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Jugend in der DDR: politische Sozialisation und Mentalitätsentwicklung

Title: Jugend in der DDR: politische Sozialisation und Mentalitätsentwicklung

Bachelor Thesis , 2002 , 32 Pages , Grade: 2,3

Autor:in: Vera Zischke (Author)

Sociology - Children and Youth
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Die staatlich festgeschriebenen Anforderungen an die Jugendlichen in der DDR waren hoch - sozialistische Persönlichkeiten sollten sie werden, die politischen Zielvorgaben als die eigenen anerkennen und zudem sollten sie im alltäglichen Leben deutlich machen, dass dies auch ihrer vollen Überzeugung entsprach. Die Freiheiten in der Umsetzung dieser Vorgaben waren gering - in der Regel durchlebte der Jugendliche die sogenannte sozialistische Normalbiographie. Die Weichen dafür wurden bereits in frühester Kindheit mit einem umfassenden Netz an vorschulischer Kinderbetreuung gesetzt, gefolgt vom Besuch der Einheitsschule und der Freizeitorganisationen, bis hin zur staatlich angeleiteten Berufswahl. Strukturelle Besonderheiten des DDR-Systems wie zum Beispiel jene Kinderkrippen und der politisch-ideologische Hintergrund der staatlichen Erziehung machen die Sozialisation der DDR-Jugendlichen zu einem umfassenden Untersuchungsgegenstand. Im Verlauf dieser Arbeit sollen die staatlichen Sozialisationsinstanzen der DDR untersucht und deren Folgen für die Mentalitätsentwicklung der Jugendlichen bewertet werden. Die Kernfragen lauten dabei: War die staatlich eingeforderte vollständige Identifikation mit dem Marxismus-Leninismus Wirklichkeit oder Wunschdenken der SED? War eine distanzierte, kritische Haltung zum politischen System der DDR möglich, nachdem dessen Sozialisationsinstanzen durchlaufen waren? Lag eine kritische Distanz überhaupt im Interesse der Jugendlichen? Und gab es eine DDR-spezifische Jugendmentalität? Als Jugendspanne gilt in der vorliegenden Arbeit der Zeitraum vom 14. bis zum 25. Lebensjahr. Diese Festlegung orientiert sich sowohl an der themenbezogenen wissenschaftlichen Literatur, als auch an der Rahmengebung des Zentralinstitutes für Jugendforschung in Leipzig, das zu DDR-Zeiten als wohl bedeutendstes Untersuchungsorgan für Stimmungen und Überzeugungen der Jugendlichen galt und für nachfolgende Untersuchungen noch bis heute gilt. Die Jugend in der DDR wird außerdem als Gesamtheit begriffen und nicht in verschiedene Generationen unterteilt. Denn neben einigen Veränderungen in den Erziehungspraktiken der DDR, die hier auszugsweise Erwähnung finden, blieb das hauptsächliche Erziehungsziel, die sozialistische Persönlichkeit, über die Jahre hinweg unverändert. [...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einführung - die Normalbiografie des ostdeutschen Jugendlichen

2 Der Sozialisationsbegriff

2.1 Der Sozialisationsbegriff im Marxismus-Leninismus

3 Staatliche Sozialisationsinstanzen in der DDR - der Staat als Erziehungsberechtigter?

3.1 Die Vorschulische Erziehung in Krippe und Kindergarten

3.2 Das Schulsystem der DDR

3.3 Berufsfindung in einer Planwirtschaft

3.3 Hochschule im Sozialismus

4 Freizeit oder Teilzeit? Cliquen und Jugendorganisationen in der DDR

4.1 Die Jugendorganisationen der DDR

4.2 Formalisierung und Symbolisierung in den Jugendorganisationen

4.3 Jugendclubs als Grauzone zwischen Privatheit und Öffentlichkeit

5 Heimatland DDR - Mentalitätsentwicklung und nationale Identität

5.1 Identifikation mit der DDR im Allgemeinen

5.2 Identifikation mit dem Marxismus-Leninismus im Speziellen

6 Resümee - Sozialisationsziele und Erfolge

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht die staatlichen Sozialisationsinstanzen in der DDR und deren Einfluss auf die Mentalitätsentwicklung Jugendlicher. Im Zentrum steht die Frage, inwieweit die staatlich geforderte Identifikation mit dem Marxismus-Leninismus tatsächlich verinnerlicht wurde oder ob eine Distanzierung zum System stattfand.

  • Staatliche Einflussnahme durch vorschulische Erziehung und das Bildungssystem
  • Die Rolle der Jugendorganisationen und Freizeitgestaltung
  • Verhältnis zwischen ideologischen Vorgaben und individueller Lebenswelt
  • Entwicklung nationaler Identität und kritischer Distanz zum DDR-Regime
  • Spannungsfeld zwischen privatem Wunschdenken und öffentlicher Anpassung

Auszug aus dem Buch

3.1 Die vorschulische Erziehung in Krippe und Kindergarten

Als erste staatliche Sozialisationsinstanz fungierte in der DDR die Kinderkrippe, in der Säuglinge in den ersten Lebenswochen bis dreijährige Kleinkinder betreut wurden. Begleitet von dem vor allem in westdeutschen Medien vielzitierten Vorwurf, dass ein Großteil der elterlichen Erziehungspflichten an den Staat abgegeben wurde, befanden sich 95 Prozent der Kinder ab dem zweiten Lebensjahr überwiegend ganztägig in einer Krippe (vgl. Wensierski 1994: 50). Im Jahre 1989 besuchten 94 Prozent der Drei- bis Sechsjährigen den Kindergarten (vgl. Trommsdorff 1996: 52). In einer Gesellschaft, „die auf die Mitarbeit der Frauen in der Volkswirtschaft angewiesen war“ (ebd.: 176) und in der im Jahre 1990 „mehr als 90% der Frauen im Alter zwischen 15 und 60 Jahren berufstätig“ waren (ebd.: 177), kann die vorschulische Betreuung lediglich als eine an die Eltern gerichtete Entlastung durch den Fürsorgestaat DDR verstanden werden.

Auffällig ist hierbei eine besonders frühe Vermittlung bereits komplexer ideologischer Grundwerte in der Phase der primären Sozialisation. Statt dem Erlernen dieser Werte steht hier aufgrund des jungen Alters der Sozialisanden die distanzlose und unkritische Internalisierung im Vordergrund. Allerdings bleibt die Umsetzung dieser Erziehungsziele in der Praxis schwer vorstellbar, klingen sie doch wenig altersgerecht.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einführung - die Normalbiografie des ostdeutschen Jugendlichen: Dieses Kapitel erläutert die staatlichen Anforderungen an die "sozialistische Persönlichkeit" und definiert die untersuchte Altersspanne sowie das Untersuchungsvorhaben.

2 Der Sozialisationsbegriff: Hier werden die theoretischen Grundlagen der Sozialisation gemäß der klassischen Soziologie dargelegt und in den marxistisch-leninistischen Kontext übertragen.

3 Staatliche Sozialisationsinstanzen in der DDR - der Staat als Erziehungsberechtigter?: Dieses Kapitel analysiert das Erziehungssystem von der Krippe über die Schule bis hin zur Hochschule und deren ideologischen Anspruch.

4 Freizeit oder Teilzeit? Cliquen und Jugendorganisationen in der DDR: Der Fokus liegt auf der Rolle von Jugendverbänden wie der FDJ und dem Versuch, auch die private Freizeitgestaltung politisch zu kontrollieren.

5 Heimatland DDR - Mentalitätsentwicklung und nationale Identität: Hier wird anhand empirischer Daten untersucht, wie sich die Identifikation der Jugendlichen mit dem Staat und seiner Ideologie über die Zeit verändert hat.

6 Resümee - Sozialisationsziele und Erfolge: Dieses Kapitel zieht ein Fazit über die Reichweite der sozialistischen Erziehungsziele und den tatsächlichen Erfolg der politischen Sozialisation.

Schlüsselwörter

DDR, Jugend, Sozialisation, Sozialistische Persönlichkeit, FDJ, Marxismus-Leninismus, Mentalität, Erziehung, Identifikation, Planwirtschaft, Politisierung, Alltagsschizophrenie, Bildungssystem, Jugendweihe, DDR-Geschichte.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?

Die Arbeit untersucht die politische Sozialisation von Jugendlichen in der DDR, also wie der Staat versuchte, junge Menschen im Sinne seiner Ideologie zu formen.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Die Schwerpunkte liegen auf den staatlichen Erziehungsinstanzen (Krippe, Schule, Hochschule), den Jugendorganisationen (insb. FDJ) sowie der Entwicklung der Mentalität und nationalen Identität der Jugendlichen.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, zu bewerten, inwieweit die staatliche Forderung nach einer "sozialistischen Persönlichkeit" tatsächlich umgesetzt wurde und ob die Jugendlichen eine kritische Distanz zum System entwickelten.

Welche wissenschaftliche Methode liegt der Arbeit zugrunde?

Die Autorin nutzt eine Literaturanalyse sowie die Auswertung empirischer Studien, insbesondere des Zentralinstituts für Jugendforschung (ZIJ) zu DDR-Zeiten.

Was steht im Hauptteil im Fokus?

Der Hauptteil analysiert, wie staatliche Vorgaben in den verschiedenen Bildungsphasen und in der Freizeitgestaltung durchgesetzt wurden und wie die Jugendlichen darauf reagierten.

Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?

Wichtige Begriffe sind Sozialisation, DDR-Bildungssystem, FDJ, marxistisch-leninistische Ideologie und Mentalitätswandel.

Gab es in der DDR eine "Alltags-Schizophrenie"?

Ja, laut Arbeit beschreibt dieser Begriff das Phänomen, dass Jugendliche in der Öffentlichkeit systemkonform auftraten, während sie im privaten Kreis eine kritische oder abweichende Haltung einnahmen.

Hatte die Mitgliedschaft in der FDJ Vorteile für die Jugendlichen?

Eine Mitgliedschaft war oft die Voraussetzung für den Zugang zu weiterführenden Bildungswegen oder Freizeitangeboten, wurde jedoch von vielen Jugendlichen eher als formelle Pflichtübung wahrgenommen.

Warum blieb der Erfolg der politischen Sozialisation aus Sicht der Autorin begrenzt?

Die übermäßige Politisierung und die Abstraktion der Ideologie führten bei vielen Jugendlichen zu einer Übersättigung und letztlich zu einer Entfremdung vom politischen System.

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Details

Title
Jugend in der DDR: politische Sozialisation und Mentalitätsentwicklung
College
University of Dusseldorf "Heinrich Heine"  (Sozialwissenschaftliches Institut)
Course
Jugend in der DDR
Grade
2,3
Author
Vera Zischke (Author)
Publication Year
2002
Pages
32
Catalog Number
V47975
ISBN (eBook)
9783638447997
Language
German
Tags
Jugend Sozialisation Mentalitätsentwicklung Jugend
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Vera Zischke (Author), 2002, Jugend in der DDR: politische Sozialisation und Mentalitätsentwicklung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/47975
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