In meiner Hausarbeit beleuchte ich den Roman „Master i Margarita“ unter dem Aspekt seiner satirischen Leseart, wobei ich mich auf die von Jochen-Ulrich Peters aufgestellte Definition des Begriffs der Satire stütze. Um die satirischen Elemente herausarbeiten und verstehen zu können, ist es notwendig, sich mit den historischen Rahmenbedingungen, in die der Autor und der Roman eingebettet sind, auseinanderzusetzen. Deshalb nehmen die geschichtlichen Beschreibungen der SU in den späten 20er und 30er Jahren einen wichtigen Platz in meinen Ausführungen ein. Darauf basierend werde ich mich der konkreten Kritik in „Master i Margarita“ widmen und dabei die angesprochenen kritikwürdigen Missstände im Land, die Bulgakov in seinem Werk anprangert, betrachten. Anschließend folgen ein kurzer Umriss der karnevalesken Eigenarten des Romans und im Anschluss eine abschließende Bemerkung.Für Johannes Leonhard und Birte Petrea [...]
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Definition „Satire“
3. Geschichtlicher Hintergrund des Romans
3.1 Sowjetunion in den späten 20er und den 30er Jahren
3.2 Geschichtliche Entwicklungen der sowjetischen Satire in 20er und 30er Jahren
3.3 Die Forderung nach der „Positiven Satire“
4. Konkrete Kritik in „Master i Margarita“
5. Das Karnevaleske in “Master i Margarita”
6. Schlusswort
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Roman „Master i Margarita“ von Michail Bulgakov unter dem Aspekt seiner spezifischen satirischen Leseart, wobei insbesondere die historischen Rahmenbedingungen der Sowjetunion in den 1920er und 1930er Jahren sowie die satirischen und karnevalesken Elemente des Werkes analysiert werden, um Bulgakovs Kritik am zeitgenössischen politischen und gesellschaftlichen System herauszuarbeiten.
- Historischer Kontext der Sowjetunion in den 20er und 30er Jahren
- Definition und Funktion der Satire im sowjetischen Literaturkontext
- Die Auseinandersetzung mit der Forderung nach „positiver Satire“
- Literarische Umsetzung gesellschaftlicher Kritik in „Master i Margarita“
- Analyse karnevalesker Elemente und ihrer befreienden Wirkung im Roman
Auszug aus dem Buch
Konkrete Kritik in „Master i Margarita“
Auch in „Master i Margarita“ tritt seine Kritik deutlich ans Tageslicht. In einer sehr komplizierten und vielschichtigen Mischung aus Satire, Phantastik, Komik und Groteske zeichnet Bulgakov ein Bild von der russischen Gesellschaft der 30er Jahre. Zwei Handlungsstränge durchziehen das Buch: die Moskau- und die Pilatusgeschichte. Die Pilatushandlung ist im Gegensatz zur Moskaugeschichte, die auf eine sehr groteske und chaotische Art und Weise erzählt wird, in einer sehr realistischen Darstellungsweise verfasst. Der Autor versucht damit, den Eindruck zu erwecken, als sei die beschriebene Passionsgeschichte Christi ein tatsächlich historisch stattgefundenes Ereignis. Indem er ein sehr gradliniges und greifbares Bild von Jesus präsentiert, bei dem die Wundertätigkeit und die Auferstehung bewusst außer Acht gelassen werden, erweckt Bulgakov den Eindruck der Authentizität der Existenz Jesu und richtet sich zugleich gegen die offizielle Atheismuspropaganda von Staat und Partei.
Vor allem aber die Moskauhandlung weist satirisch-kritische Elemente auf, die Bulgakovs Skepsis gegenüber der revolutionären „Errungenschaften“ symbolisieren und mit denen er sich von der propagierten Ideologie distanziert.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung erläutert das Ziel der Arbeit, den Roman „Master i Margarita“ als satirisches Werk vor dem Hintergrund der historischen Bedingungen in der Sowjetunion zu beleuchten.
2. Definition „Satire“: Dieses Kapitel erarbeitet eine definitorische Grundlage der Satire, um das Genre trotz seiner strukturellen Vielseitigkeit für die Analyse des Romans nutzbar zu machen.
3. Geschichtlicher Hintergrund des Romans: Hier wird der historische Kontext der Sowjetunion in den 20er und 30er Jahren dargestellt, um die Unterdrückung, den Terror und die kulturpolitischen Rahmenbedingungen zu verstehen, die Bulgakovs Schreiben beeinflussten.
3.1 Sowjetunion in den späten 20er und den 30er Jahren: Das Kapitel beschreibt den Terror unter Stalin, die zunehmende Repression gegen Intellektuelle und die Einschränkung der Privatsphäre durch kollektive Lebensformen.
3.2 Geschichtliche Entwicklungen der sowjetischen Satire in 20er und 30er Jahren: Die Untersuchung befasst sich mit den literarischen Debatten über die Existenzberechtigung der Satire im Sozialismus und den Druck auf Schriftsteller zur Anpassung.
3.3 Die Forderung nach der „Positiven Satire“: Es wird analysiert, wie die sowjetische Führung Literatur als Propagandainstrument nutzte und eine „positive Satire“ forderte, die das System stützen statt kritisieren sollte.
4. Konkrete Kritik in „Master i Margarita“: Dieses Kapitel widmet sich der direkten satirischen Abrechnung Bulgakovs mit den gesellschaftlichen Missständen und der korrupten literarischen Szene Moskaus.
5. Das Karnevaleske in “Master i Margarita”: Die Anwendung der karnevalesken Theorie auf den Roman zeigt, wie Bulgakov durch groteske Elemente und die Umkehrung von Hierarchien das offizielle System satirisch entlarvt.
6. Schlusswort: Das Schlusswort resümiert Bulgakovs Haltung zur Satire und bekräftigt die Notwendigkeit, den Roman als vielschichtiges Werk mit einer eigenständigen satirischen Leseart zu begreifen.
Schlüsselwörter
Master i Margarita, Bulgakov, sowjetische Satire, Stalinismus, Repression, positive Satire, Karnevaleske, Menippea, Literaturkritik, Ideologie, Atheismus, Gesellschaftskritik, russische Literatur, Zensur, historische Rahmenbedingungen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den Roman „Master i Margarita“ unter dem Aspekt seiner satirischen Gestaltung und analysiert, wie Bulgakov darin die soziopolitischen Zustände der Sowjetunion der 1930er Jahre kritisiert.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen umfassen die Rolle der Satire unter der Zensur der Stalin-Ära, die historische Einbettung der Romanhandlung, den Einfluss des „karnevalesken“ Schreibens sowie die Kritik an der sowjetischen Kulturpolitik.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, nachzuweisen, dass Bulgakov den Roman nutzt, um durch eine komplexe satirische Leseart die Diskrepanz zwischen offizieller staatlicher Propaganda und der Realität der sowjetischen Bevölkerung aufzudecken.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse angewandt, die auf historischen Fakten und theoretischen Definitionen der Satire und des Karnevalesken basiert, um die satirischen Strategien im Roman zu deuten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die historische Kontextualisierung der Sowjetunion, die theoretische Definition der Satire, eine inhaltliche Analyse der Kritik am sowjetischen System und die Anwendung karnevalesker Konzepte auf die Romanhandlung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich primär durch die Begriffe Master i Margarita, sowjetische Satire, Stalinismus, Karnevaleske und Gesellschaftskritik definieren.
Warum spielt die Wohnung Nr. 50 eine so wichtige Rolle im Roman?
Die Wohnung Nr. 50 dient als Metapher für die Undurchsichtigkeit und den Terror des stalinistischen Systems, in der Volands Gefolge die moralisch verkommene Moskauer Bevölkerung entlarvt und bestraft.
Wie wird das Verhältnis von „alter“ und „neuer“ Satire in der Arbeit bewertet?
Unter Bezugnahme auf Literaturkritiker wie Bljum wird aufgezeigt, dass die „neue“ sozialistische Satire vom Individuellen und Moralischen abweichen sollte, um dem offiziellen System nicht zu schaden, wogegen Bulgakov mit seiner gnadenlosen Satire opponierte.
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- Igor Blumberg (Author), 2005, Die satirische Leseart des Romans "Der Meister und Margarita", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/47940