Der Großpolnische Aufstand 1918


Referat (Ausarbeitung), 2001
10 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Hintergründe zum Aufstand

3. Die Haltung der Ententemächte bezüglich der deutschen Ostgrenze

4. Die innerpolnischen Verhältnisse

5. Der Großpolnische Aufstand

6. Nach dem Aufstand

7. Thesen

8. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Der „Großpolnische Aufstand“ vom 27.12.1918 in der deutschen Ostprovinz Posen sicherte den Polen de facto die Herrschaft in der Provinz. Er hat einen für Polen so hohen nationalen Stellenwert wahrscheinlich deshalb erreicht, weil er seit der Teilung Polens der einzige Aufstand war, der mit einem Sieg der polnischen Seite endete. „Großpolnisch“ ist die geographische Bezeichnung für die Provinz Posen und bezieht sich nicht auf die Größe des Aufstandes. Der Aufstand dauerte bis zum 16.2.1919 und wurde von den Alliierten im Trierer Waffenstillstandsabkommen durch die Festlegung einer Demarkationslinie beendet. Durch diese Demarkationslinie wurde das Deutsche Reich daran gehindert, die aufständische Provinz militärisch wieder unter seine Kontrolle zu bringen.

Obwohl in seinem militärischen Ausmaß nicht sehr bedeutend, spielte der Aufstand eine bedeutende Rolle für die Frage nach Gebietsabtretungen des Deutschen Reiches an den neuen Staat Polen. Polen stellte territoriale Ansprüche an Deutschland bezüglich der Provinzen Westpreußen, Ober- und Mittelschlesien, Posen und Teilen Ostpreußens. Der Aufstand war der Versuch der polnischen Seite, noch vor der Friedenskonferenz in Paris, die über den Grenzverlauf der deutsch-polnischen Grenze entscheiden sollte, Fakten zu schaffen.

2. Hintergründe zum Aufstand

Nach dem Zusammenbruch der Mittelmächte im Herbst 1918 war für die Polen die Gelegenheit für die Wiederherstellung eines eigenen Staates gekommen. Die Bildung eines polnischen Staates war Inhalt der 14 Punkte Wilsons, auf deren Basis alle Fragen bezüglich der Nachkriegsordnung in Europa behandelt wurden. Punkt 13 versprach den Polen einen eigenen unabhängigen Staat, doch gab es keine klare Angabe, wo die Grenzen des zukünftigen polnischen Staates verlaufen sollten. Im Punkt 13 heißt es, die Gebiete sollten an Polen fallen, in denen es unzweifelhaft polnische Bevölkerung gab. Das war jedoch keine für die Praxis eindeutige Formulierung, denn viele Gebiete im Osten des Deutschen Reiches wiesen eine große Mischung der Bevölkerung auf. In manchen Teilen überwog der Anteil der Deutschen, in anderen die polnische Bevölkerung.

Die polnischen Führungsschichten betrachteten umfangreiche Gebietsabtretungen als historische Gerechtigkeit und wollten ihre Maximalforderungen um jeden Preis durchsetzen.

Die deutsche Reichsregierung wies alle polnischen Forderungen zurück und betonte den deutschen Charakter der Gebiete. Durch die jahrzehntelange Herrschaft Preußens seien die Gebiete deutsch geworden, die deutsche Kultur habe sich in den Ostgebieten festgesetzt. Außerdem stelle die deutsche Bevölkerung in vielen Gebieten die Mehrheit. Sie könnten allein deshalb nicht von Deutschland abgetrennt werden.

Da die deutsche und die österreichisch-ungarische Regierung im November 1916 das Königreich Polen auf dem Boden der russischpolnischen Gebiete wiederhergestellt hatten, existierte zum Zeitpunkt des militärischen Zusammenbruchs der Mittelmächte bereits ein handlungsfähiger polnischer Staat. Da man auf ein Einlenken der polnischen Regierung hoffte, versuchte die Reichsregierung unter Umgehung der Ententemächte im Herbst 1918 zunächst, die Grenzfragen bilateral mit Polen zu regeln und die Ziehung der deutschen Ostgrenze aus dem Friedensvertrag auszuklammern.

3. Die Haltung der Ententemächte bezüglich der deutschen Ostgrenze

a) Frankreich

Frankreich betrachtete Polen als potentiellen Bundesgenossen gegen Deutschland. Den Franzosen war klar, dass Deutschland nicht für immer am Boden gehalten werden konnte, deswegen sollten Vorkehrungen getroffen werden. Auch in Zukunft würde Deutschland der Hauptgegner im Kampf um die Vormachtstellung auf dem europäischen Kontinent sein, daher brauchte man unbedingt einen starken Bündnispartner im Rücken Deutschlands. Das zaristische Russland, welches diese Funktion in der Vergangenheit eingenommen hatte, war weggefallen. An ein Zusammengehen mit den Sowjets war in den ersten Nachkriegsjahren nicht zu denken. Deshalb musste eine starke Macht im Rücken Deutschlands geschaffen werden. Für diese neue Rolle als Bündnispartner bot sich Polen an. Es war daher im Interesse Frankreichs, dass Polen so viele deutsche Gebiete wie möglich bekam. Das französische Verhältnis zu Polen definierte sich fast ausschließlich über das Verhältnis zu Deutschland, nicht aus Freundschaft zu Polen. Eine gleichberechtigte Rolle als Bündnispartner wollte Frankreich Polen nicht gewähren, da man für die Zukunft auf Russland als Bündnispartner hoffte.

b) Großbritannien

Die Briten wollten Frankreich auf keinen Fall zur dominanten Macht auf dem Kontinent werden lassen. Sie wollten ein Gleichgewicht der Mächte auf dem Kontinent wahren, was bedeutete, dass Deutschland nicht zu sehr geschwächt werden durfte. Denn durch den Wegfall Österreich-Ungarns und den Zusammenbruch des Zarenreiches würde eine zu starke Schwächung Deutschlands zu einer dominanten Stellung Frankreichs in Kontinentaleuropa führen. England wollte einen polnischen Staat, brauchte ihn aber nicht als Bundesgenossen. Es hatte somit kein Interesse daran, Polen mächtig werden zu lassen. Auch erregten ehrgeizige polnische Forderungen nach einer Großmachtstellung Lloyd George, den englischen Premierminister. Es sprach von den kleinen Raubstaaten, die die Schwäche der Kriegsverlierer nutzen wollten, um imperialistische Ansprüche zu stellen. Ihm war klar, dass Deutschland auf jeden Fall versuchen würde, ungerechtfertigte Grenzziehungen im Osten zu revidieren, und das konnte einen neuen Krieg bedeuten.

c) USA

Für die USA unter Präsidenten Wilson galt es als oberstes Gebot, den Frieden für die Zukunft zu sichern. Dies hoffte man mit Hilfe des Völkerbundes zu erreichen. Ein Krieg wie der 1. Weltkrieg sollte für die Zukunft unmöglich gemacht werden, und jedes Volk sollte in die Lage versetzt werden, frei über sich selbst zu bestimmen. Neben gerechten und guten Vorsätzen standen Wilson und die amerikanische Verhandlungsdelegation bei den Pariser Gesprächen unter starkem Einfluss des polnischen Nationalkomitees mit Sitz in Paris. Sie wurde von ca. 4 Millionen wahlberechtigten polnischen Amerikanern bedrängt. Da war es nicht einfach, Deutschland Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, besonders da sich teilweise gleichberechtigte Ansprüche gegenüber standen.

4.Die innerpolnischen Verhältnisse: Dmowski contra Pilsudski

Verhandlungen mit Deutschland wurden auf polnischer Seite durch den Machtkampf zwischen polnischen Sozialisten und Nationaldemokraten erschwert, die beide die Führung des zukünftigen polnischen Staates für sich beanspruchten. Der Führer der polnischen Sozialisten und vorläufiger Staatschef von Polen, Pilsudski, hatte sich im Krieg auf die Seite der Mittelmächte gestellt. Er hatte bei einem Sieg der Mittelmächte auf eine Ostausdehnung des polnischen Staates gehofft: Der „Jagiello-Pfad sah vor, Gebiete aus Litauen, Estland, Ukraine und Weißrussland an Polen anzugliedern, entweder in einer Föderation oder durch Annektion. Gebietsansprüche im Westen waren bis zum Kriegsende nicht vorgesehen. Aus diesem Grund hoffte die deutsche Reichsregierung zu einer bilateralen Einigung mit Pilsudski zu gelangen, die keine Gebietsabtretungen vorgesehen hätte. Entgegen deutschen Hoffnungen war Pilsudski jedoch nach Kriegsende nicht bereit, auf Gebietsforderungen im Westen zu verzichten. Das wäre innenpolitisch einem Selbstmord gleichgekommen, denn ein Gebietsverzicht wäre von den Nationaldemokraten sofort als Verrat am Heimatland ausgelegt worden.

[...]

Ende der Leseprobe aus 10 Seiten

Details

Titel
Der Großpolnische Aufstand 1918
Hochschule
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg  (für Geisteswissenschaften)
Veranstaltung
HS: Deutsch-polnische Nationalitätenkämpfe in der Provinz Posen und in Masuren
Note
1,0
Autor
Jahr
2001
Seiten
10
Katalognummer
V47962
ISBN (eBook)
9783638447904
Dateigröße
506 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Referate entstanden für eine 10-tägige Exkursion nach Polen und waren mit Recherchen vor Ort verbunden.
Schlagworte
Großpolnische, Aufstand, Deutsch-polnische, Nationalitätenkämpfe, Provinz, Posen, Masuren
Arbeit zitieren
Roland Bernecker (Autor), 2001, Der Großpolnische Aufstand 1918, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/47962

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