Adenauer und die Deutsche Einheit


Hausarbeit (Hauptseminar), 2004
28 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Biographie Adenauers.

3. Grundlagen zur Zeit und zur Person Adenauers
3.1 Zum Begriff "Ära Adenauer"
3.2 Weltordnung nach dem Zweiten Weltkrieg

4. Das politische Szenario der deutschen Außenpolitik
4.1 Die Souveränität Deutschlands als das erste Hauptziel Adenauers Außenpolitik
4.2 Integration in den Westen, Aussöhnung mit Frankreich und Vereinigung Europas als das zweite Hauptziel Adenauers Außenpolitik
4.3 Adenauers Wiedervereinigungspolitik
4.4 Die Westintegration statt die Wiedervereinigung Deutschlands
4.5 Das Ende der „Ära Adenauer“

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis
6.1 Monographien und Zeitschriften
6.2 Sonstige Hilfsmittel

1. Einleitung

Eine Hausarbeit über eine Persönlichkeit wie Konrad Adenauer zu schreiben birgt nicht das Problem der Literaturbeschaffung, sondern das Problem einer „objektiven“ Literaturauswahl. Man kann über seine vierzehnjährige Kanzlerschaft Bibliotheken füllen, so dass eine klare Eingrenzung des Themas von Nöten ist. Das Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, die Prioritäten Adenauers unter seiner Kanzlerzeit zu beleuchten. Folgender Fragestellung soll nachgegangen werden: Wollte Adenauer die Wiedervereinigung? Deshalb liegt der Fokus der vorliegenden Arbeit auf den politischen Bemühungen Adenauers zum Erreichen der Westintegration und geht ferner auf den Punkt der Wiedervereinigung als zweiten Hauptakzent ein.

Es sollen zunächst die Grundlagen zur Zeit Adenauers dargelegt werden: Wie waren zum Beispiel die diplomatischen Vorraussetzungen im Westen Deutschlands nach dem Krieg? In einem zweiten Schwerpunkt geht es um die Wiedererlangung der Souveränität Deutschlands. Im dritten Abschnitt sollen die Bemühung einer Verflechtung Europas anhand der wichtigsten Verträge, sowie die vertragliche Festschreibung der Westintegration Adenauers dargestellt werden. Hierbei kann es nicht Ziel einer Hausarbeit sein, alle abgeschlossenen Verträge chronologisch und detailliert darzustellen. Es würde auch den Rahmen sprengen, die Interessen aller Akteure bei der Entstehung dieser Verträge zu beschreiben. Vielmehr wird das Ziel angestrebt, die wesentlichen Entwicklungen der Westbindung im Bezug auf die Leistungen Adenauers zu klären. Die Opposition wird daher auch nur am Rande behandelt. Der vierte Schwerpunkt dieser Arbeit soll die Wiedervereinigungspolitik Adenauers kennzeichnen und untersuchen, ob es zum Beispiel Alternativen zur Westanbindung gab. Verwendete Zitate von Adenauer untermauern die Ausführungen der Hausarbeit. In einem abschließenden Fazit werden die wichtigsten Ergebnisse dieser Arbeit zusammengefasst und bewertet.

2. Biographie Adenauers

Konrad Hermann Josef Adenauer wird am 5. Januar 1876 in Köln als drittes von fünf Kindern des katholischen Kanzleirats Konrad Adenauer und seiner Frau Helene, geb. Scharfenberg, geboren. Nach seiner Schulzeit nimmt er das Studium der Rechtswissenschaften und Volkswirtschaft in Freiburg, München und Bonn auf. Anschließend begibt er sich zum Referendariat nach Köln. Ab dem Jahre 1905 beginnt seine politische Laufbahn. Er wird Mitglied der Zentrumspartei und arbeitet ab dem Jahre 1906 als Beige-

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Schwarz, 1983, 22.

ordneter der Stadt Köln, wo er ab 1909 für das Finanz-, Personal und Ernährungsdezernat zuständig ist. Im Jahre 1917 wird er zum Oberbürgermeister der Stadt Köln gewählt. Im Februar des Jahres 1919 hält Adenauer vor einer Versammlung linksrheinischer Abgeordneter der deutschen Nationalversammlung, der preußischen Landesversammlung und der Oberbürgermeister der besetzten rheinischen Städte in Köln, eine Rede. In dieser Rede fordert er die Bildung eines westdeutschen Bundesstaates im Verband des Deutschen Reiches vor. Am 20. Juli desselben Jahres wird Adenauer für seine Verdienste um die Gründung der Universität Köln zum Dr. h.c. rer. pol. und Dr. h.c. med. ernannt. Später erhält er von drei weiteren Fakultäten der Kölner Universität die Ehrendokterwürde: Dr. h.c. jur. (1922 ), Dr. h.c. phil. (1923 ) und Dr. h.c. rer. nat. (1956). Am 25. Oktober 1923 spricht Adenauer erneut auf einer Konferenz zwischen Vertretern des von französischen Truppen besetzten Ruhrgebietes und der Reichsregierung in Hagen von der Loslösung der Rheinlande vom Deutschen Reich und plädiert für Verhandlungen mit Frankreich. Am 6. Februar 1933 widersetzt sich der Staatsratspräsident Adenauer durch das in der Verfassung vorgesehene „Drei- Männer- Gremium“ gegen die vorzeitige Auflösung des Preußischen Landtages. Am 19. Februar ist der Oberbürgermeister Adenauer nicht bereit, den zu einer Wahlkampfrede aus Berlin angereisten Reichskanzler Adolf Hitler zu empfangen, und lässt Hakenkreuzfahnen von der Deutzer Brücke entfernen. Am 13. März verlässt er Köln und findet für ein Jahr Schutz im Kloster Maria Laach. Gleichzeitig gibt der NS- Gauleiter die Absetzung Adenauers als Oberbürgermeister bekannt. 1934 wird der abgesetzte Oberbürgermeister durch die Gestapo für zwei Tage verhaftet. Ab Mai 1935 lebt Adenauer zurückgezogen vor allem in Rhöndorf. Aufforderungen verschiedener Mittelsmänner, vor allem katholischer Widerstands-gruppen, ihn für den Widerstand zu gewinnen, wurden durch Adenauer abgelehnt. Durch das Attentat vom 20. Juli 1944 kam es zu einer Welle von Verhaftungen, von der auch Adenauer betroffen war. Er wurde in einem Lager auf dem Messegelände in Köln interniert. Nach seiner Flucht wurde er erneut verhaftet und interniert im Gestapo- Zuchthaus Brauweiler. Nach der Befreiung Kölns durch die Alliierten wurde Adenauer im Mai 1945 als Oberbürgermeister von Köln durch amerikanische Militärregierung wiedereingesetzt. Am zweiten September gründet er die „Christliche- Demokratische Partei“ (CDP) im Rheinland und wird deren Vorstandsmitglied. Im Oktober wird Adenauer durch die britischen Militärbehörden als Oberbürgermeister von Köln „wegen Unfähigkeit“ abgesetzt. Adenauer wird am 22. Januar 1946 in Herford zum ersten Vorsitzenden der neugegründeten CDU in der britischen Besatzungszone gewählt. Im März wird er Mitglied des Zonenbeirats für die britische Besatzungszone und Mitglied des Provinzialrates der Nordrheinprovinz. Am 17. Juli nach Gründung des Landes Nordrhein- Westfalen wird Adenauer Fraktionsvorsitzender der CDU im ersten Landtag. Per Direktmandat wird er am 14. August 1949 Mitglied des ersten Deutschen Bundestages. Dieses Mandat wird bis 1966 bestätigt. Am 15. September wurde Adenauer zum 1. Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland mit nur einer Stimme Mehrheit gewählt. Am 22. November unterzeichnet der Bundeskanzler gemeinsam mit den Alliierten Hohen Kommissaren das Petersberger Abkommen, das wesentliche Erleichterungen in der Währungs- und Demotagefrage sowie die Berechtigung enthält, konsularische Beziehungen zu westlichen Staaten aufzunehmen und internationalen Organisationen beizutreten. In einem Interview mit dem „Cleveland Plain Dealer“ spricht sich Adenauer am dritten Dezember für einen westdeutschen Verteidigungsbeitrag aus. Am 13./15. Januar 1950 findet ein treffen mit dem französischen Außenminister Schuman in Bonn statt. Am 20./22. Oktober wird Adenauer auf dem ersten Bundesparteitag der CDU in Goslar zum Bundesvorsitzenden gewählt. In diesem Amt wird er bis 1966 immer wieder bestätigt. Im Jahre 1951 übernimmt Adenauer am 15. März das zusätzlich neu geschaffene Amt des Außenministers. Schwerpunkt seiner Politik liegt auf einer Westintegration der Bundesrepublik. Dieser Schwerpunkt spiegelt sich am 18. April durch die Unterzeichnung des Vertrages über die Montanunion in Paris wieder. Am 24. September beginnen die Verhandlungen Adenauers mit den Alliierten Hohen Kommissaren über die Ablösung des Besatzungsstatuts. Parallel dazu wird in Paris über die Bildung einer Europäischen Verteidigungsgemeinschaft (EVG) verhandelt. Vom 3. bis 8. Dezember macht Adenauer seinen ersten Staatsbesuch in Großbritannien. Die „Stalin- Note“ der Sowjetregierung an die Westmächte zur deutschen Einheit am 10. März 1952 wird von Adenauer nicht beachtet. Hingegen wird der Deutschlandvertrag in Bonn unterzeichnet, der die Beziehungen der Bundesrepublik zu den drei Westmächten regelt sowie der EVG- Vertag in Paris. Am 10. September findet die Unterzeichnung des Luxemburger Abkommens, dem Wiedergutmachungsabkommen mit Israel, statt. Vom 6. bis 17. April 1953 findet eine Besuchsreise Adenauers durch die USA statt. Am 6. September wird er nach den zweiten Bundestagswahlen in seinem Kanzleramt im Oktober bestätigt. Im selben Monat wird Adenauers enger Vertrauter Hans Globke, der wegen seiner NS- Vergangenheit in die Schlagzeilen gerät, zum Staatssekretär und Chef des Bundeskanzleramtes ernannt. Durch das Inkrafttreten der Pariser Verträge im Jahre1955 erreicht Adenauer die endgültige Souveränität der Bundesrepublik. Er gibt daraufhin das Auswärtige Amt an Heinrich von Brentano ab. Vom 9. bis 13. September werden durch die Moskaureise erste offizielle diplomatische Beziehungen mit der Sowjetunion hergestellt. In der Folge können zahlreiche deutsche Kriegsgefangene aus der UDSSR heimkehren. Durch die Verkündung der Hallstein-Doktrin wird am 22. September die DDR diplomatisch vom Westen und neutralen Staaten isoliert. Die Römischen Verträge werden am 25. März 1957 unterzeichnet. Inhalt dieses Vertragswerkes zwischen Frankreich, Italien, den Niederlanden, Belgien, Luxemburg und der Bundesrepublik ist die Errichtung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) und der Europäischen Atomgemeinschaft (EURATOM). Am 4. April befürwortet Adenauer gegenüber der Presse die Ausstattung der Bundeswehr mit Kernwaffen als „Weiterentwicklung der Artillerie“. Am 15. September erreicht die CDU/CSU bei der dritten Bundestagswahl die absolute Mehrheit, so dass Adenauer zum Bundeskanzler wiedergewählt wird. Die ehemaligen Bundesminister des ersten Kabinetts Adenauers, Thomas Dehler und Gustav Heinemann, greifen am 23. Januar 1958 in einer Bundestagsdebatte die „verfehlte Deutschlandpolitik“ Adenauers an. Adenauer trifft im Laufe des Jahres, am 14./15. September, mit dem französischen Ministerpräsidenten Charles de Gaulle auf dessen Landsitz in Colombey-les-deux-Eglises zu Gesprächen zusammen. Am 7. April 1959 wird Adenauer zum Kandidaten für das Amt des Bundespräsidenten nominiert. Zwei Monate später tritt er von der Kandidatur zurück. Mit seinem geplanten Nachfolger im Bundeskanzleramtes, dem Wirtschaftsminister Erhard, zeigt sich Adenauer nicht einverstanden. Am 26./27. August trifft der US- Präsident Eisenhower zu Besuch in Bonn ein. Fünf Monate später wird am 16. Januar eine Rundfunk- und Fernsehansprache Adenauers zu antisemitischen Schmierereien in der Bundesrepublik ausgestrahlt. Der französische Staatspräsident Charles de Gaulle trifft mit Adenauer in Rambouillet bei Paris am 29./30 Juli zusammen. Im Jahre 1961 wird am 28. Februar das Projekt Adenauers einer Deutschland- Fernsehen GmbH seitens des Bundesverfassungsgerichts als unvereinbar mit dem Grundgesetz bezeichnet und gestoppt. Trotz des Mauerbaus am 13. August unterbricht Adenauer nicht seine Wahlkampfreise; erst am 22. August fliegt er nach Berlin. Als Folge dieses Versäumnisses verlieren die Unionsparteien bei den Bundestagswahlen am 17. September die absolute Mehrheit. Eine Koalition wird von der FDP an die Bedingung geknüpft, dass Adenauer noch vor Beendigung der Legislaturperiode zurücktritt. Am 7. November wird Adenauer als Bundeskanzler wieder gewählt. Der Staatsbesuch von Adenauer der vom 2. bis 8. Juli des darauf folgenden Jahres stattfindet wird von de Gaulle als Akt der Versöhnung beider Staaten gestaltet. Der Gegenbesuch von de Gaulle findet am 4. bis 9. September statt. Die Spiegel-Affäre führt im Oktober/November zu einer schweren Regierungskrise. Fünf Minister der FDP treten zurück und auch der Verteidigungsminister Strauß stellt sein Amt zur Verfügung. Adenauers Entschluss, im Herbst 1963 als Bundeskanzler zurückzutreten, wird am 7. Dezember bekannt gegeben. Adenauer und de Gaulle unterzeichnen am 22. Januar 1963 einen Vertrag über die deutsch- französische Zusammenarbeit. Im Laufe des Jahres, vom 23. bis 26. Juni, trifft Präsident Kennedy zu seinem Staatsbesuch in Berlin ein. Zwei Monate später tritt die Bundesrepublik dem Atomteststopp- Abkommen bei. Am 15. August hält Adenauer seine Zusage und tritt mit 87 Jahren am 15. Oktober als Bundeskanzler zurück. Sein Nachfolger wird Ludwig Erhard. Im Februar 1967 unternimmt Konrad Adenauer seine letzte Auslandsreise nach Spanien, bevor er am 19. April in Rhöndorf bei Bonn stirbt und am 25. April auf dem Waldfriedhof desselbigen Ortes beigesetzt wird[1].

[...]


[1] Vgl. http://www.dhm.de/lemo/html/Biographien/AdenauerKonrad/ (Stand 20. April 2004).

Ende der Leseprobe aus 28 Seiten

Details

Titel
Adenauer und die Deutsche Einheit
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Autor
Jahr
2004
Seiten
28
Katalognummer
V47802
ISBN (eBook)
9783638446693
Dateigröße
848 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Adenauer, Deutsche, Einheit
Arbeit zitieren
Thorsten Dornemann (Autor), 2004, Adenauer und die Deutsche Einheit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/47802

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