Das Schlagwort Globalisierung wird häufig mit Themen aus der Wirtschaft aus Sicht der westlichen Welt assoziiert: „going global“, globale Präsenz von Unternehmen aus Kosten- und Strategiegründen sind jedoch nur ein Aspekt. Die Durchdringung und Interdependenz der Völker ist auch politischer und sozialer Art. Faktoren wie die Veränderungen auf der politischen Landkarte durch den Zusammenbruch der kommunistischen Systeme in den ehemaligen Ländern des Ostblocks, politische Instabilität, Verfolgungen oder Armut und daraus folgende Abwanderung in sichere Länder, die weltweiten Kommunikationsmöglichkeiten über Internet, kostengünstigere und bessere Verkehrsverbindungen führen zu einem Zuwachs an interkulturellen Begegnungen. Damit geht auch die Notwendigkeit einher, sich über die kulturellen Grenzen und Unterschiede hinweg zu verständ igen und zu kooperieren. Selbst wenn kulturelle Unterschiede durch Äußerlichkeiten der Menschen nicht offensichtlich sind und vieles oberflächlich betrachtet vereinheitlicht oder gar verwestlicht erscheint, verbergen sich dahinter doch unterschiedliche Sozialisationen mit spezifischen Erfahrungen und Lebensstilen, die in interkulturellen Überschneidungssituationen zu Missverständnissen, Schwierigkeiten und Konflikten führen können. Die vorliegende Hausarbeit widmet sich dem Culture Assimilator als einer Methode zur Erlangung interkultureller Orientierung. Er gilt als eines der am besten erforschten und evaluierten Trainings mit hinreichender Erfahrung vornehmlich in den USA. In Deutschland hat der Culture Assimilator besonders durch Alexander Thomas Verbreitung erfahren.[...]
Gliederung
1. Einleitung
2. Definitionen und Abgrenzungen
2.1. Kultur und Kulturstandards
2.2. Interkulturelles Training
2.2.1. Trainingsziele
2.2.2. Inhaltliche Unterscheidung
2.2.3. Methodische Unterscheidung
2.2.4. Didaktische Unterscheidung
3. Der Culture Assimilator
3.1. Historische Entstehung
3.2. Konzeptionelle Basis und Ziel eines Culture Assimilator Trainings
3.3. Darstellung des Culture Assimilator Trainings
3.4. Konstruktion eines Culture Assimilator
3.4.1. Die Episodengewinnung
3.4.2. Konstruktion und Auswahl der Attributionsalternativen
3.4.3. Validierung und Selektion der Interaktionen
3.4.4. Erklärungen und kulturhistorische Verankerung
3.4.5. Fertigstellung des Culture Assimilator
3.5. Typologie von Kulturassimilatoren
4. Evaluation des Culture Assimilators
5. Einsatz des Culture Assimilator – Chancen und Risiken
6. Resümee und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Culture Assimilator als wissenschaftlich fundierte Methode zur Erlangung interkultureller Orientierung. Ziel ist es, das Konzept, die methodische Konstruktion sowie die Stärken und Schwächen der Methode aufzuzeigen, um Einsatzmöglichkeiten zur Verbesserung interkultureller Handlungskompetenz abzuleiten.
- Kulturelle Orientierungssysteme und Kulturstandards
- Methodik des interkulturellen Trainings
- Konstruktion und Typologie von Culture Assimilatoren
- Empirische Wirksamkeit und Evaluationsergebnisse
- Chancen und Risiken des Einsatzes in interkulturellen Kontexten
Auszug aus dem Buch
3.3. Darstellung des Culture Assimilator Trainings
Das Culture Assimilator Training ist ein Instrument zum programmierten Lernen, das in schriftlicher Form vorliegt. Dem Trainingsteilnehmer werden verschiedene kritische Episoden vorgelegt, die typische, häufig vorkommende Begegnungen mit der Fremdkultur beschreiben. Diese Begegnungen sind für den Besucher unerwartet und verwirrend oder verlaufen konflikthaft. Zu jeder Episode gibt es vier attributive Erklärungen, von denen eine die Perspektive der Fremdkultur wiedergibt. Die anderen Antworten sind Fehlinterpretationen, die aufgrund von Unkenntnis über die kulturellen Einflussfaktoren, egozentrischen Bias oder falschen Vorstellungen von der Fremdkultur entstehen und auf eigenkulturellen Attributionen beruhen, also durchaus plausibel sind. Der Lernende soll aus den vier alternativen Attributionen eine Antwort aussuchen, die seiner Meinung nach am besten die Situation aus Sicht der Fremdkultur begründet.
Anschließend erhält er Rückmeldung, ob die gewählte Antwort richtig oder falsch ist und eine Begründung, warum sie zutreffend ist oder nicht. Falls nicht die korrekte Attribution gewählt wurde, wird der Leser aufgefordert den Text nochmals zu lesen und erneut eine Auswahl zu treffen. Diese iterative, verzweigte Vorgehensweise wird auch „branching format“ genannt (Lange, 1994, S. 34). Es gibt auch Kulturassimilatoren im linearen Format, in denen aus den vier Attributionen nicht eine richtige Alternative gewählt werden muss, sondern alle Attributionsalternativen anhand einer Skala auf Adäquatheit eingeschätzt und für jede Antwort eine eigene Begründung gegeben werden soll. Auch hier erhält der Trainingsteilnehmer zu allen vier Antworten Rückmeldung, inwieweit seine Antwort aus Sicht der Fremdkultur passend ist. Als Vorteil des „branching formats“ nennt Lange die schnellere Bearbeitung, da unter Umständen nicht alle vier Attributionsalternativen mit Rückmeldung durchgearbeitet werden; das lineare Format ermöglicht hingegen eine umfassendere Information für jedes kritische Ereignis, da alle Antworten reflektiert werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung skizziert die zunehmende Bedeutung interkultureller Begegnungen im Zuge der Globalisierung und stellt die Zielsetzung der Arbeit sowie das methodische Vorgehen vor.
2. Definitionen und Abgrenzungen: In diesem Kapitel werden grundlegende Fachbegriffe wie Kultur und Kulturstandards definiert und ein Überblick über verschiedene Kategorien interkultureller Trainingsmethoden gegeben.
3. Der Culture Assimilator: Dieses Kapitel erläutert die historische Entwicklung des Culture Assimilators, seine theoretische Basis, die detaillierte Konstruktion der Fallbeispiele sowie die Differenzierung in verschiedene Typen von Assimilatoren.
4. Evaluation des Culture Assimilators: Hier werden empirische Studien zur Wirksamkeit des Trainings ausgewertet und die Ergebnisse bezüglich kognitiver, affektiver und behavioraler Lernziele kritisch reflektiert.
5. Einsatz des Culture Assimilator – Chancen und Risiken: Dieses Kapitel diskutiert die Anwendungsbereiche, die Grenzen des Konzepts sowie potenzielle Risiken wie die Verfestigung von Stereotypen.
6. Resümee und Ausblick: Diese Zusammenfassung schließt mit einem Fazit zur kognitiven Effektivität der Methode und gibt einen Ausblick auf notwendige Weiterentwicklungen für den deutschen Kontext.
Schlüsselwörter
Culture Assimilator, interkulturelles Training, Kulturstandards, interkulturelle Kompetenz, Attribution, kognitives Lernen, Critical Incident Technique, subjektive Kultur, interkulturelle Überschneidungssituation, Evaluation, Handlungskompetenz, Sensibilisierung, Programmierte Instruktion, interkulturelle Kommunikation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Hausarbeit im Kern?
Die Arbeit behandelt den Culture Assimilator als methodisches Instrument des interkulturellen Trainings, welches darauf abzielt, die interkulturelle Handlungskompetenz durch gezielte kognitive Vermittlung fremdkultureller Standards zu erhöhen.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Arbeit fokussiert sich auf die theoretische Einbettung, die konstruktionsmethodischen Grundlagen (wie die Critical Incident Technique), die empirische Wirksamkeit und die praktische Anwendbarkeit von Culture Assimilatoren.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die exemplarische Darstellung des Verfahrens, die Analyse seiner Stärken und Schwächen sowie die Ableitung von Empfehlungen für den Einsatz und die Verbesserung interkultureller Trainings.
Welche wissenschaftliche Methode liegt der Arbeit zugrunde?
Es handelt sich um eine theoretische Literaturarbeit, die existierende empirische Evaluationsstudien und wissenschaftliche Konzepte zur interkulturellen Psychologie analysiert und synthetisiert.
Welche Inhalte dominieren den Hauptteil?
Der Hauptteil widmet sich der detaillierten Beschreibung des Culture Assimilators – von der historischen Entstehung über die komplexe Konstruktion der Fallbeispiele bis hin zur Typologie und Evaluierung.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich der Inhalt charakterisieren?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Culture Assimilator, interkulturelle Handlungskompetenz, Attribution, Kulturstandards und Evaluierung geprägt.
Warum wird zwischen dem "branching" und dem "linearen" Format unterschieden?
Die Unterscheidung basiert auf der Art der Darbietung und Rückmeldung: Das "branching format" dient der iterativen Fehlersuche, während das "lineare Format" eine umfassendere, reflexive Bearbeitung aller Antwortalternativen ermöglicht.
Was ist das Hauptproblem bei der Anwendung des Culture Assimilator in der Praxis?
Ein zentrales Problem ist, dass der kognitive Wissenszuwachs nicht automatisch zu einer positiven Einstellungs- oder Verhaltensänderung führt und zudem die Gefahr besteht, dass durch zu starke Betonung von Unterschieden neue Stereotype entstehen können.
Welche Empfehlung gibt die Arbeit für Deutschland?
Angesichts der wachsenden kulturellen Heterogenität wird die gezielte Entwicklung von Kulturassimilatoren für intranationale interkulturelle Begegnungen in Deutschland als sinnvoll erachtet.
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- Susanne Angler (Author), 2005, Das Kennenlernen der anderen Kultur - die Maßnahme des culture assimilator, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/47932