Die vorliegende Hausarbeit fokussiert die Kanonbildung in der bildenden Kunst und die hieraus inhärente Problematik. Um für dieses komplexe Thema eine hinreichende Basis zu schaffen, werde ich zu Beginn die beiden zentralen Termini „Kanon“ und „Kunst“ näher erläutern. Da „jedes historisch feststellbare Kunstsystem“ notwendigerweise einen Kanon besitzt, „der die Konstitutionsbedingungen der Handlungen in diesem System historisch und systematisch definiert“, werde ich, an die Begriffsdefinition anschließend, dezidierter auf die einzelnen Instanzen eingehen, die zu einer Kanonisierung beitragen. Im Anschluss sind die Probleme der Kanonbildung in der bildenden Kunst zu analysieren. Dabei muss neben den Merkmalen des Kunstkanons auch auf die Aspekte der Beurteilungskriterien über Kunst sowie die historische Entwicklung des Kanons der bildenden Kunst eingegangen werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begriffsdefinitionen
2.1 Kanon
2.2 Kunst
3. Erläuterung der einzelnen Kanonisierungsinstanzen
3.1 Museum
3.2 Akademie
3.3 Kunstmarkt
3.4 Kunstkritik
3.5 Kanonschrift
4. Probleme der Kanonbildung in der bildenden Kunst
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Hausarbeit untersucht den Prozess der Kanonbildung in der bildenden Kunst sowie die damit verbundenen Problematiken. Dabei liegt der Fokus auf der Analyse verschiedener Kanonisierungsinstanzen und der Frage, inwiefern eine normative Bestimmung von Kunst in einem modernen Kontext überhaupt noch möglich oder sinnvoll ist.
- Lexikalische und historische Herleitung der Begriffe Kanon und Kunst
- Analyse der fünf zentralen Kanonisierungsinstanzen: Museum, Akademie, Kunstmarkt, Kunstkritik und Kanonschrift
- Kritische Untersuchung der Problematik einer wertenden Ästhetik
- Verhältnisbestimmung zwischen ökonomischen Faktoren und ästhetischer Qualität
- Differenzierung zwischen Regel-, Werk- und Methoden-Kanon
Auszug aus dem Buch
3.3 Kunstmarkt
Der Kunstmarkt wird von Christian Herchenröder als paradoxe Einheit aus ästhetischen und ökonomischen Bedürfnissen bezeichnet und somit als exaktes Spiegelbild des modernen Wirtschaftsgeschehens. Das private Sammeln, welches das Pendant zu der Kanonisierungsinstanz Museum bildet, tritt zunehmend in die Öffentlichkeit. Hinter den sammelnden Kunstliebhabern steht der internationale Kunstmarkt, dem aufgrund der steigenden, populären Öffentlichkeit die Leistung ästhetischer Standardisierung nicht mehr abgesprochen werden kann. Dem internationalen Kunstmarkt wird von der breiten Öffentlichkeit eine Kennerschaft unterstellt und darüber hinaus, dass im Sinne einer schlüssigen Ökonomie der Preis für das Beste am höchsten ist. Und tatsächlich wird man beobachten müssen, „dass die Protagonisten – die Werke wie die Akteure – in der allgemeinen Wahrnehmung etwas wie einen Kanon generieren.“
Doch sind die teuersten Werke denn gleichzeitig die ‚besten’? Kann man aus den Kunstmarkt-Bilanzen tatsächlich so etwas wie einen Kunstkanon ableiten? Dies ist mit Sicherheit nicht der Fall, denn es ist schließlich die Preissensation, die das Interesse der Öffentlichkeit weckt und die eigentlichen Kunstwerke zur Nebensächlichkeit macht. Man neigt zu einer Übertragung eines Kultwertes auf das Kunstwerk, wobei jedoch nicht seine kunsthistorische oder ästhetische Eigenbedeutung im Zentrum steht, sondern „der pure Marktwert solche Anbetung provoziert.“
Die Top-Ten der Kunstmarkt-Listen bilden nur ein vom Kunstmarkt aufgestelltes Angebot, welches von den Preisen innerhalb der Listen hierarchisiert wird, sie stellen jedoch keinen Kanon dar. Während ein Kanon dem Wortsinn nach „eine autoritäre oder stillschweigend akzeptierte Übereinkunft, der Mechanismen des Einschlusses und/oder Ausschlusses eingeschrieben sind, mit dem Ziel, eine Konsens zu erzielen und durchzusetzen und zu etablieren“ ist, kann der Kunstmarkt hingegen als eine Form des Kampfes zwischen konkurrierenden Kunstwerken, in denen das Kapital der Konsumenten den Spielverlauf bestimmt, betrachtet werden. So schlussfolgert Rose-Maria Gropp in ihrem Aufsatz „Kanonisiert das Kapital?“, dass Wissen einen Kanon schaffen kann, Geld hingegen eben nur Listen schaffe.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung definiert das Ziel der Arbeit, den Prozess der Kanonbildung und die damit inhärenten Probleme innerhalb der bildenden Kunst zu analysieren.
2. Begriffsdefinitionen: In diesem Kapitel werden die zentralen Termini Kanon und Kunst historisch und etymologisch hergeleitet und in den kunsttheoretischen Kontext gesetzt.
3. Erläuterung der einzelnen Kanonisierungsinstanzen: Hier werden fünf maßgebliche Institutionen untersucht – Museum, Akademie, Kunstmarkt, Kunstkritik und Kanonschrift –, die den Kanon der bildenden Kunst wesentlich mitprägen.
4. Probleme der Kanonbildung in der bildenden Kunst: Dieses Kapitel widmet sich der Schwierigkeit, in der modernen Kunst einheitliche Bewertungskriterien zu finden, und unterscheidet zwischen verschiedenen Typen wie dem Regel-, Werk- und Methoden-Kanon.
5. Fazit: Das Fazit stellt fest, dass die Kanonbildung in der Kunst heute zwar vage, aber im Hinblick auf die Reizüberflutung der modernen Welt für eine notwendige Selektion nahezu unerlässlich ist.
Schlüsselwörter
Kanonbildung, bildende Kunst, Kanonisierungsinstanz, Museum, Akademie, Kunstmarkt, Kunstkritik, Kanonschrift, normative Ästhetik, Werk-Kanon, Methoden-Kanon, Kunstsystem, Kulturgeschichte, Kunstwert, Klassik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den Mechanismen der Kanonbildung in der bildenden Kunst und der Frage, wie und durch welche Instanzen festgelegt wird, was als „klassisch“ oder „wertvoll“ gilt.
Welche thematischen Schwerpunkte werden gesetzt?
Die Schwerpunkte liegen auf der Definition der Begriffe Kanon und Kunst sowie der detaillierten Analyse der Institutionen, die Kunstwerke legitimieren oder kanonisieren.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, die Problematik der Kanonbildung in der bildenden Kunst aufzuzeigen, da diese – im Gegensatz zur Literatur – keine eindeutigen, unbestrittenen Maßstäbe besitzt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literatur- und kunstwissenschaftliche Analyse, die auf der Auswertung relevanter kunsttheoretischer Traktate und Fachaufsätze basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden das Museum, die Kunstakademien, der Kunstmarkt, die Kunstkritik und das Genre der Kanonschrift als Instanzen der Kanonbildung detailliert untersucht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Kanonbildung, Kunstrezeption, kanonisierende Instanzen und der Wandel des Kunstbegriffs seit der Antike.
Welche besondere Rolle spielt das Museum bei der Kanonbildung?
Das Museum gilt als „Hüter eines heiligen Bestandes“ und verleiht den dort ausgestellten Werken durch die institutionelle Präsentation eine besondere Bedeutung und Wertigkeit.
Ist der Kunstmarkt in der Lage, einen echten Kanon zu bilden?
Nein, der Kunstmarkt erzeugt laut der Arbeit lediglich „Listen“ und Preishierarchien, die zwar Aufmerksamkeit binden, aber keine ästhetischen Kriterien im Sinne eines kulturellen Kanons ersetzen können.
Warum ist die Kunstkritik in der heutigen Zeit weniger einflussreich?
Aufgrund des Fehlens allgemein anerkannter Richtlinien und Normen fällt es der heutigen Kunstkritik schwer, eine klare, begründete Urteilsposition einzunehmen.
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- Katharina Lang (Author), 2004, Kanonbildung in der bildenden Kunst und ihre Problematik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/47721