datler und Lieselotte Ahnert, „[…] dass es die Kinder umso leichter haben, je stärker sie ihren Gefühlen Ausdruck geben.“ (Dreyer 2017, S.78), da sie dann z.B. viel Trost seitens der Erzieherin erfahren. Aus diesem Grund muss man den Kindern, welche scheinbar gut mit der Situation klarkommen und in Trennungssituationen nicht weinen, besondere Aufmerksamkeit schenken, da sie die Situation mit sich selbst ausmachen und ein inneres Rückzugsverhalten zeigen. Dieses darf nicht als „erfolgreich eingewöhnt“ fehlinterpretiert werden.

2. Das Berliner Eingewöhnungsmodell

Das Berliner Modell gilt als ältestes und in Deutschland verbreitetstes Konzept zur Eingewöhnung von Kleinkindern in Kindertagesstätten, welches insbesondere im Krippenalter (0-3 Jahre) vertreten ist. Es wurde von Laewen, Andres und Hédervári-Heller vom Institut für angewandte Sozialisationsforschung (infans) in den 1980er Jahren entwickelt und basiert auf den Erkenntnissen der Bindungstheorie nach John Bowlby und der Hirnforschung. In der Regel beansprucht die Eingewöhnung nach diesem Modell ca. ein bis drei Wochen.

Ziel des Berliner Eingewöhnungsmodells ist es, „[…] die Eltern bewusst an dem Übergangsprozess zu beteiligen und sie in die bevorstehende Erziehungspartnerschaft mit einzubeziehen.“ (Sandhop 2015, S.35). Sie können während der Eingewöhnungszeit aktiv Einblicke in die Einrichtung gewinnen, wodurch die Transparenz gefördert und eine Vertrauensbasis aufgebaut wird. Zudem soll dem Kind Sicherheit geboten werden, damit es eine bindungsähnliche Beziehung zu der betreuenden Fachkraft aufbauen kann (vgl. Braukhane & Knobeloch 2011, S.4). Ein besonderer Fokus liegt bei diesem Konzept auf den unterschiedlichen Bindungsqualitäten der Kinder zu ihren Eltern (vgl. Dreyer 2017, S.79), der Orientierung am Kindeswohl und der Kooperation aller Beteiligten. Unter Berücksichtigung des individuellen kindlichen Temperaments und den bisherigen Bindungs- und Trennungserfahrungen, wird es dem Kind ermöglicht, neugierig und autonom neue Bildungsprozesse zu erlernen (vgl. Edelmann 2013, S.1). „Das Berliner Eingewöhnungsmodell versteht sich als ein gewissermaßen offenes Modell, da es versucht, Rückmeldungen aus der Praxis in spätere Aktualisierungen zu integrieren.“ (Dreyer 2017, S.81), wobei dies in den letzten 25 Jahren kaum notwendig war.

Insgesamt findet die Eingewöhnung in fünf Phasen statt:

1. Informationen an die Eltern
2. dreitägige Grundphase
3. Trennungsphase und Entscheidung über die Dauer der Eingewöhnung
4. Stabilisierungsphase
5. Schlussphase

Im Folgenden werde ich genauer auf diese Phasen eingehen.

2.1 Die Elterninformation

Zuerst erfolgt eine frühzeitige Information an die Eltern in Form eines persönlichen Gespräches mit der Leitung und der zukünftigen Bezugserzieherin. Dieses sollte bestenfalls schon bei der Anmeldung und kurz vor Beginn der Eingewöhnung erneut stattfinden. Den Eltern wird in diesem Gespräch vermittelt, wie wichtig ihre Beteiligung am Eingewöhnungsprozess ist (Stichwort „sicherer Hafen“). Wichtig ist auch, die Eltern darauf hinzuweisen, dass sie die Hauptbindungspersonen bleiben werden, um so „[…] eventuell vorhandene Trennungsängste der Eltern zu mildern.“ (Laewen, Andres & Hédervári 2012, S.43). Des Weiteren bekommen sie Informationen in mündlicher und darüber hinaus in schriflticher Form über die Bedeutung, die Länge und den Ablauf der Eingewöhnung. Einige Einrichtungen geben den Eltern zusätzlich Fragebögen mit nach Hause, um vorab Informationen über bspw. den sprachlichen Entwicklungsstand, Routinen, Vorlieben, Allergien, tröstende Rituale, abholberechtigte Personen, Schlaf- und Essensverhalten, Wortschöpfungen, etc. zu erhalten, den bisherigen Tagesablauf kennenzulernen und sich auf das Kind einstellen zu können. Den Eltern wird mitgeteilt, dass sie für die Eingewöhnung zwei bis vier Wochen einplanen und keinen (Kurz-) Urlaub oder besondere Veränderungs- oder Belastungssituationen (z.B. Umzug, Geburt eines Geschwisterkindes) in diese Zeit legen sollen (vgl. Braukhane & Knobeloch 2011, S.5). Außerdem wird ihnen nahe gelegt, ein „Übergangsobjekt“, z.B. ein Kuscheltier, mitzubringen, um den Übergang zu erleichtern (vgl. Dreyer 2017, S.84).

2.2 Die dreitägige Grundphase

In dieser Phase begleitet ein Elternteil sein Kind für ca. ein bis zwei Stunden in der Einrichtung und beobachtet den Alltag. Hierbei sollte sich die Bezugsperson möglichst passiv, aber aufmerksam gegenüber dem Kind verhalten, also nicht von sich aus die Initiative ergreifen, „[…] damit es Gelegenheiten zur Kontaktaufnahme mit der pädagogischen Fachkraft erhält.“ (Dreyer 2017, S.84). Auf keinen Fall sollte der Elternteil in dieser Zeit mit anderen Kindern spielen, etwas lesen oder sich anderweitig beschäftigen, da das Kind sonst nur damit beschäftigt wäre, seine Aufmerksamkeit wiederzuerlangen und gar keine Zeit mehr hätte, um die neue Umgebung zu erkunden. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass er auf die Signale des Kindes achtet und auch entsprechend auf diese reagiert und auf dessen Bedürfnisse eingeht. Die Bindungsperson dient dem Kind als „sicherer Hafen“, von welchem aus es beruhigt explorieren, aber sich bei Bedarf auch immer wieder durch Blicke oder Körperkontakt und Nähe rückversichern kann, d.h. „sie folgt dem Kind nicht, ist aber immer gut erreichbar und aufmerksam.“ (Braukhane & Knobeloch 2011, S.5).

In diesen ersten drei Tagen beobachtet die Fachkraft vor allem die Eltern-Kind-Interaktion, die Vorlieben und Interessen des Kindes und dokumentiert diese sorgfältig, so unterstützt sie es dabei, eigene Selbstwirksamkeitserfahrungen zu sammeln (vgl. Spieß, S.1). Zudem versucht sie, vorsichtig über Spielangebote, Beteiligung am Spiel des Kindes oder verbale Ansprache Kontakt aufzunehmen, ohne das Kind dabei zu etwas zu drängen, denn es wird die neue Umgebung von selbst erkunden, wenn es dazu bereit ist (vgl. Laewen, Andres & Hédervári 2012, S.44). Während der dreitägigen Grundphase erfolgt noch keine Trennung und die Pflegeroutinen werden vollständig von dem Elternteil übernommen. Die Tage ähneln sich im Ablauf sehr, wodurch das Kind schnell lernen kann, was als nächstes geschieht. „Durch die sich wiederholenden Inhalte und Abfolgen der einzelnen Situationen soll eine gewisse Stabilität für das Kind erreicht werden, sodass es Erwartungshaltungen bezüglich seines Aufenthaltes in der Kita aufbauen kann, die ihm Orientierung [und Sicherheit] geben.“ (Dreyer 2017, S.85). Besonders in Bezug auf Säuglinge ist es wichtig, darauf zu achten, dass die Eingewöhnungserzieherin bestenfalls keinen oder nur einen dezenten bzw. gleichbleibenden Duft trägt, da in diesem Alter der Geruchssinn besonders gut ausgeprägt ist und es bei Veränderung zu Irritationen führen könnte (vgl. Braukhane & Knobeloch 2011, S.5). Außerdem „[…] können olfaktorische oder visuelle Gewohnheiten (Geruch, Sehen) mit einem Schnuffeltuch oder Fotos von Zuhause Vertrauen schaffen.“ (Edelmann 2013, S.2).

2.3 Die Trennungsphase

Am vierten Tag (außer dieser ist ein Montag, dann am fünften Tag) erfolgt der erste Trennungsversuch und die Entscheidung über die Dauer der Eingewöhnung. Einige Minuten nachdem der begleitende Elternteil mit dem Kind in der Gruppe angekommen ist, verabschiedet er sich kurz und verlässt anschließend den Raum, auch wenn das Kind protestiert und anfängt zu weinen. Wenn sich das Kind kaum oder gar nicht von der Bezugserzieherin beruhigen lässt oder verstört wirkt, sollte der Elternteil nach zwei bis drei Minuten bereits wieder in den Raum gerufen und mit einem weiteren Trennungsversuch bis zur zweiten Woche gewartet werden. Sollte sich das Kind aber schnell beruhigen lassen oder wirkt es gleichmütig, kann man die Trennungsdauer auf bis zu 30 Minuten ausweiten (vgl. Bethke, Braukhane & Knobeloch 2017, S.64).

Hierbei spielen die Bindungsqualitäten eine wichtige Rolle: Sicher gebundenen Kindern fällt die Trennung schwerer, demnach benötigen sie eine längere Eingewöhnungszeit von zwei bis drei Wochen. Unsicher gebundenen Kindern hingegen fällt es leichter, weshalb sie nur ein bis eineinhalb Wochen brauchen. Indikatoren für eine längere Eingewöhnungszeit sind vor allem häufiger Blickkontakt zur Bezugsperson, „[…] untröstliches Weinen beim Verlassenwerden und offene Annäherung / Körperkontakt bei Wiederkehr des Elternteils“ (Bethke, Braukhane & Knobeloch 2017, S.64). Des Weiteren sind diese Kinder vor allem in den ersten Tagen gut gelaunt, aber dennoch stark am Elternteil orientiert und gegenüber der Fachkraft zurückhaltend. Kinder mit einer unsicheren Bindung gegenüber ihren Eltern hingegen zeigen eher gleichgültiges Verhalten oder sogar Widerstand, sind sehr selbstständig in den ersten Tagen, wehren sich kaum gegen Körperkontakt zur Fachkraft und meiden den Blick- und Körperkontakt zum begleitenden Elternteil (vgl. Dreyer 2017, S.85-86).

In dieser Phase ist es besonders wichtig, dass die pädagogische Fachkraft auf derartige Anzeichen achtet und angemessen reagiert. Denn nicht nur eine zu kurze Eingewöhnungszeit für sicher gebundene Kinder, sondern auch „[…] eine unnötig ausgedehnte Begleitung durch die Eltern kann manchen Kindern eher schaden als nützen.“ (Laewen, Andres & Hédervári 2012, S.46).

2.4 Die Stabilisierungsphase

Darauf folgt am fünften oder sechsten Eingewöhnungstag die Stabilisierungsphase. Die Bezugserzieherin bietet sich nun gezielt als Spielpartnerin an und übernimmt „[…] im Beisein des Elternteils, in zunehmendem Maße die Versorgung [und Pflegesituationen: füttern, wickeln] des Kindes“ (Laewen, Andres & Hédervári 2012, S.46). „Die Spiel-Partnerschaft intensiviert sich.“ (Edelmann 2013, S.1). Auch die Trennungszeiten werden nun täglich verlängert (am fünften Tag schon bis zu einer Stunde möglich), aber stets unter Beachtung der Bedürfnisse des Kindes (vgl. Braukhane & Knobeloch 2011, S.6). Um die Verabschiedung und Trennung für das Kind zu erleichtern, soll der begleitende Elternteil zusammen mit der pädagogischen Fachkraft ein Abschiedsritual entwickeln (vgl. Sandhop 2015, S.38). Nun können Kinder mit einer kürzeren Eingewöhnungsdauer von der Bindungsperson in der Einrichtung schlafengelegt werden, wobei stets die Erzieherin anwesend sein sollte. Bei Kindern mit einer längeren Eingewöhnung sollte dieser Schritt erst ab dem neunten Tag erfolgen. Darüber hinaus sollten neue Schritte nie an einem Montag stattfinden, da das Kind nach dem Wochenende erst wieder in den Tagesablauf hineinfinden muss. Des Weiteren ist zu beachten, dass es eventuell sinnvoll ist, dass der andere Elternteil die Eingewöhnung begleitet, wenn der Eingewöhnungsprozess bisher eher weniger gelungen ist, da sich das Kind nicht von dem ihn bisher begleiteten Elternteil trennen kann (vgl. Dreyer 2017, S.87).

2.5 Die Schlussphase

Das Kind hält sich nun alleine in der Einrichtung auf. Hierbei ist es empfehlenswert, es in den ersten sechs bis acht Wochen nur halbtags in der Kita betreuen zu lassen, da es dem Kind hohe Anpassungsleistungen abverlangt und es ohnehin noch einige Zeit dauern kann, bis es ein starkes Explorationsbedürfnis zeigt (vgl. Dreyer 2017, S.88). „[…] Durch die Trennung, Anpassung und das intensive Lernen und den vielen Eindrücken [wird das Kind] stark beansprucht, die höhere Belastung ist in der Erschöpfung des Kindes zu spüren.“ (Sandhop 2015, S.39). Die Bezugsperson ist nun nicht mehr in der Einrichtung, muss aber jederzeit erreichbar sein. Diese Phase dauert ungefähr zwei Wochen, danach sollte der Eingewöhnungsprozess größtenteils vollzogen sein. Durch das Austesten von Regeln und Grenzen wird das entstehende Zugehörigkeitsgefühl gefestigt (vgl. Braukhane & Knobeloch 2011, S.8). „Die Eingewöhnung des Kindes ist grundsätzlich dann abgeschlossen, wenn es die Erzieherin als „sichere Basis“ akzeptiert hat uns sich von ihr [auch nachhaltig] trösten lässt.“ (Laewen, Andres & Hédervári 2012, S.47; vgl. Bethke, Braukhane & Knobeloch 2017, S.64).

3. Das Münchener Eingewöhnungsmodell

Das Münchener Eingewöhnungsmodell wurde von Prof. E. Kuno Beller in München von 1987 bis 1991 entwickelt und stützt sich auf die Transitionsforschung, früh- und sozialpädagogische Prinzipien, die Entwicklungs- und Familienpsychologie und ökopsychologische Sichtweisen. Es beruht auf den Erkenntnissen des wissenschaftlichen Projekts „Modellprojekt Frühförderung von Kleinstkindern durch Unterstützung junger Familien bei der Erziehungsaufgabe und durch pädagogische Qualifizierung von Krippen“ und wurde in den darauffolgenden Jahren durch Erfahrungen aus der Praxis weiterentwickelt. „Das Kind wird als kompetentes, individuelles Subjekt wahrgenommen“ (Winner 2015, S.2), das aktiv am Eingewöhnungprozess teilnimmt (vgl. Sandhop 2015, S.40). Diese Sichtweise basiert auf dem Bild des kompetenten Säuglings, wie sie auch bei Emmi Pikler oder in der Reggio-Pädagogik anzutreffen sind. „Das Kleinkind wird nicht eingewöhnt, es gewöhnt sich ein.“ (Spieß, S.1). Bei diesem Modell steht die Beteiligung aller im Vordergrund: das einzugewöhnende Kind, die begleitenden Eltern, die Kindergruppe und die eingewöhnende Fachkraft (vgl. Dreyer 2017, S.90). Die Eingewöhnung dauert meist ca. drei bis vier Wochen. Das Eingewöhnungziel besteht hauptsächlich darin, „[…] allen Beteiligten die Möglichkeit zu geben, sich aktiv mit der neuen Situation auseinanderzusetzen“ (Sandhop 2015, S.42). „Eingewöhnung ist also Bildungszeit.“ (Winner 2015, S.7).

Insgesamt untergliedert sich dieses Modell in fünf Phasen:

1. Vorbereitungsphase
2. Kennenlernphase
3. Sicherheitsphase
4. Vertrauensphase
5. Auswertungs- und Reflexionsphase

Im Folgenden werde ich genauer auf diese Phasen eingehen.

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Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Berliner und Münchener Eingewöhnungsmodell im Vergleich
Hochschule
Pädagogische Hochschule Heidelberg
Autor
Jahr
2018
Seiten
18
Katalognummer
V476830
ISBN (eBook)
9783668961340
Sprache
Deutsch
Schlagworte
berliner, münchener, eingewöhnungsmodell, vergleich
Arbeit zitieren
Nadine Keiger (Autor), 2018, Berliner und Münchener Eingewöhnungsmodell im Vergleich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/476830

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