Simulation. Medial aufgezwungene Realitätsmodelle: Analyse von Jean Baudrillards 'Requiem für die Medien' im Hinblick auf kulturkritische Elemente


Hausarbeit, 2005
16 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Über Jean Baudrillard

3. Die Schwierigkeit baudrillardscher Texte

4. Definition des Terminus Kulturkritik

5. Simulation. Medial aufgezwungene Realitätsmodelle

6. Textanalyse im Hinblick auf kulturkritische Elemente

7. Schlussbetrachtung

8. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die im Zentrum des Seminars „Kulturkritik als Medienkritik“ stehende These, dass Medienkritik Kulturkritik bedinge, wird in der vorliegenden Arbeit anhand einiger Textausschnitte[1] von Jean Baudrillards Aufsatz Requiem für die Medien, der medientheoretisch von enormer Bedeutung ist,[2] nachgezeichnet.

Um für die Analyse der Textauszüge im Hinblick auf kulturkritische Elemente eine hinreichende Basis zu schaffen, wird nach einleitenden Worten über Jean Baudrillard – einen der prägnantesten Vertreter postmoderner Theoriebildung[3] - sowie zentralen Begründungsansätzen für die generelle Schwierigkeit seiner Texte, der Terminus Kulturkritik definiert. Im Anschluss daran erfolgt eine Reflektion des behandelten Textes, bevor untersucht wird, inwiefern die medienkritischen Äußerungen Baudrillards hier auch von kulturkritischer Relevanz sind. Die Arbeit endet mit einer Schlussbetrachtung, in der, unter Aufzeigung von Parallelen zu Denkansätzen anderer, im Seminar thematisierten Medientheoretikern, die zentralen Gedanken Baudrillards noch einmal aufgegriffen werden.

2. Über Jean Baudrillard

Der 1929 in Reims geborene Jean Baudrillard ist bezüglich seiner beruflichen Bezeichnung nicht eindeutig einzuordnen.[4] So wird er als Modephilosoph der 80er Jahre gesehen, als polemischer Diagnostiker des Zeitgeistes oder als theoretischer Anarchist.[5] Baudrillard selbst entzieht sich hingegen gern der wissenschaftlichen Klassifikation, indem er sich – entgegen der vorherrschenden Meinungen – weder als Philosoph noch als Soziologe bezeichnet, sondern als Theoretiker[6] und gelegentlich als „theoretischen Terroristen“[7]. Vom unorthodoxen Marxismus Henri Lefèbvres sowie der radikalen Gesellschaftskritik der situationistischen Internationale beeinflusst,[8] ist der Franzose zwischen einer kritischen respektive empirischen Medienwissenschaft und der Postmoderne anzusiedeln.[9] Im Laufe der Jahre entwickelte sich Baudrillard „vom kulturkritischen Entfremdungstheoretiker zum Kritiker klassischer linker Ideologien und zum distanzierten Diagnostiker der modernen Massen- und Mediengesellschaft.“[10] Baudrillards Status als Medientheoretiker beruht dabei weniger auf einer explizit medientheoretischen Bildung neuer Termini, als auf dem speziellen Anregungspotential seiner Texte.[11] Als folgenschwerstes Theorem des als Denker wahrgenommenen Baudrillards, der es wie kaum ein anderer verstand, zeitgenössische Erfahrung zu artikulieren,[12] fungiert die Simulation. Den Kern ihres Entwurfs markiert die Diagnose des Verschwindens des Realen zugunsten von Simulation und Hyperrealität,[13] worauf nachfolgend der Fokus gerichtet wird.

3. Die Schwierigkeit baudrillardscher Texte

„Der Zweck meines Schreibens besteht vielleicht darin, einen leeren Raum zu erzeugen. […] Mein Ziel also ist es, einen kleinen, aber undurchdringlichen Punkt des Nicht-Kommunizierbaren, des Undurchsichtigen oder des Fatalen zu erzeugen, kleine Klumpen solcher fatalen Strategien zu inszenieren.“[14]

Wie das Zitat Jean Baudrillards bezüglich seiner eigenen, grundsätzlich von einer gewissen Referenzlosigkeit geprägten Texte zeigt, scheint die Abwesenheit von Transparenz oftmals eines seiner Anliegen zu sein.[15] So räumt der französische Theoretiker seinen Interpreten eine beinahe provokative Deutungsfreiheit seiner Werke ein, die er aufgrund nicht vorhandener Orientierungshilfen offenbar auch nicht in eine bestimmte Richtung zu lenken gedenkt. Wie eine Reihe anderer Theoretiker, so kritisiert auch der Berliner Germanist Klaus Laermann in seiner Polemik Lacancan und Derridada den Schreibstil Baudrillards, indem er selbigen als ‚Frankolatrie’ bezeichnet. Darunter ist ein Schreibduktus zu verstehen, der sich aus verwirrender Rhetorik, hohlem Wortzauber und „dem gesteigerten Bedürfnis nach Abweichung von den Diskursen der Alltagssprache und der Wissenschaftssprache“[16] zusammensetzt. Folglich zielt Baudrillard mit einer derart verwirrenden Schreibweise – einer Sprache und einem Schreibstil, die nicht verstanden werden wollen[17] – auf eben jene Verwirrung, zu der er sich im oben angeführten Zitat offenkundig bekennt. K. Laermann intensiviert seine Kritik im Verlauf seines Werkes, indem er äußert:

„Seine reine Oberflächlichkeit strahlt als Tiefe. Sein Rätsel ist, dass er keins hat, wohl aber gern eines aufgeben möchte. Denn er verschwimmt in Begriffsschlieren, die nichts mehr bedeuten.“[18]

Entgegen solcher Aussagen behauptet F. Blask in seinem hier oftmals zitierten Werk Jean Baudrillard zur Einführung, dass die von Baudrillard aufgegebenen Rätsel, wenn man seinen Ansprüchen gerecht werden will, nicht einer „bedingungslosen Transparenz geopfert werden“[19] können und eben jene Verwirrungen zugleich Träger von Bedeutung sein können.

4. Definition des Terminus Kulturkritik

Kulturkritik, die sich im späten 18. Jahrhundert herausbildete, fungiert nach W. Ullrich als „Argumentationsfigur im Schema des Gegensatzes von ‚Kultur’ und ‚Zivilisation’.“[20] Diese beiden Termini, in denen N. Elias spezifische Denkformen des Bildungsbürgertums erkannte, weisen konträre Standpunkte auf.[21] Während der auf das napoleonische Zeitalter zurückgehende und dort mit dem Nationalgedanken sowie einem universellen Fortschrittsglauben verbundene Begriff der Zivilisation das System des Handelns bezeichnet, impliziert der Begriff Kultur vor allem eine Wertschätzung bestehender Normen und Werte.

[...]


[1] Unter dem Titel „Simulation. Medial aufgezwungene Realitätsmodelle“ erschienen einige Textauszüge aus Baudrillards Requiem für die Medien. In: Helmes, G.; Köster, W. (Hrsg.): Texte zur Medientheorie, Stuttgart 2002, S. 275-281, Quelle: Baudrillard, J.: Kool Killer oder Der Aufstand der Zeichen, Berlin 1978, S. 89-91, 94f., 97-100.

[2] Vgl.: Venus, J.: „Baudrillard, Jean“, in: Schanze, H. (Hrsg.): Metzler Lexikon Medientheorie- Medienwissenschaft: Ansätze – Personen - Grundbegriffe, Stuttgart, Weimar 2002, S. 21.

[3] Vgl.: Venus 2002, S. 20.

[4] Vgl.: Blask, F.: Jean Baudrillard zur Einführung, Hamburg 1995, S. 10.

[5] Vgl.: Blask 1995, S. 7.

[6] Vgl.: Blask 1995, S. 13 f.

[7] Rötzer, F.: „Jean Baudrillard“, in: Nida-Rümelin, J. (Hrsg.): Philosophie der Gegenwart in Einzeldarstellungen. Von Adorno bis Wright, Stuttgart 1991, S. 66.

[8] Vgl.: Rötzer 1991, S. 63.

[9] Vgl.: Leschke, R.: „Medientheorie“, in: Schanze, H. (Hrsg.): Handbuch der Mediengeschichte, Stuttgart 2001, S. 33.

[10] Blask 1995, S. 13.

[11] Vgl.: Venus 2002, S. 20.

[12] Vgl.: Venus 2002, S. 20.

[13] Vgl.: Blask 1995, S. 10.

[14] Baudrillard, J.: „Viralität und Virulenz“, in: Rötzer, F. (Hrsg.): Digitaler Schein. Ästhetik der elektronischen Medien, Frankfurt/M. 1991, S. 91, zitiert nach Blask 1995, S. 7.

[15] Vgl. hierzu und im Folgenden: Blask 1995, S. 7ff.

[16] Laermann, K.: „Lacancan und Derridada – Über die Frankolatrie in den Kultur- wissenschaften“, in: Kursbuch, Heft 84, März 1986, S. 37, zitiert nach Blask 1995, S. 9.

[17] Blask legt in diesem Zusammenhang die Ansicht Laermanns dar. Vgl.: Blask 1995, S. 9.

[18] Laermann, K. 1986, S. 39, zitiert nach Blask 1995, S. 9.

[19] Blask 1995, S. 9.

[20] Ullrich, W.: „Kulturkritik“, in: Schnell, R.: Metzler Lexikon Kultur der Gegenwart, Stuttgart, Weimar 2000, S. 272.

[21] Vgl.: Wiegerling, K.: „Kultur“, in: Metzler Lexikon Kultur der Gegenwart, Stuttgart, Weimar 2000, S. 267.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Simulation. Medial aufgezwungene Realitätsmodelle: Analyse von Jean Baudrillards 'Requiem für die Medien' im Hinblick auf kulturkritische Elemente
Hochschule
Universität Siegen
Veranstaltung
Kulturkritik als Medienkritik
Note
1,3
Autor
Jahr
2005
Seiten
16
Katalognummer
V47722
ISBN (eBook)
9783638446037
Dateigröße
545 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Simulation, Medial, Realitätsmodelle, Analyse, Jean, Baudrillards, Requiem, Medien, Hinblick, Elemente, Kulturkritik, Medienkritik
Arbeit zitieren
Katharina Lang (Autor), 2005, Simulation. Medial aufgezwungene Realitätsmodelle: Analyse von Jean Baudrillards 'Requiem für die Medien' im Hinblick auf kulturkritische Elemente, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/47722

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