Wirtschaftsmacht USA - Eine Volkswirtschaft im Schatten des Terrors


Seminararbeit, 2005

41 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die USA und ihre Wirtschaftsordnung
2.1. Der Staat
2.2. Das Federal Reserve System
2.3. Die Unternehmen
2.4. Die Haushalte

3. Die US-Volkswirtschaft unter der Clinton-Administration
3.1. Beginn der zweiten Legislaturperiode
3.2. Die „New Economy“ der Neunziger
3.3. Das Ende der Clinton-Administration

4. Bush in peacetime – Die US-Volkswirtschaft unter der Bush-Administration bis zum 10.09.2001
4.1. Haushaltsüberschuss und wirtschaftliche Stagnation
4.2. Bushs Steuersenkungspolitik
4.3. Supply-Side Economics
4.4. Stütze Leitzinsentwicklung
4.5. Amerika am Vorabend des 11. September 2001

5. Die Anschläge des 11. September 2001 und ihre Auswirkungen auf die US-Volkswirtschaft
5.1. Kurzfristige Auswirkungen und die Reaktion der Wirtschaftspolitik
Direkte Schäden
Auswirkungen auf die Konjunktur und einzelne Wirtschaftsbereiche
Sofortmaßnahmen des Federal Reserve System
Die Antwort der Finanzpolitik
Rückkehr zur Normalität
5.2. Die langfristigen Auswirkungen auf die US-Volkswirtschaft
Die Transaktionskosten
Erhöhte Sicherheitsausgaben des Staates
Bedeutung der Sicherheitsausgaben für die Wirtschaft
Auswirkungen auf die Versicherungswirtschaft
Hoher Ölpreis und schwacher Dollar als Folge von 9/11?
Die Wirtschaft im „Jobless Growth“

6. Was die Zukunft bringt

Literatur- und Quellenverzeichnis

1. Einleitung

Wer von den Vereinigten Staaten von Amerika als dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten spricht, meint damit auch stets und insbesondere die unbegrenzten wirtschaftlichen Möglichkeiten, die den Menschen dort offen zu stehen scheinen. Das Bild vom Tellerwäscher, der sich durch bloße Willens- und Arbeitskraft zum Millionär emporarbeitet, bezeichnet die amerikanische Karriere schlechthin.

Indes zeigt die Berichterstattung über die Vereinigten Staaten, dass sich die europäische Begeisterung der Nachkriegszeit für das große Land im Westen im Zeitalter von Globalisierung und drastischem Strukturwandel verändert hat: für viele ist die US-Wirtschaft nach wie vor oberster Vergleichsmaßstab – für manche zwischenzeitlich aber auch warnendes Beispiel.

Doch in der Tat scheinen die USA die Anpassung an die globalisierte Weltwirtschaft – die vielen europäischen Staaten erhebliche Probleme bereitet – nahezu spielerisch zu vollziehen und die sich ergebenden Krisen so gut zu meistern wie kaum ein anderer.

Lohnenswert ist deshalb ein genauerer Blick auf die jüngste Vergangenheit der amerikanischen Wirtschaft, die seit Mitte der neunziger Jahre wechselvolle Zeiten durchlebt:

Auf den Boom der „New Economy“ folgte eine jähe Rezession, das Zusammenfallen von republikanischer Präsidentschaft und Kongressmehrheit schien einen wirtschaftspolitischen Paradigmenwechsel einzuläuten und die Terroranschläge von New York und Washington stellten das wirtschaftliche Leben der USA vor eine nie da gewesene Herausforderung.

Die vorliegende Arbeit versucht, einen Einblick in die zurückliegenden acht Jahre – zwei Präsidentschaftsperioden – volkswirtschaftlicher Entwicklung in den Vereinigten Staaten zu geben.

Nach einer Einführung in die grundlegende Struktur der US-Wirtschaft zeigt ein Überblick über die Wirtschaftspolitik der Präsidenten Bill Clinton und George W. Bush die ökonomische Situation der USA am Vorabend des 11. September 2001. Mit Hauptaugenmerk auf den Auswirkungen der Anschläge soll anschließend untersucht werden, wie die kurzfristigen negativen Folgen des Terrors in Grenzen gehalten werden konnten und welche langfristigen Veränderungen der US-amerikanischen Wirtschaft seitdem beobachtbar sind.

2. Die USA und ihre Wirtschaftsordnung

Die Vereinigten Staaten von Amerika sind die größte Wirtschaftsmacht der Welt. Mit nur 5% der Weltbevölkerung erzielen sie jährlich rund 20% des gesamten Welteinkommens.

Der US-Binnenmarkt erwirtschaftete im Jahr 2004 ein Bruttoinlandsprodukt (BIP) in Höhe von 11,7 Billionen US-Dollar (USD), woran den größten Anteil seit den späten neunziger Jahren mit rund 56% der Dienstleistungssektor trägt (vgl. Auswärtiges Amt 2005, online).

Das amerikanische Volkseinkommen wird zu rund 70% für den privaten Konsum verwendet, der Rest entfällt auf Staatsausgaben und die Erstellung von Sachanlagen. Da die heimische Produktion zur Deckung der inländischen Nachfrage seit einigen Jahrzehnten nicht ausreicht, werden regelmäßig Güter im Wert von mehreren Billionen US-Dollar importiert[1].

Dieser Umstand macht die Vereinigten Staaten einerseits zum weltgrößten Absatzmarkt für Exportgüter, beschert der US-Leistungsbilanz jedoch andererseits seit 1976 ein wiederkehrendes und stetig anwachsendes Defizit, welches sich im vergangenen Jahr auf 665,9 Milliarden US-Dollar belief (vgl. o.V. 2005b, online).

Um einen Überblick über Wesen und Funktionsweise der US-Volkswirtschaft zu geben, sollen im Folgenden die Rolle ihrer Protagonisten – Staat, Federal Reserve System, Unternehmen und Haushalte – etwas näher betrachtet werden.

2.1. Der Staat

Die Vereinigten Staaten von Amerika sind eine präsidiale Republik und ein Bundesstaat. Die Exekutive liegt auf Bundesebene in der Hand des Präsidenten, die legislative Gewalt wird von den beiden Häusern des Kongresses – Repräsentantenhaus und Senat – ausgeübt. Das charakteristisch amerikanische System der Gewaltenteilung und partiellen Gewaltenverschränkung (Checks and Balances) verschafft dem US-Kongress die Etathoheit, das heißt die Zuweisungskompetenz für öffentliche Gelder. Die Entscheidung über die Wirtschafts- und Haushaltspolitik des Präsidenten liegt damit letztlich beim Parlament.

Die Parteien und die Rolle des Staates

Die Frage nach der angemessenen Rolle des Staates in der US-Wirtschaft und seiner Eingriffsmöglichkeiten ist so alt wie die Vereinigten Staaten selbst. Sie ist die „zentrale Konfliktlinie“ (Greven 2004, S. 24) der beiden bestimmenden politischen Parteien – Republikaner und Demokraten – und seit jeher „wesentliches Strukturmerkmal der amerikanischen Gesellschaft“ (ebd.).

Grundsätzlich kann gesagt werden, dass – abgesehen von der beiderseitigen unumstößlichen Zustimmung zur kapitalistischen Wirtschaftsordnung – die Republikaner tendenziell für eine völlige Freiheit des Marktes, das Primat der Eigeninitiative und einen Rückzug des Staates auf seine Kernkompetenzen Innere und Äußere Sicherheit eintreten. („Limited Government“, Greven 2004, S. 136; vgl. Puhle/Schreyer/Wilzewski, S. 77) Diese Grundhaltung macht sie zur klassischen Partei der US-Wirtschaft und ihre Anhängerschaft rekrutiert sich großteils aus den wohlhabenderen Bevölkerungsschichten (vgl. Greven 2004, S. 95 f.).

Die Demokraten mit ihrer „eher linken, staatsinterventionistischen Politik (im amerikanischen Sprachgebrauch „liberal“)“ (Friedrich 2000, S. 76) finden hingegen insbesondere unter Angehörigen ethnischer Minderheiten und einkommensschwächeren US-Bürgern Unterstützung (vgl. ebd.).

Die strikte Trennung zwischen Exekutive und Legislative führt in den USA dazu, dass „… Präsident und Mehrheiten in den beiden Häusern des Kongresses unterschied-lichen Parteien angehören können“ (Greven 2004, S. 26), wie es etwa ab 1994 unter der Präsidentschaft des Demokraten Bill Clinton der Fall war.

Neben der politischen Herkunft des Präsidenten sind damit auch die wechselnden Mehrheiten im Parlament für die grundsätzliche Ausrichtung der amerikanischen Wirtschaftspolitik ausschlaggebend. Der fehlende Fraktionszwang ermöglicht es dem Präsidenten jedoch trotzdem, parteiübergreifende Unterstützung für seine Politik einzuwerben, insbesondere für Maßnahmen, die den Überzeugungen der Mehrheitsfraktion nicht völlig zuwiderlaufen (vgl. Friedrich 2000, S. 53).

Die wirtschaftspolitische Funktion des Staates

Unabhängig von allen politischen Überzeugungen und wechselnden Machtverhältnissen ist die US-amerikanische Staatsquote – der Anteil der Summe aller Staatsausgaben am Bruttoinlandsprodukt – mit etwa 30% gegenüber einigen west- und mitteleuropäischen Ländern[2] vergleichsweise niedrig (vgl. Friedrich 2000, S. 124). Darin spiegelt sich auch die allgemein eher skeptische Haltung der Amerikaner gegenüber staatlichen Eingriffen in das Wirtschaftsleben wider, die tendenziell als Behinderung der Eigeninitiative und Einschränkung individueller Freiheit angesehen werden (vgl. Frühbrodt 2004, online).

Entsprechend weist die US-Verfassung von 1787 der Bundesregierung auch nur ein begrenztes wirtschaftspolitisches Aufgabengebiet zu, namentlich „… die Zuständig-keit für Steuer- und Haushaltsangelegenheiten, das Geld- und Kreditwesen sowie […] die Regulierung des Handels zwischen den einzelnen Bundesstaaten und dem Ausland …“ (Frühbrodt 2004, online).

Dieser enge Verantwortungsbereich erweiterte sich erst in den dreißiger bzw. sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts um eine sozialpolitische Komponente, als unter den demokratischen Präsidenten Franklin D. Roosevelt und Lyndon B. Johnson eine staatliche Renten- und Arbeitslosenversicherung bzw. Krankenversicherungsprogramme für Rentner („Medicare“) und Arme („Medicaid“) eingeführt wurden.

2.2. Das Federal Reserve System

Die Rolle der Zentralbank übernimmt in den Vereinigten Staaten das Federal Reserve System, ein Verbund von zwölf Federal Reserve Banks in den größten Städten des Landes. Mit ihrem obersten Organ, dem Board of Governors mit Sitz in Washington, D.C. (dessen Vorsitzender seit 1987 Alan Greenspan ist), ist es Träger der amerikanischen Geldpolitik.

Seine gesetzlich festgelegten Ziele sind die Erreichung maximaler Beschäftigung, stabiler Preise und angemessener langfristiger Zinsen, wobei diese Ziele gleichberechtigt nebeneinander stehen und – anders als etwa bei der Europäischen Zentralbank – der Erhaltung der Geldwertstabilität keine übergeordnete Stellung zufällt.

Zur Erreichung dieser Ziele bedient sich das Federal Reserve System der klassischen geldpolitischen Instrumente für die Steuerung von Geldmenge und Kreditzinsen, den Offenmarktgeschäften, der Diskont- und der Mindestreservepolitik. Dabei agiert es unabhängig von Präsident und Kongress, demgegenüber es jedoch einer Auskunftspflicht unterliegt.

(Vgl. Fed 1994, S. 1-7.)

2.3. Die Unternehmen

Die Unternehmen nehmen eine bedeutende Rolle in der US-Volkswirtschaft ein. Durch die Nachfrage von Arbeitskräften auf der einen Seite und ihrem Güter- und Dienstleistungsangebot auf der anderen Seite nehmen sie entscheidenden Einfluss auf das Wirtschaftsgeschehen der Vereinigten Staaten.

Durch den „New Economy“ Boom der neunziger Jahre hat sich die Bedeutsamkeit des Dienstleistungssektors für die Unternehmen herauskristallisiert – insbesondere im Bereich der Informations- und Kommunikationsbranche sowie dem Finanzmarktsektor als Folge des Aktienbooms nahmen die Firmengründungen hier kräftig zu (vgl. Lösche/Loeffelholz 2001, S. 561).

Im Jahr 1999 verzeichneten die USA 24,4 Millionen private erwerbswirtschaftliche Unternehmen die sich aus proprietorships (Einzelunternehmungen), general partnerships (Offene Handelsgesellschaften), limited partnerships (Kommanditgesell-schaft) und corporations (Aktiengesellschaften) zusammensetzen. Corporations sind insbesondere für die Großunternehmen die typische Rechtsform und nehmen somit nicht nur eine wichtige Stellung in der Volkswirtschaft ein, sondern prägen ebenso das Finanzsystem durch ihre Kapitalbeschaffung über den Aktienmarkt. Auf die Corporations entfallen mittlerweile 75% der abhängig Beschäftigten und 70% der Nettoeinkünfte. (Vgl. Lösche/Loeffelholz 2001, S. 575.)

Die amerikanischen Firmen haben gegenüber den europäischen Ländern hinsichtlich ihrer Position als Arbeitgeber eine wesentlich flexiblere Stellung. Das liegt zum einen daran, dass der Einfluss der Gewerkschaften im Laufe der Jahre abgenommen hat – während 1954 noch 38% der Beschäftigten einer Gewerkschaft angehörten, waren es 2002 nur noch rund 13%. Zum anderen kommt hinzu, dass der Kündigungsschutz nur sehr gering ausgeprägt ist – die Unternehmen können sich nach dem „hire and fire“-Prinzip wirtschaftlichen Veränderungen schnell und leicht anpassen. (Vgl. Frühbrodt 2004, online.)

2.4. Die Haushalte

Partner und zugleich Gegenspieler der Unternehmen in der US-Marktwirtschaft sind die amerikanischen Haushalte, als Anbieter des Faktors Arbeit zum einen und Hauptnachfrager von Gütern und Dienstleistungen zum anderen. Der Faktor Arbeit ist die entscheidende Bestimmungsgröße für die Produktivität eines Landes – diese gibt an, wie viel eine Volkswirtschaft pro Arbeitsstunde herstellt –, welche wiederum das Maß an Wirtschaftswachstum bestimmt.

Generell lässt sich über die Amerikaner sagen, dass sie mehr arbeiten als andere Länder. Im Vergleich zur Eurozone liegt die Arbeitszeit rund ein Drittel höher (vgl. Lösche/Loeffelholz 2004, S. 564). Darüber hinaus weisen die Haushalte ein großes Maß an Flexibilität und Mobilität auf. Anders als in Deutschland ist es in den Vereinigten Staaten nahezu selbstverständlich, für eine neue Stelle in eine andere Stadt oder einen anderen Bundesstaat umzuziehen

Die Tatsache, dass rund 70% des BIP für den Konsum verwendet werden, macht die amerikanischen Verbraucher zum „…wichtigste[n] Motor der amerikanischen Volkswirtschaft“ (von Heusinger, 2004, S. 20). Durch die sehr geringen Steuern und sozialen Abgaben verbleibt den amerikanischen Haushalten grundsätzlich ein höheres Einkommen als beispielsweise den deutschen (vgl. Lösche/Löffelholz 2004, S. 564). Die Konsumfreudigkeit geht dennoch nicht selten mit einer hohen Verschuldung einher. Im Gegensatz zu vielen anderen Industrieländern scheuen die Amerikaner die Aufnahme von Krediten weniger. Dies zeigt das Phänomen von Haushalten mit durchschnittlich zehn Kreditkarten und einer Gesamtverschuldung von rund 9.000 US-Dollar (vgl. Fischermann 2004a, S. 27). Die Sparquote der amerikanischen Haushalte ist somit sehr gering ausgeprägt. Während sie Anfang der neunziger Jahre zumindest noch bei 9% lag, betrug sie Ende der Neunziger nur noch rund 2% (vgl. Fischermann, 2003c, S. 22). Man vergleiche diese Zahlen mit einer durchschnittlichen Sparquote von 11-13% in Deutschland.

Schaut man sich die amerikanische Gesellschaft an, sollte die wachsende Ungleichheit zwischen Arm und Reich nicht außer Acht gelassen werden. Sie lässt die Gesellschaft auseinander driften. Im Jahre 1979 noch galt ein Prozent der Erwerbsbevölkerung als Spitzenverdiener und verzeichnete dabei ein Nettoeinkommen, das halb so hoch wie das der unteren 40% war. Bereits 2000 verdiente dieses eine Prozent an Spitzenverdienern gleich viel wie die unteren 40% der Erwerbstätigen (vgl. Hennes 2003, S. 8). Dabei können gerade die Haushalte der unteren Schichten sich meist nur mit einer Reihe von Jobs über Wasser halten.

Interessant ist es nun zu betrachten, wie genannte Akteure in den vergangenen Jahren zusammengespielt haben. Welchen Einfluss hatten Fiskal- und Geldpolitik dabei auf die Wirtschaftsentwicklung? Was änderte sich daran, als nach zwei Amtszeiten des Demokraten Bill Clinton im Jahr 2001 der Republikaner George W. Bush die Präsidentschaft übernahm? Diese und weitere Aspekte sollen im folgenden Abschnitt näher betrachtet werden.

3. Die US-Volkswirtschaft unter der Clinton-Administration

3.1. Beginn der zweiten Legislaturperiode

Im Jahr 1996 gewann der Demokrat Bill Clinton die Präsidentschaftswahl gegen den Republikaner Bob Dole. Die Gründe für seine Wiederwahl lagen auf der Hand. Die Wirtschaft entwickelte sich seit seiner ersten Amtszeit positiv – gekennzeichnet durch deutliches Wachstum und konstanten Rückgang der Arbeitslosigkeit. Darüber hinaus verfolgte Clinton klare Ziele hinsichtlich der Haushaltskonsolidierung.

Bereits Anfang der neunziger Jahre, genauer gesagt in der 2. Hälfte von 1991, deutete sich in den USA nach einer knapp einjährigen Rezession der Wirtschaftsaufschwung an.

Als Clinton 1993 sein Amt antrat, hatte ihm die vorherige Regierung ein Haushaltsdefizit von 290 Milliarden US-Dollar hinterlassen[3] sowie eine Arbeitslosenquote von 7,3 % (vgl. Puhle/Schreyer/Wilzewski 2004, S. 69-71).

Bill Clinton schaffte in den folgenden Jahren mit seiner Politik, das Haushaltsdefizit stetig zu reduzieren sowie eine deutlich sinkende Arbeitslosenquote zu verzeichnen. Bereits 1996, am Anfang seiner zweiten Amtszeit, lag die Arbeitslosenquote unter 6% und das Haushaltsdefizit „nur“ noch bei 107,5 Milliarden US-Dollar (vgl. Economic Policy 2002, S. 2).

3.2. Die „ New Economy“ der Neunziger

Der Wirtschaftsaufschwung der neunziger Jahre verbesserte nicht nur die Position der privaten Haushalte, sondern auch die des Staates.

Aber was führte zu der „New Economy“, dem Wirtschaftsboom mit kontinuierlichem Wirtschaftswachstum, geringer Arbeitslosigkeit und sehr niedriger Inflationsrate?

Zu nennen sind an dieser Stelle nicht nur die Politik der Clinton-Administration und die Zinspolitik der Federal Reserve Bank. Insbesondere die strukturellen Veränderungen und Produktivitätssteigerungen der Unternehmen, aber auch „glückliche Umstände“ wie beispielsweise die niedrigen Energiepreise und das Ende des Kalten Krieges spielten eine wichtige Rolle. Entscheidend war das Zusammenspiel aller Komponenten.

Durch das Ende des Kalten Krieges sorgte Bill Clinton schon zu Beginn seiner ersten Amtszeit dafür, dass die Verteidigungsausgaben reduziert wurden, womit die Friedensdividende (peace dividend) ausgeschöpft wurde. Diese trug zusammen mit Steuererhöhungen, sinkenden Gesundheitskosten sowie späteren Steuermehreinnahmen durch Einkommenszuwächse zur Defizitbekämpfung bei (vgl. Puhle/Schreyer/Wilzewski 2004, S. 73). Clinton verzeichnete 1998 sogar einen Haushaltsüberschuss, den er in den Folgejahren weiter aufstockte. Diesen verwendete Bill Clinton für Schuldenrückzahlungen und sparte somit große Summen an künftigen Zinszahlungen ein.

Ferner ist es den USA, insbesondere seit 1995, gelungen, einen beschäfti-gungsintensiven Strukturwandel zu vollziehen. Die Vereinigten Staaten von Amerika erlebten eine Wachstumsphase, verbunden mit beachtlichen Produktivitäts-fortschritten. Nahezu alle Branchen wurden vom Aufschwung erfasst, insbesondere jedoch die Informations- und Kommunikationsbranche, die für rund ein Drittel des Wirtschaftswachstums verantwortlich war (vgl. Economic Policy 2002, S. 2).

Allein zwischen 1993 und 1997 entfielen 50% aller Neuinvestitionen amerikanischer Unternehmen auf Computer, Software und Kommunikation (vgl. Tenbrock 2000, online). Die Arbeitsproduktivität wuchs zwischen 1995 und 2002 mit rund 2,8% jährlich. Die vorigen zwei Jahrzehnte lag das Produktivitätswachstum dagegen noch bei 1,4% (vgl. Lösche/Loeffelholz 2004, S. 568).

Das beeindruckende Wirtschaftswachstum verhalf so vielen Amerikanern zu Jobs, wie in kaum einer anderen, früheren Aufschwungphase. Das macht die stetig rückläufige Arbeitslosenquote deutlich. Doch arbeiteten plötzlich auch Bevölkerungs-schichten, die bislang gar nicht oder nur gelegentlich einem Job nachgingen. Dies führte dazu, dass die Löhne relativ konstant blieben. Zwischen 1995 und 2000 stiegen zwar die Reallöhne aufgrund des stabilen Geldwertes – die Inflationsrate lag über die folgenden Jahre hinweg unter 3% – doch die Unternehmen waren aufgrund des hohen Arbeitsangebotes kaum Druck ausgesetzt, die Löhne anzuheben (vgl. Thunert 2000, S.2).

Die neuen Investitionschancen in den Bereichen Informationstechnologie, Kommunikation, Computer und Internetanwendungen lösten darüber hinaus einen Börsenboom aus. Alle wichtigen Aktienindizes erreichten zwischen 1999 und Anfang 2000 Rekordzahlen (vgl. Economic Policy 2002, S. 4). Hiervon profitierten nicht nur die Internetfirmen, sondern auch die Haushalte, die große Summen in Aktien investierten. Der Börsenboom erhöhte die Einkommen und die Amerikaner konsumierten noch mehr, was wiederum das Wachstum weiter vorantrieb.

Wie bereits angesprochen, darf neben der Fiskalpolitik der Clinton-Administration die Zinspolitik der Federal Reserve Bank nicht außer Acht gelassen werden. Je nach Höhe der Inflationsrate passten sie die Zinsen durch Erhöhung oder Senkung an. Durch die niedrige Inflationsrate der neunziger Jahre, konnten die Zinsen während dieser Zeit weitestgehend niedrig gehalten werden. Viele Amerikaner nutzten diese Chance und reduzierten ihre Sparquote für einen höheren Konsum (vgl. Lösche/Loeffelholz 2004, S. 576).

Zu guter letzt spielten aber auch „glückliche Umstände“ eine Rolle. Man beachte die niedrigen Ölpreise sowie die niedrigen Importpreise aufgrund des starken Dollars. Die Importe stiegen zwischen insgesamt 1993 und 1999 insgesamt um rund 75%, die Exporte legten immerhin um 50% zu (vgl. Economic Policy 2002, S. 5).

3.3. Das Ende der Clinton-Administration

Am Ende seiner zweiten Amtszeit konnte Bill Clinton auf eine Reihe beeindruckender Entwicklungen und Erfolge zurückblicken.

Clinton regierte als Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika zwei volle Amtszeiten ohne Rezession. Dies schaffte vor ihm das letzte Mal Lyndon B. Johnson in den sechziger Jahren.

[...]


[1] Im Jahr 2004 erreichten allein die Importe aus Deutschland einen Wert von 77,2 Milliarden USD (vgl. Auswärtiges Amt 2005, online).

[2] im Jahr 1997 betrug beispielsweise die Staatsquote in Großbritannien 40%, in Deutschland 49% und in Frankreich sogar 53% (vgl. Friedrich 2000, S. 124).

[3] Dies entsprach einer Defizitquote von über 4% des BIP.

Ende der Leseprobe aus 41 Seiten

Details

Titel
Wirtschaftsmacht USA - Eine Volkswirtschaft im Schatten des Terrors
Hochschule
Hochschule Pforzheim
Note
1,0
Autoren
Jahr
2005
Seiten
41
Katalognummer
V47756
ISBN (eBook)
9783638446334
Dateigröße
2075 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Diese Arbeit gewährt einen profunden Einblick in acht Jahre volkswirtschaftlicher Entwicklung in den Vereinigten Staaten zwischen 1996 und 2004. Nach einer Einführung in die Struktur der US-Wirtschaft und einem Überblick über die Wirtschaftspolitik der Präsidenten Bill Clinton und George W. Bush zeigen die Autoren, wie die negativen Folgen der Anschläge des 11. September 2001 in Grenzen gehalten werden konnten und welche langfristigen Veränderungen der US-Wirtschaft seitdem beobachtbar sind.
Schlagworte
Wirtschaftsmacht, Volkswirtschaft, Schatten, USA, 11. September, 9/11, Clinton, George W. Bush, Bush, Wirtschaft, Working Poor, Arbeitslosigkeit, Fed, Federal Reserve System
Arbeit zitieren
Ingo Müller (Autor)Nadine Lindstädt (Autor), 2005, Wirtschaftsmacht USA - Eine Volkswirtschaft im Schatten des Terrors, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/47756

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