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Bewusstsein bei Tieren

Title: Bewusstsein bei Tieren

Term Paper , 2003 , 12 Pages , Grade: 2+

Autor:in: Mario Bolz (Author)

Psychology - General
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Haben Tiere ein Bewusstsein? Haben Menschen ein Bewusstsein? Nach der Auffassung des Solipsismus kann man letztendlich nur Gewissheit über sein eigenes Bewusstsein haben. Von R. Descartes (1596-1650) stammt die berühmte Aussage „Cogito, ergo sum“ (Ich denke – also bin ich). Diese Fähigkeit schrieb er den Tieren allerdings nicht zu. Er vertrat die Anschauung, dass Bewusstsein und Denken ausschließlich dem Menschen vorbehalten seien. Tiere würden wie Automaten funktionieren, deren Empfinden und Wollen rein mechanisch und nach physikalischen Prinzipien abläuft. Aber bereits Ende des 19. Jahrhunderts äußerte sich der Biologe Ernst Haeckel in seinem Buch „Die Welthrätsel“ über das menschliche und tierische Bewusstsein in einer Auffassung, die der heutigen schon sehr nahe kommt:

„Aber auch die höhere Associons-Thätigkeit ihres Gehirns, die Bildung von Urtheilen und deren Verbindung zu Schlüssen, das Denken und das Bewußtsein im engeren Sinne, sind bei ihnen ähnlich entwickelt wie beim Menschen – nur dem Grade, nicht der Art nach verschieden. [....] Dagegen ist es nicht möglich, die Grenze scharf zu bestimmen, wo auf den niederen Stufen des Thierlebens das Bewußtsein zuerst als solches erkennbar wird. [....] Nach meiner persönlichen Auffassung dünkt mir unter den verschiedenen widersprechenden Theorien am wahrscheinlichsten die Annahme, daß das Zustandekommen des Bewußtseins an die Centralisation des Nervensystems gebunden ist, die den niederen Thierklassen noch fehlt.“ (Haeckel, 1899, Kapitel 10) Wissen über die Ausprägung und Funktion tierischen Bewusstseins, kann zur Klärung der Entwicklung und besserem Verständnis des menschlichen Bewusstseins beitragen. Daher führt man eine Vielzahl von Experimenten zum tierischen Bewusstsein durch. Insbesondere Tierarten mit einem hohen „Zephalisationsindex „ und Menschenaffen, von denen einige genetisch bis zu 98,4% (Preiß, 2003)) mit dem Menschen übereinstimmen, sind dabei von großem Interesse. Eines der größten Probleme beim Erforschen des tierischen Bewusstseins, ist das Fehlen einer uns verständlichen Sprache. Wäre diese komplex genug, könnten wir auf einfache Art und Weise Auskunft über ihre „geistigen Prozesse“ erhalten. Da dies nicht der Fall ist, und wir nur sehr eingeschränkt mit ihnen Kommunizieren können, versucht man über das Verhalten der Tiere in gestellten Problemsituationen, schrittweise den Ausprägungsgrad ihrer kognitiven Fähigkeiten zu ermitteln.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Theoretische Grundlagen

2.1 Bewusstsein

2.2 Mögliche Funktion (Sinn) des Bewusstseins

2.3 Kennzeichen für (tierisches-) Bewusstsein

3. Versuche, Beobachtungen und Experimente zum tierischen Bewusstsein

3.1 Komplexes Verhalten = Bewusstsein?

3.2 Denken

3.3 Selbstbezogenes Verhalten – Experimente mit Spiegeln

4. Synthese & Ausblick

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht die wissenschaftliche Fragestellung, ob und wie tierisches Bewusstsein nachgewiesen werden kann, angesichts der Herausforderung, dass Tiere ihre geistigen Prozesse nicht sprachlich artikulieren können. Dabei wird analysiert, inwieweit kognitive Leistungen wie komplexes Verhalten, Denken und Selbstwahrnehmung als Indikatoren für ein bewusstes Erleben dienen können.

  • Historische und philosophische Einordnung des Bewusstseinsbegriffs
  • Biologische Funktionen und Merkmale tierischer Bewusstheit
  • Kognitionspsychologische Experimente (z.B. Spiegeltests und Täuschungsverhalten)
  • Methodische Probleme bei der Interpretation von Tierverhalten
  • Theoretische Ansätze zur Verknüpfung von Neurobiologie und Bewusstsein

Auszug aus dem Buch

3.3 Selbstbezogenes Verhalten – Experimente mit Spiegeln

Wenn man als Mensch in einen Spiegel schaut, ist man sich in der Regel darüber bewusst, dass man sich selbst darin sieht. Bei den meisten Tieren ist dies nicht der Fall. Sie sehen in ihrem Spiegelbild häufig nur einen Artgenossen. Einige Arten, vor allem einzelne der Menschenaffen und Wale, scheinen sich jedoch in Ihrem Spiegelbild zu erkennen und zeigen daraufhin ein selbstbezogenes Verhalten. Dies ist eine Fähigkeit, die sich selbst beim Menschen erst in den ersten Lebensmonaten entwickelt. Um im Experiment nachzuweisen, dass sich das Versuchstier in einem Spiegel erkennt, malt man dem Tier einen Farbigen Punkt auf eine Körperstelle, die unter normalen Bedingungen außerhalb seines Sichtfeldes liegt. Bei einem Affen könnte dies z.B. auf der Stirn der Fall sein. Damit die Versuchstiere nichts von der „Markierung“ bemerken, werden sie währenddessen häufig betäubt. Wenn sie anschließend in einen Spiegel schauen, und daraufhin die Körperregion mit der Markierung verstärk inspizieren, darf man mit großer Wahrscheinlichkeit vermuten, dass sie sich selbst im Spiegel erkannt haben und sich über ihre „Verunstaltung“ bewusst sind.

H. Prior und seine Mitarbeiter veröffentlichten 2000 einige interessante Studien mit Elstern zum selbtsbezogenen Verhalten vor einem Spiegel. Dabei gingen sie äußerst sorgfältig vor und verwendeten zahlreiche Kontrollvarianten. So wurde z.B. das Verhalten der Elstern vor einem entspiegelten Spiegel beobachtet. Bei den Markierungstests malte man den Elstern als Kontrolle einen Schwarzen Punkt in den Kehlbereich, in dem die Elstern schwarz gefiedert sind. Der Punkt ist nicht erkennbar und soll ausschließen, dass eine veränderte Reaktion der Elstern auf eine andere Eigenschaft der Farbe auf ihrem Gefieder zurückzuführen ist.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die historische Debatte zwischen Solipsismus und naturwissenschaftlicher Betrachtung des Bewusstseins bei Tieren ein und thematisiert das zentrale Problem der fehlenden Sprachfähigkeit von Tieren.

2. Theoretische Grundlagen: Hier werden Definitionsversuche von Bewusstsein dargelegt sowie dessen evolutionäre Funktion und die Schwierigkeiten bei der Identifizierung biologischer Kennzeichen für tierisches Bewusstsein erörtert.

3. Versuche, Beobachtungen und Experimente zum tierischen Bewusstsein: Dieses Kapitel analysiert konkrete empirische Untersuchungen, die komplexes Sozialverhalten, kognitive Leistungen wie das Denken bei Graupapageien und das selbstreferentielle Erkennen im Spiegel untersuchen.

4. Synthese & Ausblick: Der abschließende Teil verbindet die Erkenntnisse mit modernen neurobiologischen Theorien, darunter die umstrittene Quantentheorie des Bewusstseins, und diskutiert die zukünftige Bedeutung der Forschung.

Schlüsselwörter

Tierisches Bewusstsein, Kognition, Selbstbezogenes Verhalten, Spiegeltest, Denken, Anthropozentrismus, Verhaltensbiologie, Zephalisationsindex, Geistige Prozesse, Neurobiologie, Quantenbewusstsein, Selbstwahrnehmung, Objektpermanenz, Graupapagei, Elstern.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der wissenschaftlichen Untersuchung der Frage, ob Tieren ein Bewusstsein zugeschrieben werden kann und wie sich dieses empirisch erfassen lässt.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Schwerpunkte liegen auf den theoretischen Grundlagen des Bewusstseins, der Abgrenzung von instinktivem Verhalten zu bewusstseinspflichtigen Leistungen sowie der Darstellung relevanter psychologischer Experimente.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Ziel ist es, die kognitiven Fähigkeiten von Tieren zu beleuchten und zu hinterfragen, ob komplexe Verhaltensweisen als Beweis für ein bewusstes Erleben gewertet werden können.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse sowie die kritische Auswertung verhaltensbiologischer und kognitionspsychologischer Experimente der Tierforschung.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil werden Experimente zu komplexem Sozialverhalten (Insekten), Denkleistungen (Graupapagei Alex) und Spiegeltests (Elstern, Menschenaffen) analysiert.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Begriffe wie Bewusstsein, Kognition, Selbstbezogenes Verhalten, Spiegeltest und Verhaltensbiologie stehen im Zentrum der wissenschaftlichen Betrachtung.

Welche Rolle spielt der Spiegeltest bei der Bewertung von Selbstbewusstsein?

Der Spiegeltest dient als Indikator dafür, ob ein Lebewesen sich selbst als separates Individuum in seiner Umwelt erkennt, indem es auf markierte Körperstellen reagiert, die es ohne Spiegel nicht sehen könnte.

Was besagt die Theorie des „Quantum Consciousness“ in diesem Kontext?

Sie postuliert, dass Bewusstsein nicht allein auf neuronalen Aktivitäten basiert, sondern durch Quanteneffekte in sogenannten Mikrotubuli innerhalb der Zellen entstehen könnte, was eine neue Dimension der Bewusstseinsforschung eröffnet.

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Details

Title
Bewusstsein bei Tieren
College
University of Frankfurt (Main)
Course
Kognition und Lernen bei Mensch und Tier
Grade
2+
Author
Mario Bolz (Author)
Publication Year
2003
Pages
12
Catalog Number
V47771
ISBN (eBook)
9783638446464
ISBN (Book)
9783640342006
Language
German
Tags
Bewusstsein Tieren Kognition Lernen Mensch Tier
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Mario Bolz (Author), 2003, Bewusstsein bei Tieren, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/47771
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