„Sie wird immer des Deutschen liebstes Kind sein.“
Die Deutsche Fußballnationalmannschaft fesselt Millionen von Fernsehzuschauern an die TV-Geräte, wenn es um die Welt- oder Europameisterschaft geht. Spieler der Nationalmannschaft erreichen höhere Einschaltquoten im Fernsehen als Spiele der Champions-League. Die Riesenleinwände in deutschen Großstädten während der Fußball-Europameisterschaft 2004 besuchten mehr als 100.000 Zuschauer, die Fernsehsender erreichen mit Übertragungen deutscher Länderspiele regelmäßig Rekordergebnisse. Hinter den Kulissen ist aber ein Machtkampf entfacht. Die Bundesligisten, die schon längst nicht mehr eingetragene Vereine sondern Wirtschaftsunternehmen bzw. Aktiengesellschaften (Borussia Dortmund) sind, wollen an der Geldmaschine Nationalmannschaft kräftig mitverdienen. Sie stellen die Nationalspieler quasi kostenlos ab und müssen eine Verletzung des Spielers in Kauf nehmen, bzw. sehen machtlos zu, wenn der DFB durch Werbemaßnahmen an dem Eigentum der Vereine verdient. Häufig werben Nationalspieler für Unternehmen, die direkte Konkurrenten des Vereinswerbepartners sind. Zudem bemängeln die Bundesligisten die Schwerfälligkeit und mangelnde Flexibilität des größten Sportverbandes der Welt.
Die unterschiedlichen Interessen zwischen der Bundesliga und dem DFB werden am Beispiel der Nationalmannschaft deutlich. Vereine sind an leistungsstarken Mannschaften interessiert und verpflichten nach dem Bosman-Urteil vorwiegend ausländische Spieler. Verbände sind daran interessiert, international wettbewerbsfähige Mannschaften mit deutschen Spielern aufstellen zu können und viele Länderspiele zu absolvieren, da die Nationalmannschaft die Haupteinnahmequelle des DFB ist (Büch, 2001). Insofern stellt sich die Frage, ob es überhaupt noch zeitgemäß ist, Nationalmannschaften zu haben, wenn es exzellente Vereinsmannschaften gibt, die international erfolgreich spielen. Ist es noch zeitgemäß, dass die Nationalmannschaft unter dem Dach des DFB spielt, oder müsste nicht nach der Ausgliederung der Bundesliga vom DFB zur Deutschen Fußballliga auch die Nationalmannschaft folgen?
Gliederung
1. Einleitung
2. Der Deutsche Fußballbund (DFB)
2.1 Von den Anfängen bis zum größten Sportverband der Welt
2.2 Organisation und Satzung–die Ziele des DFB
2.3 Werbepartner des DFB und Konflikte mit Werbepartnern der Bundesligisten
3. Der Ligaverband und die deutsche Fußballliga
3.1 Deutsche Fußballliga - Organisation und Satzung
3.2 Das Bosman–Urteil und die Folgen für die Vereine und die Nationalmannschaft
3.3 Jugendarbeit als Zukunft für Verein und Nationalmannschaft
4. Die Nationalmannschaft
4.1 Geschichtlicher Abriss
4.2 Ökonomische Kriterien für den Einsatz der Nationalmannschaft
4.3 Die moderne Nationalmannschaft
5. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen dem Deutschen Fußballbund (DFB) und der wirtschaftlich professionalisierten Deutschen Fußballliga (DFL) am Beispiel der Fußballnationalmannschaft. Im Zentrum steht die Forschungsfrage, wie die Interessen der zunehmend kommerziell agierenden Bundesligavereine mit der Notwendigkeit einer wettbewerbsfähigen Nationalmannschaft unter dem Dach des DFB in Einklang gebracht werden können.
- Historische Entwicklung und institutionelle Struktur des DFB
- Strukturwandel durch die Gründung des Ligaverbandes und der DFL
- Auswirkungen des Bosman-Urteils auf Spielermärkte und Nationalkader
- Ökonomische Herausforderungen und Finanzierung der Nachwuchsarbeit
- Spannungsfeld zwischen Vereinsinteressen und der Vermarktung der Nationalmannschaft
Auszug aus dem Buch
3.2 Das Bosman–Urteil und die Folgen für die Vereine und die Nationalmannschaft
Am 15.12.1995 verkündete der Europäische Gerichtshof das so genannte „Bosman-Urteil“ und erklärte damit die bis dato gültigen Transferregelungen und Ausländerbeschränkungen für nichtig. Als Folge entstand eine „Völkerwanderung“ ausländischer Spieler in die deutschen Spitzenligen, denn die deutschen Vereine konnten nunmehr nahezu unbegrenzt ausländische Top-Spieler einkaufen (Cachay/Riedl, 2001). Dies führte zu einer Minimierung einheimischer Spieler. Das Spielniveau der Bundesliga hat sich nach Bosman erhöht.
Nach Einschätzung deutscher Trainer und Manager gibt es nicht genug deutsche Spieler auf dem Markt. Durch das Bosman-Urteil wurde das sportliche Leistungsprinzip radikalisiert, und es entstanden neue wechselseitige Überbietungsversuche, die von ihrer Dynamik und vom Prozessverlauf Ähnlichkeit mit einer Rüstungsspirale hatten (Cachay/Riedl, 2001). Bezogen auf die Nationalmannschaft hat das Bosman-Urteil also weit reichende Folgen gehabt. Die Ausländerklauseln bewahrten die Einheit des nationalen Sportsystems. Sie bildeten sozusagen eine „Klammerfunktion“ zwischen den nationalen Ligen und den von den Verbänden betriebenen Nationalmannschaften.
Durch die Klauseln wurde gesichert, dass die nationale Meisterschaft mit überwiegend nationalen Spielern bestritten wurde und daher für die Nationalmannschaft genügend Spieler vorhanden waren. Die Nationalmannschaft war das Aushängeschild der Liga und ihr übergeordnet (Cachay/Riedl, 2001). Vor dem Bosman-Urteil waren die Interessen der Vereine und Verbände gleichermaßen ausgerichtet, möglichst viele leistungsstarke Spieler hervorzubringen. Heute können die Vereine global rekrutieren, die Verbände sind aber weiterhin von den nationalen Spielern abhängig. Als Folge daraus sind die Kader der Bundesligisten international geworden. In den Nationalmannschaften spielen zwar immer noch die besten deutschen Spieler, aber nicht mehr die besten Spieler der Bundesliga (Cachay/Riedl, 2001).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die steigende Popularität der Nationalmannschaft bei gleichzeitig wachsenden ökonomischen Interessenkonflikten zwischen Bundesligavereinen und dem DFB.
2. Der Deutsche Fußballbund (DFB): Dieses Kapitel analysiert die historische Entwicklung, die Struktur und die Finanzierung des DFB als Sportverband sowie dessen Konfliktpotenzial durch Werbepartnerschaften.
3. Der Ligaverband und die deutsche Fußballliga: Der Abschnitt beschreibt die Ausgliederung des Profifußballs in die DFL sowie die langfristigen Folgen der Globalisierung und des Bosman-Urteils für Vereine und Nachwuchsarbeit.
4. Die Nationalmannschaft: Dieses Kapitel betrachtet die historische Entwicklung, die ökonomischen Rahmenbedingungen der Spielerabstellung und die moderne Situation der Nationalmannschaft im globalen Wettbewerb.
5. Schlussbetrachtung: Das Fazit fasst die ökonomischen Herausforderungen zusammen und plädiert für eine engere Kooperation zwischen DFB und DFL sowie neue Ansätze in der Nachwuchsförderung.
Schlüsselwörter
DFB, DFL, Nationalmannschaft, Bundesliga, Bosman-Urteil, Sponsoring, Kommerzialisierung, Nachwuchsförderung, Globalisierung, Glokalisierung, Spielermarkt, TV-Einnahmen, Vereinsfußball, Sportökonomie, Lizenzligen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert das komplexe Verhältnis zwischen dem Deutschen Fußballbund (DFB) und der Deutschen Fußballliga (DFL) unter dem Aspekt der Interessenkonflikte bei der Nutzung der Nationalmannschaft als Wirtschaftsgut.
Welches sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Schwerpunkte liegen auf der institutionellen Struktur des DFB, dem Einfluss des Bosman-Urteils auf den Profifußball, der ökonomischen Bedeutung von Jugendarbeit sowie der Vermarktung und terminlichen Koordination zwischen Verband und Liga.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die ökonomischen Spannungsfelder zu identifizieren, die durch die Ausgliederung der Bundesliga entstanden sind, und Wege aufzuzeigen, wie eine wettbewerbsfähige Nationalmannschaft in einem globalisierten Fußballmarkt gesichert werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit angewandt?
Der Autor führt eine theoretische Analyse durch, die auf der Auswertung bestehender Fachliteratur, Wirtschaftsdaten des DFB und der Analyse von Strukturveränderungen wie der Gründung der DFL basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung des DFB als Institution, die Erläuterung der Strukturen des Ligaverbandes, die Folgen des Bosman-Urteils für die Kaderbildung sowie die ökonomische Bewertung von Länderspieleinsätzen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung am besten?
Die zentralen Begriffe sind DFB, DFL, Nationalmannschaft, Bundesliga, Kommerzialisierung und Nachwuchsförderung.
Warum ist laut der Arbeit eine Reform der Jugendarbeit notwendig?
Da das Verbot von Transferentschädigungen durch den EuGH die wirtschaftlichen Anreize für Vereine zur Ausbildung junger Talente geschwächt hat, müssen neue Finanzierungsmodelle gefunden werden, damit sich Nachwuchsarbeit für die Vereine wieder finanziell auszahlt.
Was versteht der Autor unter dem Begriff der „Glokalisierung“ im Fußball?
Glokalisierung beschreibt die Notwendigkeit für Fußballvereine, einerseits auf globalen Spielermärkten zu agieren, um sportlich erfolgreich zu sein, und andererseits lokale Sponsoren und Fans zu binden, um wirtschaftlich und kulturell relevant zu bleiben.
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- Jan Frenzel (Author), 2005, Die Fußballnationalmannschaft zwischen wirtschaftlichen Verbands- und Ligainteressen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/47875