Die Arbeit behandelt die Reise des Johannes von Gorze, Abgesandter Ottos des Großen, nach Córdoba an den Hof des ersten Kalifen von al-Andalus Abd al-Rahman III. Dabei soll der Aspekt der Reise von Mitteleuropa in den äußersten Süden der Iberischen Halbinsel, für die damalige Zeit eine enorme Herausforderung, und die Frage nach der Rezeption des Johannes im Vordergrund stehen. In wie weit nutzte der Mönch die Reise, um sein Wissen, moderner ausgedrückt, seinen Horizont zu erweitern. Reiste er nach Süden nur auf der Suche nach Pflichterfüllung gegenüber seinem König und seinem Gott, oder hatte er auch Interesse an dem Neuen, an unbekannten Kulturen und Ländern, wie viele berühmte Reisende des Mittelalters nach ihm. Oder waren solche Gedanken den Reisenden des frühen Mittelalters noch fremd? Wie verhielt sich Johannes während der drei Jahre seines Aufenthalts in einer der größten und prächtigsten Städte ihrer Zeit - in Córdoba?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Reisen im 10. Jahrhundert
2.1. Wer reiste zur Zeit des Johannes?
2.2. Bedingungen der Reise – Straßen, Klima, Gefahren…
2.3. Motive der Reisenden
2.4. Die Bildungsreise im Mittelalter
3. Der Reisebericht Johannes von Gorze
3.1. Die Reise und der Aufenthalt in Córdoba
3.2. Der Kalif von Córdoba
3.3. Die erste Audienz bei Abd al-Rahman III.
3.4. Die zweite Audienz
3.5. Die zeitgenössische Einschätzung der Reise
3.6. Das Verhalten Johannes in Córdoba
4. Abschließende Bewertung der Reise des Johannes nach Córdoba
5. Literatur
5.1. Quellen
5.2. Sekundäre Literatur
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die diplomatische Mission des Mönchs Johannes von Gorze, der im 10. Jahrhundert als Gesandter Ottos des Großen an den Hof des Kalifen Abd al-Rahman III. nach Córdoba reiste, um den kulturellen Austausch und das Spannungsfeld zwischen christlicher Pflichterfüllung und der Begegnung mit einer fremden, hoch entwickelten Kultur zu analysieren.
- Reisebedingungen und Reisekultur im 10. Jahrhundert.
- Die diplomatische Rezeption des Gesandten am Hof von Córdoba.
- Konflikt zwischen christlichem Weltbild und islamischer Kultur.
- Die politische Bedeutung der Gesandtschaft im Kontext der ottonischen Machtpolitik.
- Der Reisebericht des Johannes von Gorze als historische Quelle.
Auszug aus dem Buch
3.1. Die Reise und der Aufenthalt in Córdoba
Johannes brach im Jahre 952 zu seiner Reise mit dem Ziel Córdoba auf, ausgestattet mit einem Schreiben Ottos an Abd al-Rahman. Die genaue Absicht der Gesandtschaft und der Inhalt des Briefes sind heute nicht mehr zu erfahren, doch scheint ein wichtiger Beschwerdepunkt des Königs die in der Provence ihr Unwesen treibenden muslimischen Piraten gewesen zu sein. In Fraxinetum verfügten die Seeräuber über einen Vorposten und unterstanden somit formell dem Kalifen von Córdoba.
Schon zwei Jahre zuvor war eine, von einem mozarabischen Bischof geführte, Gesandtschaft vom Kalifen zum deutschen König geschickt worden, dessen „Ruhm und Großtaten zu den verschiedenen Völkern drang“, so die Einschätzung in der Quelle. Doch Otto weigerte sich die iberische Gesandtschaft zu empfangen, bis schließlich der Bischof über das Warten verstorben war. Lediglich ein Schreiben des Kalifen wurde von Otto entgegen genommen. Zwar handelte es sich nicht um die erste Gesandtschaft eines muslimischen Herrschers aus al-Andalus ins deutsche Reich, dennoch war der Kontakt zwischen Emir oder Kalif und König, geographisch praktisch Nachbarn, eine Ausnahme, während zwischen Córdoba und Konstantinopel, dem anderem großen Reich des frühen Mittelalters, schon längere Zeit ein reger Austausch von Gesandtschaften existierte.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Vorstellung der Forschungsfrage und des methodischen Ansatzes zur Analyse der Reise des Johannes von Gorze sowie Einordnung der Quellenlage.
2. Reisen im 10. Jahrhundert: Untersuchung der allgemeinen Reisebedingungen, Motive und des Verständnisses von Bildungsreisen im frühen Mittelalter.
3. Der Reisebericht Johannes von Gorze: Detaillierte Analyse des Reiseverlaufs, der diplomatischen Audienzen und der persönlichen Interaktionen des Gesandten in Córdoba.
4. Abschließende Bewertung der Reise des Johannes nach Córdoba: Synthese der Ergebnisse über die diplomatische Verhandlungsführung und die kulturelle Haltung des Gesandten.
5. Literatur: Auflistung der verwendeten Primärquellen und der wissenschaftlichen Sekundärliteratur.
Schlüsselwörter
Johannes von Gorze, Córdoba, Abd al-Rahman III., Otto der Große, Bildungsreise, Diplomatie, Frühmittelalter, al-Andalus, Reisebericht, Mittelalter, Kalifat, Kulturkontakt, Gesandtschaft, Religion, Orient.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Gesandtschaftsreise des Mönchs Johannes von Gorze im Auftrag Ottos des Großen an den Hof des Kalifen Abd al-Rahman III. nach Córdoba in den Jahren 952 bis 956.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Zentrum stehen die historischen Reisebedingungen des 10. Jahrhunderts, die diplomatische Komplexität des Aufeinandertreffens zweier verschiedener Machtzentren und das Spannungsfeld zwischen religiöser Standhaftigkeit und kulturellem Austausch.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es zu ergründen, ob Johannes die Reise primär als Pflichterfüllung gegenüber Gott und König verstand oder inwieweit er den Horizont des christlichen Europas durch den Kontakt mit der hoch entwickelten Kultur al-Andalus' erweiterte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich primär auf die quellennahe Interpretation des Reiseberichts des Johannes von Gorze, unter Einbeziehung vergleichender zeitgenössischer Berichte und aktueller wissenschaftlicher Sekundärliteratur.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Analyse der historischen Rahmenbedingungen des Reisens im 10. Jahrhundert sowie eine detaillierte Auswertung des diplomatischen Geschehens in Córdoba, einschließlich der Audienzen und des Verhaltens Johannes.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem: Johannes von Gorze, Córdoba, Abd al-Rahman III., Ottonen, al-Andalus, Diplomatie und interkulturelle Begegnung.
Warum verzögerte sich die Audienz bei Abd al-Rahman III. um drei Jahre?
Der Grund war ein diplomatischer Konflikt: Das Schreiben Ottos des Großen enthielt vermutlich für den Kalifen beleidigende Passagen, woraufhin Abd al-Rahman III. die Annahme des Schreibens verweigerte, um eine diplomatische Krise zu vermeiden.
Welches Bild vermittelt die Quelle von Johannes von Gorze?
Der Bericht zeichnet das Bild eines standhaften, teils starrköpfigen Mönchs, der trotz einer feindseligen Umgebung und kultureller Reize unerschütterlich an seiner religiösen Identität und seinen diplomatischen Anweisungen festhielt.
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- Ulf Krämer (Author), 2003, Johannes von Gorze in Córdoba, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/48005