Während die Geschichte der Pressefreiheit und der Entstehung des Zeitungswesens zumindest in Journalistik-Kreisen bekannt ist, steht es um die Entwicklung des Nachrichtenwesens eher schlecht. Dass die historische Entwicklung hierbei einen einzigartigen Verlauf nahm, steht jedoch außer Frage. Diese Arbeit soll vor allem die Details um die ersten Nachrichtenagenturen, die sogenannten Gründeragenturen, und deren erste Kooperationen hervorbringen.
Gegliedert ist die Ausarbeitung nach thematischen Aspekten. Zunächst wird mithilfe allgemeiner Definitionen und einem Überblick über den heutigen Stand von Nachrichtenagenturen in das Thema eingeführt. Der Fokus liegt schließlich auf der Entstehung der Nachrichtenagenturen in Europa mit dem Zeitalter der Gründeragenturen, dem Konkurrenzkampf dieser und dem Versuch diesen beizulegen, sowie auf der Entwicklung während und nach den beiden Weltkriegen. Am Ende werden die Ergebnisse zusammengefasst und die Auswirkungen auf das heutige Nachrichtenwesen aufgezeigt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Allgemeine Begriffe
2.1. Nachrichtenagentur
2.2. Kategorisierung von Nachrichtenagenturen
2.3. Aktuelle Entwicklung
3. Entstehung der Nachrichtenagenturen
3.1. Voraussetzungen
3.2. Die Phase der Gründeragenturen
4. Das Zeitalter der Kartellverträge
4.1. Das Monopol der Kartellverträge
4.2. Das Nachrichtenwesen im neugegründeten Deutschen Reich
4.3. Das Ende der Kartellverträge
4.4. Der Zweite Weltkrieg und seine Folgen
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die historische Entwicklung der Nachrichtenagenturen in Europa, mit einem besonderen Fokus auf die Entstehung der sogenannten Gründeragenturen, deren Konkurrenzkampf und die nachfolgende Ära der Kartellverträge bis hin zu den Auswirkungen der Weltkriege auf das moderne Nachrichtenwesen.
- Grundlegende Definitionen und Kategorisierung von Nachrichtenagenturen
- Die gesellschaftlichen und technischen Voraussetzungen für die Entstehung
- Die Ära der Gründeragenturen und die Rolle von Havas, Wolff und Reuter
- Die Dynamik und Monopolstellung durch Kartellverträge
- Der Einfluss politischer Umbrüche und Weltkriege auf die Nachrichtenlandschaft
Auszug aus dem Buch
3.2. Die Phase der Gründeragenturen
Mit der Entwicklung der Telegraphie entwickelte sich im 18. Jahrhundert ein noch nie da gewesenes Verständnis von Aktualität. Dieses Verständnis brachte jedoch zwei Schwierigkeiten mit sich: Zum einen bestand ein enormer Schnelligkeitsdrang und zum anderen wurden die Zeitungen überflutet mit Nachrichten. Es wurde wichtig die eingehenden Nachrichten zu organisieren. Dabei sollte durch Zusammenarbeit und gemeinsamer Stärke die Nachrichtenflut gebündelt werden. Die allererste Nachrichtenagentur gründete Charles Havas 1835 in Frankreich. Er machte es sich zur Aufgabe Nachrichten zu sammeln, zu übersetzen und sie ins Ausland zu vertreiben. Für den Vertrieb, der aufgrund des fortgeschrittenen Verständnisses von Aktualität schnell gehen musste, nutzte Havas verschiedene Mittel, darunter ab etwa 1840 Brieftauben, die zwischen Paris, London und Brüssel übermittelten. In der Mitte des 19. Jahrhunderts sammelte Havas Nachrichten aus Südwest- und Südeuropa, sowie aus sämtlichen französischen Kolonien.
Die erste deutsche Nachrichtenagentur gründete 1849 der ehemalige Havas-Mitarbeiter Bernhard Wolff. Nachdem Wolff fast 15 Jahre bei Charles Havas gearbeitet hatte, kehrte der gebürtige Berliner 1849 nach Deutschland zurück und gründete nach kurzer Anstellung bei der Berliner `National-Zeitung` am 28. November desselben Jahres einen eigenen Nachrichtendienst. Damit wollte er der Zeitung helfen, sich von der Konkurrenz abzusetzen. `Wolffs Telegraphisches Bureau` (WTB) empfing Depeschen aus Paris, London, Amsterdam und Frankfurt. Bald schon konnten alle Berliner Zeitungen, Banken und Händler die Dienste des WTB in Anspruch nehmen. Wolffs Einnahmen war so groß, dass er nach kurzer Zeit die ´National-Zeitung` kaufte. Die Aufgaben des WTB war auf der einen Seite die Übermittlung der Börsendaten aus London und Paris nach Berlin und auf der anderen Seite das Austauschen wichtiger Preisnotierungen aus sämtlichen deutschen Städten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit führt in die Rolle von Nachrichtenagenturen als "AktualiTäter" ein und erläutert den Fokus auf die historische Entwicklung europäischer Gründeragenturen.
2. Allgemeine Begriffe: Es werden grundlegende Definitionen von Nachrichtenagenturen sowie deren Kategorisierung nach Größe, Verbreitung und Organisationsform erläutert.
3. Entstehung der Nachrichtenagenturen: Dieses Kapitel behandelt die technischen Innovationen wie die Telegraphie und gesellschaftliche Prozesse, die zur Gründung erster Agenturen führten.
4. Das Zeitalter der Kartellverträge: Die Analyse konzentriert sich auf die Aufteilung des Weltmarktes zwischen WTB, Havas und Reuters sowie die Einflüsse von Kriegen auf diese Machtverhältnisse.
5. Fazit: Die Arbeit schließt mit der Feststellung, dass die historischen Strukturen der Nachrichtenagenturen bis heute den globalen Markt und die Machtverhältnisse der Berichterstattung prägen.
Schlüsselwörter
Nachrichtenagenturen, Gründeragenturen, Kartellverträge, Telegraphie, Weltnachrichtenmarkt, Pressegeschichte, Wolffs Telegraphisches Bureau, Havas, Reuters, Nachrichtenübermittlung, Medienentwicklung, Massenmedien, Journalismus, Aktualität, Informationsfreiheit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Entstehung und Entwicklung der Nachrichtenagenturen in Europa, beginnend im 19. Jahrhundert bis zur Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Zentrum stehen die technischen Voraussetzungen, die Gründerphase, das System der internationalen Kartellverträge sowie der Einfluss politischer Machtverhältnisse auf die Nachrichtenorganisationen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, den Ursprung und die Entwicklung der Nachrichtenagenturen als wichtige Stofflieferanten der Massenmedien sowie ihre historische Marktstruktur aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse und der Auswertung von Monographien und historischen Quellen zur Presse- und Mediengeschichte.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Definition von Nachrichtenagenturen, die technischen Voraussetzungen (Telegraphie), die Phase der Gründeragenturen (Havas, Wolff, Reuter) sowie die Epoche der Kartellverträge.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Nachrichtenagenturen, Kartellverträge, Weltnachrichtenmarkt, Telegraphie, Pressegeschichte und Agenturgründungen sind die prägenden Begriffe.
Wie prägten die "Gründeragenturen" den modernen Nachrichtenmarkt?
Durch die Etablierung eines Kommunikationsnetzes legten Havas, Wolff und Reuter den Grundstein für die heutige globale Nachrichtenversorgung und arbeitsteilige Strukturen.
Welche Rolle spielte das preußische Königshaus für das WTB?
Das preußische Königshaus unterstützte das WTB finanziell und politisch, um sich Einfluss auf die Nachrichtenverbreitung zu sichern, forderte dafür jedoch weitreichende Sonderrechte ein.
Warum endete das Zeitalter der Kartellverträge?
Der Erste Weltkrieg und die damit verbundenen staatlichen Kontrollen sowie spätere Umstrukturierungen führten zum Zusammenbruch der alten, auf Exklusivität basierenden Kartellstrukturen.
Inwiefern beeinflusst das historische Erbe die heutige Berichterstattung?
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass die historischen Verflechtungen und die Vormachtstellung der großen Weltagenturen bis heute die Strukturen und die Ausgewogenheit des internationalen Nachrichtenaustauschs mitbestimmen.
- Arbeit zitieren
- Pia Klaus (Autor:in), 2018, Die Geschichte hinter den Aktualitätern. Über die Entwicklung der Nachrichtenagenturen in Europa, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/478176