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Geschichtliche Wirklichkeit als erzählte Erinnerung. Der Untergang der Wilhelm Gustloff als Motiv in den Romanen "Im Krebsgang" und "Himmelskörper"

Title: Geschichtliche Wirklichkeit als erzählte Erinnerung. Der Untergang der Wilhelm Gustloff als Motiv in den Romanen "Im Krebsgang" und "Himmelskörper"

Term Paper (Advanced seminar) , 2005 , 23 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Nicole Giese (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Die Veröffentlichung des Romans "Im Krebsgang" des Literaturnobelpreisträgers Günter Grass im Februar 2002 schlug ungeheure Wellen in Deutschland: Das kollektive Gedächtnis der Deutschen schien sich plötzlich erstmals an das Schicksal der deutschen Kriegsopfer zu erinnern, und auch der jahrzehntelang tabuisierte Untergang des Schiffes Wilhelm Gustloff am 30. Januar 1945 wurde nach 57 Jahren erstmals Gegenstand der öffentlichen Diskussion.
Dem Buch, welches die größte Katastrophe der deutschen Seefahrtsgeschichte literarisch aufarbeitet, folgten erstaunlich schnell weitere Veröffentlichungen zu diesem Thema. So nahm sich ein Jahr nach Günter Grass auch die bis dahin als "Popautorin" geltende Berlinerin Tanja Dückers dieser Thematik an. In ihrem Roman "Himmelskörper" wird die historische Begebenheit des Untergangs der Wilhelm Gustloff ebenso wie bei Grass aufgegriffen und mit einer Familiengeschichte verwoben. Dabei geht Dückers aber völlig anders mit dem Motiv um und auch ihre Strategie ist eine andere.
Diese Arbeit wird sich mit der Darstellung der geschichtlichen Wirklichkeit als erzählte Erinnerung in den Romanen "Im Krebsgang" und "Himmelskörper" befassen. Dabei sollen die unterschiedlichen Perspektiven des Umgangs mit der Vergangenheit aufgezeigt, interpretiert und verglichen werden. Das Konzept der Generationenbildung ist dabei ein wichtiger Untersuchungspunkt.
Im Folgenden wird also zu klären sein, welche Intention die beiden Autoren durch ihre spezifische Darstellungsweise verfolgen, wie sie mit der schwierigen Thematik umgehen und welches Geschichtsbild die Autoren, die selbst zwei unterschiedlichen Generationen angehören, durch ihre Romane vertreten.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Fiktion und Wirklichkeit in Im Krebsgang

2.1. Aufbau und Erzähltechnik

2.2. Spiel mit Fiktionalität

2.3. Konstruktion der Vergangenheit

2.3.1. Die Ewiggestrigen

2.3.2. Die Nachkriegsgeneration

2.3.3. Die Enkelgeneration

2.3.4. Der Alte als Beispiel für (gescheiterte) Vergangenheitsbewältigung

3. Darstellung von Geschichte in Himmelskörper

3.1. Aufbau und Erzähltechnik

3.2. Vergangenheit als Familiengeheimnis

3.2.1. Die Achtundsechziger- versus die Tätergeneration

3.2.2. Die Enkelgeneration

4. Die Autorenstrategien

5. Fazit

6. Literatur

6.1. Primärliteratur

6.2. Sekundärliteratur

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht die Darstellung der geschichtlichen Wirklichkeit als erzählte Erinnerung in den Romanen Im Krebsgang von Günter Grass und Himmelskörper von Tanja Dückers, um die unterschiedlichen Perspektiven im Umgang mit der Vergangenheit zu vergleichen.

  • Literarische Aufarbeitung des Untergangs der Wilhelm Gustloff.
  • Analyse der Konstruktion von Erinnerung und Fiktionalität.
  • Untersuchung der Generationenproblematik und intergenerationeller Konflikte.
  • Gegenüberstellung der Autorenstrategien von Günter Grass und Tanja Dückers.
  • Reflektion über Geschichtsbilder innerhalb der deutschen Nachkriegsliteratur.

Auszug aus dem Buch

2.3. Konstruktion der Vergangenheit

Günter Grass versucht, in seinem Buch die Vergangenheit aus verschiedenen Perspektiven darzustellen. Dabei vertritt jede der Hauptfiguren seines literarischen Personals eine Generation, die die Vergangenheit aus einer bestimmten Position betrachtet, wodurch auch die intergenerationellen Konflikte wiedergegeben werden sollen.

2.3.1. Die Ewiggestrigen

Mit Tulla Pokriefke greift Grass literarisch auf eine „Gestalt aus seiner sogenannten Danziger Trilogie zurück“.21 Die Mutter des Ich-Erzählers ist ein Kriegsflüchtling und eine der überlebenden Passagiere des Untergangs der Wilhelm Gustloff. Sie wird im Roman vor allem durch ihre pommerische Mundart, dem Danziger Platt, beschrieben, die sie trotz der langen Trennung von ihrer Heimat nie abgelegt hat, und die Hochdeutsch nur bei offiziellen Anlässen spricht. Ein weiteres Attribut von Tulla ist der Geruch von Knochenleim, der ihr ständig anhaftet.22 Ein zusätzliches Merkmal sind ihre „schlohweiß[en]“ Haare, die sie auf „Streichholzlänge“ (Grass, S. 55) trägt.

Tullas Rolle in der Erzählung Im Krebsgang ist die der Ewiggestrigen.23 Sie ist zwischen den zwei Weltkriegen geboren und hat den Untergang der Gustloff als 18-jährige Passagierin selbst miterlebt. Tulla war zu dieser Zeit hoch schwanger und gebar ihren Sohn Paul während des Untergangs der Wilhelm Gustloff auf einem der Rettungsboote. Die „bekennend Vertriebene“24 drängt auf Wiedergutmachung für das Leid der Kriegsflüchtlinge und versucht, die Tabuisierung des Themas in der Gesellschaft zu durchbrechen.25 Deshalb verkündet sie zu jeder passenden und unpassenden Gelegenheit ihre Erinnerungen an den Untergang. Da sie den Untergang aber nur aus der eingeschränkten Sicht einer Person erinnert, die während der Rettung auch noch ein Kind zur Welt gebracht hat, sind ihre Erzählungen vielmehr ein Konglomerat aus eigenen Erinnerungen und Informationen, die sie erst nach dem Untergang erfahren und aufgeschnappt haben kann.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik der literarischen Aufarbeitung des Untergangs der Wilhelm Gustloff ein und definiert das Ziel der Arbeit, die Generationenperspektiven der Romane zu vergleichen.

2. Fiktion und Wirklichkeit in Im Krebsgang: Dieses Kapitel analysiert Grass' komplexe Erzählstruktur, sein Spiel mit Fiktionalität und die generationenspezifischen Konstruktionen von Vergangenheit durch die Hauptfiguren.

3. Darstellung von Geschichte in Himmelskörper: Hier wird untersucht, wie Tanja Dückers die historische Begebenheit in eine Familiengeschichte einbettet und die Vergangenheitsbewältigung zwischen den Generationen thematisiert.

4. Die Autorenstrategien: Dieses Kapitel vergleicht die unterschiedlichen Ansätze der Autoren, insbesondere im Hinblick auf das Verhältnis von Fiktion und historischer Realität sowie ihre Absichten bei der Auseinandersetzung mit der Geschichte.

5. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet beide Werke kritisch als wichtige Beiträge zur deutschen Nachkriegsliteratur, die zur kritischen Reflexion über Geschichte anregen.

6. Literatur: Dieses Kapitel listet die für die Arbeit verwendete Primär- und Sekundärliteratur auf.

Schlüsselwörter

Im Krebsgang, Himmelskörper, Günter Grass, Tanja Dückers, Wilhelm Gustloff, Generationenkonflikt, Vergangenheitsbewältigung, Fiktionalität, Erinnerungskultur, Nachkriegsgeneration, deutsche Literatur, Familiengeheimnis, Zeitgeschichte, Erzähltechnik, NS-Vergangenheit.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der literarischen Darstellung des Untergangs des Schiffes Wilhelm Gustloff in den Romanen Im Krebsgang und Himmelskörper.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Im Zentrum stehen die Aufarbeitung von Kriegserlebnissen, die Konstruktion von Erinnerung sowie die generationellen Unterschiede im Umgang mit der deutschen Geschichte.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das primäre Ziel ist es, die spezifischen Darstellungsweisen der Autoren zu interpretieren, zu vergleichen und zu klären, welche Intentionen sie verfolgen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die erzähltechnische und inhaltliche Aspekte der beiden Romane gegenüberstellt und in den Kontext der Generationenbildung einordnet.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert detailliert den Aufbau, die Erzählstrategien sowie die Charakterisierung verschiedener Generationen innerhalb der beiden Werke.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind unter anderem Generationenkonflikt, Vergangenheitsbewältigung, Fiktionalität, Wilhelm Gustloff und Erinnerungskultur.

Wie unterscheidet sich Grass' Darstellung von der Dückers'?

Grass arbeitet mit einer komplexen, artifiziellen Erzähltechnik, um verschiedene Wirklichkeitsversionen zu zeigen, während Dückers die Geschichte stärker in ein privates Familiengeheimnis einbettet und einen stärkeren Wahrheitsanspruch verfolgt.

Wie werden die verschiedenen Generationen in den Romanen abgebildet?

Die Autoren nutzen unterschiedliche Generationen – von den Ewiggestrigen bis zur Enkelgeneration –, um die jeweiligen Perspektiven auf die Vergangenheit und die Schwierigkeit der Schuldverarbeitung darzustellen.

Warum spielt das Thema der Wilhelm Gustloff eine so zentrale Rolle?

Das Schiff fungiert als Leitmotiv, das den Umgang mit den deutschen Opfern des Zweiten Weltkriegs und die jahrzehntelange Tabuisierung dieses Themas in der Gesellschaft verdeutlicht.

Wie bewertet der Autor das Fazit der Romane?

Der Autor des Dokuments stuft beide Romane trotz unterschiedlicher Stärken und Schwächen als gleichwertige Werke der deutschen Nachkriegsliteratur ein, die den Leser zum Hinterfragen der eigenen Familiengeschichte anhalten.

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Details

Title
Geschichtliche Wirklichkeit als erzählte Erinnerung. Der Untergang der Wilhelm Gustloff als Motiv in den Romanen "Im Krebsgang" und "Himmelskörper"
College
University of Göttingen  (Seminar für Deutsche Philologie)
Course
Generationsproblematiken und Generationskonflikte in der deutschsprachigen Prosa nach 1989
Grade
1,0
Author
Nicole Giese (Author)
Publication Year
2005
Pages
23
Catalog Number
V47840
ISBN (eBook)
9783638446945
ISBN (Book)
9783638691093
Language
German
Tags
Geschichtliche Wirklichkeit Erinnerung Untergang Wilhelm Gustloff Motiv Romanen Krebsgang Himmelskörper Generationsproblematiken Generationskonflikte Prosa
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Nicole Giese (Author), 2005, Geschichtliche Wirklichkeit als erzählte Erinnerung. Der Untergang der Wilhelm Gustloff als Motiv in den Romanen "Im Krebsgang" und "Himmelskörper", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/47840
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