Zwischen "Bismarckburg" und "Nachtigalplatz". Die Kolonie als politisches Symbol des Kaiserreichs anhand der 'Musterkolonie' Togo


Examensarbeit, 2019
24 Seiten, Note: 1.7

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Inhalt

Einleitung

1. Theoretische Grundlage: Zum Symbolbegriff im kolonial-politischen Feld

2. Kolonien als politisches Symbol: Zu den politischen Gründe des deutschen Kolonialerwerbs

3. „Togo, Togo über alles“: Die Musterkolonie Togo als politisches Symbol
3.1. Togo und der deutsche Kolonialerwerb: Ein Überblick
3.2. Die Kanonisierung der „Musterkolonie“ Togo
3.2.1. Die Darstellung Togos als „Musterkolonie“ in Deutschland
3.2.2. „ [] das Togoländchen ist von uns das allerbest!“: Die deutsche Koloniallitera- tur und die Kanonisierung Togos
3.2.3. Die kolonialen Sinnbilder der „Musterkolonie“ Togo und ihre symbolische Be- deu- tung
3.2.3.1. Die koloniale Nationalflagge: Ein unabgeschlossenes Projekt
3.2.3.2. Die koloniale Nationalhymne
3.2.3.3. Misahöhe, Bismarckburg, das Nachtigal-Krankenhaus: drei geographische Symbolträger des Deutschen Reiches in der „Musterkolonie“ Togo
3.2.3.4. Straßennamen in Deutschland mit Bezug auf die „Musterkolonie“ Togo

Fazit und Ausblick

Bibliografie..

Einleitung

„Die kleine Kolonie ist uns als das „Musterländle“ unter unseren Schutzgbieten ans Herz gewachsen.“1

Zwischen 1884 und 1914 besaß Deutschland Kolonien in Afrika, in China und in der Südsee. In diesem Rahmen wurde Togo am 5. Juli 1884 zu einem deutschen „Schutzgebiet“ durch die Unterzeichnung eines Vertrags zwischen dem Forschungsreisenden Gustav Nachtigal und Vertretern eines Dorfchefs an der westafrikanischen Küste erklärt. 2 Obwohl Togo anfangs nicht in der deutschen Kolonialpolitik eingeplant war, nahm die kleine Kolonie später einen besonderen Platz unter den deutschen Kolonien ein und blieb 30 Jahrelang unter deutscher Herrschaft. Das kleine Küstenland wurde zur deutschen „Musterkolonie“ erklärt. Diese Benennung wurde fast offiziell wahrgenommen und verbreitet. Aber kann eine Kolonie ein Muster sein? Für wen war Togo ein Muster? Betrachtet man die Machtverhältnisse in der Kolonie, scheint dieser Begriff nur eine idealistische Auslegung zur Verherrlichung des deutschen Kolonialismus zu sein.3 Die deutschen Kolonialisten in Togo kamen offensichtlich nicht dazu, sich selbst in Frage zu stellen. Stattdessen wurde das deutsche Togoland –, so wurde es auch getauft, – unter den deutschen Kolonien zu einer ‚Kanon-Kolonie‘ gemacht bzw. erklärt. Doch wie manifestierte sich diese ‚Kanonisierung‘ d.h. diese Unternehmungen, die darin bestanden, aus Togo ein ‚Muster‘ für andere deutschen Kolonien gelten zu lassen? Was kennzeichnete diese Hervorhebung der ‚Musterkolonie‘ Togo? Was für ein Symbol konstituierte diese ‚Kanonisierung‘ im kolonialpolitischen Diskurs? Welche Rolle sollte der Ruf der Kolonie in der Kollektivsymbolik in Deutschland erfüllen?

Das Hauptziel der vorliegenden Arbeit ist, anhand des Beispiels der ‚Musterkolonie‘ Togo zu erläutern, inwiefern Kolonien zu politischen Symbolen bzw. Symbolträgern der Politik des Deutschen Reiches gemacht wurden. Dabei wird hauptsächlich auf die oben gestellten Fragen eingegangen. Um die Fragen zu beantworten wird zuerst der Symbolbegriff im kolonialpolitischen Feld erläutert. Hierbei wird auf die Definition von Rainer Bovermann sowie die Erläuterungen von Maoz Azaryahu eingegangen, die sich mit diesem Begriff in ihren jeweiligen Analysen politischer Diskurse beschäftigt haben. 4 Danach werden die Kolonien als politische Symbole dargelegt, indem die politischen Gründe des deutschen Kolonialerwerbs und die politische Bedeutung der Kolonien im Allgemeinen für das Deutsche Reich sowie die Einstellungen des Reichskanzlers Otto von Bismarck dem Kolonialismus gegenüber hervorgehoben werden. Schließlich wird die ‚Musterkolonie‘ Togo als Fallbeispiel untersucht. Hierzu werden Diskurse aus Kolonialblättern, der Kolonialliteratur sowie das vorgesehenen Projekt zur Dotierung der Kolonie mit einer Nationalhymne und einem Staatswappen analysiert.

Mit dem Begriff der „Musterkolonie“, seiner Bedeutung und seiner diskursiven Dimensionen haben sich etliche Studien auseinandergesetzt. 5 Allerdings wurde der Begriff in diesen Fällen nicht unter dem Aspekt des politischen Symbols untersucht, was in der vorliegenden Arbeit gemacht wird. Die Quellen für diese Arbeit bestehen hauptsächlich aus Studien zur deutschen Kolonialgeschichte und zur ‚Musterkolonie‘ Togo. Einschlägig hierbei ist die Studie des togoischen Germanisten und Historikers Oloukpona-Yinnon zur deutschen Kolonialliteratur über Togo. 6 Abgesehen von der erleuchtenden Analyse der deutschen Kolonialliteratur über Togo, die er darin führt, gilt seine Studie auch als eine Sammlung literarischer Texte über die deutsche Kolonie Togo, wo auch der Begriff der „Musterkolonie“ thematisiert wird. Für die vorliegende Arbeit ist sie eine bedeutende Quelle.

1. Theoretische Grundlage: Zum Symbolbegriff im kolonial-politischen Feld

In der vorliegenden Arbeit werden die Kolonien als Symbole bzw. Symbolträger des Kaiserreichs bzw. im Kaiserreich betrachtet. Doch was ist ein Symbol? Was sind seine Eigenschaften und wie manifestiert sich das Symbol im kolonial-politischen Kontext?

Eine passende Definition bietet Rainer Bovermann an. Er definiert Symbole im Zusammenhang mit einem Staat wie folgt:

„Symbole sind sichtbare, klangliche, rituelle oder gedankliche Zeichen, die auf einen sonst nicht wahrnehmbaren Sinngehalt verweisen. Zu Staatssymbolen werden im Rahmen der politischen Symbolik u.a. Wappen und Siegel, Farben und Flaggen, Hymnen, Hauptstädte und Feiertage gezählt. Als Zeichen dienen sie zur Veranschaulichung und öffentlichen Darstellung eines Staates.“7

Bovermanns Definition nach trägt das Symbol vor allem eine Repräsentationsfunktion. Darüber hinaus sind Symbole Sinnbilder, die grundlegende Traditionen und Werte eines Staatswesens verdeutlichen und vermitteln, eine kollektive Identität herausbilden und innerhalb eines Volkes zur Identifikation mit dem politischen System beitragen können.8 Staatssymbole sind in dem Sinne „geronnene Werte“ der politischen Kultur, die zur Beteiligung der Bevölkerung an der Bildung einer politischen Gemeinschaft beitragen, so Bovermann.9

Maoz Azaryahu seinerseits nuanciert zwischen dem Symbolbegriff und dem Begriff des Symbolträgers. In seiner Studie zu den politischen Symbolen in der DDR 10 unterscheidet er bei den politischen Symbolen im öffentlichen Leben zwischen „politischen Symbolen“ und „politischen Symbolträgern“. Ein politisches Symbol sei das Präsentierte während der politische Symbolträger das Mittel der Präsentation sei.11 Beispiele für Symbolträger sind demnach unter anderem Flaggen, Denkmäler, Geldscheine, Städtenamen, Krankenhäuser usw., die nach Personen oder Ereignissen benannt wurden. Die Symbole bilden daneben die Grundideen sowie Ideologien, die hinter diesen Symbolträgern vermittelt werden, wobei es nicht immer ein sachlicher Zusammenhang zwischen Symbol und Symbolträger besteht.12

Geographische Symbolträger haben in der Regel eine Gebrauchsfunktion im Alltag. Durch ihre Politisierung – d.h. ihre Benennung nach einem politisch bekannten Namen – dringt die herrschende Ideologie in Lebensbereiche ein, die scheinbar unpolitisch seien, so Azaryahu.13 Eine andere wichtige Funktion der politischen Symbole ist die Darstellung des festgelegten repräsentativen Erbes der Vergangenheit und der historischen Tradition innerhalb einer Gesellschaft. Symbolträger wie Straßennamen und Denkmäler konservieren ein für eine Gesellschaft gültig gemachtes Erbe: „Gemeinsam mit den Gedenktagen, den Briefmarken und den Geldscheinen machen sie die Vergangenheit zu einem festen Bestandteil der Gegenwart und präsentieren somit das für die jeweilige Gesellschaft gültige Geschichtsbild.“14

Darauf beziehend könnte man im kolonialen Kontext anstelle von Gegenwart und Vergangenheit Heimat und Kolonie sehen. Die Politisierung der Symbolträger in der Kolonie durch mutterländliche Staatsymbole –, Staatssymbole des Kaiserreichs, – bestimmte die Denkmuster und setzte die zu beachtenden Namen aus dem Mutterland in der Kolonie fest. So wurde der Name Bismarck zum repräsentativen Symbol des deutschen Kaiserreichs, nach welchem viele Straßen, Einrichtungen und Orte in den Kolonien genannt wurden. Diese Aktion nennt Azaryahu die „Kanonisierung“. Die Kanonisierung einer politischen Persönlichkeit dient als Symbol, eine Vermittlung zwischen politischem Zentrum und Peripherie (in unserem Fall zwischen Heimat und Kolonie) zu etablieren. Zugleich gilt sie als Propaganda des politischen Zentrums, die den politischen und ideologischen Botschaften vom politischen Zentrum an die Öffentlichkeit (in der Kolonie) übermittelt.15

Umgekehrt gab es auch im Mutterland Symbole die aus der Kolonialpolitik resultierten. Es gab unter anderem Straßen- und Institutionsnamen mit Bezug auf die Kolonien und Kolonialhelden. Diese Symbole waren ständig präsent und trugen auch zur kollektiven Identität im Mutterland bei. Jeder Bürger sah sich mit dieser Identität konfrontiert, denn es ging um Symbole eines herrschenden Systems, die absichtlich und gezielt in das öffentliche Leben eindrangen und eine Brücke zwischen dem Bekannten (der Heimat) und dem Unbekannten (der Kolonie) darstellte.

2. Kolonien als politisches Symbol: Zu den politischen Gründen des deutschen Kolonialerwerbs

„So lange ich Reichskanzler bin, treiben wir keine Kolonialpolitik. Wir haben eine Flotte, die nicht fahren kann, und wir dürfen keine verwundbaren Punkte in fernen Weltteilen haben, die den Franzosen zufallen, sobald es losgeht.“16

Mit diesen Worten machte der Reichskanzler Otto von Bismarck 1881 seine Absicht klar, keine Kolonien für Deutschland erwerben zu wollen. In der Forschung wurden mehrere Erklärungsversuche gemacht, was Bismarcks Kolonialskepsis anbelangt. Vor allem sah er die Kolonien als bloße Versorgungsposten für Beamte, welche dem Staat keinen besonderen Gewinn bringen können. Dazu ging der Kanzler davon aus, dass Deutschland über keine geschulte Bürokratie wie die Kolonialmächte England und Holland verfügte, die ferne Länder verwalten konnten. In seiner Auffassung würde das überseeische Engagement dem Staat mehr an Ausgaben und Ressourcen kosten als es Gewinn bringt. 17 Dafür war das Risiko zu groß. Darüber hinaus befürchtete er Folgeerscheinungen des deutsch-französischen Krieges 18 ; er befürchtete in der Kolonialexpansion eine Rivalität mit Großbritannien, welche einen Zusammenschluss zwischen Großbritannien und Frankreich verursachen könnte.19

Trotz dieser Kolonialphobie berief Bismarck die Berliner-Kongokonferenz (1884/85) ein und im Jahr 1884 stieg Deutschland in das koloniale Abenteuer ein. Was begründete denn dieses ‚plötzliche‘ Interesse? In den nächsten Abschnitten werden einige mögliche politische Gründe des deutschen Kolonialerwerbs zum Vorschein gebracht.

Von 1871 bis 1878 fand in Deutschland der sogenannte „Kulturkampf“ statt, der die katholische Kirche und die Zentrumspartei dem Reich entgegensetzte. Danach befürchtete Bismarck eine Arbeiterrevolution, denn er beschloss 1878 das Sozialistengesetz, das Vereinigungen verbot, die den bestehenden Staat- und Gesellschaftsordnung bedrohen würden. Durch die Kolonialpolitik wollte er die Gefahr einer Revolution als Folge seiner Innenpolitik verringern und das Interesse der Deutschen nach Außen ablenken.20 1884 herrschte eine Kolonialismus befürwortende Stimmung in Deutschland, die durch Koloniallobbyisten und Kaufleute wie Carl Peters geführt wurde. Mit dem Einstig ins koloniale Abenteuer wollte sich Bismarck mit diesen Koloniallobbyinsten gut stellen. 21 Ein weiterer Grund, der die Kolonialpolitik Bismarcks begründet, ist der Handel an Afrikas Küsten: die Kolonialmächte (wie Frankreich und Großbritannien) erhoben hohe Zölle um ihre Einflusszonen in Afrika. Deutsche Händler, die sich an der afrikanischen Küste niedergelassen hatten, waren mit diesem Problem konfrontiert und haben wiederholt den Schutz des Deutschen Reiches beantragt bzw. verlangt. Bismarck sah im Kolonialerwerb ein Mittel, womit er den Deutschen den freien Handel zusichern konnte. Dies erklärt seine häufig zitierte Äußerung: „Dem Handel folgt die Flagge.“22

In dem Kolonialerwerb sah er also keine Kolonisation, sondern einen rein staatlichen Schutz des deutschen Handels. Aus diesem Grund wurden die deutschen Kolonien „Schutzgebiete“ und nicht Kolonien genannt. Ein anderer innenpolitischer Druck zum Kolonialerwerb konstituierten die Wahlen. Der Reichskanzler wollte Stimmen im Parlament finden, die seine Politik unterstützten könnten, denn die Wahlen standen für Oktober 1884 an und der Kolonialtraum, der 1884 stark in Deutschland war, war etwas, worauf man sich beziehen konnte, um Stimmen zu gewinnen.23

Auf der außenpolitischen Ebene machen die Studien ebenfalls mehrere Gründe aus, die den deutschen Kolonialerwerb begründen. Oft erwähnt sind die politischen Verhältnisse zwischen Deutschland und seinen benachbarten europäischen Ländern insbesondere England und Frankreich.24 Winfried Baumgart zufolge suchte Bismarck durch den Kolonialerwerb vor allem einen Grund für eine Auseinandersetzung mit England. Der wachsende Einfluss einer parlamentarischen Demokratie nach englischem Vorbild bedrohte den Zusammenhalt des politischen Systems des Deutschen Reiches und mit dem Kolonialerwerb wollte der Reichskanzler diesem Einfluss ein Ende geben. Alan Taylor geht davon aus, dass Bismarck durch den Kolonialerwerb ein Instrument herstellen wollte, um mit Frankreich ein Bündnis gegen England zu gründen, weil in England sein verhasster Liberalpolitiker William Ewart Gladstone die Regierung führte.25 Als die Gladstone-Regierung gestürzt wurde, hatte die koloniale Begeisterung in den deutschen Kolonialkreisen einen hohen Grad erreicht, sodass es nicht mehr möglich war zurückzutreten. Darüber hinaus sollte eine Kolonialpolitik Deutschland Prestige sichern, das heißt einen Platz unter den größten Nationen in Europa, seinen „Platz an der Sonne“. Durch den Sieg des deutsch- französischen Kriegs und die Gründung des zweiten Reiches zählte Deutschland zu den größten Nationen in Europa. Was ihm fehlte waren Kolonien, denn seine europäischen Rivalen, Frankreich und Großbritannien, besaßen schon Kolonien. Um politisch mit diesen Kolonialmächten mithalten zu können, war der Erwerb von Kolonien eine Strategie. Dazu hatte Bismarck schon Anfang Juli –, wo Deutschlands seine erste Kolonie erwarb, – die Berliner Kongokonferenz (15. November 1884 bis zum 26. Februar 1885) vor, welche die Konflikte zwischen Kolonialmächten in Afrika lösen sollte. Um ein Friedensstifter zwischen Kolonialmächten dienen zu können, wäre es sinnlos gewesen, wenn Deutschland bis dahin keine Kolonie hatte. 26

Diese politischen Gründe lassen die Kolonien als politische Symbolträger gelten. Sie konstituierten das Symbol der Selbstprofilierung Deutschlands in Europa. Abgesehen von den einzelnen Symbolträgern, die das koloniale Interesse in Deutschland erweckten und die Hochachtung des Kaiserreichs in der Kolonie ermöglichten, erscheinen die Kolonien in sich als Symbole für die Begründung einer kollektiven Identität auf der Grundlage des kollektiven Interesses am Kolonialismus. In diesem Verhältnis fand die ‚Musterkolonie‘ Togo einen besonderen Platz.

3. „Togo, Togo über alles“: Die Musterkolonie Togo als politisches Symbol

3.1. Togo und der deutsche Kolonialerwerb: Ein Überblick

Dass Togo eine deutsche Kolonie war, war ein Zufall, weil die Besitzergreifung Togos nicht geplant wurde. Am 17. April ernannte Bismarck offiziell den Forschungsreisenden Gustav Nachtigal zum Reichskommissar für die westafrikanische Küste. Eine Woche danach verkündete Bismarck öffentlich seine Absicht, deutsche Beamte in Afrika einzusetzen, um die Besitze des Bremer Händlers Adolf Lüderitz zu schützen. 27 Am 19. Mai 1884 erklärte er Gustav Nachtigal die Missionsordnungen in einem Brief. Hauptziel Gustav Nachtigals Reise nach Afrika war Kamerun, wo er den Deutschen Händlern den Schutz des Reiches erklären sollte. 28 Seine Mission in Togo bestand darin, die vom Leutnant Wilhelm Stubenbenrauch ein paar Monate zuvor nach Deutschland mitgebrachten Geiseln nach Klein-Popo an der westafrikanischen Küste heimzubringen. 29 Einmal an der Küste, von den deutschen Händlern ermuntert, unterzeichnete Nachtigal einen Schutzvertrag mit Vertretern des Chefs des kleinen Ortes Togoville an der Küste am 5. Juli 1884. Dadurch wurde Togo zu einem deutschen „Schutzgebiet“. Später wurde das Territorium ins Hinterland durch gewaltsame Expeditionen ausgedehnt und trotzdem wurde Togo später zur deutschen ‚Musterkolonie‘ erklärt. Diesen Schutzvertrag erkannte Bismarck an und bestätigte Togo somit als Besitz des Deutschen Reiches.30 Der Einstieg des Kaiserreichs in den kolonialen Wettkampf war die Verwirklichung eines langen Traums, der seit Jahrzehnten in den deutschen Kolonialkreisen verbreitet war und von einer kolonialen Lobby geführt wurde.31

Wegen seiner geographischen Lage galt Togo von Anfang an als Symbol der verlorenen Besetzung in Afrika und des gescheiterten „kolonialen Experiments“. 32 Kaiser Wilhelm I.33 begrüßte sogar die Flaggenhissung in Togo mit den Worten: „Erst jetzt kann ich beruhig dem Standbild des Großen Kurfürst wieder ins Angesicht sehen.“ 34 Damit deutete er auf seine Erinnerung an Großfriedrichsburg an, eine brandenburgische Festung, die an der westafrikanischen Küste im heutigen Ghana errichtet wurde und von wo Brandenburg-Preußen zwischen 1683 und 1721 den Sklavenhandel betrieb. Die Festung wurde nach Friedrich Wilhelm von Brandenburg35 benannt. Sämtlicher deutscher Besitz in der Übersee, darunter die Festung Großfriedrichsburg wurden 1717 an die holländischen Handelsgesellschaft West India Company durch den König und Kurfürst Friedrich Wilhelm I. verkauft.36

Unter den deutschen Kolonien erhielt Togo eine Stelle einigermaßen als ‚Kanon‘ in der deutschen Öffentlichkeit. Dies war unter anderem auf die propagandistische idealisierte Darstellung der Kolonie in der Heimat zurückzuführen.

3.2. Die ‚Kanonisierung‘ der ‚Musterkolonie‘ Togo

3.2.1. Die Darstellung Togos als ‚Musterkoloni‘ in Deutschland

Die erste nachweisbare Bezeichnung Togos als ‚Musterkolonie‘ 37 erscheint in der Bilanz des ersten Jahrzehnts deutscher Kolonialherrschaft in Togo im Jahr 1894. Zu lesen war in der Kölnischen Zeitung vom 10. November 1894:

„Unsere Musterkolonie, die sich aus winzigsten Anfängen und fast ohne Reichszuschuss aus eigenen Zolleinnahmen stattlich entwickelte, hat uns im Gegensatz zu Kamerun, Südwest- und Ostafrika bisher nicht die allerkleinsten Sorgen bereitet. Es ist dort niemals deutsches Blut geflossen und abgesehen von der Unterdrückung einer kleinen Räuberei in Dogbodewe (April1891) niemals zu Kampf gekommen…“38

Bezieht man sich auf diesen euphemistischen, idealisierenden Begriff, so kommt man zum Schluss, dass es keine Gegenwehr, keine Befreiungskämpfe im deutschen Togoland gegeben hat, was durchaus nicht stimmt. In der Wissenschaft wurde der Begriff wiederholt kritisiert. Der Historiker und Togospezialist Peter Sebald sieht darin eine Legende, die darin bestand, das deutsche Publikum vor der Realität der Gewalt, der Ausbeutung, der Zwangsarbeit und der Prügelstrafe in den Kolonien zu verblüffen.39 Die Diskussionsthemen über Togo im Reichstag während des letzten Jahrzehnts der deutschen Kolonialherrschaft in Togo zeigen eindeutig, dass es sich keinesfalls um ein Muster handelte:

„1904 in Bremen der Landraub der Deutschen Togogesellschaft sowie der den Interessen der Plantagengesellschaften dienende Bau der Eisenbahnlinie Lome- Palime; 1906 in Mannheim die Strafpraxis der deutschen Kolonialisten; 1907 in Essen die Angriffe des Zentrumsabgeordneten Roeren im Reichstag gegen Kolonialbeamte; 1908 in Nürnberg erneut die Landraubpolitik und der Schnapshandel; 1911 in Jena die Forderung Afrikaner nach Gleichberechtigung.“40

Doch diese Benennung bekam eine sehr große Resonanz und wurde sogar zu einer Tradition. Als 1906 das Reich die Kolonie als wirtschaftlich unabhängig erklärte, die keines Zuschusses mehr bedurfte, gewann der Begriff der „Musterkolonie“ an Bedeutung. Der eigentliche Grund des wirtschaftlichen Ausgleichs war aber die relativ kleine Fläche der Kolonie und ihre Küste, die Steuer auf Schnapsimport an der Küste sowie die Zwangs- und Steuerarbeiten, die die Bewohner der Kolonie leisten mussten. All dies ermöglichte, dass die Kolonie sich selbst finanzieren konnte. 41 Trotzdem befestigte dieser wirtschaftliche Ausgleich den Mythos der „Musterkolonie“ in den Gedanken. Bis zum Ende der deutschen Kolonialära und sogar nach dem ersten Weltkrieg, wobei Deutschland seine Kolonien verlor, wurde Togo wiederholt erwähnt als Symbol der Deutschen Kolonisationsfähigkeit, als Nachweis, dass die Deutschen menschlich kolonisieren können.42

3.2.2. „ […] das Togoländchen ist von uns das allerbest!“: Die deutsche Kolonialliteratur und die Kanonisierung Togos

Die deutsche Kolonialliteratur, die größtenteils von deutschen Kolonialbeamten geschrieben wurde und die Machtverhältnisse und die Landschaften in den Kolonien thematisierte, wiederholte die seit Jahrhunderten existierenden Klischees über Afrika und stellte den Kolonialherren als Befreier dar. Deutsche kolonial-politische Persönlichkeiten wie Kaiser Wilhelm I. und Reichskanzler Bismarck werden darin als Helden gefeiert. Das erste Kolonialgedicht zur Begriffsergreifung Togos geht auf den 7. Februar 1885 zurück. Es wurde in der Neuen Preußischen Zeitung veröffentlicht und hat folgenden Wortlaut:

„Negerkönig Kasa-Weika Der Tyrann von Klein-Popo Fraß die Menschen zum Kaleika Kannibalisch, frech und roh! Da kam plötzlich ein Aviso- Dampfer aus dem deutschen Reich! „Fitschi, Futschi, Bismarckiso“ Rief der König schreckensbleich Eine Pulle voll Jamaika Hat er schnell zum Mund geführt, Sprach dann lallend: „Kasa-Weika Ist von heute zivilisiert“.“43

Das Gedicht lobt den Reichskanzler Bismarck, das damalige Symbol der deutschen Außenpolitik, für seinen Einstig in den Kolonialwettkampf und feiert ihn gleichzeitig als Befreier und „Zivilisierer“ der armen „Neger“, die von einem diktatorischen kannibalischen „Negerkönig“ regiert werden. Diese fantasievolle Darstellungsweise war nicht selten im Kolonialdiskurs. Deutsche politische Persönlichkeiten und Kolonialbeamte wurden häufig im Kolonialdiskurs als Helden dargestellt.

Ab 1906, wo sich die „Legende der Musterkolonie“ in den Gedanken befestigte, kannte Togo eine bedeutende Beachtung in der Berichtserstattung sowie in der Kolonialliteratur. Die kolonialabenteuerlustigen Schriftsteller stellten Togo als ‚kanonisches‘ Symbol des deutschen Kolonialismus dar; Togo galt als die „deutscheste unter den deutschen Kolonien.“ 44 Trotz ihrer kleinen Fläche widmete man der ‚Musterkolonie‘ einen besonderen Platz in der Kolonialbelletristik. Die Bewohner von Togo erscheinen in den Werken als treue Diener, die sich durch ihre Lernfähigkeit auszeichneten. Ein am 9. September 1907 von einem gewissen Oberleutnant zur See Matthias geschriebenes Lied „Der reichste Fürst“, veranschaulicht sehr gut, wie positiv Togo von der Koloniallyrik wahrgenommen wurde. Das Gedicht handelt von einem Treffen zwischen den Kolonialgouverneuren und einem Fürst in Berlin. Alle Gouverneure stellten ihre Kolonien (Südwest, Kamerun, Ostafrika) vor und legten den Wert auf die Ressourcen, über die diese verfügten. Obwohl Togo, klein und nicht besonders reich an Bodenschätzen war, konnte der Graf von Togo die anderen überzeugen, dass seine Kolonie die beste ist. Die Strophen 8 und 9 haben folgenden Wortlaut:

„Schweigend saß der Graf von Togo; Endlich nahm auch er das Wort: „Leider hab ich nicht Mangrowen [sic]; Agu birgt kein’n Kupferhort. Und es macht’s den euren gleich: Doch ein Kleinod hat mein Ländchen, Deutsch spricht wirklich jeder Schwarze, Kein Zuschuss zahlt das Reich!“ Und es rief der Herr aus Osten, Kamerun und aus Südwest: „Exzellenz, das Togoländchen Ist von uns das allerbest!““45

Die Kolonialliteratur idealisierte den deutschen Kolonialismus, lobte deutsche Politiker und Kolonialbeamte, kanonisierte Togo als „Musterkolonie“ unter den deutschen Kolonien und stellte somit eine Brücke zwischen Kolonie und Heimat in der deutschen Öffentlichkeit dar.

Die „Musterkolonie“ Togo wurde nicht nur als Symbol des deutschen Kolonialismus bzw. der deutschen Kolonialfähigkeit dargelegt, sondern, sie war in sich ein Symbolträger des politischen Systems des Deutschen Reiches und der deutschen Kolonialmacht. Im Folgenden werden einige Symbole bzw. Symbolträger des Kaiserreichs in der Kolonie sowie Symbolträger der Kolonie im Mutterland vorgestellt, die unter anderem zur Repräsentation des Mutterlands in der Öffentlichkeit in der Kolonie und umgekehrt dienten.

3.2.3. Die kolonialen Sinnbilder der ‚Musterkolonie‘ Togo und ihre symbolische Bedeutung

3.2.3.1. Die koloniale Nationalflagge: Ein unabgeschlossenes Projekt

„Schwarz die Menschen, weiß die Häuser, rot die Erde: Lomé, des Reichs Symbol in Togoland.“ 46 So sah der Kolonialbeamte Werner von Rentzell die Hauptstadt der Kolonie Togo im Jahr 1914. Diese Farben (Schwarz-Weiß-Rot) waren die Nationalfarben des Deutschen Reiches und bildeten ab 1892 die Nationalflagge des Reiches. Solche Sichtweisen kamen häufig in den Diskursen vor, die die Kolonie als symbolische Tochter des Mutterlands darstellten, worauf man stolz sein sollte. In der Praxis versuchte man die Kolonie tatsächlich in Anlehnung an das Kaiserreich symbolisch zu verwalten. Die meisten Projekte, Dekrete, und Unternehmungen von der Kolonie kamen aus der Kolonialabteilung des Auswärtigen Amtes des Kaiserreichs. Man wollte aus den Kolonien quasi eine zweite symbolische Heimat machen. Bis 1913 galt die Nationalflagge des Kaiserreichs als Nationalflagge für sämtliche deutschen Kolonien. 1913, als der Staatssekretär des Reichskolonialamtes Wilhelm Solf eine Reise durch deutsche und englische Kolonien unternahm, wurde er von der Tatsache beeindruckt, dass jede englische Kolonie über ihre eigene Nationalflagge verfügte. So wurde 1914 entschieden, jede deutsche Kolonie mit einer eigenen Flagge und einem eigenen Staatswappen auszuzeichnen.47 Die Nationalflagge des Kaiserreichs sollte als Vorlage für jede koloniale Staatsflagge im Hintergrund bleiben; im Vordergrund sollte für jede Kolonie ein stilisiertes Wappen eingebettet sein. Das Staatswappen, dem für die ‚Musterkolonie‘ Togo zugestimmt wurden, bestand aus: einer stilisierten grünen Palme mit jeweils einer Schlange links und rechts jenseits der Palme; oberhalb der Palme den Reichsadler und die Kaiserliche Krone (Abb. 1). Diese Krone wurde später durch ein Transparent mit der Aufschrift „Togo“ ersetzt (Abb. 2).

Abb. 1: Staatswappen von Togo

Quelle: Togo, in: https://deutsche-schutzgebiete.de/wordpress/projekte/kolonien/togo/ [auf- gerufen am 07.02.2019].

Abb. 2: 1. Vorschlag für eine Flagge der deutschen Kolonie Togo (nie realisiert) Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Kolonie_Togo#/media/File:Togolandflag.png, [aufgerufen am 07.02.2019].

Wahrscheinlich kam diese Palmen- und Schlangenidee von den dortigen Traditionen, zumal Ölpalmwälder damals ein bedeutendes wirtschaftliches Urprodukt in der Kolonie war48 und die Schlangen häufig in den Legenden der Ewe-Kultur in Süd-Togo vorkommen. Doch was stellte das für Symbol dar? Durch die Annahme der Nationalfarben des Kaiserreichs und des Reichsadlers wollte man damit eine bestimmte Werbeaktion starten, die die Kolonien äußerlich als Eigentum des Kaiserreichs aussehen lassen sollte, wobei man zugleich erkennen sollte, dass es sich um Kolonien handelt, die nicht mit dem Kaiserreich verwechselt werden sollten.

Das Flaggenprojekt für die Kolonien konnte wegen des ersten Weltkriegs nicht verwirklicht werden. Aber es veranschaulicht, wie man die Kolonie zur Behauptung der eigenen Macht benutzen und zugleich Hinweise vorlegen wollte, die aufmerksam machen sollten, dass es sich doch immer noch um Kolonien handelte.

3.2.3.2. Die koloniale Nationalhymne

Ein anderes Thema, das häufig in der Kolonialliteratur vorkam, war die ‚Verheimatlichung‘ der Kolonie. Die Kolonie wurde als Heimat dargestellt und wahrgenommen. Man träumte von einer Verbundenheit der Kolonie mit der Heimat. Als deutscher Boden galt nicht nur Deutschland, sondern auch die Kolonie selbst. Ein Togolied in Anlehnung an die preußische Volkshymne (1795 bis 1871) „Heil Dir im Siegerkranz“ verdeutlicht, wie stark die Kolonie in der Literatur verheimlicht wurde:

„Heil Dir, mein Vaterland, Am blauen Meeres Strand, Heil Togo, Dir! Wahrlich, kein schönres [sic] Land Ist allen uns bekannt Auf weitem Erdenrund: Heil Togo, Dir! Ein grüner Palmenkranz Und goldener Sonnenglanz Sind deine Zier; Ein Fürst, an Macht so reich, Kaiser im Deutschen Reich, Beschirmet, Heimat, dich: Heil, darum, dir!““49

Das Gefühl war so stark, dass der anonyme Dichter Togo als „Heimatland“, schönstes Land in der Welt und als sein „Vaterland“ bezeichnete. Auch der Kaiser wird hiermit als Machtinhaber über Togo gefeiert. Dieses Lied, das offenkundig als Nationalhymne für die Kolonie gedacht wurde, konnte diesen Traum nicht verwirklicht bekommen haben.

Die ‚Verheimatlichung‘ der Kolonie erreichte einen höheren Grad in einem anderen Togolied, wovon in Nachlässen ehemaliger Kolonialbeamten berichtet wird, dass sie mal zur Nationalhymne der Kolonie wurde.50 Ohne Zweideutigkeit lehnte sich das Lied an das Deutschlandlied an. Ähnlich wie der erste Vers der ersten Strophe des Deutschlandlieds „Deutschland, Deutschland über alles“ trug das Togolied den bezugnehmenden Titel „Togo, Togo über alles“:

„Blick ich auf die dunkelblauen Berge Atakpames hin, kommen mir die altersgrauen Burgen Deutschlands in den Sinn, Und ich denke froher Stunden, Ohn‘ dass sich mein Herz beschwert, Hab ich doch auch hier gefunden, Was des deutschen Mannes Wert.

Deutsche Wimpel sah ich wallen Auf dem blauen Ozean, Deutsche Laute hör ich schallen Von Korogwe bis Saadan. Leb ich auch im fernen Lande, Fühl ich mich der Heimat nah – Weht doch auch am Palmenstrande Dein Panier, Germania!

Heiß durchblüht es meine Adern Sah die Flagge ich gehisst, Die den fremden Kriegsgeschwadern Längst ein Dorn im Auge ist. Wenn ich einst hier sterben werde, Soll mein letzter Wunsch noch sein: Legt mich nicht in heiße Erde, Hüllt mich in die Flagge ein.

Weh dem Fremdling, der da waget Anzutasten unser Schild! Fluch dem Fremdling, der da zaget, Wo’s der deutschen Sache gilt. Deutsche Brüder, Euch umfasset Alle ein gemeinsam Band, Deutsche Brüder, niemals lasset Ab vom deutschen Togoland!“51

Man merkt wie stark dieses Heimatgefühl gegenüber der „Musterkolonie“ Togo den Erzähler überkam. Der Erzähler hat nicht nur Erinnerungen an Deutschland, wenn er in Togo ist und die Schätze Togos genießt, wenn er die Landschaften beobachtet, sondern er fühlt sich als wäre er in Deutschland, genauer gesagt, er ist in Deutschland. Interessant ist sein Aufruf in der letzten Strophe: „Deutsche Brüder, niemals lasset ab vom deutschen Togoland.“ Der Aufruf ist insofern interessant, als dass Togo die erste verlorene deutsche Kolonie im ersten Weltkrieg war.

Anders als die Staatswappen wurde das Hymnenprojekt verwirklicht. Das Lied soll in deutschen Schulen in der Kolonie unterrichtet und beim Empfang deutscher Offiziellen in der Kolonie auf die Melodie des Deutschlandlieds gesungen worden sein.52

3.2.3.3. Misahöhe, Bismarckburg, das Nachtigal-Krankenhaus: drei geographische Symbolträger des Deutschen Reiches in der „Musterkolonie“ Togo

Geographische Symbolträger sind Symbolträger, die vor allem eine Orientierungsfunktion haben, welche unabhängig vom Namen des Symbolträgers sind. Sie mit symbolischen Namen zu taufen, dient dazu, in der Öffentlichkeit ein gewisses Verhältnis zu einem Symbol zu etablieren und dazu beizutragen, dass das gewünschte Symbol ständig in der Öffentlichkeit präsent ist. Im Folgenden werden drei davon vorgestellt. Es geht um Einrichtungen in der Kolonie, die symbolische Namen aus dem Kaiserreich trugen.

Die erste deutsche Station im Hinterland Togos wurde auf den Namen „Bismarckburg“ getauft, obwohl sie einer Burg nicht ähnelte. Sie wurde im Jahr 1888 vom Stabsarzt und zum Reichskommisar für Togo ernannten Kolonialbeamten Ludwig Wolf gegründet.53

Abb. 3: Bismarckburg im Adeleland (Togo) (1890/1897) Quelle: Basel Mission Archives, D-30.52.004, online verfügbar, URL: http://www.bmarchives.org/items/show/57239 [aufgerufen am 11.2.2019].

Über die Bedeutung solcher Einweihung von kolonialen Einrichtungen mit symbolischen Namen führt Oloukponna-Yinnon aus:

„Man wählte bewusst einen symbolischen Namen, der den Reichskanzler Bismarck als Vater des neuen deutschen Kolonialtraumes feierte. Von dieser Zeit an wurde die westafrikanische Küste im Allgemeinen, die Sklavenküste im Besonderen, zum paradigmatischen Ziel der deutschen Kolonisation in Afrika, weshalb Togo von Anfang an einen besonderen Platz in den Herzen der Deutschen annahm.“54

Ein weiterer symbolischer Name ist Misahöhe. Misahöhe war eine Station und zugleich ein Bezirk in der Stadt Kpalime in der Kolonie Togo. Sie wurde im Jahr 1890 vom Reichskommissar für die Kolonie Togo Jesko von Puttkammer gegründet. Da die Station am Gipfel einer Gebirgskette lag, enthält der Name „höhe“. „Misa“ weist aber auf einen Namen auf. Die Station soll Jesko von Puttkamer nach seiner ehemaligen Geliebten Mária Esterházy de Galántha (1859–1926), genannt Misa, benannt haben.55

Abb 4: Hauptgebäude der Station Misahöhe

Quelle: Heinrich Klose, Unter deutscher Flagge, S. 180.

Um die medizinische Versorgung der Kolonialbeamten zu gewährleisten wurde in der Kolonie im Jahr 1913 in der Stadt Klein-Popo (heute Aneho) ein prestigeträchtiges Krankenhaus gebaut. Dieses lag symbolisch in unmittelbarer Nähe des Regierungssitzes der Station Zebe und wurde nach dem Forschungsreiseden Gustav Nachtigal benannt, der 1884 den Vertrag unterzeichnete und die Togo-Kolonie für das Deutsche Reich erwarb. 56 Für das damalige Verhältnis war das Nachtigal- Krankenhaus ein denkmalartiges imposantes Gebäude. Heinrich Klose berichtet: „Im Westen der Stadt liegt das schöne und große Gebäude des Nachtigal-Krankenhauses, das gleichsam ein Denkmal für unseren verdienstvollen Reisenden Nachtigal bildet.“57

Abb. 5: Das Nachtigal-Krankenhaus

Quelle: Heinrich Klose, Unter deutscher Flagge, S. 60.

Solche symbolischen Namen sollten darauf aufmerksam machen, dass Togo ein Besitz des Deutschen Reiches ist. Sie deuteten darauf hin, dass deutsche prominente Persönlichkeiten wie Bismarck den Anspruch auf die Kolonie hatten. Darüber hinaus wurden diese Persönlichkeiten auch damit gefeiert für ihre Involvierung in die Kolonialpolitik.

3.2.3.4. Straßennamen in Deutschland mit Bezug auf die „Musterkolonie“ Togo

Die Symbolträger spielten im Kaiserreich die Funktion einer „Augenzeugenschaft“ über die außenpolitische Macht des Reiches. Im kolonialen Kontext, dienten sie zur Orientierung im Zeitgeschehen d.h. zum kolonialen Bewusstsein und für den deutschen Bürger zur Selbsteinprägung in den Zeitgeist. Sie erzeugten ein bestimmtes Bewusstsein zur damaligen Zeit und zum Kolonialbesitz. Das koloniale Bewusstsein in der deutschen Öffentlichkeit fand unter anderem in der Benennung von Straßen nach den Kolonien bzw. nach als Helden betrachteten Kolonialisten statt. Auch hier fand die ‚Musterkolonie‘ Togo Beachtung und es zeigt im Weiten, wie verbreitet der Kolonialgedanke im Kaiserreich präsent war. Die Togostraße zum Beispiel gibt es – und bis heute – nicht nur in Kolonialmetropolen wie Berlin, sondern auch in anderen Großstädten wie Köln, München, Wuppertal und Bremen. In Berlin begann die Straßenbenennung mit Bezug auf die Kolonien bereits im Jahr 1899 mit der Togostraße und der Kamerunstraße. All diese Straßen existieren noch heute und Aktivisten kämpfen seit Jahren für ihre Umbenennung wegen dieses Bezugs auf die koloniale Vergangenheit.58

Auch Gustav Nachtigal, dem engagierten Forschungsreisenden und ehemaligen Präsidenten der Deutschen Afrikanischen Gesellschaft, der die Besitzergreifung Togos auf eigener Initiative vornahm, wurde im Kaiserreich ein besonderer Platz im Kaiserreich gewidmet. Zu seinem 25. Todestag im Jahr 1910 wurde der zentrale Platz mitten im Berliner Afrikanischen Viertel nach ihm benannt, nämlich der „Nachtigalplatz“.59

Der Begriff der „Musterkolonie“, die Kolonialliteratur über Togo und die Straßennamen mit Bezug auf Kolonien beeinflusste die deutsche Öffentlichkeit so stark, dass man im Rahmen der deutschen Kolonien annahm, dass Togo etwas Besonderes war. Darauf beziehend zitierten die Revisionisten im Kolonialrevisionistischen Diskurs wiederholt das Beispiel Togos als Nachweis, dass die Deutschen gut und menschlich kolonisieren konnten und dass die Vorwürfe, die zum Verlust der Kolonien führten, auf einer „Kolonialen Schuldlüge“ beruhten.60

Fazit und Ausblick

Im Jahre 1884 stieg das Deutsche Reich nach langem Zweifel seitens des Reichskanzlers Otto von Bismarck in den kolonialen Wettkampf ein. Zu den diversen Gründen, die ihn dafür motivierten zählte die politische Situation in Deutschland und in Europa. In der vorliegenden Arbeit wurde festgemacht, dass die Kolonien vom Anfang an als bedeutendes politisches Symbol für Bismarck galten, denn Bismarck hat damit politische Ziele erreicht, die Träume der Kolonialabenteuerlustigen in der deutschen Bevölkerung verwirklicht und Deutschland als große starke europäische Nation selbstbehaupten lassen.

Unter den deutschen Kolonien scheint Togo von fantasievollen Kolonialisten besonders beliebt zu sein – dies impliziert nicht, dass die Machtverhältnisse in dieser Kolonie weniger willkürlich waren als in anderen deutschen Kolonien. Insbesondere aufgrund seiner geographischen Lage konstituierte Togo eine strategische Kolonie für den deutschen Handel an der westafrikanischen Küste. Weil das Land einen wirtschaftlichen Erfolg kannte, wurde sie zur deutschen „Musterkolonie“ erklärt. Mit dieser Benennung verbanden manche die vermeintlich friedliche Lage in der Kolonie, wonach behauptet und propagiert wurde, dass die Bewohner Togos den Kolonialherren treu gewesen wären und der kolonialen Okkupation keine Gegenwehr geleistet hätten.

Praktisch tauchte diese „Muster“-Idee immer wieder auf. In der Kolonialliteratur wurde immer wieder der Begriff aufgegriffen, um den deutschen Kolonialismus zu legitimieren und zu verherrlichen. Man propagierte in Deutschland ein positives Bild der Kolonie Togo gegenüber anderen Kolonien. Sie galt als Symbol deutscher Kolonialmacht und Zivilisierungsfähigkeit. So wurden Straßen nach der ‚Musterkolonie‘ Togo und nach ‚Kolonialhelden‘ benannt. Gleichzeitig fand in der Kolonie die Kanonisierung deutscher Politiker und ‚Kolonialhelden‘ wie Bismarck und Nachtigal statt. Man sah sogar vor, die Kolonie mit einer eigenen Flagge, einer Nationalhymne und einem Staatswappen zu dotieren. Diese sollten einen direkten Bezug auf das Kaiserreich haben und an deutsche Staatssymbole angelehnt werden. Die „Musterkolonie“ stellte insgesamt ein politisches Symbol dar, das die Macht der deutschen Außenpolitik zum Ausdruck bringen sollte.

Diese ‚Kanonisierung‘ Togos als ‚Musterkolonie‘ hatte einen Dauereffekt. Nach dem ersten Weltkrieg, wodurch Deutschland seine Kolonien verlor, wurde Togo im kolonialrevisionistischen Diskurs als Beispiel erwähnt, das demnach nachzuweisen vermochte, dass der deutsche Kolonialismus durch eine Kulturmission motiviert wurde. Jahrelang existierte eine gewisse Sympathie zwischen Deutschland und Togo. Bei den Feierlichkeiten zur Unabhängigkeit Togos im Jahre 1884, wurde sogar der letzte Gouverneur der Kolonie Togo Adolf Friedrich zu Mecklenburg als Ehrengast des togoischen Präsidenten eigeladen. Die Sympathie erreichte ihren Höhepunkt im Jahr 1984 zum 100. Jahrestag der deutschen Besitzergreifung Togos. Dieser wurde sowohl in Deutschland als auch in Togo als „100 Jahre deutsch-togoische Freundschaft“ pompös gefeiert.

Bibliografie

Bücher, Artikel, Aufsätze

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[...]


1 Kolonie und Heimat, Nr. 48 (1911), zit. nach Adjaï Paulin Oloukpona-Yinnon : Unter deutschen Palmen. Die Musterkolonie Togo im Spiegel deutscher Kolonialliteratur (1884-1944), Frankfurt am Main 1998, S.125.

2 Vgl. Yves Marguerat : La naissance du Togo selon les documents de l’époque. Première période. L'ombre de l'Angleterre (Les chroniques anciennes du Togo), Lomé/Paris 1993, S. 429.

3 Siehe hierzu Kuassi A. Akakpo: Discours et contre discours sur le Togo sous l’empire allemand, Paris 2014.

4 Rainer Bovermann: Staatssymbole, in: Uwe Andersen, Wichard Woyke: Handwörterbuch des politischen Systems der Bundesrepublik Deutschland, 5. Aufl., , Opladen 2003, S. 598 – 603 ; Maoz Azaryahu: Von Wilhelmplatz zu Thälmannplatz. Politische Symbole im öffentlichen Leben der DDR, Gerlingen 1991.

5 Siehe Peter Sebald: Togo 1884-1914. Die Geschichte der deutschen „Musterkolonie“ auf der Grundlage amtlicher Quellen, Berlin 1988 ; Akakpo, Discours et contre discours; Dotsè Yigbé: Togo. Eine Dauer - Musterkolonie?, in: Revue du CAMES, Littérature, langues et linguistiques, Numéro 4, 1er Semestre 2016, S. 167-178 (Online verfügbar, URL: http://publication.lecames.org/index.php/lit/article/download/826/591 [aufgerufen am 11.02.2019]).

6 Oloukpona-Yinnon, Unter deutschen Palmen.

7 Rainer Bovermann, Staatssymbole, S. 598.

8 Vgl. ebd.

9 Ebd.

10 Azaryahu, Politische Symbole.

11 Vgl. ebd., S. 19.

12 Vgl. ebd., S. 19, S. 20.

13 Vgl. ebd., S. 19, S. 27.

14 Ebd., S. 13.

15 Vgl. ebd., S. 27.

16 Winfried Baumgart: Bismarck und der deutsche Kolonialerwerb, in: Horst Gründer, Hermann Hiery (Hrsg.): Die Deutschen und ihre Kolonien. Ein Überblick, Berlin-Brandenburg 2017, S. 45-61, hier S. 45- 46.

17 Vgl. ebd., S. 45.

18 Im Jahr 1870/1871, nach diesem Krieg, wobei Frankreich seine Territorien Elsass und Lothringen verlor und Reparationen zahlen musste, wurde Bismarck zum Kanzler im zweiten neu gegründeten Deutschen Kaiserreich.

19 Vgl. Vgl. Markus J. Jahnel: Das Bodenrecht in „Norddeutschland über See“. Erwerb, Vergabe und Nutzung von Land in der Kolonie Deutsch-Südwestafrika 1884-1915, Frankfurt am Main 2009, S. 43.

20 Vgl. Hans Ulrich Wehler: Bismarck und der Imperialismus, Köln 1969, S. 481.

21 Jürgen Zimmerer: Bismarck und der Kolonialismus, in: https://www.bpb.de/apuz/202989/bismarck- und-der-kolonialismus?p=all#fr-footnode9, 20.3.2015 [aufgerufen am 11.02.2019].

22 Zitiert nach Adjaï P. Oloukpona-Yinnon: „... notre place au soleil“ ou l'Afrique des pangermanistes, 1878-1918, Paris 1985, S. 36.

23 Vgl. Wehler, Bismarck und der Imperialismus, S. 474-480.

24 Vgl. Baumgart, Kolonialerwerb, S. 47.

25 Vgl. ebd., S. 50.

26 Vgl. Wehler, Bismarck und der Imperialismus, S. 372-373.

27 Adolf Lüderitz besaß seit dem 1. Mai 1883 die Burcht von Angra Pequena (Südwestafrika). Er zählte zu den wichtigsten Anführer der deutschen prokolonialen Lobby.

28 Vgl. Marguerat, La naissance du Togo, S. 401-404.

29 Wegen der Auseinandersetzungen zwischen zwei Chefs –, von denen jeder allein den Handelsmonopol haben wollte, – im damals noch nicht besetzten Gebiet an der westafrikanischen Küste, fühlten sich deutsche Händler bedroht und beantragten einen Schutz beim Reichskanzler. So schickte Bismarck den Hauptmann Wilhelm Stubenrauch an die Küste, der diesen Fall handeln sollte. Dieser kam am 30. Januar an der Küste und zur Sicherheit, dass sich der Fall nicht wiederholen würde nahm er an den Bord seines Kriegsschiffs „S.M.S. Sophie“ zwei Geiseln mit nach Deutschland. Diese wurde erst im Juli 1884 durch Gustav Nachtigal nach Afrika zurückgebracht. Vgl. ebd., S. 270.

30 Vgl. Wehler, Bismarck und der Imperialismus, S. 316-317.

31 Siehe hierzu weiterführend Oloukpona-Yinnon, L’Afrique des Pagermanistes.

32 Mehr zum „Kolonialen Experiment“, siehe Malte Stamm: Das koloniale Experiment. Der Sklavenhandel Brandenburg-Preußens im transatlantischen Raum 1680-1718, Diss., Universität Düsseldorf 2011, URL: http://d-nb.info/1036727564/34 [aufgerufen am 01.03..2017].

33 Wilhelm Friedrich Ludwig von Preußen (1797-1888), erster deutscher Kaiser (Reg. Zeit: 1871-1888).

34 Zit. nach Oloukpona-Yinnon, Unter deutschen Palmen, S.69.

35 Friedrich Wilhelm von Brandenburg (1620-1688) auch „der große Kurfürst“ genannt, war Markgraf von Brandenburg und Kurfürst des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nationen. Er darf nicht verwechselt werden mit seinem Enkel Friedrich Wilhelm I. (1688-1640), König von Preußen von 1713 bis 1740.

36 Vgl. Ulrich van der Heyden: Rote Adler an Afrikas Küste. Die brandenburgisch-preußische Kolonie Großfriedrichsburg in Westafrika, 1. Auflage, Berlin 1993, S. 80.

37 Diese Benennung wurde auch für zwei anderen deutschen Kolonien nämlich Kiautschou (1898-1914) et Samoa (1900-1914). Siehe siehe Klaus Mühlhahn: Herrschaft und Widerstand in der „Musterkolonie“ Kiautschou. Interaktionen zwischen China und Deutschland, 1897-1914 (Studien zur Internationalen Geschichte, 8) München 2000 ; Kathrin Dipaola: „Samoa - 'Perle' der deutschen Kolonien?“ ‚Bilder‘ des exotischen Anderen in Geschichte(n) des 20. Jahrhunderts, Diss., University of Maryland, 2004.

38 Kölnische Zeitung, 10.11.1894, zit. nach Oloukpona-Yinnon, Unter deutschen Palmen, S. 61.

39 Vgl. Sebald, Geschichte der deutschen „Musterkolonie“, S.636.

40 Ebd., S. 243.

41 Vgl. Oloukpona-Yinnon, Unter deutschen Palmen, S. 62.

42 Vgl. Heinrich Schnee: Die koloniale Schuldlüge, 7. Aufl., München 1927, S. 85:

43 Zit. nach ebd., S. 237.

44 Ebd., S. 63.

45 Zit. nach ebd., 245.

46 Zit. nach Adjaï Paulin Oloukpona-Yinnon: „Togo, Togo über allen. Un projet inaboutit“, in: Ders. (Hrsg.): Le Togo 1884-2004: 120 ans après Gustav Nachtigal. Connaitre le passé pour mieux comprendre le présent. Actes du colloque International de Lomé des 27,28 et 29 septembre 2004, Lomé 2007, S. 97- 110, hier. S. 97.

47 Vgl. ebd., S. 101.

48 Heinrich Klose: Togo unter deutscher Flagge. Reisebilder und Betrachtungen, Berlin 1899, S. 548.

49 Zit nach Oloukpona-Yinnon, Unterdeutschen Palmen, S. 246.

50 Vgl. ebd, S. 247.

51 Ebd., S. 247-48.

52 Vgl. ebd, S. 427.

53 Vgl. Guenter Rutkowski: Die deutsche Medizin erobert Togo: Beispiel des Nachtigal-Krankenhauses in Klein-Popo (Anecho), 1884-1914, Hamburg 2012, S. 112.

54 Oloukpona-Yinnon, Unter deutschen Palmen, S. 70.

55 Mária Esterházy de Galántha (1859 - 1926), in: http://de.esterhazy.net/index.php/M%C3%A1ria_Esterh%C3%A1zy_de_Gal%C3%A1ntha_(1859_- _1926) [aufgerufen am 11.2.2019].

56 Vgl. Kokou Azamede: Nachtigal Krankenhaus von Aného, in: https://www.goethe.de/ins/tg/de/kul/sup/dsi/ane/20809028.html , November 2014 [aufgerufen am 11.2.2019].

57 Heinrich Klose, Unter deutscher Flagge, S. 60.

58 Vgl. Joshua Kwesi Aikins, Christian Kopp: Dossier: Straßennamen mit Bezügen zum Kolonialismus in Berlin, in: http://www.berlin-postkolonial.de/im/dossier-strassennamen.pdf [aufgerufen am 11.2.2019].

59 Ebd.

60 Siehe Schnee, Koloniale Schuldlüge, S. 85; Senta Dinglreiter: Wann kommen die deutschen endlich wieder? Eine Reise durch unsere Kolonien in Afrika, Leipzig 1935, S. 53.

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Details

Titel
Zwischen "Bismarckburg" und "Nachtigalplatz". Die Kolonie als politisches Symbol des Kaiserreichs anhand der 'Musterkolonie' Togo
Hochschule
Universität Siegen  (Internationale Kulturhistorische Studien (International Cultural-Historical Studies))
Veranstaltung
Politische Repräsentationen in der Neuzeit
Note
1.7
Autor
Jahr
2019
Seiten
24
Katalognummer
V477611
Sprache
Deutsch
Schlagworte
History, German history, Colonialism, Political Symbols, Togo, Kolonialismus, Kolonialgeschichte, Deutscher Kolonialismu, Politische Repräsentationen, Neuzeit, Muster, Musterkolonie, Bismarck, Nachtigal, Bismarckburg
Arbeit zitieren
Mèhèza Kalibani (Autor), 2019, Zwischen "Bismarckburg" und "Nachtigalplatz". Die Kolonie als politisches Symbol des Kaiserreichs anhand der 'Musterkolonie' Togo, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/477611

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