Metaphern dienen meist als stilistische Mittel, die in literarischen Texten ihre Anwendung finden. Oft stoßen die Rezipienten in diesem Zusammenhang auf Interpretationsprobleme, da die Verwendung von Sprache in der Metapher doch vom alltäglichen Sprachgebrauch abzuweichen scheint. Metapherntheorien beschäftigen sich mit der Rolle von Metaphern beziehungsweise fragen sie nach dem, was Metaphern selbst bedeuten (können) und worin die Besonderheit hinsichtlich der sprachlichen Dimension der Metapher bestehen kann. In der vorliegenden Arbeit möchte ich zwei konträre Metapherntheorien miteinander vergleichen.
Paul Ricoeur, ein Existenzphilosoph, der im allgemeinen sowohl in der Tradition Heideggers als auch der Poststrukturalisten anzusiedeln ist, beschreibt in „Die Metapher und das Hauptproblem der Hermeneutik“ einen Zusammenhang zwischen Text- und Metapherinterpretation beziehungsweise zwischen Text- und Metaphernerklärung. Eine große Rolle spielt dabei der kontextuelle Diskurs. Metaphorische Bedeutung ermöglicht es, den Text immanent zu erklären, während die referenzbezogene Interpretation von Texten auch die Interpretation der Metapher ermöglicht. Donald Davidson dagegen, der sich häufig auf die theoretischen Konzeptionen Freges und Tarskis bezieht, nimmt in „Was Metaphern bedeuten“ eine Gewichtung hinsichtlich des Wahrheitsgehaltes von Metaphern vor. Er konstruiert dabei eine semantische Bedeutungstheorie, die es durch Bezug auf den wörtlichen Sinn der Metapher prinzipiell jedem Interpreten ermöglicht, diese zu verstehen und somit Intersubjektivität und Öffentlichkeit von Metaphern oder Texten garantiert. In der folgenden Untersuchung werde ich zunächst beide Aufsätze referieren und anschließend den Vergleich anhand der unterschiedlichen Rollen von metaphorischer und wörtlicher Bedeutung, Kontext, Sprachgebrauch, Wahrheitsgehalt und Weltbezug vornehmen und beide Theorien einander gegenüberstellen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Paul Ricoeur: Die Metapher und das Hauptproblem der Hermeneutik
2.1. Text und Metapher als Diskurs
2.2. Erklärung und Metapher – von der Metapher zum Text
2.3. Von der Hermeneutik zur Metapher (die Interpretation)
3. Donald Davidson: Was Metaphern bedeuten
4. Vergleich zwischen hermeneutischer und semantischer Metapherntheorie
4.1. Metaphorische und wörtliche Bedeutung und die Rolle des Kontextes
4.2. Wahrheit und Weltbezug
5. Schluss
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, die konträren Metapherntheorien von Paul Ricoeur und Donald Davidson vergleichend gegenüberzustellen. Dabei wird untersucht, wie beide Philosophen die Funktionsweise von Metaphern innerhalb der Sprache sowie deren Verhältnis zu Bedeutung, Wahrheit, Kontext und Weltbezug bewerten und welche hermeneutischen bzw. semantischen Konsequenzen sich daraus für die Interpretation von Texten ergeben.
- Vergleich zwischen hermeneutischer und semantischer Metapherntheorie
- Die Rolle der wörtlichen versus metaphorischen Bedeutung
- Kontextabhängigkeit und die Funktion des Diskurses
- Wahrheitsgehalt und der Bezug zur Welt
- Methodologische Differenzen in der Interpretation von Metaphern
Auszug aus dem Buch
2.1.Text und Metapher als Diskurs
Text- und Metapherntheorie stehen auf einer gemeinsamen Grundlage, dem Diskurs (der Rede). Als dessen Grundeinheit fungiert der Satz.
Texte sind aufgrund ihrer Maximallänge identifizierbar, die von einzelnen Sätzen über Abschnitte, Kapitel, Bücher und Werken bis zu Bibliotheken reichen kann. Werke bezeichnen hierbei abgeschlossene Redesequenzen, die man als Text betrachten kann. Im Gegensatz dazu sind Metaphern durch ihre Minimallänge definiert, denn die metaphorische Verdrehung geschieht zunächst an den Worten selbst. Die Bedeutungsveränderung erfolgt jedoch nur durch Mitwirkung des Kontextes, die im Satz gegeben ist. Das Wort bleibt der Fokus, an dem sich die Metapher vollzieht; der Rahmen, der die Bedeutung erschließt, erfordert jedoch den ganzen Satz. Wörter als lexikalische Einheiten haben nur eine potentielle Bedeutung, die innerhalb eines Satzes aktualisiert wird. Metaphorische Bedeutung ist von wörtlicher Bedeutung unterschieden und kann nicht im Wörterbuch aufgefunden werden.
Text und Metapher sind somit Bestandteile des Diskurses. Ricoeur versucht nun, fünf paradoxe Charakteristika (Gegensatzpaare) des Diskurses aufzuzeigen, die für die Rolle der Metapher von Bedeutung sind.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung stellt die zentrale Forschungsfrage nach der Bedeutung von Metaphern und der besonderen sprachlichen Dimension dar, wobei die Ansätze von Ricoeur und Davidson als zu vergleichende konträre Theorien eingeführt werden.
2. Paul Ricoeur: Die Metapher und das Hauptproblem der Hermeneutik: Dieses Kapitel erläutert Ricoeurs hermeneutischen Ansatz, in dem Metaphern innerhalb des Diskurses als schöpferische Ereignisse verstanden werden, die eine neue Welt des Textes erschließen.
3. Donald Davidson: Was Metaphern bedeuten: Hier wird Davidsons semantische Position referiert, die Metaphern auf ihre wörtliche Bedeutung reduziert und die Verwendung im Bereich des Gebrauchs statt einer speziellen bildlichen Bedeutung ansiedelt.
4. Vergleich zwischen hermeneutischer und semantischer Metapherntheorie: Dieser Hauptteil führt den systematischen Vergleich anhand der Kriterien wörtliche/metaphorische Bedeutung, Kontext, Wahrheit und Weltbezug durch, um die grundlegenden Differenzen zwischen beiden Theorien herauszuarbeiten.
5. Schluss: Der Schluss resümiert die Unvereinbarkeit der beiden Ansätze und vertritt eine persönliche Tendenz zur hermeneutischen Position Ricoeurs, da diese den Zusammenhang zwischen Sprache, Kultur und Existenz plausibler erkläre.
Schlüsselwörter
Metapherntheorie, Paul Ricoeur, Donald Davidson, Hermeneutik, Semantik, Diskurs, wörtliche Bedeutung, metaphorische Bedeutung, Textinterpretation, Sprachgebrauch, Wahrheit, Weltbezug, Kontext, Mimesis, Sprachschöpfung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht und vergleicht die Metapherntheorien von Paul Ricoeur und Donald Davidson, um die unterschiedlichen philosophischen Perspektiven auf die Funktionsweise und Bedeutung von Metaphern aufzuzeigen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den zentralen Themen gehören das Verhältnis von Sprache und Welt, die Unterscheidung zwischen wörtlicher und metaphorischer Bedeutung, die Bedeutung des Kontextes sowie der Wahrheitsanspruch von Metaphern.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist ein systematischer Vergleich zwischen einer hermeneutischen Sichtweise (Ricoeur), die die kreative und weltbildende Kraft der Metapher betont, und einer semantischen Sichtweise (Davidson), die Metaphern rein auf ihre wörtliche Bedeutung und deren Gebrauch zurückführt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die Methode der vergleichenden Text- und Theorieanalyse, indem sie die primären Aufsätze der beiden Autoren referiert und sie anschließend anhand definierter Kriterien einander gegenüberstellt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Darstellung der Theorien beider Philosophen sowie einen anschließenden komparativen Vergleich, der Aspekte wie Bedeutung, Kontext, Wahrheit und Weltbezug beleuchtet.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Metapherntheorie, Hermeneutik, Semantik, Diskurs, wörtliche Bedeutung sowie der Gegensatz zwischen Ricoeurs schöpferischem Ansatz und Davidsons Fokus auf den Sprachgebrauch.
Warum lehnt Davidson die Zuschreibung einer "bildlichen Bedeutung" bei Metaphern ab?
Davidson lehnt dies ab, weil er davon ausgeht, dass Metaphern keine speziellen, über den wörtlichen Sinn hinausgehenden Bedeutungen haben; eine solche Annahme würde die klare Kommunikation und Intersubjektivität gefährden.
Wie unterscheidet Ricoeur die Interpretation von der Erklärung?
Ricoeur sieht in der Erklärung die Analyse des Sinns immanenter Redeabsichten, während die Interpretation das Verstehen der vom Werk entfalteten Welt und die Aneignung einer neuen Seinsweise durch den Leser ermöglicht.
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- Vera Ohlendorf (Author), 2005, Paul Ricoeur:"Die Metapher und das Grundproblem der Hermeneutik" und Donald Davidson: "Was Metaphern bedeuten" - Ein Vergleich zwischen hermeneutischer und semantischer Metapherntheorie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/47767