Die Deutschen pauschal - Humorvolle Stereotypenarbeit als Anregung zum kreativen Schreiben


Seminararbeit, 2001

16 Seiten, Note: 2


Leseprobe

Inhalt

1) Stereotypen
1.1 Begriffsklärung
1.2 Stereotypen im interkulturellen Deutschunterricht
1.3 Warum mit Humor?

2) Mögliche Einsatzfelder des Textes

3) Ziel: kreatives Schreiben

4) Zur Arbeit mit dem Text
4.1 Zielgruppe, Lernziele
4.2 Konzeption zum Unterricht

5) Anhang

6) Bibliographie

1. Stereotypen

Als Lerner einer Fremdsprache beschäftigt man sich laut Lehrplan schon im ersten Lernjahr mit der Kultur, den Bräuchen und Eigenheiten des Zielsprachenlandes bzw. der Zielsprachenländer. Dass dies natürlich nicht umfassend sondern nur exemplarisch geschehen kann, ist eine logische Folge aus der begrenzten Zeit, die den Lehrkräften zur Verfügung steht. Aus diesem Grund, aber natürlich auch aus anderen, wird schließlich jedem Fremdsprachenlerner ans Herz gelegt eine gewisse Zeit im Zielsprachenland zu verbringen.

Wenn es nicht schon im Unterricht geschehen ist, sieht man sich spätestens bei diesen Aufenthalten mit Vorstellungen und Ideen über die Bewohner und Gepflogenheiten des Landes konfrontiert, die fest im eigenen Denken verankert sind- die Auseinandersetzung mit den eigenen Stereotypen über das Gastland ist unausweichlich.

Dass diese Stereotypen sowohl positive als auch negative Funktionen haben, soll in diesem ersten Kapitel verdeutlicht werden. Außerdem geht es darum zu erklären, welche Bedeutung sie für den Fremdsprachenunterricht allgemein haben. Als dritten Punkt schließlich, möchte ich darauf eingehen warum ich die Arbeit mit Stereotypen hier unter dem Aspekt „Humor“ vornehmen möchte.

1.1 Begriffsklärung

Zu Anfang zitiere ich Definitionen aus nicht DaF- spezifischen Nachschlagewerken:

stereotyp: Adj; 1 feststehend, unveränderlich; 2 übertr.:

immer wieder gleich, sich ständig wiederholend, z.B.

stereotype Antwort, stereotypes Lächeln; [...]

Stereotypie: 1 nur Sg. Herstellung von Druckplatten aus

Bleilegierung; 2 die Druckplatte selbst; 3 krankhafte

ständige Wiederholung der gleichen Bewegung oder

Äußerung; stereotypieren

(Deutsche Rechtschreibung, Bertelsmann Lexikothek Verlag, S. 466f)

stereotyp (gr.), ständig wiederkehrend, gleichförmig

Stereotypie (gr.) die, Vervielfältigungsverfahren [...]

(Das neue große farbige Lexikon, Bassermann, S.670)

Als einen ersten Schritt können wir die technischen Definitionen für unsere Zwecke ausschließen. Besonders die Definitionen für das Adjektiv „stereotyp“ weisen aber eine deutliche Richtung: Es handelt sich um etwas feststehendes, das sich ständig wiederholt. Man kann also für unseren Gebrauch des Wortes schlussfolgern, dass sich etwas zum Stereotyp entwickelt, was sich in einem Kulturkreis offenbar ständig wiederholt und somit von der Mehrzahl der Kulturanhänger durchgeführt bzw. ausgeübt wird. Hier kann man nun einen weiteren Bogen spannen, indem man die Definition für „Stereotypie“ aus dem Bassermann Lexikon vor einem interkulturellen Aspekt interpretiert, sie also auf diesen überträgt. Zu Stereotypen zählen nämlich nicht nur sich wiederholende Verhaltensweisen, die eine Mehrheit der Kulturträger ausführt. Die Beobachtung eines bestimmten Verhaltens bei einigen Angehörigen einer bestimmten Kultur führt zur Übertragung auf die Gesamtheit der Bevölkerung; es findet eine „Vervielfältigung“ oder Pauschalisierung statt.

In dieser Art und Weise definiert auch Quasthoff den Begriff, hier aber schon im Hinblick auf das Fremdsprachenlernen:

„Ein Stereotyp ist der verbale Ausdruck einer auf soziale Gruppen

oder einzelne Personen als deren Mitglieder gerichtete Überzeugung.

Es hat die logische form eines Urteils, das in ungerechtfertigt verein-

fachender und generalisierender Weise, mit emotional wertender

Tendenz, einer Klasse von Personen bestimmte Eigenschaften oder

Verhaltensweisen zu- oder abspricht.[...]Es zeichnet sich durch einen

hohen Verbreitungsgrad innerhalb der kulturellen Bezugsgruppe aus.“

(Zeuner 1999/00, S. 77)

Vor dem Hintergrund dieser Definition möchte ich im folgenden Abschnitt näher auf Aufgaben und Funktionen von Stereotypen eingehen, die sie für die Bearbeitung im interkulturellen Fremdsprachenunterricht interessant machen.

1.2 Stereotypen im interkulturellen Deutschunterricht

Wie schon im einleitenden Abschnitt erwähnt, wird jeder Fremdsprachenlerner früher oder später mit der Kultur des Zielsprachenlandes und damit mit seinen eigenen Vorurteilen gegenüber diesem konfrontiert. Genauer gesagt sind es nicht ausschließlich seine eigenen Vorurteile, sondern die seines eigenen Kulturkreises, denn Stereotypen werden immer von einem Kulturkreis auf den anderen projiziert.

Warum sollte man nun Stereotypen im Unterricht thematisieren? Nun, als erster Punkt springt dabei sicher der negative Aspekt ins Auge: Die Lerner haben ein eigenes Bild vom Zielsprachenland und seinen Bewohnern im Kopf und bringen dies nicht nur mit in den Unterricht, sondern es lenkt auch ihre Einstellung zu und ihr Verhalten gegenüber den anderen Kulturanhängern. Hier wäre also eine Aufgabe des Unterrichts diese verfestigten Bilder im Kopf kritisch zu betrachten und zu relativieren.

Ganz zu Beginn habe ich jedoch bereits darauf hingewiesen, dass Stereotypen nicht nur negativ behaftet, sondern durchaus ambivalent zu betrachten sind. Sie bieten in der Kommunikation Hilfen „... bei der Einschätzung und Bewertung von Situationen ...“ (Zeuner 1999/00, S. 77) und helfen somit bei der Beherrschung kommunikativer Situationen. Lipiansky beschreibt die Funktionen von Stereotypen und Vorurteilen in der Kommunikation folgendermaßen:

„...Funktion der Absicherung, des Abbaus der Unsicherheit, des

sozialen Vergleichs, der Verstärkung der eigenen Identität, der

Selbstbestätigung, die die Sozialpsyschologie in den Prozessen der

Zuschreibung, der Kategorisation und der Stereotypisierung gut

herausgestellt hat.“ (Zeuner 1999/00, S. 78)

Der schon oben zitierte Quasthoff erkennt in Stereotypen drei Aufgaben( eine kognitive, eine affektive und eine soziale), die in der Praxis des interkulturellen Lernens Konsequenzen nach sich ziehen und deshalb unbedingt beachtet werden sollen. Diese Konsequenzen sind für die drei Aufgaben jeweils die folgenden (Zeuner 1999/00, S. 77f.):

- Kognitiver Aspekt: Die Wahrnehmung der anderen Person oder Kultur erfolgt immer aus der Perspektive der eigenen Bezugsgruppe. Aus diesem Grund darf der Fokus des interkulturellen Lernens sich nicht ausschließlich auf die Zielkultur legen, sondern es muss bei der „[...]Reflexion und Bewusstmachung der eigenen Identität[...]“ begonnen werden. Geschieht dies nicht, können beim interkulturellen Kontakt Problemsituationen entstehen.
- Affektiver Aspekt: Hier geht es vor allem darum, dass es die interkulturelle
Kommunikation als Idealzustand überhaupt nicht gibt. In jeder Kommunikationssituation müssen sich beide Partner unentwegt Fragen stellen und somit ihre Einstellungen zueinander hinterfragen.[1]
- Sozialer Aspekt: „[...]Die Aufrechterhaltung und das gegenseitige Akzeptieren und Markieren der Andersartigkeit[...]“ schließt dabei nicht aus, dass man dem Bedürfniss diese Grenzen zu überschreiten in manchen Fällen nachgibt. Zu beachten ist dabei jedoch, dass eine tiefgreifende Antipathie dem Kommunikationspartner gegenüber kaum zu durchbrechen ist und somit auch interkulturelles Lernen mit Stereotypen zum Scheitern verurteilt ist.

[...]


[1] Auf nähere Erklärung zum Charakter der Fragen wird hier verzichtet. Genauere Ausführungen in Zeuner 1999/00, S. 77f.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Die Deutschen pauschal - Humorvolle Stereotypenarbeit als Anregung zum kreativen Schreiben
Hochschule
Technische Universität Dresden  (Deutsch als Fremdsprache)
Veranstaltung
Komik - Lachen anderswo
Note
2
Autor
Jahr
2001
Seiten
16
Katalognummer
V47905
ISBN (eBook)
9783638447461
Dateigröße
615 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Inklusive Unterrichtsentwurf
Schlagworte
Deutschen, Humorvolle, Stereotypenarbeit, Anregung, Schreiben, Komik, Lachen, Deutsch als Fremdsprache, DaF, interkulturell
Arbeit zitieren
M.A. Ina Doyle (Autor), 2001, Die Deutschen pauschal - Humorvolle Stereotypenarbeit als Anregung zum kreativen Schreiben, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/47905

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