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Der rationale Nichtwähler - Ein Ausblick über den Rational Choice Ansatz in der Nichtwählerforschung

Title: Der rationale Nichtwähler - Ein Ausblick über den Rational Choice Ansatz in der Nichtwählerforschung

Term Paper (Advanced seminar) , 2003 , 23 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Vera Zischke (Author)

Politics - Political Theory and the History of Ideas Journal
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„In den Ländern, Kreisen und Gemeinden muß das Volk eine Vertretung haben, die aus allgemeinen, unmittelbaren, freien, gleichen und geheimen Wahlen hervorgegangen ist.“ 1 Dennoch verzichten zunehmend mehr Menschen freiwillig auf ihr Mitbestimmungsrecht in Form der Stimmabgabe. In der Bundesrepublik Deutschland ist seit Mitte der Achtziger Jahre ein Rückgang der Wahlbeteiligung auf allen politischen Ebenen, von Landtags- bis hin zu Bundestagswahlen zu verzeichnen 2 . Hier entwickelte sich ein neuer Aufgabenbereich für die deutsche Wahlforschung, die bis dahin mit einer im europaweiten Vergleich überdurchschnittlich hohen Wahldisziplin rechnen konnte 3 . Zu der Kernfrage wer wen aus welchem Grund wählt, kam die Frage hinzu wer nicht wählt und wie er dies begründet. „Bisherige Ergebnisse über die Nichtwähler“, so urteilt Kleinhenz, „sind mehr als zufälliges Abfallprodukt politikwissenschaftlicher Untersuchung anzusehen“ 4 .

Im Zuge der Ausdifferenzierung politikwissenschaftlicher und wahlsoziologischer Erklärungsansätze zu diesem Phänomen gewann so eine Theorie an Bedeutung, die zuvor überwiegend in der amerikanischen Politikwissenschaft Anerkennung gefunden hatte. Die Rational-Choice-Theorie, angewendet auf das (Nicht-) Wählerverhalten im Rahmen der ökonomischen Politiktheorie von Anthony Downs, beschreibt die Wahlentscheidung als eine auf dem individuellen Kosten-Nutzen-Kalkül basierende Überlegung. Dadurch hebt sie sich deutlich von den rein makrosoziologischen Ansätzen ab, die politische Partizipation in einen „sozial- und politikgeschichtlichen Erklärungszusammenhang“ 5 stellen und, wie zum Beispiel bei der Cleavage- Theorie von Lipset und Rokkan, von gesamtgesellschaftlichen Strukturen als Ursache für den Wahlverzicht ausgehen. Darüber hinaus bietet die Rational-Choice-Theorie, im Gegensatz zu sozialstrukturellen Ansätzen wie der Wertewandel- oder Dealignment-These 6 , einen Erklärungsansatz, der mehrere und auch kurzfristige Entscheidungsfaktoren einbezieht 7 . [...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Von der Wahlforschung zur Nichtwählerforschung - eine Einleitung

2 Der aktive Nichtwähler - welche Fragen sind an eine Theorie der rationalen Stimmenthaltung zu stellen?

3 Der Rational- Choice-Ansatz - ist Wählen rational?

3.1 Die Theorie des rationalen Wahlverhaltens nach Anthony Downs

3.1.1 Anforderungen an den rationalen Wähler

3.1.2 Kosten und Nutzen des Wahlaktes

3.1.3 Das Wahlparadoxon

3.2 Kritische Weiterentwicklungen des Rational-Choice-Ansatzes

3.2.1 Die Strategie des geringsten Bedauerns

3.2.2 Der rationale Narr und Wählen als Katz-und-Maus-Spiel

3.2.3 Die Stimmabgabe als psychische Gratifikation

4. Chancen und Risiken des Rational-Choice-Ansatzes

5. Zusammenfassung und Ausblick

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht die Anwendbarkeit des Rational-Choice-Ansatzes nach Anthony Downs auf das Phänomen der Nichtwahl. Ziel ist es, kritisch zu beleuchten, ob und unter welchen Bedingungen die Entscheidung zum Wahlverzicht als rationaler Akt im Sinne einer Kosten-Nutzen-Kalkulation verstanden werden kann.

  • Analyse der ökonomischen Theorie des Wahlverhaltens
  • Kritische Auseinandersetzung mit dem sogenannten Wahlparadoxon
  • Diskussion des Rationalitätsbegriffs im Kontext politischer Partizipation
  • Evaluierung von Erweiterungen des Modells (z.B. psychische Gratifikation)
  • Gegenüberstellung von Chancen und Grenzen des Rational-Choice-Ansatzes

Auszug aus dem Buch

3.1.3 Das Wahlparadoxon

An dieser Stelle muss daher danach gefragt werden, worin eigentlich der persönliche Nutzen durch den Wahlakt liegt. Kritiker des Rational-Choice-Ansatzes sehen den zumeist darin, mit der eigenen Stimme einen entscheidenden Beitrag zum Sieg des bevorzugten Kandidaten zu leisten. So konzentriert sich die Kritik an Downs´ Theorie zumeist daran, dass in einer millionenfachen Wählerschaft die Wahrscheinlichkeit, die ausschlaggebende Stimme abzugeben, verschwindend gering ist. Der darin definierte Nutzen aus dem Wahlakt könnte somit niemals die Kosten übersteigen – eine Teilnahme an der Wahl wäre somit nicht rational zu erklären. Oder wie es Eilfort formuliert:

„Da nun die Wahrscheinlichkeit, dass eine Stimme den Ausschlag gibt, angesichts der Zahl der Wahlberechtigten bei den meisten Wahlen extrem gering ist, und auch die zu erwartenden persönlichen Vorteile durch den Wahlsieg einer Partei oder eines Kandidaten sich in der Regel in Grenzen halten, übersteigen selbst noch so geringe Kosten der Stimmabgabe ihren Nutzen – niemand dürfte sich an Wahlen beteiligen, der rationale, logische Wähler wäre ein Nichtwähler!“

Zusammenfassend lässt sich also festhalten, dass die Kosten eines Wahlaktes vornehmlich in der Informationsbeschaffung, der Meinungsbildung und generell dem Zeitaufwand liegen. Der Nutzen besteht für den rationalen Wähler darin, seinem favorisierten Kandidaten zum Wahlsieg zu verhelfen, damit dieser wiederum politische Maßnahmen trifft, die die Lebenssituation des Wählers positiv beeinflussen.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Von der Wahlforschung zur Nichtwählerforschung - eine Einleitung: Dieses Kapitel thematisiert den Rückgang der Wahlbeteiligung in Deutschland und führt die Rational-Choice-Theorie als Erklärungsansatz für politisches (Nicht-)Wählerverhalten ein.

2 Der aktive Nichtwähler - welche Fragen sind an eine Theorie der rationalen Stimmenthaltung zu stellen?: Hier wird der Nichtwähler nicht als passives Subjekt, sondern als Individuum mit einer abwägenden Entscheidung dargestellt, wobei die Forschungsfragen für die folgende theoretische Analyse definiert werden.

3 Der Rational- Choice-Ansatz - ist Wählen rational?: Dieses zentrale Kapitel analysiert die Grundlagen des Homo Oeconomicus im politischen Kontext und hinterfragt die Rationalität des Wahlaktes kritisch.

4. Chancen und Risiken des Rational-Choice-Ansatzes: Die kritische Reflexion des Ansatzes zeigt auf, dass die Theorie zwar bei der Strukturierung von Wahlentscheidungen hilft, aber durch die begrenzte ökonomische Rationalität an Grenzen stößt.

5. Zusammenfassung und Ausblick: Das Fazit resümiert die Eignung des Rational-Choice-Ansatzes und weist auf die Notwendigkeit ergänzender sozialpsychologischer Ansätze hin.

Schlüsselwörter

Rational-Choice, Nichtwählerforschung, Anthony Downs, Wahlparadoxon, Kosten-Nutzen-Kalkül, Homo Oeconomicus, Politische Partizipation, Wahlentscheidung, Rationalitätsbegriff, Stimmenthaltung, Nutzenmaximierung, Politische Meinungsbildung, Wahlverhalten, Psychische Gratifikation

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht, inwieweit das rationale Wahlmodell nach Anthony Downs dazu geeignet ist, das Phänomen der Nichtwahl zu erklären.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Im Zentrum stehen die ökonomische Theorie des Wahlverhaltens, das Wahlparadoxon sowie die kritische Weiterentwicklung des Rationalitätsbegriffs.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist die kritische Beleuchtung der Chancen und Grenzen des Rational-Choice-Ansatzes in der modernen Nichtwählerforschung.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt die theoretische Analyse und Literaturkritik, um den Rational-Choice-Ansatz auf das reale Nichtwählerverhalten anzuwenden.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert das Modell von Anthony Downs, die Anforderungen an den rationalen Wähler, Kosten und Nutzen des Wahlaktes sowie verschiedene kritische Erweiterungen des Modells.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den wichtigsten Begriffen zählen Rational-Choice, Wahlparadoxon, Kosten-Nutzen-Kalkül und Nichtwählerverhalten.

Wie erklärt die Theorie das Wahlparadoxon?

Das Paradoxon beschreibt, dass die Kosten der Stimmabgabe bei einer verschwindend geringen Wahrscheinlichkeit, die Wahl entscheidend zu beeinflussen, den persönlichen Nutzen übersteigen, was den rationalen Wähler eigentlich zum Nichtwähler macht.

Inwiefern spielen psychologische Faktoren eine Rolle?

Einige Autoren ergänzen das Modell um den Aspekt der „psychischen Gratifikation“, bei dem der Wahlakt selbst oder das Erfüllen sozialer Normen (Bürgerpflicht) einen Nutzen stiftet.

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Details

Title
Der rationale Nichtwähler - Ein Ausblick über den Rational Choice Ansatz in der Nichtwählerforschung
College
University of Dusseldorf "Heinrich Heine"  (Sozialwissenschaftliches Institut)
Course
Masterkurs: Politische Parteien im neuen Europa
Grade
1,0
Author
Vera Zischke (Author)
Publication Year
2003
Pages
23
Catalog Number
V47968
ISBN (eBook)
9783638447935
Language
German
Tags
Nichtwähler Ausblick Rational Choice Ansatz Nichtwählerforschung Masterkurs Politische Parteien Europa
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Vera Zischke (Author), 2003, Der rationale Nichtwähler - Ein Ausblick über den Rational Choice Ansatz in der Nichtwählerforschung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/47968
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