Gegenstand dieser Arbeit ist die Dependenzgrammatik. Um diese Syntaxtheorie zu ergründen wird sich maßgeblich an der von Müller vorgeschlagenen Strukturierung gelehnt. Zunächst werden einige Grundzüge der Dependenzgrammatik dargestellt (Kapitel 1), im Zuge dessen besonders auf Entstehung und Kerngedanken eingegangen werden soll. Anschließend werden kurz die unterschiedlichen Darstellungsformate angeschnitten (Kapitel 2) bevor der Aspekt der Linearisierung (Kapitel 3), die Arten der Dependenzrelationen (Kapitel 4) und die Darstellung passivischer Satzkonstruktionen (Kapitel 5) thematisiert werden.
An dieser Stelle sollen allerdings weder Gemeinsamkeiten noch Unterschieden zu anderen Theoriemodellen diskutiert werden, vielmehr geht es darum eine erste Grundlage für jene Grammatiktheorie zu schaffen, die auf Dependenzrelationen basiert.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1 Was ist Dependenzgrammatik?
2 Darstellungsformate
3 Linearisierung
3.1 Projektive Darstellung
3.2 Nicht-projektive Darstellung
4 Dependenzrelationen
4.1 Konnexion
4.2 Adjunkte
4.3 Junktion
4.4 Transfer
5 Passiv
6 Fazit und Ausblick
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die theoretischen Grundlagen und die methodische Anwendung der Dependenzgrammatik, um deren Strukturierung, verschiedene Darstellungsformate sowie die Behandlung von Dependenzrelationen und passivischen Satzkonstruktionen zu erläutern.
- Historische Entwicklung und Kernkonzepte der Dependenzgrammatik nach Lucien Tesnière.
- Vergleichende Analyse verschiedener grafischer Darstellungsformate für syntaktische Abhängigkeiten.
- Untersuchung der Linearisierung in projektiven und nicht-projektiven Baumstrukturen.
- Klassifizierung und Funktionsweise zentraler Dependenzrelationen wie Konnexion und Transfer.
- Analyse der Abbildung passivischer Satzkonstruktionen innerhalb valenzbasierter Modelle.
Auszug aus dem Buch
1 Was ist Dependenzgrammatik?
Die Dependenzgrammatik wurde im 19. Jahrhundert von Lucien Tesnière (1893-1954) entwickelt. Mit seiner Arbeit Eléments de syntaxe structurale (1959) legte er das Fundament für die Dependenzgrammatik. Die Arbeit vollendete er bereits 1938, also lediglich drei Jahre nach der Veröffentlichung von Ajdukiewicz‘ Aufsatz über die Kategorialgrammatik (Die syntaktische Konnexität, 1935). Jedoch wurde sie erst 1959 veröffentlicht, folglich fünf Jahre posthum. Die Tatsache, dass die Arbeit 20 Jahre lang nicht beachtet werden konnte, führte dazu, dass Tesnières Gedanken erst viel später in den Fokus gelangten.
Die Kernidee der Dependenzgrammatik ist folgende: La phrase est un ensemble organisé dont les éléments constituants sont les mots. [...] Tout mot qui fait partie d’une phrase cesse par lui-même d’être isolé comme dans le dictionnaire. Entre lui et ses voisins, l’esprit aperçoit des connexions, dont l’ensemble forme la charpente de la phrase. [...] Les connexions structurales établissent entre les mots des rapports de dépendance. Chaque connexion unit en principe un terme supérieur à un terme inférieur. (Tesnière 1959: 11-13)
Nach Tesnière sind die Bestandteile eines Satzes Worte, welche jedoch nicht isoliert und linear betrachtet werden, sondern Verbindungen mit benachbarten Wörtern eingehen. Diese Verbindung können multipel sein, d.h. ein Wort kann Beziehungen zu mehreren Wörtern haben.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Diese Einleitung führt in die Bedeutung formaler Grammatiktheorien ein und definiert den Fokus auf die Dependenzgrammatik unter Berücksichtigung des Werks von Müller.
1 Was ist Dependenzgrammatik?: Hier wird die historische Herkunft durch Tesnière beleuchtet und das fundamentale Konzept der Valenz als zentrales Steuerelement des Satzbaus eingeführt.
2 Darstellungsformate: Dieses Kapitel veranschaulicht die methodische Vielfalt der Notation syntaktischer Bäume und die damit verbundenen Herausforderungen bei der Anpassung an verschiedene Sprachen.
3 Linearisierung: Hier wird der Unterschied zwischen der syntaktischen Dependenz und der tatsächlichen Wortreihenfolge anhand projektiver und nicht-projektiver Darstellungsweisen erklärt.
4 Dependenzrelationen: Die verschiedenen Arten der Verknüpfung zwischen regierenden und regierten Elementen, wie Konnexion, Adjunkte, Junktion und Transfer, werden detailliert differenziert.
5 Passiv: Dieses Kapitel behandelt die Herausforderungen der lexikalischen Analyse passivischer Konstruktionen und zeigt alternative Modellierungen für den Baumgraphen auf.
6 Fazit und Ausblick: Eine zusammenfassende Bewertung der Relevanz der Dependenzgrammatik für die moderne Computerlinguistik und Korpusforschung.
Schlüsselwörter
Dependenzgrammatik, Valenztheorie, Syntax, Lucien Tesnière, Baumgraphen, Linearisierung, Konnexion, Transfer, Passivkonstruktionen, Computerlinguistik, Sprachwissenschaft, Grammatiktheorie, Regens, Dependens, Wortklasse.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit bietet einen systematischen Überblick über die Dependenzgrammatik, ihre theoretischen Wurzeln und ihre Anwendung in der modernen Linguistik.
Welches ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, eine Grundlage für das Verständnis von Dependenzrelationen zu schaffen und die methodischen Möglichkeiten der Darstellung syntaktischer Strukturen aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird ein theoriebasierter Ansatz gewählt, der sich maßgeblich an der systematischen Aufarbeitung von Grammatiktheorien durch Müller (2018) orientiert.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit fokussiert sich auf Valenz, unterschiedliche grafische Darstellungsformate, die Linearisierung von Satzgliedern und die verschiedenen Arten von Dependenzrelationen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Kernkonzepte, die Analyse von Darstellungsformaten, die Untersuchung von Linearisierungsregeln sowie die Klassifizierung spezieller syntaktischer Verbindungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Dependenzgrammatik, Valenz, Syntax, Baumgraphen und die linguistische Modellierung von Satzstrukturen.
Wie unterscheidet sich die projektive von der nicht-projektiven Darstellung?
Die projektive Darstellung orientiert sich an der linearen Abfolge der Wörter, während die nicht-projektive Darstellung die Analyse rein auf die grammatischen Abhängigkeitsbeziehungen stützt, ohne die Wortstellung zwangsläufig linear abzubilden.
Warum spielt die Valenz eine so wichtige Rolle?
Die Valenz bestimmt die Fähigkeit eines Verbs, eine spezifische Anzahl an Aktanten an sich zu binden, und bildet damit das strukturelle Zentrum und die Hierarchie innerhalb des Satzes.
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- Anonym (Author), 2018, Dependenzgrammatik. Grundzüge, unterschiedliche Darstellungsformen, Arten der Dependenzrelationen und Darstellung passivischer Satzkonstruktionen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/476887