Gewalt an Schulen. Was sind Präventions- und Interventionsmaßnahmen?


Hausarbeit, 2019
11 Seiten, Note: 1,7
Anonym

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung 2

2. Was ist Gewalt an Schulen?
2.1 Verbale Aggressionen
2.2 Körperliche Auseinandersetzungen
2.3 Vandalismus

3. Stand der Forschung

4. Prävention bei Gewalt an Schulen

5. Intervention bei Gewalt an Schulen

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis 10

1. Einleitung

„Etwa 80% aller deutschen Lehrer beobachten mindestens einmal pro Woche, daß sich Schüler untereinander – zum Teil in übelster Weise – verbal angreifen, sich beleidigen und provozieren.“ (Bäuerle u.a. 2001, S. 10) Viel zu oft sehen Lehrkräfte dabei weg.

In der folgenden Hausarbeit soll der Frage nachgegangen werden: Wie intervenieren Lehrer/-innen auf wahrgenommene Gewaltvorkommen?

Bei einer Intervention handelt es sich um ein geplantes und gezieltes Eingreifen, um Störungen bzw. Probleme zu beheben oder ihnen vorzubeugen.“ (Bilz u.a., S.99, Online im Internet) Das Intervenieren ist notwendig, da in der Institution Schule immer wieder Gewalt in Erscheinung tritt und diese auch die Gestaltung des Schulalltages beeinflusst (vgl. Melzer u.a 2015, S. 261).

„Mit der kollektiven Unterweisung bzw. der Betreuung und Erziehung unserer Kinder und Jugendlichen in der Gruppe bzw. Schulklasse haben wir eine Bedingung geschaffen, die Gewalt und Aggressivitätsanlässe en masse produzieren.“ (Dollase 2010, S.24) Die Gruppe stellt ein Aggressions- bzw. Gewaltrisiko dar und provoziert Konflikte (Dollase 2010, S.24).

In Bezug auf die intervenierenden Maßnahmen von Lehrkräften, die Gewaltsituationen oder auch Mobbing bemerken gibt es nur wenig nationale Befunde. Dies deutet daraufhin, dass sich Lehrkräfte diesbezüglich sehr unsicher fühlen (vgl. Bilz u.a., S.99, Online im Internet).

Aus der Perspektive der Schülerinnen und Schüler ist bekannt, dass sie sich ungenügend beschützt fühlen. Lehrkräfte haben oft Angst vor Schülerinnen und Schülern, sehen weg oder greifen nur wenig bis gar nicht ein (vgl. Bilz u.a., Online im Internet, zitiert nach Markert 2007; Hoffmann/Sturzbecher 2012).

Schüler/- innen schätzen die Interventionsstrategien von Lehrkräften – im Gegensatz zu denen von Mitschüler/-innen und anderem Schulpersonal – am hilfreichsten ein und erwarten, dass Lehrpersonen intervenieren (vgl. Bilz u.a., Online im Internet, zitiert nach Crothers/Kolbert/Barker 2006).

Um einen Überblick zu schaffen, welche Formen von Gewalt in Schulen verbreitet sind, soll zunächst ein kleiner Überblick geschaffen werden. Anschließend wird der aktuelle Forschungsstand zur Intervention von Lehrkräften in gewalthaltigen Situationen dargestellt. Abschließend sollen Präventions- und Interventionsmaßnahmen zur Gewalt an Schulen erläutert werden. Dabei liegt der Schwerpunkt auf Grund der Forschungsfrage auf Interventionsmaßnahmen. Diese geben nur einen groben Überblick, über Maßnahmen die an deutschen Schulen teilweise verbreitet sind.

2. Was ist Gewalt an Schulen?

Die BKA Studie 2003 „ergab, dass 66 Prozent der Befragten in den vergangenen sechs Monaten zumindest einmal Mitschüler geschlagen hatten, 13 Prozent gaben ein Raub- oder Erpressungsdelikt zu, acht Prozent hatten bereits einmal mit Messer oder Pistole gedroht.“ (BKA 2003, Online im Internet)

Bevor auf den Forschungsstand eingegangen wird, soll auf die häufigsten Formen von Gewalt eingegangen werden, die in Schulen verbreitet sind.

Dabei soll speziell auf verbale Aggressionen, körperliche Auseinandersetzungen und Vandalismus eingegangen werden.

2.1 Verbale Aggressionen

Laut Aussagen von Lehrkräften hat die verbale Aggression unter Schülerinnen und Schüler in den letzten Jahren erheblich zu genommen, und sie zählen heute zu den häufigsten Gewaltformen. Besonders bei Mädchen kommt es immer häufiger zu verbaler Aggression (vgl. Bäuerle u.a. 2001, S. 10).

„Die Schimpfworte kommen häufig aus der Fäkalsprache und aus dem sexuellen Bereich: ‚Arschloch‘, ‚Fotze‘ und ‚Hure‘ sind oft schon ‚übliche‘ Ausdrücke, die auf jedem Schulhof fallen und bereits von Erstkläßlern zu hören sind.“ (Bäuerle u.a. 2001, S. 10) Mit solchen Ausdrücken wird versucht Stärke und Überlegenheit zu demonstrieren. Doch eigentlich zeigen sie auf, wie unterlegen und schwach sich die Person fühlt, die solche Schimpfwörter verwendet.

2.2 Körperliche Auseinandersetzungen

Eine weitere Form der Gewalt an Schule sind körperliche Auseinandersetzungen. Zur Analyse von körperlicher Gewalt an Schulen wurde die Untersuchung vom Bundesverband der Unfallversicherungsträger der öffentlichen Hand (1993) herangezogen. In dieser Untersuchung wurden Unfälle registriert, die aufgrund von Raufereien und Schlägereien an allgemeinbilden Schulen in Deutschland entstanden sind. Etwa ein Viertel aller Schulunfälle entsteht durch körperliche Auseinandersetzungen (vgl. Bäuerle u.a. 2001, S. 11 zitiert nach Schwind u.a, 1990, S.71).

„Die Schüler wurden bei diesen Auseinandersetzungen so verletzt, daß eine ambulante bzw. stationäre Behandlung bei einem praktizierenden Arzt oder im Krankenhaus erfolgen mußte.“ (Bäuerle, Moll-Strobel, Reinert & Wehr, 2001, S. 11) Jährlich betrifft das ca. 1,2 % aller Schülerinnen und Schüler, was ca. 97000 Schülerinnen und Schüler entspricht.

„Geht man im Durchschnitt von einer 10jähringen Schulzeit eines Schülers aus, so lässt sich festhalten, daß etwa jeder zehnte Schüler in Deutschland einmal während seiner gesamten Schulzeit einen Arzt oder ein Krankenhaus aufsuchen mußte, weil ihn seine Mitschüler verletzten.“ (Bäuerle u.a. 2001, S. 11)

2.3 Vandalismus

„2,1 Millionen Euro hat allein Hamburg [2017] für die Beseitigung von Schäden durch Vandalismus an Schulen (...) ausgeben müssen. 325 der insgesamt 374 Hamburger Schulen waren betroffen (über 85 Prozent). “ (Hoegg 2018, Online im Internet)

„Unter Vandalismus versteht man die vorsätzliche Beschädigung oder unerlaubte Veränderung fremder Sachen.“ (Hoegg 2018, Online im Internet)

Dabei wurden vor allem Tische, Fenster, Türen, Wände, Toiletten und Bücher von Schülerinnen und Schülern erheblich beschädigt.

„Die von Klockhaus/Habermann-Morbey in Nürnberg befragten 13 – bis 18- Jährigen Schüler gaben an zu 87% (im Jahre 1983) bzw. zu 95% (im Jahre 1984) zu, daß sie schon einmal schulische Gegenstände zerstört hatten.“ (Bäuerle u.a. 2001, S. 14)

Vandalismus ist eine Gewaltform, die vor allem in Gruppen und vorrangig von Jungen ausgeführt wird (vgl. Bäuerle u.a. 2001, S. 14).

3. Stand der Forschung

In dem folgenden Kapitel sollen aktuelle Forschungsergebnisse zur Intervention von Lehrkräften in Gewaltsituationen dargestellt werden.

Studien ergaben, dass Lehrkräften in gewalthaltigen Situationen mit dem Ziel eingreifen, die Täter oder Täterinnen zu disziplinieren (vgl. Bilz u.a., Online im Internet, zitiert nach Bauman/Rigby/Hoppa 2008).

„Sowohl bei der Wahrnehmung von Gewalt als auch bei der Intervention scheinen die Art der beobachteten Gewalt und der Gewaltbegriff der Lehrkräfte eine wichtige Rolle zu spielen.“ (Bilz u.a., Online im Internet)

Als Gewalt sehen Lehrkräfte physische Angriffe, verbale Bedrohungen und Erpressungen. Psychische Gewaltformen, soziale Ausgrenzung und Cybermobbing werden von Lehrkräften nur sehr selten als Gewalt identifiziert (vgl. Bilz u.a., Online im Internet zitiert nach Boulton 1997; Bauman/Del Rio 2006; Smith u.a. 2010; Craig/Bell/Leschied 2011). Genau diese Einschätzungen beeinflussen schlussendlich die Interventionsmaßnahmen der Lehrkräfte. „So ist die Bereitschaft zum Eingreifen von Lehrkräften bei physischer und verbaler Gewalt größer als bei sozialer Ausgrenzung.“ (vgl. Bilz u.a., Online im Internet zitiert nach Yoon/ Kerber 2003; Yoon u.a. 2011; Byers/Caltabiano/Caltabiano 2011; Kahn/Jones/Wieland 2012).

Lehrkräfte, die der Überzeugung sind, dass Mobbing normal sei, greifen auch nur sehr selten bei Mobbing ein. (vgl. Bilz u.a., Online im Internet zitiert nach Kochenderfer-Ladd/Pelletier 2008; Hektner/Swenson 2012). „Etwa 40 Prozent der gemobbten Schulkinder in den ersten Grundschulklassen und fast 60 Prozent in der Unterstufe der weiterführenden Schule berichteten, dass Lehrkräfte nur ‚hin und wieder‘ oder ‚fast nie‘ versucht hatte, ‚das zu stoppen‘.“ (Olweus 2011, S. 31) Ebenso gaben 65% der gemobbten Schulkinder in der Grundschule und 85% in den weiterführenden Schulen an, dass der Klassenlehrer oder die Klassenlehrerin nicht mit ihnen über das Mobben gesprochen haben (vgl. Olweus 2011, S. 31).

Es ist festzustellen, dass „(...) Lehrer und Lehrerinnen verhältnismäßig wenig unternehmen (oder 1983) unternahmen, um Mobben in der Schule zu stoppen!“ (Olweus, S. 31)

Die Lehrkräfte suchten nur wenig den Kontakt zu Schülerinnen und Schüler um mit ihnen über deren Probleme zu sprechen (vgl. Olweus 2011, S. 31).

Die Replikationsstudie von Niproschke u.a. hat gezeigt, dass Lehrkräfte im Jahr 2014 bei physischer Gewalt signifikant höher als im Jahr 1996 (p<.001) intervenierten.

„Im Vergleich zweier Gewaltsituationen zeigen sich signifikante Unterschiede bei der von den Schüler(inne)n eingeschätzten Interventionsbereitschaft ihrer Lehrkräfte: Lehrkräfte würden eher bei körperlicher Gewalt als bei Erpressung intervenieren (t-Test p< .001).“ (Niproschke u.a. 2016, S.90, Online im Internet)

Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass die Interventionsbereitschaft der Lehrkräfte in enger Verbindung mit der jeweiligen Schulform stehen. „Während Gymnasiast(inn)en für ihre Lehrkräfte die höchste Interventionsbereitschaft berichten, sinkt sie an den Oberschulen um ca. 10 % ab und fällt an den Förderschulen nochmals deutlich niedriger aus.“ (Niproschke u.a. 2016, S.91, Online im Internet)

Einen großen Einfluss auf die Wahrnehmung von Gewalt und die anschließende Intervention haben auch die Empathie (vgl. Bilz u.a., Online im Internet zitiert nach Bauman/Del Rio 2006; Dedousis-Wallace/Shute 2009) und die Selbstwirksamkeit. (vgl. Bilz u.a., Online im Internet zitiert nach Mishna u.a. 2005) sowie das Wissen der Lehrkräfte über Gewalt und Mobbing (vgl. Bilz u.a., Online im Internet zitiert nach Bauman/Del Rio 2005). Ob eine Lehrkraft in gewalthaltigen Situationen eingreift, hängt also von verschiedenen Einflussfaktoren ab.

Insgesamt zeigt sich aus den Wahrnehmungen der Schülerinnen und Schüler, dass die Interventionsbereitschaft der Lehrerinnen und Lehrer 2014 ausgeprägter war als Mitter der 1990er Jahre. „Wird Gewalt wahrgenommen, neigen Lehrkräfte zu beiden Erhebungszeitpunkten (...) dazu, in die Situation einzugreifen und diese zu beenden.

4. Prävention bei Gewalt an Schulen

Mehre Studien zeigen, dass ein junges Einstiegsalter in die Kriminalität die Prävalenz kriminellen Verhaltens erhöht (vgl. Melzer u.a. 2015, S. 405). Demnach ist es unerlässlich so früh wie möglich mit Maßnahmen gegen das Gewalthandeln anzusetzen. Doch dabei ist ein „Gewaltpräventions-Dilemma“ zu vermeiden.

„(...) In jungen Jahren, wenn die Verhaltensprobleme meist noch schwächer und unspezifisch zutage treten, sind die Einflussmöglichkeiten positiver Erziehungsmaßnahmen hoch, aber konkrete, aus einer Diagnostik abzuleitende Interventionen und Programme, sind wegen der unspezifischen Problembeschreibung nicht immer passgenau zu bestimmen.“ (Melzer u.a. 2015, S. 405)

Im Jugendalter steigt das Gewaltpotenzial der Schülerinnen und Schüler. Allerdings sinken mit dem Jugendalter auch die Einflussmöglichkeiten der Lehrkräfte. Dadurch werden geeignete Maßnahmen nicht mehr verbindlichen wahrgenommen oder sie werden im „Cliquen-Gespräch“ abgewertet und damit die Teilnahme negativ beeinflusst.

Daher sollten auch Präventionsmaßnahmen Jahrgangsstufen spezifisch gewählt werden, da man z.B. mit Klassenregeln, die man sehr gut in der Grundschule oder auch noch in den 5. und 6. Klassen sehr gut einsetzen kann, in den höheren Klassen nicht viel erreicht. Für die Klassenstufe 9/10 wird zum Beispiel eher empfohlen, Programme zur Übernahme von Verantwortung für das soziale Miteinander an der Schule einzubeziehen (vgl. Melzer u.a. 2015, S. 406).

5. Intervention bei Gewalt an Schulen

Doch auch die besten Präventionsmaßnahmen können Gewalt an Schulen nicht gänzlich verhindern. Daher ist es wichtig, Maßnahmen zu finden, die man in gewalthaltigen Situationen anwenden kann. „Die genaue Passung der Interventionsmaßnahmen auf den Schulstandort sollte in Absprache mit allen schulischen Akteuren planvoll und systematisch aufgebaut werden.“ (Melzer u.a. 2015, S. 407) Dabei sind die Maßnahmen zur Bearbeitung von Gewaltvorfällen an Schulen immer situationsabhängig. Sie hängen „(...) von der Schwere der Tat selbst, der körperlichen und seelischen Betroffenheit der Beteiligten (inkl. der biografischen Vorbelastung), der Kompetenz des pädagogischen Personals, den Besonderheiten des Schulstandortes und den Reaktionen der Eltern und der Öffentlichkeit [ab].“ (Melzer u.a. 2015, S. 407)

[...]

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Gewalt an Schulen. Was sind Präventions- und Interventionsmaßnahmen?
Hochschule
Universität Leipzig
Note
1,7
Jahr
2019
Seiten
11
Katalognummer
V477175
ISBN (eBook)
9783668961623
Sprache
Deutsch
Schlagworte
gewalt, schulen, präventions-, interventionsmaßnahmen
Arbeit zitieren
Anonym, 2019, Gewalt an Schulen. Was sind Präventions- und Interventionsmaßnahmen?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/477175

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