In Deutschland leben viele Menschen mit einem Migrationshintergrund. Fast jeder fünfte Einwohner hat zumindest ein Elternteil, welches nicht mit der deutschen Staatsangehörigkeit geboren wurde. In Zahlen ausgedrückt bedeutet dies ca. 18,5 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund. Daher ist es nicht verwunderlich, dass in allen Lebenssituationen, ganz gleich ob auf der Arbeit, bei dem Einkaufen oder bei Freizeitaktivitäten, Deutsche auf Menschen mit Migrationshintergrund stoßen. Das Zusammenleben, von Menschen mit unterschiedlichen Kulturen in Deutschland, ist nicht mehr nur in den Großstädten wie zum Beispiel Berlin, Frankfurt oder Hamburg unausweichlich. Auch auf der Schwäbischen Alb oder im Sauerland wird die deutsche Gesellschaft mit der multikulturellen Wirklichkeit konfrontiert. Anhand dieser Zahlen von der Bundeszentrale für politische Bildung wird deutlich, dass es auf den deutschen Schulhöfen sehr multikulturell zugeht. In nahezu allen Schulklassen, ganz gleich ob Grundschule, Realschule Plus oder Gymnasium, befinden sich Schüler und Schülerinnen mit einem Migrationshintergrund. Die Aufgaben der Lernstätten bestehen darin, die Kinder auf das Leben in der Gesellschaft vorzubereiten und mit der multikulturellen Vielfalt in Deutschland umgehen zu können. Die Schule ist dafür einer der wichtigsten Orte, da hier schon sehr früh Einfluss auf die Entwicklung und somit auch auf das interkulturelle Lernen des heranwachsenden Kindes, genommen wird. Denn wie Auernheimer beschreibt, sehen viele Pädagogen die Notwendigkeit, Kinder früh die Erfahrung machen zu lassen, welche zum Nachdenken über soziale Kategorisierung veranlassen und dadurch für interkulturelles Verstehen im Erwachsenenalter bedeutsam ist. Diese Tatsache ist Grund genug, die Lehrwerke, welche für den Deutschunterricht genutzt werden, genauer zu untersuchen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. „Interkulturelles Lernen“ als Zielsetzung in Schule und Unterricht
2.1. Von der „Interkulturellen Pädagogik“ zum „Interkulturellen Lernen“
2.2. Zielsetzungen und Umsetzungsvorschläge
2.3. „Interkulturelles Lernen“ im Fach Deutsch
2.3.1. Aussagen in Lehrplänen, Bildungsstandards und Kompetenzbereichen
2.3.2. Beispiele für „Interkulturelles Lernen“ im Unterrichtsfach Deutsch
3. Lehrwerke für den Deutschunterricht als Medien zur Darstellung und Thematisierung unterschiedlicher Sprachen und Kulturen
3.1. Zur Lehrwerksforschung
3.2. Analyse von Lehrwerken für den Deutschunterricht
4. Zusammenfassung
5. Analyse ausgewählter Lehrwerke für den Deutschunterricht der Sekundarstufe I
5.1. Ziele der Analyse
5.2. Die ausgewählten Lehrwerke
5.3. Methodisches Vorgehen
5.4. Vorstellung der Analysekriterien
6. Durchführung der Lehrwerkanalysen
6.1. Analyse von „Doppel-Klick. Das Sprach- und Lesebuch“
6.1.1. Analysekriterium „Themen“
6.1.2. Analysekriterium „Texte“
6.1.3. Analysekriterium „Bilder“
6.2. Analyse von „P.A.U.L. D.“
6.2.1. Analysekriterium „Themen“
6.2.2. Analysekriterium „Texte“
6.2.3. Analysekriterium „Bilder“
7. Auswertung und Darstellung der Analyseergebnisse
8. Diskussion der Analyseergebnisse
9. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Bachelorarbeit untersucht, inwieweit aktuelle Lehrwerke für das Fach Deutsch in der Sekundarstufe I als Medien zur Darstellung und Thematisierung unterschiedlicher Sprachen und Kulturen dienen und somit interkulturelles Lernen fördern können.
- Grundlagen des interkulturellen Lernens in der Schule
- Lehrwerksforschung und Kriterien zur Analyse
- Kritische Untersuchung von „Doppel-Klick“ und „P.A.U.L. D.“
- Vergleich und Bewertung der interkulturellen Potenziale
Auszug aus dem Buch
3.1. Zur Lehrwerksforschung
Gegenwärtig haben etwa 30 Prozent aller unter 15-jährigen bikulturelle Wurzeln. Insofern stellt „interkulturelles Lernen“ eine wichtige Aufgabe für die Schulen dar (vgl. Schulte 2018, S. 101). Die Bedeutung des Schulbuchs zur Erreichung der Bildungsziele und Entstehung von Wertehaltungen liegt dabei auf der Hand (vgl. ebd., S. 102). Bei Lehrwerken, „handelt es sich um ein für Schüler bestimmtes Lehrmittel, das in Druckform vorliegt, sich schulart- und schulfachbezogen an Lehrplänen oder Standards orientiert und die dort bestimmten Ziele, Kompetenzen und Inhalte umsetzt; in der Regel wird es für ein komplettes Schuljahr oder ein Schulhalbjahr eingesetzt und als Leitmedium im Unterricht verwendet.“ (Fuchs/Niehaus/Stoletzki 2014, S. 10). Sie sind das wichtigste Hilfsmittel für Lehrkräfte, um die Bildungsziele an den jeweiligen Schulen zu erreichen. Das Ergebnis vieler Untersuchungen zeigt, dass bei vielen Lehrkräften, das Schulbuch einen hohen Stellenwert für die Unterrichtsvorbereitung hat (vgl. ebd., S. 92).
Die Anfänge der Lehrwerksforschung geht auf die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg zurück. Bei Forschungen in diesem Zeitraum, ging es primär darum, dass nationalsozialistische Texte oder geschlechtsspezifische Rollenzuschreibungen entfernt wurden. Begünstigt wurde dieses Vorgehen durch die Bildungsreform in den 60er und 70er Jahren (vgl. ebd., S. 21). Zehn Jahre später, in den 80er Jahren, kam es immer mehr zu einer sozialwissenschaftlich orientierten Schulbuchforschung. In diesem Zusammenhang wird zwischen der „prozessorientierten Schulbuchforschung“, der „produktorientierten Schulbuchforschung“ und der „wirkungsorientierten Schulbuchforschung“ unterschieden. Bei der „prozessorientierten Schulbuchforschung“ wird der Lebenszyklus des Lehrwerks von der Entwicklung bis zur Verwendung im Unterricht begutachtet. Die „produktorientierte Schulbuchforschung“ beschäftigt sich mit der visuellen Kommunikation des Lehrwerks und die „wirkungsorientierte Schulbuchforschung“ untersucht das Lehrwerk im Hinblick auf seine Wirkungen auf die Schüler und Schülerinnen, sowie auf die Lehrkräfte.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit thematisiert die Notwendigkeit des interkulturellen Lernens in einer multikulturellen Gesellschaft und führt in die Forschungsfrage ein.
2. „Interkulturelles Lernen“ als Zielsetzung in Schule und Unterricht: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Grundlagen und Zielsetzungen des interkulturellen Lernens im schulischen Kontext.
3. Lehrwerke für den Deutschunterricht als Medien zur Darstellung und Thematisierung unterschiedlicher Sprachen und Kulturen: Es werden der Stand der Lehrwerksforschung sowie die Bedeutung des Mediums Lehrwerk dargelegt.
4. Zusammenfassung: Ein kurzer Überblick über die bisherigen theoretischen Kapitel und die Hinführung zum empirischen Teil.
5. Analyse ausgewählter Lehrwerke für den Deutschunterricht der Sekundarstufe I: Vorstellung der Analysekriterien und der ausgewählten Lehrwerke für die praktische Untersuchung.
6. Durchführung der Lehrwerkanalysen: Die praktische Anwendung der Kriterien auf die Lehrwerke „Doppel-Klick“ und „P.A.U.L. D.“.
7. Auswertung und Darstellung der Analyseergebnisse: Detaillierte Erläuterung der erhobenen Daten aus den Tabellen der Lehrwerkanalyse.
8. Diskussion der Analyseergebnisse: Vergleich und kritische Diskussion der Ergebnisse beider Lehrwerke im Hinblick auf interkulturelle Aspekte.
9. Fazit: Zusammenfassung der Ergebnisse und Beantwortung der Forschungsfrage sowie eine abschließende Bewertung der Lehrwerke.
Schlüsselwörter
Interkulturelles Lernen, Interkulturelle Pädagogik, Deutschunterricht, Lehrwerkanalyse, Schulbuchforschung, Migration, Multikulturalität, Kompetenzbereiche, Sekundarstufe I, Bildungsstandards, Sprachbewusstheit, Perspektivenwechsel, Lehrpläne, Interkulturalität, Doppel-Klick, P.A.U.L. D.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie zwei ausgewählte Deutschlehrwerke für die Sekundarstufe I mit dem Thema Interkulturalität umgehen und ob sie einen Beitrag zum interkulturellen Lernen leisten.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Felder umfassen das interkulturelle Lernen in der Schule, die Lehrwerksforschung, die Analyse von Sachtexten, literarischen Texten und Bildern im Hinblick auf ihre Darstellung von Sprachen, Kulturen und Migrationshintergründen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, die Forschungsfrage zu klären, inwieweit die untersuchten Lehrwerke unterschiedliche Kulturen und Sprachen darstellen und ob diese eine interkulturelle Bildung fördern können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor verwendet eine wirkungsorientierte Lehrwerkanalyse mittels eines eigens entwickelten Kriterienkatalogs, der die Kategorien Themen, Texte und Bilder systematisch auswertet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil erfolgt die theoretische Einbettung, die Definition der Analyseparameter und die konkrete empirische Untersuchung der Lehrwerke „Doppel-Klick“ und „P.A.U.L. D.“ sowie deren anschließende Diskussion.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Interkulturelles Lernen, Lehrwerkanalyse, Migration, Deutschunterricht und Multikulturalität definiert.
Wie schneidet das Lehrwerk „Doppel-Klick“ ab?
Das Lehrwerk erhält insgesamt die Note „gut“, wobei besonders die Einbeziehung verschiedener ausländischer Autoren und Sprachen positiv hervorgehoben wird.
Wie wird das Lehrwerk „P.A.U.L. D.“ bewertet?
Das Lehrwerk erhält die Note „befriedigend“ mit einer Tendenz zum „gut“, da es zwar fundierte Informationen über fremde Länder liefert, aber in bestimmten Bereichen wie der Verwendung fremdsprachiger Ausdrücke weniger ausgeprägt ist als „Doppel-Klick“.
- Arbeit zitieren
- Maximilian Oehl (Autor:in), 2018, Lehrwerke für den Deutschunterricht als Medien zur Darstellung und Thematisierung unterschiedlicher Sprachen und Kulturen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/477961