Ciceros Wahl zum Konsul und die Optimaten


Hausarbeit, 2000

16 Seiten, Note: 2


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung

2. Die Lage in der res publica
2.1. Der Einfluss der Optimaten in der Politik

3. Ciceros Wahl zum Konsul
3.1. Ciceros Ämterlaufbahn
3.2. War der homo novus nun ein Optimat oder ein Popularer?
3.3. Die Wahl zum Konsul
3.4. Die catalinarische Verschwörung

4. Resümee

5. Quellen- und Literaturverzeichnis
5.1 Quellenverzeichnis
5.2. Literaturverzeichnis

1. Einführung

Das erste vorchristliche Jahrhundert gilt als der unruhigste Zeitabschnitt in der römischen Antike. Soziale Missstände, wie die Verarmung breiter Bevölkerungsschichten, führten zu inneren Konflikten und Machtkämpfen, die, begünstigt durch die Heeresreform, in jahrzehntelange Bürgerkriege mündeten. Diese innenpolitischen Auseinandersetzungen, die immer wieder von persönlichen Machtansprüchen geprägt wurden, hatten das Ende der römischen Republik und den Beginn der Kaiserherrschaft zur Folge.
Ein Mann, der in diesen Jahren sein politisches Wirken stets der Aufrechterhaltung der Republik widmete, war der dem konservativen Ritterstand entstammende Redner, Anwalt und Politiker Marcus Tullius Cicero. Den Entschluss einer politischen Ämterlaufbahn und der Erlangung höchster Positionen fasste Cicero bereits sehr früh, obwohl das aufgrund seiner Herkunft und seiner fehlenden militärischen Ambitionen unrealistisch erschien. Dennoch ermöglichten ihm seine Redegewandtheit und seine erfolgreiche Anwaltstätigkeit schon bald den Zugang zur römischen Ämterlaufbahn.

Im Jahre 63 wurde er als homo novus zum Konsul gewählt.

Ich möchte in meiner Hausarbeit Ciceros Wahl zum Konsul näher beleuchten und der Frage nachforschen, ob es eine Notlösung war, oder nicht. Wenn der Titel dieser Arbeit "Ciceros Konsulat und sein Verhältnis zu den Optimaten" lautet, kann von den Grundzügen dieser Entwicklung also nicht abgesehen werden. Im Vordergrund darf nicht die bloße Abfolge der Ereignisse stehen. Wichtiger muss sein, den inneren Zusammenhang des Geschehens zu verstehen und zu formulieren.

Im Bereich der Sekundärliteratur möchte ich besonders die Bücher von Gelzer, Fuhrmann und Seel herausheben, da sie äußerst konkrete und vielfältige Denkanstöße für die Bearbeitung des Themas geliefert haben. Ich habe jedoch auch versucht, andere Meinungen und zum Teil auch Forschungsschwerpunkte in die Hausarbeit mit einfließen zu lassen, so weit dies in dem vorgegebenen Rahmen möglich war, da so, meiner Meinung nach, ein runderes Bild erreicht wird, was mir hoffentlich gelungen ist.

2. Die Lage in der res publica

Die Entwicklung der römischen Republik seit den Gracchen wird im allgemeinen als sich zuspitzende, schließlich in Bürgerkrieg und Prinzipat des Augustus mündende Krise gesehen. Diese Krise war ein komplexer, mehrdimensionaler Prozess. Es gelang nicht, die Verwaltung der Provinzen und die Lösung außergewöhnlicher - vor allem ausgedehnter militärischer -Aufgaben in einer Weise zu regeln, die das Gleichgewicht der Nobilität gewahrt hätte. Der aristokratische Charakter der Nobilität beinhaltete ein Gleichheitsideal, das die sie vor dem Übermächtigwerden Einzelner bewahren und sie damit in ihrer Existenz als "entscheidender politischer Faktor"[1], als regierende Schicht, erhalten sollte. Trotz der prinzipiellen Gültigkeit dieses Ideals existierte innerhalb der römischen Nobilität aber auch eine Hierarchie[2] des politischen Einflusses. Der politische Einfluss hing dabei von der Leistung ab, die ein nobilis für die res publica erbrachte, und war verkörpert in seiner dignitas. Der Ehrgeiz der Aristokratie wurde so "eingestaatet" und auf das Allgemeinwohl gerichtet, individuelle Interessen wurden gezügelt.[3] Eine erfolgreiche Ableistung des cursus honorum versprach dem „regimentsfähigen Römer in absehbarer Zeit eine Provinz.“[4] Das Leistungsprinzip gewährte auf diese Art und Weise die Regimentsfähigkeit der Nobilität, konkurrierte aber mit dem Ideal der Gleichheit, zunächst jedoch ohne, dass diese Konkurrenz zum Dilemma geworden wäre.[5]

2.1. Der Einfluss der Optimaten in der Politik

Mit zunehmender Ausdehnung der zu lösenden Aufgaben im sich ausdehnenden Reich, mit den mehrjährigen Imperien während der Punischen Kriege, später denen eines Marius oder Pompeius, kam es jedoch zu so starken Machtkonzentrationen, dass die prinzipielle Gleichheit der Oligarchie in Gefahr geriet. Die Nobilität musste um ihrer Existenzwillen zum Gegner der Träger solcher Macht werden. Die entscheidendste Ursache für solche Machtkonzentrationen ist dabei wohl die tief greifende Veränderung der Clientelstruktur[6] gewesen. Diese ursprünglich sehr konstante und recht gleichmäßige "Verteilung" der plebs[7] geriet in Auflösung, als große Heeresverbände sich als die Clientel ihres Feldherrn zu betrachten begannen. Seit der Heeresreform des Marius strömten vor allem Landlose in die Legionen, die mit der Aussicht auf eigenen Grundbesitz gelockt wurden und "mit deren Entlassung ... die Ansiedlung notwendig verbunden"[8] war. Die militarisierten Clientelen waren wesentlich dynamischer, mobilisierbarer und effektiver als die alten "Agrarclientelen". Erst sie ermöglichten die Militarisierung der Politik und die Bürgerkriege und waren damit das entscheidende Instrument der "großen Einzelnen" im Kampf um die dominatio.[9] Die Folge war Mittelmäßigkeit bis hin zur Einschränkung der Funktionstüchtigkeit des Senates, weil man - paradox, aber system immanent - herausragende Männer um so mehr bekämpfte, als man ihrer bedurft hätte, um die Probleme zu lösen. Der Senat zwang jene gleichsam gegen ihn zu kämpfen. Jeder Versuch zu reformieren, was eigentlich nur ‚restaurieren' bedeutet hätte, verstärkte nur das Problem.[10] Dem Senat als dem Organ der Aristokratie war es kaum möglich, etwas zu beschließen, das die ohnehin akute Machtkonzentration eines Imperiumsträgers nur noch zementiert hätte, so notwendig solche Maßnahmen aus sozialpolitischer Sicht auch gewesen wären. Weil also die Durchsetzung solcher Forderungen mit dem Senat nicht möglich war, aktivierte man dazu mit Hilfe der Volkstribunen zunehmend die Volksversammlung. Rechtlich betrachtet war der Senat „nichts als ein beratendes Organ, de facto aber gebärdete er sich als souverän schaltende Regierung.“[11] So wurde 20 Jahre nach den Gracchen die gracchisch-populare Methode unter Marius wiederbelebt, was dazu führte, dass sich die Spaltung der politischen Klasse in Populare und Optimaten verstärkte.[12] Schwere Erschütterungen der Herrschaftsstruktur brachte der Kampf um die Ausdehnung des römischen Bürgerrechts auf die Bundesgenossen. Die Nobilität versuchte mit allen Mitteln[13], die Aufnahme der italischen Bundesgenossen in das römische Bürgerrecht zu verhindern, da sie starke Verschiebungen in der Clientelstruktur befürchtete.[14] Auch Sullas’ Bürgerkrieg und die Proskriptionen brachten dem Senat und der Nobilität insgesamt einen enormen Verlust an biologischer und moralischer Substanz. Besonders in diesen Auseinandersetzungen vertiefte sich der Graben zwischen Popularen und Senatspartei.

[...]


[1] Bleicken, Die Verfassung der römischen Republik, Paderborn 1993, S.46.

[2] Der Status begründete sich auf : Reichtum, Herkunft, Funktionen und Ansehen.

[3] Meier, Res publica amissa. Eine Studie zu Verfassung und Geschichte der römischen Republik, Frankfurt/Main 1997 S.46, "... in der Leistung für das Gemeinwesen gipfelte der Tugendkanon des römischen Adels"; Vgl. auch: Derselbe, Die Ohnmacht des allmächtigen Dictators Caesar, München 1978, S.30.

[4] Gelzer, Die Nobilität der römischen Republik, S. 19.

[5] Meier, Ohnmacht, S.46ff.

[6] Denn Machtbasis und wichtigstes politisches Instrument des römischen Aristokraten war die Clientel, deren Patron er war.

[7] Die Clientel war zunächst vor allem eine Familienclientel, auf die das einzelne Familienmitglied zurückgreifen konnte. Bleicken, Verfassung, S.31.

[8] Ebenda S.38.

[9] Ebenda S.33ff., Vgl. auch Christ, Cäsar. Annäherungen an einen Diktator, München 1994, S.19f.

[10] Meier, Die Ohnmacht des allmächtigen Dictators Caesar, München 1978, hier S.29-4.

[11] Fuhrmann, S. 27.

[12] Bleicken, OGG, S.70.

[13] Ermordung des Livius Drusus 91 v.Chr. .

[14] Bleicken, Verfassung, S.36f, S. 209; OGG, S.70f.; Meier, res publica amissa, S. 30 f.

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Details

Titel
Ciceros Wahl zum Konsul und die Optimaten
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster  (Historisches Seminar)
Veranstaltung
Proseminar
Note
2
Autor
Jahr
2000
Seiten
16
Katalognummer
V4789
ISBN (eBook)
9783638129299
Dateigröße
513 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Cicero, Optimaten, Popularen
Arbeit zitieren
Michael Gärtner (Autor), 2000, Ciceros Wahl zum Konsul und die Optimaten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/4789

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