Die Beschreibung der Regierung des Kaisers Tiberius in der Historia Romana von Velleius Paterculus


Seminararbeit, 2004
17 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Historia Romana des Velleius Paterculus

3. Die Biographie von Velleius Paterculus

4. Die Beschreibung der Regierung von Tiberius bei Velleius Paterculus
4.1. Die Kapitel über Seian
4.2. Die Kapitel 129 bis 131

5. Der Adressat der Historia Romana

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

8. Quellenverzeichnis

1. Einleitung

In meiner Hausarbeit beschäftige ich mich mit dem römischen Autor Velleius Paterculus und der Beschreibung des Prinzipats des Tiberius in dessen Historia Romana. Um dem Leser einen Überblick über den in der Quelle beschriebenen Zeitraum und die Entstehung des Prinzipats zu geben, beginne ich die Arbeit mit einer kurzen Beschreibung des historischen Hintergrundes. Darauf folgt eine allgemeine Beschreibung der Quelle und ihres Aufbaus, sowie ein Kapitel über den Lebenslauf des Autors. Die Biographie des Velleius Paterculus erklärt bereits teilweise seine positive Einstellung gegenüber Tiberius. Im Analyseteil, dem vierten Kapitel, befasse ich mich nur mit einem Ausschnitt der Quelle, nämlich den letzten Kapiteln, in denen Velleius die Zeit von der Machtübernahme des Tiberius Caesar an bis zum Jahr 30 n. Chr. beschreibt. Velleius Art Tiberius Regierung zu beschreiben ist zwar sehr einseitig positiv geprägt, jedoch ist die Historia Romana die einzige erhaltene Schrift eines Zeitzeugen zu der Regierung des Tiberius. Die Sichtweise des Velleius verrät viel über die Einstellung der römischen Oberschicht zum Prinzipat und die Vorteile die diese Form der Regierung der Schicht der sogenannten homines novi verschaffte. Ich beschränke mich in diesem Hauptteil der Arbeit auf die Regierungszeit des Tiberius und lasse dessen militärische Karriere aussen vor. Diese ist zwar eine der Grundlagen für die gute Beziehung zwischen Tiberius und dem Autor, darauf gehe ich aber im Abschnitt zur Biographie des Velleius Paterculus kurz ein. Die Angaben über den Lebenslauf des Autors sind sehr knapp, da darüber heute sehr wenig bekannt ist, die meisten erhaltenen Informationen stammen aus der Historia Romana selbst, die jedoch auch nur teilweise erhalten ist. Auf den Adressaten der Historiographie, M. Vinicius, gehe ich in einem eigenen Abschnitt kurz ein um die Verbindung zwischen ihm und dem Autor, die vermutlich maßgeblichen Einfluss auf den Inhalt und Stil des Buches hatte, aufzuzeigen. In einem kurzen Fazit werden schließlich die Ergebnisse zusammengefasst.

Literatur zum Thema der Arbeit zu finden war gut möglich. Neben der Primärquelle, der Historia Romana, habe ich vor allem die 2000 in Heidelberg erschienene Habilitationsschrift Ulrich Schmitzers mit dem Titel „Velleius Paterculus und das Interesse an der Geschichte im Zeitalter der Tiberius“ sowie einen Artikel von Claudia Kuntze mit dem Titel „Zur Darstellung des Kaisers Tiberius und seiner Zeit bei Velleius Paterculus“ verwandt.

2. Die Historia Romana des Velleius Paterculus

Die Historia Romana wurde von Velleius Paterculus vermutlich im Zeitraum zwischen 29 und 30 n. Chr. verfasst, und 30 n. Chr. veröffentlicht.[1] Gewidmet ist sie M. Vinicius, einem Freund von Velleius Paterculus, der zu diesem Zeitpunkt Konsul wurde. Die Historia Romana ist das einzige erhaltene Werk von Velleius Paterculus, damit gehört er zu den am schlechtesten überlieferten Schriftstellern aus der römischen Antike.[2] Der Autor bekundet zwar mehrfach die Absicht noch ein umfangreicheres Geschichtswerk zu schreiben, ein solches ist aber heute nicht bekannt. Die bekannte Version der Historia Romana basiert auf einem im Jahr 1515 im elsässischen Kloster Murbach von Beatus Rhenanus entdeckten Codex, der nach dessen Angaben in schlechten Zustand war.[3] Dieser wurde von einem Schüler des Beatus Rhenanus abgeschrieben, danach ging die Originalhandschrift verloren. Nach der ersten Abschrift wurde 1520 in Basel die erste neue Ausgabe (editio princeps) gedruckt. Erst 1834 wurde in Basel die Abschrift eines anderen Schülers von Rhenanus gefunden, mit deren Hilfe weitere Teile des ursprünglichen Textes rekonstruiert werden konnten.[4] Beatus Rhenanus gab dem Werk des Velleius Paterculus auch nachträglich den Titel Historia Romana, der Originaltitel ist nicht überliefert. Dieser neue Titel erfasst den Inhalt des Textes jedoch nur ungenau.[5] Das Hauptgewicht liegt inhaltlich zwar auf der Geschichte Roms, jedoch geht Velleius Paterculus am Anfang seiner Historiographie auch auf die Entwicklung des restlichen Mittelmeerraumes ein. Der Autor beginnt also mit einer universalgeschichtlichen Darstellung und endet mit einer Beschreibung der römischen Gegenwart um 30 n. Chr..[6] So beschreibt er zum Beispiel in Kapitel 6 (1) des ersten Buches den Übergang von der Herrschaft der Assyrer auf die Meder in Asien.[7] Neben politischen Ereignissen beschreibt Velleius Paterculus auch geistesgeschichtliche Entwicklungen in der Literatur und Philosophie. Ausserdem beinhalten die Bücher kurze Exkurse[8], im ersten Buch wird über die Kolonien Roms berichtet[9], im zweiten Buch geht es um die Provinzen[10]. Insgesamt verfolgt er also einen universalgeschichtlichen Ansatz, dafür fasst er sich aber relativ kurz.

Von den zwei Büchern der Historia Romana ist das erste weitgehend verloren gegangen. So sind Widmung, Vorwort und Anfangskapitel nicht erhalten, die Schilderung beginnt in der vorliegenden Ausgabe erst nach dem trojanischen Krieg. Das zweite Buch ist hingegen fast komplett erhalten. Es beginnt mit der Zerstörung Karthagos im Jahr 146 v. Chr., die von Velleius Paterculus als bedeutsamer Einschnitt in der römischen Geschichte betrachtet wurde. Das zweite Buch behandelt die römische Geschichte bis zur Gegenwart des Autors 30 n. Chr. Der Bericht wird immer ausführlicher, je mehr er sich der Lebenszeit des Autors nähert. Dies ist vermutlich auf die bessere Zugänglichkeit von Informationen für den Autor aber auch auf dessen verstärktes Interesse für kürzer zurückliegende Ereignisse, besonders für die Entwicklung des Prinzipats, zurückzuführen. Den Abschluss der Historia Romana bildet eine Anrufung der Götter mit der Bitte um Schutz des Friedens, des römischen Staates, des Kaisers Tiberius, aber auch um Lösung der Nachfolgerfrage. Auch dieses letzte Kapitel ist nicht vollständig erhalten.

Velleius Paterculus Historia Romana ist das einzige überlieferte Werk eines Zeitgenossen über das frühe Prinzipat in Rom.[11]

3. Die Biographie des Velleius Paterculus

Die genauen Lebensdaten von Velleius Paterculus sind nicht überliefert. Man geht aber davon aus, dass er in den Jahren 19 oder 20 v. Chr. geboren wurde.[12] Neben den Lebensdaten ist auch sein Vorname nicht sicher bekannt, er hieß vermutlich Gaius oder Marcus.[13] Die meisten Informationen über das Leben und die Familie des Autors stammen aus seinem Werk seinem Werk selbst. Velleius Paterculus stammte aus Capua, seine Familie gehörte nicht zu den bedeutsamen Adelsfamilien, war aber trotzdem wohlhabend und angesehen. Loyalität zu Rom und militärische Disziplin hatten in der Familie Tradition, was auch die Hinweise des Velleius Paterculus auf seine Vorfahren in der Historia Romana belegen. Während die Familie seiner Mutter zum campanischen Munizipaladel gehörte, war die Familie väterlicherseits Teil des römischen Ritterstandes.[14] So erwähnt er zum Beispiel in Kapitel 76 (1) des zweiten Buches auf die Karriere seines Großvaters C. Velleius hin, der unter Pompeius 52 v. Chr. Richter war[15], und unter M. Brutus und Ti. Nero als Pionieroberst diente.[16] Der Vater von Velleius Paterculus hatte ebenfalls Karriere beim Militär gemacht und es bis zum Rang des praefectus equitum gebracht[17]. So begann auch Velleius Paterculus eine Offizierslaufbahn und kämpfte unter anderem mit C. Caesar bei dem Partherzug im Jahr 2 n. Chr. im Orient. Später wurde er praefectus equitum im Heer des Tiberius und stieg schließlich sogar zum legatus augusti auf. Er und sein Bruder wurden bei einem Triumph den Tiberius 13 n. Chr. feiert für ihre Leistungen im Militär ausgezeichnet.[18] Im Jahr 14 n. Chr. wurden er und sein Bruder von Kaiser Augustus zum Praetor nominiert. Nach dem Tod von Augustus wurde er dann als candidatus caesaris, also mit Tiberius Unterstützung, auch gewählt. Dies erwähnt er auch im Kapitel 124 (4) des zweiten Buches: „Damals wurde mir und meinem Bruder das Glück zuteil, als Kandidaten des Caesars zu Prätoren gewählt zu werden,und zwar unmittelbar nach Männern aus höchstem Adel, uns solchen die Priesterämter innegehabt hatten.“[19]. Die Tatsache, dass Velleius Paterculus extra beschreibt, dass er neben vielen Adligen und Priestern in sein Amt gewählt wurde zeigt, dass er zu den so genannten homines novi gehörte. Er stammte nicht aus einer der alten Adelsfamilien für die hohe Posten im Staat fast selbstverständlich waren, sondern gehörte zur Munizipalaristokratie die in der Zeit des Prinzipats vollkommen neue Aufstiegsmöglichkeiten erhielt.[20] Hierbei halfen ihm die Kontakte seiner Familie zur Familie des Tiberius entscheidend weiter. Über die folgenden Jahre im Leben des Velleius Paterculus ist nur wenig bekannt, erst mit dem Erscheinen der Historia Romana im Jahr 30 n. Chr. machte er wieder auf sich aufmerksam. Auch das Todesjahr des Autors ist nicht überliefert.[21]

[...]


[1] Kuntze, C., „Zur Darstellung des Kaisers Tiberius u. seiner Zeit bei Velleius Paterculus“, in: Europäische Hochschulschriften, Reihe III-Geschichte u. ihre Hilfswissenschaften, Bd. 247, Frankfurt/Bern/New York, S. 20.

[2] Giebel, M., „Kommentar zum lateinischen Text“ in: Paterculus, Velleius, „Historia Romana“, übersetzt u. herausgegeben v. Marion Giebel, Stuttgart 1992, S. 279.

[3] Schanz, M., Artikel „Velleius Paterculus“ Paterculus,in: „Geschichte der römischen Literatur“, 2. Teil, 4. bearb. Auflage (=Handbuch der Altertumswissenschaften, W. Otto (Hrsg.), 8. Abteilung, 2. Teil), München 1959, S. 587.

[4] Giebel, M., „Kommentar zum lateinischen Text“ in: Paterculus, Velleius, „Historia Romana“, übersetzt u. herausgegeben v. Marion Giebel, Stuttgart 1992, S. 279.

[5] Kuntze, C., „Zur Darstellung des Kaisers Tiberius u. seiner Zeit bei Velleius Paterculus“, in: Europäische Hochschulschriften, Reihe III-Geschichte u. ihre Hilfswissenschaften, Bd. 247, Frankfurt/Bern/New York, S. 13.

[6] Schmitzer, U., „Velleius Paterculus und das Interesse an der Geschichte im Zeitalter des Tiberius“ (=Bibliothek d. klass. Altertumswissenschaften, Reihe 2 Bd. 107) Heidelberg 2000, S. 268.

[7] Paterculus, Velleius, „Historia Romana“, übersetzt u. herausgegeben v. Marion Giebel, Stuttgart 1992, S. 13.

[8] Schanz, M., Artikel „Velleius Paterculus“,in: „Geschichte der römischen Literatur“, 2. Teil, 4. bearb. Auflage (=Handbuch der Altertumswissenschaften, W. Otto (Hrsg.), 8. Abteilung, 2. Teil), München 1959, S. 583.

[9] Paterculus, Velleius, „Historia Romana“, übersetzt u. herausgegeben v. Marion Giebel, Stuttgart 1992, S. 29.

[10] Paterculus, Velleius, „Historia Romana“, übersetzt u. herausgegeben v. Marion Giebel, Stuttgart 1992, S. 45.

[11] Giebel , M. , „Nachwort“, in: Paterculus, Velleius, „Historia Romana“, übersetzt u. herausgegeben v. Marion Giebel, Stuttgart 1992, S. 363.

[12] Kuntze, C., „Zur Darstellung des Kaisers Tiberius u. seiner Zeit bei Velleius Paterculus“, in: Europäische Hochschulschriften, Reihe III-Geschichte u. ihre Hilfswissenschaften, Bd. 247, Frankfurt/Bern/New York, S. 11.

[13] Giebel, Marion, „Nachwort“ zu: Paterculus, Velleius, „Historia Romana“, übersetzt u. herausgegeben von Marion Giebel, Stuttgart 1992, S. 365.

[14] Kuntze, C., „Zur Darstellung des Kaisers Tiberius u. seiner Zeit bei Velleius Paterculus“, in: Europäische Hochschulschriften, Reihe III-Geschichte u. ihre Hilfswissenschaften, Bd. 247, Frankfurt/Bern/New York, S. 11.

[15] Schanz, M., Artikel „Velleius Paterculus“ in: „Geschichte der römischen Literatur“, (= Handbuch der Altertumswissenschaften, 2. Teil, 4. Neu bearb. Auflage, Otto, W. (Hrsg.)) München 1959, S. 580.

[16] Paterculus, Velleius, „Historia Romana“, übersetzt und herausgegeben von Marion Giebel, Stuttgart 1992, S. 175.

[17] Schmitzer, Ullrich, „Velleius Paterculus und das Interesse an der Geschichte im Zeitalter des Tiberius“, „Bibliothek der klassischen Altertumswissenschaften“, 2. Reihe, Band 107, Petersmann, H. (Hrsg.), Heidelberg 2000, S. 24.

[18] Schanz, M., Artikel „Velleius Paterculus“ in: „Geschichte der römischen Literatur“, (= Handbuch der Altertumswissenschaften, 2. Teil, 4. Neu bearb. Auflage, Otto, W. (Hrsg.)) München 1959, S. 580.

[19] Paterculus, Velleius, „Historia Romana“, übersetzt und herausgegeben von Marion Giebel, Stuttgart 1992, S. 261.

[20] Giebel, M., „Nachwort“ in: Paterculus, Velleius, „Historia Romana“, übersetzt u. herausgegeben v. Marion Giebel, Stuttgart 1992, S. 371.

[21] Kuntze, C., „Zur Darstellung des Kaisers Tiberius u. seiner Zeit bei Velleius Paterculus“, in: Europäische Hochschulschriften, Reihe III-Geschichte u. ihre Hilfswissenschaften, Bd. 247, Frankfurt/Bern/New York, S. 11.

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Details

Titel
Die Beschreibung der Regierung des Kaisers Tiberius in der Historia Romana von Velleius Paterculus
Hochschule
Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen  (Historisches Institut)
Veranstaltung
Proseminar Einführung in die Alte Geschichte
Note
2,0
Autor
Jahr
2004
Seiten
17
Katalognummer
V47947
ISBN (eBook)
9783638447775
ISBN (Buch)
9783656131946
Dateigröße
393 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Beschreibung, Regierung, Kaisers, Tiberius, Historia, Romana, Velleius, Paterculus, Proseminar, Einführung, Alte, Geschichte
Arbeit zitieren
Denise Engel (Autor), 2004, Die Beschreibung der Regierung des Kaisers Tiberius in der Historia Romana von Velleius Paterculus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/47947

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