Dependenzgrammatik. Grundzüge, unterschiedliche Darstellungsformen, Arten der Dependenzrelationen und Darstellung passivischer Satzkonstruktionen


Ausarbeitung, 2018
16 Seiten, Note: 1,0
Anonym

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Einleitung

1 Was ist Dependenzgrammatik?

2 Darstellungsformate

3 Linearisierung
3.1 Projektive Darstellung
3.2 Nicht-projektive Darstellung

4 Dependenzrelationen
4.1 Konnexion
4.2 Adjunkte
4.3 Junktion
4.4 Transfer

5 Passiv

6 Fazit und Ausblick

7 Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: ‚Anna isst den Apfel.‘

Abbildung 2: Stemma Valenz (Müller 2018: 377)

Abbildung 3: Variante 1 - The child reads a book. (Müller 2018: 362)

Abbildung 5: Variante 3 - The child reads a book. (Müller 2018: 363)

Abbildung 4: Variante 2 - The child reads a book. (Müller 2018: 363)

Abbildung 7: ‚jeder diesen Mann kennt‘ (Müller 2018: 370)

Abbildung 6: ‚kennt jeder diesen Mann‘ (Müller 2018: 370)

Abbildung 8: ‚die Frauen Türen öffnen‘ (Müller 2018: 366)

Abbildung 9: Dependenzgraph für beliebige Reihenfolge der Worte: ich, war, bei Tom, gestern (Müller 2018: 365)

Abbildung 10: ‚Ronaldo trifft.‘

Abbildung 11: ‚the child often reads the book slowly‘ (Müller 2018: 364)

Abbildung 12: ‚Peter und Klaus lachen.‘

Abbildung 13: ‚das Traumtor von Ronaldo‘

Abbildung 15: ‚[dass ] der Weltmeister geschlagen wird‘ (Müller 2018: 369)

Abbildung 14: ‚[dass] der Weltmeister geschlagen wird‘ (Müller 2018: 367)

Einleitung

Im Rahmen des Seminars „Vertiefungsseminars Computerlinguistik und Texttechnologie“ wurden formale Grammatiktheorien und deren Herangehensweisen vorgestellt, welche noch heute von Bedeutung sind beziehungsweise wichtige Beiträge für die Linguistik geleistet haben (Lexical Functional Grammar, Categorial Grammar, Head-Driven Phrase Structure Grammar, Construction Grammar, Dependency Grammar, Tree Adjoining Grammar). Diese und weitere Syntaxtheorien hat Müller (2018) systematisch zusammengetragen und gegenübergestellt. Sein Werk Grammatical theory. From transformational grammar to constraint-based approaches diente als Grundlage für das Seminar, weswegen Beispiele überwiegend aus seinem Kapitel „Dependency Grammar“ (Müller 2018: 359-407) entnommen wurden.

Grammatiktheorie im Allgemeinen „ist die Explikation der Prinzipien, von denen die gemeinsamen grammatischen Eigenschaften aller natürlichen Sprachen und nur dieser bestimmt sind“ (Dietrich 2014: 649). Syntaxtheorien beschäftigen sich demnach mit der Fragestellung nach einer Methode, die die Syntax aller natürlichen Sprachen beschreiben kann.

Gegenstand der vorliegenden Arbeit ist die Dependenzgrammatik. Um diese Syntaxtheorie zu ergründen wird sich maßgeblich an der von Müller vorgeschlagenen Strukturierung gelehnt. Zunächst werden einige Grundzüge der Dependenzgrammatik dargestellt (Kapitel 1), im Zuge dessen besonders auf Entstehung und Kerngedanken eingegangen werden soll. Anschließend werden kurz die unterschiedlichen Darstellungsformate angeschnitten (Kapitel 2) bevor der Aspekt der Linearisierung (Kapitel 3), die Arten der Dependenzrelationen (Kapitel 4) und die Darstellung passivischer Satzkonstruktionen (Kapitel 5) thematisiert werden.

An dieser Stelle sollen allerdings weder Gemeinsamkeiten noch Unterschieden zu anderen Theoriemodellen diskutiert werden, vielmehr geht es darum eine erste Grundlage für jene Grammatiktheorie zu schaffen, die auf Dependenzrelationen basiert.

1 Was ist Dependenzgrammatik?

Die Dependenzgrammatik wurde im 19. Jahrhundert von Lucien Tesnière (1893-1954) entwickelt. Mit seiner Arbeit Eléments de syntaxe structurale (1959) legte er das Fundament für die Dependenzgrammatik. Die Arbeit vollendete er bereits 1938, also lediglich drei Jahre nach der Veröffentlichung von Ajdukiewicz‘ Aufsatz über die Kategorialgrammatik (Die syntaktische Konnexität, 1935). Jedoch wurde sie erst 1959 veröffentlicht, folglich fünf Jahre posthum. Die Tatsache, dass die Arbeit 20 Jahre lang nicht beachtet werden konnte, führte dazu, dass Tesnières Gedanken erst viel später in den Fokus gelangten.

Die Kernidee der Dependenzgrammatik ist folgende:

La phrase est un ensemble organisé dont les éléments constituants sont les mots.

[…] Tout mot qui fait partie d’une phrase cesse par lui-même d’être isolé comme dans le dictionnaire. Entre lui et ses voisins, l’esprit aperçoit des connexions, dont l’ensemble forme la charpente de la phrase.

[…] Les connexions structurales établissent entre les mots des rapports de dépendance. Chaque connexion unit en principe un terme supérieur à un terme inférieur. (Tesnière 1959: 11-13)

Nach Tesnière sind die Bestandteile eines Satzes Worte, welche jedoch nicht isoliert und linear betrachtet werden, sondern Verbindungen mit benachbarten Wörtern eingehen. Diese Verbindung können multipel sein, d.h. ein Wort kann Beziehungen zu mehreren Wörtern haben.

Es bestehen in jeder Sprache Wahlverwandtschaften; das Adverb sucht sein Verbum und ähnlich die anderen. Das läßt sich auch so ausdrücken, daß die Wörter einer bestimmten Wortklasse eine oder mehrere Leerstellen um sich eröffnen, die durch Wörter bestimmter anderer Wortklassen ausgefüllt werden müssen. (Bühler 1965: 173)

Solch eine Verbindung zwischen zwei Worten, eine Dependenzrelation also, herrscht in der Regel zwischen einem Regens, dem übergeordneten, regierenden Element, und einem Dependens, dem untergeordneten, regierten Element. Abbildung 1Abbildung 1 veranschaulicht solch eine simple Dependenzbeziehung.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Es handelt sich um ein Modell zur Beschreibung von Abhängigkeitsrelationen zwischen Wörtern innerhalb eines Satzes. Der Satz wird dabei hierarchisch betrachtet, wobei das Verb die höchste Position einnimmt, ganz nach dem Prinzip der Valenz, welches zentral und maßgebend in der Dependenzgrammatik ist. Als strukturelles Zentrum des Satzes, ist das Verb als einziges von keinen weiteren Elementen abhängig und bildet somit den Zentralknoten.

Bei der Verbvalenz handelt es sich um die Fähigkeit des Verbs eine bestimmte Anzahl von Aktanten an sich zu binden. Dabei wird zwischen avalenten, monovalenten, divalenten und trivalenten Verben unterschieden. Teilweise ist diese Einordnung nicht ganz einfach möglich, da es neben den obligatorischen auch fakultative Aktanten gibt, wie in Abbildung 1 beispielhaft dargestellt wird. Das Verb ‚essen’ ist im Gebrauch dieses Satzes divalent, d.h. es bindet zwei Satzglieder an sich, ein Subjekt (hier: ‚Anna’) und ein Objekt (hier: ‚Apfel’). Das Akkusativobjekt ist an dieser Stelle jedoch fakultativ. Der Determinant ‚den’ ist abhängig von dem Nomen ‚Apfel‘, da dieses Genus und Numerus des vorangehenden Artikels bestimmt. Es handelt sich hier um eine komplexe hierarchische Konstruktion, da das Nomen ‚Apfel‘ sowohl Dependens (von ‚isst‘) als auch Regens (von ‚den‘) ist und die Abhängigkeit somit auf mehreren Ebenen stattfindet.

Das Stemma in Abbildung 2 veranschaulicht die Valenztheorie innerhalb des Satzes. Das Verb (I) nimmt stets die höchste Position ein, da es den Satz „regiert“. Es eröffnet somit Leerstellen, die von Aktanten also von Nomen (O) – sei es als Subjekt oder Objekt – oder von Circumstanten bzw. Angaben, also Adverbien (E) gefüllt werden können. Adjektive (A) hängen wiederum von Substantiven ab, die sie damit näher beschreiben. Adverbien (E) hingegen können fernerhin Adjektive (A) näher beschreiben.

Tesnière beschränkt sich an dieser Stelle auf die vier genannten Wortgruppen, womit die Leer-Wörter, bzw. Funktionswörter außer Acht gelassen werden. Diese Tatsache wurde häufig kritisiert, wird an dieser Stelle, aufgrund der Simplizität der folgenden Beispiele, nicht weiter thematisiert.

2 Darstellungsformate

Bezüglich des Darstellungsformats ist in erster Linie festzuhalten, dass keine Einheitlichkeit herrscht. Wegen der vielen, teils unterschiedlichen, da an die jeweilige Zielsprache adaptierte, Ausführungen der Dependenzgrammatik, existieren quasi ebenso viele unterschiedliche Darstellungsformate, die an die jeweiligen Bedürfnisse der Sprache und deren syntaktischen Eigenheiten angepasst sind. Im Folgenden werden drei mögliche und gängige Formate, ausgehend des Beispielsatzes in (1), dargestellt.

(1) The child reads a book.

Betrachtet man zunächst den Aufbau eines äußerlich bereits bekannten Baumgraphen (vgl. Abbildung 3Abbildung 1), wird deutlich, dass hier jedes Wort getaggt wird, wie in der Konstituentengrammatik. Diese Part-of-speech-Tags (POS-Tags) bilden in der Dependenzgrammatik Knoten von denen aus Kanten zu den jeweils abhängigen Knoten reichen. Dabei gibt es immer genauso viele Knoten wie Worte, es handelt sich also um eine Eins-zu-Eins-Relation, da keine Phrasen analysiert werden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Darstellungsform, die Tesnière bereits in seiner Ausarbeitung vorschlug, ähnelt auf den ersten Blick der der Konstituentengrammatik im weitesten Sinne, bzw. allgemein den Phrasesnstrukturgrammatiken. Es handelt sich hierbei um eine projektive Darstellung der Worte im Satz. Abgesehen von der eben präsentierten Darstellungsweise, existieren noch weitere, die an dieser Stelle exemplarisch vorgestellt werden sollen. Abbildung 5 zeigt das Darstellungsformat, welches von Hudson (1989) für die Word Grammar gewählt wurde. Hier werden die Wörter ebenfalls projektiv dargestellt, jedoch handelt es sich um keinen Baumgraphen. Die Dependenzrelationen werden hier mithilfe von Pfeilen gekennzeichnet, welche zusätzlich über grammatische Informationen verfügen. Das Verb, ist mit einem Rootpfeil gekennzeichnet, der höher liegt als die restlichen. Diese Darstellungsvariante mag auf den ersten Blick etwas komplex und kompliziert wirken, verfügt jedoch im Prinzip über die selben Informationsangaben, wie die vorherige.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Bei dem letzten Format, das in dieser Arbeit präsentiert werden soll, handelt es sich erneut um einen Baumgraphen. Hier formen jedoch die Worte selbst die Knoten, was zu einer nicht-projektiven Darstellung des Satzes führt. Die Kanten geben hier weiterhin Informationen über die grammatische Funktion der Beziehungen.

Dependenzrelationen können auch auf formelle Weise ausgedrückt werden (vgl. Müller 2018, 363):

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

χ steht für eine beliebige Wortkategorie, in dem Fall für den Beispielsatz aus (1) wäre das ein Verb also V. Der Asterisk entspricht dem konkreten Wort der Kategorie χ, also ‚reads‘. φ1 und φ3 sind nach der Regel in (2) von Nomen (N) besetzt. Gemeinsam mit der Regel in (2) – wodurch die oben genannte Formel erneut angewandt werden muss – würde ein Dependenzbaum, wie in den vorangegangenen Beispielen entstehen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3 Linearisierung

Wie bereits erwähnt, bestimmt die Dependenz nicht die Reihenfolge der Dependentien, da die Dependenzgrammatik nicht auf Adjazenz, – wie in der Kategorialgrammatik – sondern auf Valenz basiert (vgl. Müller 2018: 364). Dennoch wurden bis dato lediglich Beispiele vorgestellt, bei denen die Relationen ausnahmslos zwischen zueinander adjazenten Wörtern bestanden.

3.1 Projektive Darstellung

Die projektive Darstellung eines Satzes kann durch die lineare Abfolge der Wörter, wie sie im Satz vorkommen, in eine Phrasenstruktur überführt werden.

Auch bei einer Verbumstellung in unterschiedlichen Satztypen, verändert sich die Dependenz zwischen dem Verb und seinen Argumenten nicht.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[...]

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Dependenzgrammatik. Grundzüge, unterschiedliche Darstellungsformen, Arten der Dependenzrelationen und Darstellung passivischer Satzkonstruktionen
Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen
Note
1,0
Jahr
2018
Seiten
16
Katalognummer
V476887
ISBN (eBook)
9783668964914
ISBN (Buch)
9783668964921
Sprache
Deutsch
Schlagworte
dependenzgrammatik, grundzüge, darstellungsformen, arten, dependenzrelationen, darstellung, satzkonstruktionen
Arbeit zitieren
Anonym, 2018, Dependenzgrammatik. Grundzüge, unterschiedliche Darstellungsformen, Arten der Dependenzrelationen und Darstellung passivischer Satzkonstruktionen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/476887

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Dependenzgrammatik. Grundzüge, unterschiedliche Darstellungsformen, Arten der Dependenzrelationen und Darstellung passivischer Satzkonstruktionen


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden