Welche Bedeutung hat das "Posttraumatische Belastungssyndrom" (PTBS) im Bereich der Dentalhygiene und des Präventionsmanagements?

Eine systematische Literaturrecherche


Bachelorarbeit, 2019
52 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Trauma Definition - Was ist ein Trauma?
1.2 Trauma Einteilung
1.3 Klassifikation und Traumabegriff im ICD
1.4 Klassifikation und Traumabegriff im DSM
1.5 Definition - Posttraumatisches Belastungssyndrom
1.6 Symptomatik
1.7 Epidemiologie
1.8 Diagnostik
1.9 Kiefergelenk - Articulatio Temporomandibularis
1.10 Kraniomandibuläre Dysfunktion
1.11 Ziel der Bachelorarbeit

2. Material und Methode

3. Ergebnisse

4. Diskussion

5. Fazit

6. Zusammenfassung / Abstract
6.1 Zusammenfassung
6.2 Abstract

7. Literaturverzeichnis

8. Abkürzungsverzeichnis

9. Tabellenverzeichnis

10. Lebenslauf

11. Danksagung

1. Einleitung

Zum Leben des Menschen gehören traumatische Ereignisse. Der Mensch wird in seinem Dasein immerzu mit existenziellen Bedrohungen, mit dem scheinbar Unaushaltbaren, sowie mit der Macht und Gewalt von Natur oder den Mitmenschen konfrontiert. Die Häufigkeit solcher, sogenannten traumatischen Erlebnisse ist abhängig von Beruf, Hobby, Umfeld, Lebenssituation und verschiedenen anderen Faktoren. Diese Situationen haben für den Betroffenen unterschiedliche Folgen und lösen eine Art von seelischem, kognitivem, körperlichem oder emotionalem Stress aus, gefolgt von Gefühlen der Hilflosigkeit, von Überforderung oder Machtlosigkeit. Es sind viele mögliche Reaktionen denkbar, welche nicht zwingend sofort auftreten, aber schwerwiegende Auswirkungen auf den Betroffenen haben, wenn die Traumatisierungen im entsprechenden Ausmaß und / oder früh im Leben stattfinden (Pausch & Matten, 2018, S. 4).

1.1 Trauma Definition - Was ist ein Trauma?

Es gibt keine gültige Definition von seelischem Trauma (griechisch für: Verletzung, Wunde). Der Hintergrund dazu beruht vielmehr auf der Grundlage eines körperlichen Traumas, also eine Verletzung, welche hier auf die verletzte Seele übertragen wird(Pausch & Matten, 2018, S. 4).

Gekennzeichnet sind Traumata durch ihre Plötzlichkeit, ihre Heftigkeit und mögliche Ausweglosigkeit und entstehen durch die Diskrepanz zwischen dem Erlebten oder der Bedrohung und der individuellen Bewältigungsstrategie(Pausch & Matten, 2018, S. 4). Es folgen bei den Betroffenen körperliche, kognitive und emotionale Reaktionen, wobei jeder Mensch in solchen Situationen auf seine Art reagiert und es hier kein richtig oder falsch geben kann. Die genaueren Definitionen aus der Wissenschaft und den verschiedenen Institutionen werden explizit aufgeführt (Pausch & Matten, 2018, S. 4f).

1.2 Trauma Einteilung

Wie bereits beschrieben, gibt es viele Ereignisse im Leben die als traumatisch bezeichnet werden können. Eine Unterteilung dieser Traumata kann in einmalig oder mehrmaliges Auftreten, sowie die Ursache, in zufällige oder absichtliche Ursachen eingeteilt werden(Pausch & Matten, 2018, S. 5).

Meist kurzfristige und meist einmalige Traumata wie zum Beispiel Verkehrsunfälle, Banküberfälle, werden als Typ-I-Traumata bezeichnet. Typ-II-Traumata sind mehrmalige oder langfristige Ereignisse wie zum Beispiel sexueller Missbrauch oder Misshandlungen.

In die Einteilung nach der verursachenden Instanz, fallen die non-intentionalen / akzidentiellen Traumata, welche zufällig und / oder durch die Natur verursacht wurden, wie zum Beispiel Verkehrsunfälle oder Erdbeben. Die zweite Variante sind die intentionalen Traumata, auch genannt „man-made-disaster“ oder Beziehungstraumatisierung, welche durch Menschen willentlich und absichtlich verursacht wurden(Tagay, Schlottbohm, & Lindner, 2016, S. 35f).

Ein weiterer Aspekt für die Einteilung ist das Alter der Person zum Zeitpunkt in dem das Ereignis auftritt. Der Mensch hat in den frühen Phasen des Lebens eine empfindlichere Wahrnehmung und die Verletzbarkeit kann aufgrund der weniger ausgeprägten Bewältigungsstrategien noch nicht vollständig ausgereift sein, weshalb oftmals tiefere Folgen für die seelische Gesundheit entstehen. Der menschlichen Psyche ist noch zuzuordnen, dass akzidentielle Traumata besser verarbeitet werden können, als solche die zwischenmenschlich hervorgerufen wurden, da es hierbei oft zu einer negativen Beeinflussung des gesamten Selbst-, Welt- und Menschenbildes beim Opfer kommt (Pausch & Matten, 2018, S. 5f).

1.3 Klassifikation und Traumabegriff im ICD 10

Traumafolgestörungen werden in Deutschland, wie in allen anderen europäischen Ländern nach dem Klassifikationssystem der World Health Organization (WHO) (dt.: Weltgesundheitsorganisation), der internationalen statistischen Klassifikation von Krankheiten und verwandten Gesundheitsproblemen, aus dem Englischen, International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems (ICD) eingeteilt. Die 10. Version ist die aktuell gültige Ausgabe, welche als ICD-10 bezeichnet wird und die Kriterien vorgibt, um beispielsweise eine PTBS diagnostizieren zu können. Die posttraumatische Belastungsstörung wird innerhalb dieser Einteilung zu den Belastungs- und Anpassungsstörungen gezählt (ICD-10: F43.1)(Pausch & Matten, 2018, S. 7). Als traumatischer Stressor wird im ICD-10 ein belastendes Ereignis mit außergewöhnlicher Bedrohung oder katastrophenartigem Ausmaß beschrieben. Definiert wird ein Trauma bei der WHO mit einem Ereignis von außergewöhnlicher Belastung, welches kurz- oder langanhaltend sein kann und bei nahezu jedem eine tiefgreifende Verzweiflung auslösen würde (Tagay, Schlottbohm, & Lindner, 2016, S. 26; Dilling et al., S. 124).

Erkennbar ist an dieser Definition zwar die notwendige Schwere des Ereignisses, jedoch bleibt die Beschreibung der traumatischen Reaktionen, welche stark unterschiedlich sein können, sehr allgemein und ohne Konkretisierung, weshalb diese Definition vielfach kritisiert wird(Tagay, Schlottbohm, & Lindner, 2016, S. 26).

1.4 Klassifikation und Traumabegriff im DSM

Das Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders (DSM) (dt.: Diagnostischer und statistischer Leitfaden psychischer Störungen) definiert ein psychisches Trauma als direktes persönliches Erleben einer Situation mit Bezug auf Tod, Leid, körperliche Unversehrtheit, schwere Verletzungen oder auch das Miterleben einer solchen Situation(Tagay, Schlottbohm, & Lindner, 2016, S. 26f). Die Herausgebergesellschaft, die American Psychological Association (APA) (dt.: Amerikanische psychiatrische Gesellschaft) führt darin auf, dass die Reaktion verbunden sein muss mit intensiver Angst, Hilflosigkeit oder Entsetzen, erst dann entsteht ein Risiko für die Entwicklung einer posttraumatischen Belastungsstörung (Saß & American Psychiatric Association, 1998). In Fällen wie diesen, kommt es zur bereits genannten Erschütterung des Selbst- und Weltverständnisses(Fischer & Riedesser, 1998). Desweitern kann es zu einer seelischen Niederlage, verbunden mit Verlust der Autonomie und der Selbstständigkeit kommen(Ehlers & Clark, 2000).

Im DSM-IV wurden posttraumatische Belastungsstörungen unter der Kategorie Angststörungen geführt und es wurden zwei Kriterien aufgeführt, die ein psychisches Trauma charakterisieren. Zum einen wird das Traumaereignis (objektives Ereignis, Kriterium A1) betrachtet und zum anderen auch die Reaktion (subjektives Erleben, Kriterium A2) der betroffenen Person darauf (Pausch & Matten, 2018, S. 9; American Psychiatric Association, 2013; Saß et al., 1996). Die Ereignisse die potentiell zu einer PTBS führen können, sind im DMS aufgeführt und als durchaus schwerwiegend zu bezeichnen, dennoch zeigen Forschungsergebnisse, dass auch mildere Stresserlebnisse, wie zum Beispiel Autounfälle, zu posttraumatischen Symptomen führen können, weshalb hier detailliertere Traumakriterien zu finden sind (Norris, 1992; Tagay, Schlottbohm, & Lindner, 2016, S. 27).

Im aktuellen DSM-5 (Association, 2010) gibt es eine Gruppe für Trauma- und stressbezogene Störungen in der der Traumabegriff bereits erweitert und die diagnostischen Kriterien der PTBS an die Realität der Betroffenen angepasst wurden(Pausch & Matten, 2018, S. 10). Das Kriterium A2 ist entfallen und es werden jetzt vier Situationen beschrieben, bei denen von einem traumatischen Ereignis gesprochen wird. Das subjektive Erleben des Betroffenen wird unterteilt in:

a) selbst erlebtes Trauma
b) die Person erlebt als Zeuge ein Trauma einer anderen Person
c) die Person erfährt, dass das Leben von Angehörigen oder engen Freunden bedroht wurde
d) die Person wird über extrem traumatische Inhalte informiert (Tagay, Schlottbohm, & Lindner, 2016, S. 33; Kapfhammer, 2014; Casey & Lindhorst, 2009).

1.5 Definition - Posttraumatisches Belastungssyndrom

Trauma bedeutet nicht gleich PTBS. Dieser Grundsatz soll aufzeigen, dass ein Mensch der ein oder mehrere Traumata erlebt hat, nicht zwingend ein posttraumatisches Belastungssyndrom entwickeln muss(Pausch & Matten, 2018, S. 6).

Die posttraumatischen Belastungsstörungen sind definiert als eine Folgereaktion auf ein oder mehrere traumatische Ereignisse, welche in den verschiedenen, oben genannten Konstellationen erlebt werden können. Es kommt dabei oftmals zu Gefühlen von Hilflosigkeit und zu einem Einschnitt in das Selbst- und Weltverständnis. Als Beispiele hierfür, werden unter anderem körperliche und sexualisierte Gewalt, Krieg, Folter, Katastrophen, Unfälle, Krankheiten oder Terroranschläge aufgeführt. Diese spezifische Form einer Traumafolgestörung wird im Weiteren als PTBS (Post traumatische Belastungs störung) oder im englischen Raum als PTSD (Post Traumatic Stress Disorder) bezeichnet und von ähnlichen Störungsbildern, wie Anpassungsstörung, akute Belastungsreaktion oder andauernde Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung unterschieden (Flatten et al., 2011, S. 202f).

1.6 Symptomatik

Posttraumatische Belastungssyndrome können in nahezu jedem Lebensalter auftreten (Maercker, 1999). In den ersten Stunden oder Tagen nach dem auslösenden Trauma herrscht meist ein Schockzustand und innerhalb der ersten Monate nach dem Traumzeitraum treten die eigentlichen PTBS-Symptome auf. Ein Drittel der Patienten ist nach den ersten zwölf Monaten beschwerdefrei und etwa die Hälfte nach ca. vier Jahren. Allerdings bestand die Symptomatik bei einem Drittel der Betroffenen noch nach zehn Jahren (Maercker, 2009, S. 31f).

Symptome für dieses Störungsbild zeigen sich in verschiedenen Ausprägungen und folgen unmittelbar oder auch mit - teilweise mehrjähriger - Verzögerung nach dem entsprechenden Geschehen. Als Kernsymptome werden Wiedererleben, Vermeidungsverhalten, emotionale Erstarrung (oder Betäubung) und Überregung in diesen Richtlinien genannt, welche detailliert aufgeführt werden (Pausch & Matten, 2018, S. 7; Dilling et al., 2011).

Es folgen beispielweise Überregungssymptome wie Schlaf- oder Konzentrationsstörungen, Depressionen, Reizbarkeit oder Schreckhaftigkeit und in anderen Fällen kommt es zu allgemeinem Rückzug, Interessenverlust oder innerer Teilnahmslosigkeit. Belastende Gedanken und Erinnerungen an das Trauma, Wiedererleben in Form von Flashbacks und Albträumen oder aber auch eine partielle Amnesie sind weitere Symptome dieses Störungsbildes (Flatten et al., 2011, S. 203f).

Intrusionen / Wiedererleben; geschieht oft unkontrollierbar und kommt in Form von Bildern oder Geräuschen, im wachen Bewusstseinszustand oder im Schlaf vor. Es entsteht ein Belastungsgefühl auf Grund der Häufigkeit der Erinnerungen und Bilder. Wie oben genannt, kann es zu sehr realen Träumen (Flashbacks) oder zu stark verzerrten Bildern des Erlebten in Träumen (Albträume) kommen (Maercker, 2009, S. 17ff).

Emotionale Betäubung („Numbing“) / Vermeidung; hierbei wird von den Betroffenen versucht „abzuschalten“. Das Erlebte wird verdrängt, Orte und Aktivitäten die im Zusammenhang damit stehen, werden vermieden, was jedoch nur selten gelingt und letztendlich zu dissoziativen Zuständen, wie Teilamnesien führt. Die emotionale Betäubung beschreibt eine Schädigung ihrer Gefühlswelt, eine Entfremdung oder einen allgemeinen sozialen Rückzug (Maercker, 2009, S. 17ff).

Hyperarousal / Überregung; eine Folgereaktion des Körpers nach einem Trauma ist eine Absenkung der Erregungsschwelle des autonomen Nervensystems. Belastungen wirken früher auf die eine stärkere Erregung folgt, sowie heftige Schreckreaktionen welche das Schlafverhalten beeinflussen und die Betroffenen Tag und Nacht empfindlicher gegenüber Reizen werden lassen (z.B. Geräusche, Berührungen) (Maercker, 2009, S. 17ff).

1.7 Epidemiologie

Die Art des Traumas bestimmt die Epidemiologie der Krankheit, also die Häufigkeit des Auftretens von PTBS. Es besteht im Allgemeinen eine hohe Neigung zum Übergang von vorübergehender zu dauerhaft, chronischer Präsenz.

Besondere Aufmerksamkeit liegt vor allem auf der hohen Prävalenz nach Vergewaltigungen oder bei Kriegs- oder Folteropfern (50 %), gefolgt von Gewaltverbrechen (25 %) und zudem die Verkehrsunfälle oder schwere Organerkrankungen (medizinische Traumata) mit einem Anteil von ca. 10 % (Flatten et al., 2011, S. 203).

Bei den Angaben zur Epidemiologie gilt es insbesondere die regionale Herkunft der Prävalenzraten zu beachten, da die Zahlen - für einen Teil der Traumata - abhängig sind von den verschiedenen Weltregionen oder politischen Regionen. Als Beispiele werden hier Länder mit häufigen Naturkatastrophen genannt oder solche, in denen politische Folter und Gewalt alltäglich ist. Im Weiteren ist darauf zu achten, ob die Daten eine Perioden- oder Lebenszeitprävalenz wiedergeben (Maercker, 2009, S. 29).

In Deutschland ist im Rahmen der Gesundheitsberichterstattung ein deutlicher Anstieg der männlichen und weiblichen PTBS-Patienten zu verzeichnen, die nachweislich nach einer vollstationären Behandlung mit der Hauptdiagnose F43.1 (posttraumatische Belastungsstörung) entlassen wurden. Waren es im Jahr 2000 noch 2.697 Patientinnen und 1192 Patienten so liegen vom Jahr 2014 Daten von 8.679 Patientinnen und 3.456 Patienten vor. Die Anzahl weiblicher Patienten ist meist doppelt so hoch wie die der männlichen Patienten, zwischen 2005 und 2010 sogar dreimal so hoch(Deutscher Bundestag, 2016, S. 6f).

Verschiedene US-amerikanische Untersuchungen zeigen ebenso eine Geschlechterrelation von 2 : 1 (Frauen : Männer) auf und eine Lebenszeitprävalenz von fünf bis zehn Prozent (Breslau et al., 1991; Breslau, 2001; Kessler et al., 1995; Kunzke & Güls, 2003).

In den Zahlen des amerikanischen National Center for PTSD wird aufgeführt, dass 60 % der männlichen und 50% der weiblichen amerikanischen Bevölkerung im Laufe ihres Lebens mindestens ein Trauma erfahren. Im Weiteren wird erwähnt, dass ca. acht Millionen Amerikaner pro Jahr an einer PTBS erleiden und rund zehn Prozent der Frauen, sowie vier Prozent der Männer irgendwann in ihrem Leben eine posttraumatischen Belastungsstörung entwickeln(U.S. Department of Veterans Affairs, 2018).

1.8 Diagnostik

Eine klinische Diagnostik von PTBS ist zu bevorzugen, kann aber durch psychometrische Tests oder PTBS-spezifische, strukturierte Interviews unterstützt bzw. gesichert werden. Traumatische Auslöser, psychische Vorerkrankungen, komorbide Störungen oder unklare, therapieresistente Schmerzsyndrome werden hier ebenso berücksichtigt, wie verschiedene Verhaltensmuster die auf Persönlichkeitsstörungen hinweisen und zurückliegende oder bevorstehende medizinische Eingriffe (Flatten et al., 2011, S. 203f). Nach den gängigen Klassifikationssystemen wird eine posttraumatische Belastungsstörung diagnostiziert, wenn einige der Einzelsymptome aus den Kernsymptomgruppen in Kombination auftreten. Die Anzahl und genauen Kriterien sind im ICD- oder DSM-System hinterlegt (Maercker, 2009, S. 19f).

1.9 Kiefergelenk - Articulatio Temporomandibularis

Eines der kompliziertesten Gelenke im menschlichen Körper ist das Kiefergelenk und besteht aus dem Gelenkkopf (Condylus articularis), der Gelenkpfanne (Fossa glenoidalis) und der Gelenkscheibe (Discus articularis). Diese sind umschlossen von der Gelenkkapsel. Das Kiefergelenk kann dreidimensionale Bewegungen ausführen, welche unterteilt werden in Rotations-, Translations- und Pendelbewegungen und von zwei Muskelpaaren, den Kaumuskeln gesteuert werden. Im Weiteren kommt der sogenannten bilaminären Zone eine große Bedeutung in Bezug auf die vielfältigen Aufgaben des Gelenkes zu(Freesmeyer, 2000).

Die Gelenkfläche (Fossa glenoidalis): Druckaufnahme und Druckabbau über das Os temporale bei zahngeführten Kieferbewegungen um eine physiologische Verbindung zwischen den Zahnreihen des Ober- und Unterkiefers zu gewährleisten.

Versorgung: Diffusionsvorgänge mit Synovialflüssigkeit über den oberen Gelenkspalt

Position: kaudal am Os temporale kurz vor dem äußeren Gehörgang (Freesmeyer, 2000).

Der Gelenkkopf (Condylus articularis): Übertragung von Kräften beim Kauen, Sprechen und Singen über den Discus articularis auf die Gelenkfläche und folglich auf die Schädelbasis. Bei Unterkieferbewegungen ohne Zahnkontakt bildet er die hintere Verbindung vom Unterkiefer zum Schädel.

Versorgung: Diffusionsvorgänge mit Synovialflüssigkeit über den unteren Gelenkspalt

Position: Bildet auf dem Collum mandibulae das Ende der Unterkieferspange (Freesmeyer, 2000).

Die Gelenkscheibe (Discus articularis): Pufferfunktion / Dämpfung der Kräfte die auf die Gelenkpfanne und die Eminentia articularis wirken und Ausgleich des Formunterschiedes zwischen Gelenkfläche und Condylus articularis bei Bewegungen. Die dreidimensionale Faseranordnung (anterior-posteriore, mediolaterale und kranioventrale Richtung) ermöglicht die starke Struktur für die Aufnahme der einwirkenden Kräfte.

Versorgung: Diffusionsvorgänge mit Synovialflüssigkeit, sowie über das Gewebe und die bilaminäre Zone.

Position: Zwischen Gelenkkopf und Gelenkfläche verbunden über medial und lateral vorhandene Fasern mit dem Gelenkkopf, sowie dorsalen Bändern zur Schädelbasis und zur dorsalen Seite des Ramus mandibulae (Freesmeyer, 2000).

Bilaminäre Zone: Rezeptorfunktion des Kiefergelenkes durch vorhandene Spannungs-, Druck- und Schmerzrezeptoren und Verbindungsbänder der Gelenkscheibe zur Schädelbasis und zum Gelenkkopf. Führungsfunktion für die Gelenkscheibe bei Vorwärtsbewegungen und Dämpfungsfunktion für den Gelenkkopf bei Rückwärtsbewegungen in die Gelenkpfanne. Steuerung der Muskelfunktionen des Kiefers durch die Zug- / Spannungsrezeptoren die mit dem zentralen Nervensystem (ZNS) verbunden sind. Schutzfunktion durch Schmerzrezeptoren die über das ZNS ein sogenanntes Muskelsplinting (Muskelschienung) veranlassen können.

Versorgung: eigene Gefäße und Rezeptoren

Position: angeheftet an Schädelbasis und Gelenkfortsatz (Freesmeyer, 2000).

Die Gelenkkapsel: Produktion der Synovialflüssigkeit zur Ernährung der Knorpelanteile im Gelenk und Unterstützung der Gleitreibung. Zentrierung der Kondylus-Diskus-Einheit zur Gelenkfläche auf Grund des Aufbaus und der Anordnung der verschiedenen Fasern in der Kapsel. Schmerz- und Zugrezeptoren übernehmen ebenso eine Schutzfunktion wie in der bilaminären Zone.

Versorgung: eigene Gefäße und Rezeptoren

Position: umschließt das Kiefergelenk zirkulär (Freesmeyer, 2000).

Muskulatur und Bewegungen: Das Kiefergelenk kann Dreh-, Schiebe- und Mahlbewegungen ausführen und wird dabei von den Kaumuskeln geführt(Platzer, 2013, S. 316).

1.10 Kraniomandibuläre Dysfunktion

Die internationale Abkürzung „CMD“ steht für kraniomandibuläre Dysfunktion und wird in Deutschland mit der englischen Bezeichnung „TMD“ (Temporomandibular Disorders) gleichgesetzt. Diese Begriffe umfassen verschiedene Symptome die von den Kaumuskeln, den Kiefergelenken oder den damit verbundenen Strukturen ausgehen (de Leeuw & Klasser, 2008).

Schmerz ist hier das häufigste und wichtigste Symptom – CMD gilt als Hauptursache für nicht dentogen bedingten Schmerz in der orofazialen Region(Okeson, 2005). (Stelzenmüller & Wiesner, 2010, S. 15)

Schmerz ist definiert als ein unangenehmes Sinnes- oder Gefühlserlebnis, verbunden mit einer Gewebeschädigung oder ähnlichen Begriffen einer solchen Schädigung (Merskey & Bogduk, 1994; Stelzenmüller & Wiesner, 2010, S. 38).

Diese hier bedeutsamen Schmerzen treten oft mit eingeschränkter bzw. asymmetrischer Unterkiefer-Beweglichkeit oder mit Kiefergelenkgeräuschen auf. Sie werden von Patienten mit Kopf- oder Gesichtsschmerz, Ober- oder Unterkieferschmerzen oder mit Schmerz im Bereich der Ohren beschrieben (de Leeuw & Klasser, 2008; Stelzenmüller & Wiesner, 2010, S. 15)

Eine Dysfunktion, also eine Funktionsstörung bedeutet ausgeführt, eine subjektiv und objektiv feststellbare Beeinträchtigung der normalen Funktion und bezieht sich hier auf die Normfunktion des gesamten Kausystems. Die kraniomandibuläre Dysfunktion ist allerdings nahezu allumfassend, da der Begriff die möglichen Funktionsstörungen sowie auch den auftretenden Schmerz beschreibt (Hugger et al., 2016). Daraus folgt, dass bei der Diagnose die Gefahr der Entstehung von nicht therapiebedürftigen Befunden besteht, da bis heute kein anerkanntes Diagnoseschema für die CMD vorliegt und es somit an der persönlichen Interpretation liegt, welche Symptome der CMD zugeordnet werden. Mögliche Unterscheidungen bietet allerdings der Begriff „Myoarthropathie“, kurz: MAP. Diese Bezeichnung umfasst explizit das Symptom Schmerz im kraniomandibulären System und ist somit eine Untergruppe der CMD. Dem Schmerz wird, wie oben erwähnt, die Priorität bei den vorkommenden Störungen eingeräumt und hat Vorrang gegenüber den Bewegungseinschränkungen oder Gelenkgeräuschen(Stelzenmüller & Wiesner, 2010, S. 17).

Weitere Begriffe bei Kiefergelenk- und Kaumuskelerkrankungen können als Differenzialdiagnosevorkommen und werden kurz aufgeführt:

Myalgie: subjektiv empfundener Muskelschmerz und Oberbegriff für muskuloskelettale Schmerzen.

Myositis: Unterbegriff der Myalgie und akute, schmerzhafte Entzündung des Muskels verbunden mit Schwellungen.

Myofaszialer Schmerz (MFS): ein Weichgewebeschmerzsyndrom in der Kiefermuskulatur welches den größten Anteil der Myalgien darstellt.

Arthralgie: subjektiv wahrgenommener Gelenkschmerz und Oberbegriff für die Schmerz-Klassifikationen

Arthropathie: Oberbegriff für Kiefergelenkerkrankungen der nicht entzündliche, nicht degenerative, gesondert gelagerte Gelenkerkrankungen darstellt

Synovialitis (Synovitis): Gelenkkapselentzündung verbunden mit Fehlfunktion bei Synthese der Synovialflüssigkeit

Arthritis und Arthrose: meist bewegungsabhängige Schmerzen bei denen - ausgehend von einer Synovitis - komplexe systemische Prozesse wirken (= Arthritis). Entwicklungen im Bereich der Knorpel oder Knochen, wie z.B. Reibe- oder Knirsch-Geräusche werden als inaktive Arthrose und wenn eine entzündliche Reaktion folgt, als aktivierte Arthrose bezeichnet(Stelzenmüller & Wiesner, 2010, S. 19).

1.11 Ziel der Bachelorarbeit

In dieser Arbeit - in Form einer systematischen Literaturrecherche - werden anhand von verschiedenen Studien, die Zusammenhänge von posttraumatischen Belastungsstörungen und der kraniomandibulären Dysfunktion, in Bezug auf die Dentalhygiene und das Präventionsmanagement der Zahnmedizin, erörtert.

Besteht eine Verbindung zwischen der PTBS-Erkrankung und den Auswirkungen auf die CMD?

Welchen besonderen Stellenwert erreicht diese psychiatrische Erkrankung in der Behandlung von Patienten?

2. Material und Methode

Im Rahmen der Bachelorarbeit und der zugehörigen Literaturrecherche wurden die elektronischen Datenbanken PubMed unter folgenden Suchbegriffen durchsucht.

Tabelle 1: Flowchart

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 2: Material und Methode

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Weitere Literatur zum posttraumatischen Belastungssyndrom und zum Bereich des Kiefergelenkes, wurde aus Fachjournalen der medizinischen Zentralbibliothek Köln und der Zentralbibliothek München gewonnen. Abschließend wurde die Literatur nach Evidenz und Relevanz ausgewählt.

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Ende der Leseprobe aus 52 Seiten

Details

Titel
Welche Bedeutung hat das "Posttraumatische Belastungssyndrom" (PTBS) im Bereich der Dentalhygiene und des Präventionsmanagements?
Untertitel
Eine systematische Literaturrecherche
Hochschule
praxisHochschule
Autor
Jahr
2019
Seiten
52
Katalognummer
V477092
ISBN (eBook)
9783346049650
Sprache
Deutsch
Schlagworte
welche, eine, präventionsmanagements, dentalhygiene, bereich, ptbs, belastungssyndrom, posttraumatische, bedeutung, literaturrecherche
Arbeit zitieren
Jasmin Reich (Autor), 2019, Welche Bedeutung hat das "Posttraumatische Belastungssyndrom" (PTBS) im Bereich der Dentalhygiene und des Präventionsmanagements?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/477092

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