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Paradigmen der Diversitätspolitik im Wiener Stadtentwicklungsplan 2005

Title: Paradigmen der Diversitätspolitik im Wiener Stadtentwicklungsplan 2005

Seminar Paper , 2005 , 25 Pages , Grade: 1

Autor:in: Peter Robineau (Author), Marijan Raunikar (Author)

Geography / Earth Science - Demographics, Urban Management, Planning
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Das Thema Diversität ist politisch hoch brisant. Der Wahlkampf zur Landtags- und Gemeinderatswahl in Wien im Oktober 2005 hat dies wieder deutlich zum Vorschein gebracht: Fremdenfeindliche Plakate, Agitation gegen Ausländer und Populismus sind scheinbar nicht totzukriegen.

Da reden die einen von Diversität als Schlaraffenland des kulturellen und ethnischen Miteinanders und zukunftsweisendes Paradigma in einer globalisierten Welt. Schlagworte wie Weltoffenheit, Pluralität und Chance durch Vielfalt tauchen in diesem Kontext immer wieder auf. Und gleichzeitig schüren andere Ängste vor Überfremdung und Benachteiligung der einheimischen Gesellschaft durch Zuwanderung aus dem Ausland und erhalten unerwartet hohen Zuspruch für ihre xenophobischen Äußerungen. In

diesem Zusammenhang stellt sich die Frage: Was ist gemeint mit Diversität, wie sie im Stadtentwicklungsplan 2005 als Querschnittmaterie deklariert wird? Ist es auf politischer Ebene Flucht nach vorne nach jahrzehntelanger Desintegrationspolitik oder ernsthafter und nachhaltiger Umdenkprozess? Und welche Chancen hat überhaupt die im STEP 05 propagie rte Diversität von der Bevölkerung umgesetzt und gelebt zu werden? Ist das Diversitätsparadigma ein weltfremdes Konstrukt abgehobener Integrationspolitik oder tatsächlich fruchtbarer Ansatz für eine konfliktfreie multiethnische Lebenswelt? Um diesen Fragen auf den Grund zu gehen, haben wir den Stadtentwicklungsplan 2005 unter die Lupe genommen und Interviews mit ExpertInnen für Diversitätspolitik geführt. Herr Mag. Bernhard Bouzek von der MA 17 (Magistratsabteilung für Integrations- und Diversitätsangelegenheiten) und Frau DI Shams Asadi von der MA 18 (Stadtentwicklung und Stadtplanung), gaben uns in ausführlichen Interviews wertvolle Hilfe zum Verständnis dieses Paradigmas, wie es auf politischer Ebene konzipiert und umgesetzt wird. Herr DI Omar Al-Rawi, Integrationsbeauftragter der österreichischen islamischen Glaubensgemeinschaft, hat das Konzept von der anderen Seite, nämlich jener der MigrantInnen, in einem sehr interessanten Gespräch beleuchtet und uns zahlreiche Impulse für weitere Überlegungen gegeben. Dies sollte uns ein Bild darüber vermitteln, wie Diversitätspolitik in Wien tatsächlich verstanden und im politischen Alltag umgesetzt werden kann, und wie MigrantInnen dieses neue Paradigma wahrnehmen. Des Weiteren haben wir versucht, die Genese dieses Paradigmenwandels zu skizzieren und die Motivation dafür zu klären. [...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. MigrantInnen in Wien – Zahlen und Fakten der jüngeren Gegenwart

3. Retrospektive: Integrationspolitik der 1990er Jahre

4. Das Paradigma des Multikulturalismus

5. Paradigmenwandel in Wien: Von der Integrationspolitik zur Diversitätspolitik

6. Die Rolle ethnischer Gemeinschaften im Integrationsprozess

7. Paradigmen der Diversitätspolitik im Stadtentwicklungsplan 2005

8. Diversitätspolitik im Strategieplan 2004

9. Arbeitsbereiche und Organisation der MA 17 (Magistratsabteilung für Integrations- und Diversitätsangelegenheiten)

10. Resümee

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die Arbeit untersucht kritisch den Paradigmenwechsel von der klassischen Integrationspolitik hin zu einer modernen Diversitätspolitik in Wien, wobei der Fokus insbesondere auf der Implementierung dieses Konzepts im Stadtentwicklungsplan 2005 liegt.

  • Analyse des Wandels der Wiener Migrationspolitik seit den 1990er Jahren
  • Diskussion theoretischer Grundlagen des Multikulturalismus und der Diversität
  • Untersuchung der Rolle der MA 17 bei der Umsetzung diversitätsorientierter Maßnahmen
  • Kritische Reflexion der Konzepte im STEP 05 und Strategieplan 2004
  • Betrachtung der Bedeutung ethnischer Gemeinschaften und der Partizipation von MigrantInnen

Auszug aus dem Buch

4. Das Paradigma des Multikulturalismus: Der internationale Diskurs als Impuls für ein neues Verständnis von Integrationspolitik in Wien

Offene Integrationsmodelle, welche dem Prinzip des Multikulturalismus entsprechen, zeichnen sich gegenüber assimilationistischen Modellen in erster Linie dadurch aus, dass darunter nicht eine Assimilation der MigrantInnen an eine Leitkultur im Vordergrund steht, sondern ein neutraler Integrationsbegriff. Integration wird als interaktiver und komplexer Prozess gesehen, der Sensibilität und Engagement von beiden Seiten erwartet. Im Vordergrund steht eine soziale, ökonomische und rechtliche Gleichstellung. Dies erfordert von den MigrantInnen neben dem Erlernen der Sprache jedoch auch die Kenntnis und Akzeptanz der grundlegenden gesellschaftlichen Ordnungsprinzipien: Die Kompetenz, als Bürger in einem Staat zu handeln (Habermas, 1996, Kap. 8).

Diversität und die Anerkennung der fremden Kultur gilt als integraler Bestandteil dieses Paradigmas. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von einer kulturautonomen Integration, bei der die Akzeptanz ethnischer und kultureller Pluralität wesentliches Charakteristikum ist. Dabei gehen moderne offene Integrationsmodelle davon aus, dass der Integrationsprozess sich auf kollektiver Ebene vollzieht, weniger auf der Individualebene.

Multikulturalismus geht nicht zwangsläufig von Konfliktfreiheit aus. In der Literatur wird hier zwischen einer idealisierenden und einer realistischen Position differenziert. Die realistische Position leugnet nicht das Auftreten von Konflikten, sondern sieht sie eher als Triebfeder zur Entwicklung des Integrationsprozesses. Pluralität ist daher keinesfalls eine verklärte Sicht auf das multikulturelle Miteinander, sondern – wie oben bereites erwähnt – interaktiver Prozess der Annäherung, der oftmals Konflikte nicht ausschließen kann.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die politische Brisanz des Themas Diversität im Kontext des Wiener Wahlkampfs und formuliert die zentrale Fragestellung nach der Nachhaltigkeit und Glaubwürdigkeit des neuen Diversitätsansatzes im Stadtentwicklungsplan.

2. MigrantInnen in Wien – Zahlen und Fakten der jüngeren Gegenwart: Dieses Kapitel liefert eine statistische Bestandsaufnahme der ausländischen Wohnbevölkerung in Wien zum Zeitpunkt der Volkszählung 2001 und unterstreicht die Rolle Wiens als Einwanderungsstadt.

3. Retrospektive: Integrationspolitik der 1990er Jahre: Der Abschnitt zeichnet die restriktive Gastarbeiterpolitik und die migrationspolitischen Entwicklungen der 1990er Jahre nach, die von Konfliktprävention und gesetzlichen Einschränkungen geprägt waren.

4. Das Paradigma des Multikulturalismus: Es werden die theoretischen Grundlagen offener Integrationsmodelle dargelegt und zwischen dem kommunitaristischen und dem liberalen Ansatz der Anerkennung kultureller Vielfalt differenziert.

5. Paradigmenwandel in Wien: Von der Integrationspolitik zur Diversitätspolitik: Dieses Kapitel analysiert den strategischen Wandel der Stadt Wien hin zu einem diversitätsorientierten Ansatz, der Migration als Chance und Entwicklungskapital begreift.

6. Die Rolle ethnischer Gemeinschaften im Integrationsprozess: Hier wird die Bedeutung ethnischer Vereine und Communities als Kommunikationsschnittstellen und Pufferzonen für die Integrationsarbeit hervorgehoben.

7. Paradigmen der Diversitätspolitik im Stadtentwicklungsplan 2005: Das Kapitel untersucht, wie der STEP 05 Diversität als Querschnittsmaterie behandelt und welche konkreten (oder fehlenden) Umsetzungsstrategien für die Stadtentwicklung daraus abgeleitet werden.

8. Diversitätspolitik im Strategieplan 2004: Es erfolgt ein Vergleich des Strategieplans mit dem STEP 05, wobei die konkreteren Zielvorgaben des Strategieplans hinsichtlich Integration und Diversität analysiert werden.

9. Arbeitsbereiche und Organisation der MA 17 (Magistratsabteilung für Integrations- und Diversitätsangelegenheiten): Die Aufgaben, Struktur und Arbeitsweise der neu geschaffenen Magistratsabteilung 17 werden detailliert beschrieben.

10. Resümee: Das Resümee bewertet die Herausforderungen und Stolpersteine, die trotz des politischen Paradigmenwechsels bei der praktischen Umsetzung einer diversitätsorientierten Politik in Wien bestehen.

Schlüsselwörter

Diversitätspolitik, Stadtentwicklung, Wien, Integration, Multikulturalismus, Migration, MA 17, Stadtentwicklungsplan 2005, ethnische Communities, Partizipation, soziale Identifikation, urbane Sozialstruktur, Chancengleichheit, Diversitätsmanagement, Strategieplan 2004.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert den politischen Paradigmenwechsel in der Wiener Stadtentwicklung, der sich von einer rein restriktiven Integrationspolitik hin zu einem umfassenden Diversitätsverständnis bewegt hat.

Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?

Die Schwerpunkte liegen auf der historischen Entwicklung der Integrationspolitik, den theoretischen Diskursen des Multikulturalismus, der institutionellen Verankerung durch die MA 17 und der kritischen Analyse planungspolitischer Instrumente wie dem STEP 05.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das primäre Ziel ist es, den "Diversitätsparadigma"-Begriff zu durchleuchten und zu hinterfragen, ob es sich dabei um einen ernsthaften, nachhaltigen Umdenkprozess oder lediglich um eine politische Neuorientierung zur Überwindung von Problemdenken handelt.

Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse sowie auf Experteninterviews mit Vertretern der Stadtverwaltung (MA 17, MA 18) und Integrationsbeauftragten, um die politische Konzeption und den praktischen Alltag der Diversitätspolitik zu erfassen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Aufarbeitung der 1990er Jahre, die theoretische Fundierung, die spezifische Analyse des STEP 05 und des Strategieplans 2004 sowie eine detaillierte Vorstellung der Organisation und Arbeitsweise der MA 17.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie Diversitätspolitik, Stadtentwicklung, Integration, MA 17, Migration und Partizipation charakterisiert.

Wie bewertet die Arbeit die Rolle der MA 17?

Die MA 17 wird als notwendige institutionelle Weiterentwicklung des ehemaligen Integrationsfonds gesehen, die durch ihre Einbettung in die Magistratsstruktur mehr Schlagkraft erhält, aber gleichzeitig auch in ihrer politischen Unabhängigkeit eingeschränkt wird.

Was bedeutet "Diversität als Querschnittsmaterie" im STEP 05?

Es bedeutet, dass Diversität nicht in einem isolierten Kapitel behandelt wird, sondern als Leitgedanke in möglichst vielen Bereichen der Stadtentwicklung – von der Wohnbauplanung bis zur sozialen Infrastruktur – integriert werden soll.

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Details

Title
Paradigmen der Diversitätspolitik im Wiener Stadtentwicklungsplan 2005
College
University of Vienna
Course
Wiener Stadtentwicklungsplan 2005
Grade
1
Authors
Peter Robineau (Author), Marijan Raunikar (Author)
Publication Year
2005
Pages
25
Catalog Number
V48013
ISBN (eBook)
9783638448284
Language
German
Tags
Paradigmen Diversitätspolitik Wiener Stadtentwicklungsplan Wiener Stadtentwicklungsplan
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Peter Robineau (Author), Marijan Raunikar (Author), 2005, Paradigmen der Diversitätspolitik im Wiener Stadtentwicklungsplan 2005, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/48013
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